Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis)

In der kalten Jahreszeit hat die Magen-Darm-Grippe Hochsaison. Plötzlich einsetzende Bauchschmerzen und –krämpfe, Erbrechen und Durchfall zwingen den Betroffenen zur Bettruhe. Eine medikamentöse Behandlung ist in den meisten Fällen aber nicht nötig, denn die Magen-Darm-Grippe heilt oft spontan.

Magen-Darm-GrippeBei einer Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis) entzünden sich die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes (Foto by: lisafx / Depositphotos)

Bei einer Magen-Darm-Grippe (Fachbegriff: Gastroenteritis) entzünden sich die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes, was typischerweise einen Brechdurchfall hervorruft. Ursächlich für eine Erkrankung sind vor allem Viren, seltener auch Bakterien oder Parasiten.

Die Übertragung einer Magen-Darm-Grippe erfolgt in der Regel über Schmierinfektionen. Durch mangelnde Hygiene gelangen die Erreger aus Erbrochenem und Kot eines Erkrankten auf Gegenstände wie Türklingen. Von dort können die Keime über die Hände und den Mund in den Organismus einer anderen Person eindringen, die sich auf diese Weise ansteckt.

Ein weiterer Ansteckungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Hierbei werden winzige Tröpfchen, die der Erkrankte beim Erbrechen in die Luft abgibt, auf eine andere Person übertragen.

Vorsicht ist auch bei der Einnahme verdorbener oder empfindlicher Lebensmittel geboten, die länger ungekühlt waren, da sich krankmachende Keime hier besonders gut vermehren können.

Die Erkrankung verläuft in den meisten Fällen harmlos. Bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr und Bettruhe verbessert sich der Gesundheitszustand des Betroffenen in der Regel innerhalb weniger Tage. Manchmal verbirgt sich hinter den Symptomen jedoch eine ernste Erkrankung. Vor allem bei länger anhaltendem Erbrechen, starken Schmerzen oder blutigen Ausscheidungen bedarf es einer medizinischen Abklärung.

Auch geschwächte Personen und Kinder sollten bei einer Erkrankung einen Arzt aufsuchen, da der oft rasante Flüssigkeits- und Elektrolytverlust zu schwerwiegenden Komplikationen führen kann.

Ursachen einer Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis)

Eine Magen-Darm-Grippe kann durch zahlreiche Faktoren verursacht werden. Neben psychischen Belastungen, die dem Betroffenen „auf den Magen schlagen“, können die Symptome auch auf ernsthafte Erkrankungen wie Magen-Darm-Geschwüre, Magenkrebs oder chronische Entzündungen des Darms hinweisen.

In den meisten Fällen wird eine Magen-Darm-Grippe jedoch durch Viren, Bakterien oder Einzeller wie Lamblien oder Amöben ausgelöst.

Infektion mit Rotaviren

Die wohl gefürchtetsten Erreger sind das Rotavirus und das Norovirus.

Mit Rotaviren infizieren sich vor allem Säuglinge und Kleinkinder, die bei schwerwiegendem Verlauf der Krankheit schnell dehydrieren, was lebensbedrohliche Folgen haben kann. Die Viren gelten als extrem widerstandsfähig und sind gegen Seife und die meisten Desinfektionsmittel weitgehend resistent.

Infektion mit Noroviren

Eine Infektion mit Noroviren kann vor allem bei kleinen Kindern und älteren Menschen gravierende Folgen haben. Die hochansteckenden Erreger sind ursächlich für heftigen Durchfall, der mit einem ausgeprägten Flüssigkeits- und Elektrolytverlust einhergehen kann. Ist ausreichendes Trinken nicht möglich oder wird die aufgenommene Flüssigkeit sofort wieder ausgeschieden, muss der Betroffene im Krankenhaus behandelt werden.

Chemotherapie als Ursache

In Einzelfällen wird eine Magen-Darm-Grippe durch eine Chemotherapie oder als Folge ionisierender Strahlung ausgelöst, da die erhöhte Radioaktivität zu einer Reizung der Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts führen kann.

Symptome einer Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis)

Symptome Magen-Darm-GrippePlötzlich auftretende, starke Übelkeit kann auf eine Gastroenteritis hindeuten. (Foto by: BrianAJackson / Depositphotos)

Eine Gastroenteritis ist dadurch gekennzeichnet, dass die Symptome in der Regel plötzlich einsetzen. Ein erstes Anzeichen ist starke Übelkeit, die zu Erbrechen führt. Da sich durch das Eindringen der Erreger die Darmwände infizieren, leidet der Betroffene zusätzlich unter Durchfall. Mit dieser Reaktion des Körpers sollen die Erreger so schnell wie möglich ausgeschieden werden.

Dazu wird die zur Verdauung eingesetzte Flüssigkeit im Dickdarm nicht wie üblich entzogen, sondern für eine schnellere Ausscheidung genutzt. Da die Erreger Giftstoffe absondern, kann der Stuhl mitunter blutig sein.

Lang andauernde Brechdurchfälle gehen mit einem hohen Flüssigkeitsverlust einher, was den Körper zusätzlich schwächt und zu Kreislaufproblemen führen kann. Bedingt durch das Unwohlsein und zur Entlastung der angegriffenen Schleimhäute stellt sich Appetitlosigkeit ein. Nicht selten klagen Betroffene über Bauchschmerzen, Müdigkeit, Schwindelgefühle sowie Kopf- und Gliederschmerzen.

Untersuchungen und Diagnose

Anamnese und körperliche Untersuchung

Klingt die Erkrankung nach zwei Tagen nicht wieder ab oder kann der Betroffene keinerlei Flüssigkeit bei sich behalten, sollte ein Arzt aufgesucht werden. In einem Anamnesegespräch wird zunächst erfragt, wie lange der Brechdurchfall bereits besteht, wie oft der Betroffene zur Toilette muss, wie die Konsistenz des Stuhls ist, ob der Stuhl mit Schleim oder Blut vermischt ist und, ob weitere Beschwerden wie Fieber oder Bauchschmerzen bestehen.

Danach erkundigt sich der Arzt nach dem möglichen Bestehen anderer Erkrankungen, nach eingenommenen Lebensmitteln, nach kürzlichen Auslandsaufenthalten und nach der Einnahme von Medikamenten, die als Ursache für das Auftreten der Symptome in Frage kommen. Bei der sich anschließenden körperlichen Untersuchung wird der Bauch abgehört und abgetastet.

Untersuchung im Labor

Verläuft die Erkrankung schwer, wird zur Bestimmung des Erregers eine Stuhlprobe im Labor analysiert. Zusätzlich kann eine Blutuntersuchung sowie eine Harnuntersuchung veranlasst werden.

Magen- oder Darmspiegelung

Lässt sich der Auslöser der Erkrankung trotz der durchgeführten Untersuchungen nicht zweifelsfrei klären, wird eine Magen- oder Darmspiegelung vorgenommen, um ein Magengeschwür oder Magenkrebs auszuschließen.

Ultraschalluntersuchung

Da sich bei Säuglingen und Kleinkindern in seltenen Fällen durch eine Magen-Darm-Grippe Teile des Darms nach innen stülpen (Darmverschluss, Invagination), wird bei Verdacht eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Die Behandlung einer Gastroenteritis beschränkt sich in den meisten Fällen auf Bettruhe und die Aufnahme von genügend Flüssigkeit und Elektrolyte.

Behandlung mit Medikamente

Leidet der Betroffene unter großer Übelkeit, heftigem Erbrechen oder starkem Durchfall können bestimmte Medikamente die Beschwerden lindern. Auch Bauchkrämpfe sind durch die Gabe schmerzstillender Arzneimittel gut behandelbar.

Schonkost

Nachdem die akuten Symptome wie Erbrechen und Durchfall abgeklungen sind, hilft eine Schonkost in Form von Zwieback, Tee und Karotten, die verlorene Energie wieder auszugleichen.

In der Regel klingen die Symptome innerhalb der ersten drei Tage ab und sind binnen einer Woche vollständig verschwunden.

Antibiotika

Bei einer Magen-Darm-Grippe, die durch Bakterien wie Salmonellen, E. coli, Yersinien oder Shigellen ausgelöst wird, können Antibiotika verabreicht werden, um die Erreger gezielt anzugreifen.

Komplikationen

Für Säuglinge, Kleinkinder und ältere Menschen ist eine Erkrankung mit gewissen Risiken verbunden, da sie weitaus empfindlicher auf den Flüssigkeitsverlust reagieren. Daher ist bei schwerem Krankheitsverlauf eine stationäre Behandlung unumgänglich. Eine Infusion mit spezieller Elektrolytlösung wirkt der fortschreitenden Austrocknung entgegen und verhindert so einen Kreislaufzusammenbruch.

Bleibt eine schwere Magen-Darm-Grippe unbehandelt, können sich in seltenen Fällen lebensbedrohliche Komplikationen einstellen. Verliert ein Betroffener durch das Erbrechen und den Durchfall sehr viel Körperflüssigkeit, kommt es zu einer starken Abnahme des zirkulierenden Blutes, was zum Kreislaufversagen führt.

Aufgrund der Appetitlosigkeit und des oft stark ausgeprägten Krankheitsgefühl, wird kaum oder gar keine Nahrung aufgenommen. Der Glykosegehalt im Blut nimmt dadurch stark ab, was eine Unterzuckerung zur Folge haben kann.

Äußerst selten entwickelt sich ein toxisches Megakolon, das durch einen chirurgischen Eingriff behandelt werden muss. Dabei erweitert sich plötzlich der Dickdarm, sodass die Keime aus dem Darminneren ungehindert ins Blut übertreten können.

Prävention und was ich selbst tun kann

Prävention Magen-Darm-GrippeHygiene ist wichtig, um eine Ansteckung einer Magen-Darm-Grippe zu vermeiden. (Foto by: plepraisaeng / Depositphotos)

  • Die Vermeidung verdorbener Lebensmittel und regelmäßiges gründliches Händewaschen sind der beste Weg einer Magen-Darm-Grippe vorzubeugen.
  • Da sich die Krankheit durch Schmier- und Tröpfcheninfektionen überträgt, sollten große Menschenansammlungen vermieden werden.
  • Es ist auch ratsam, nicht jedem Menschen die Hand zu geben.
  • Wenn sich ein Familienmitglied mit der Magen-Darm-Grippe angesteckt hat, ist absolute Hygiene ein Muss.
  • Eine regelmäßige Desinfektion der Toilette und des Waschbeckens sowie die Vermeidung von Körperkontakt verhindern eine Übertragung der Krankheit auf andere.
  • Die Kleidung und die Bettwäsche des Kranken müssen nach überstandener Behandlung bei mindestens 60 Grad gewaschen werden, um die Erreger abzutöten.
  • Um eine bakterielle Infektion aufgrund unzureichend gekühlter oder verdorbener Lebensmitteln zu verhindern, müssen Nahrungsmittel wie Fisch, Fleisch und Meeresfrüchte vor dem Verzehr gut durchgegart werden.
  • Gegen einige Erreger der Magen-Darm-Grippe wie Rotaviren gibt es eine Impfung. Diese wird von einigen Fachgesellschaften für alle Säuglinge und Frühgeborenen empfohlen.


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