Rotavirus

Rotaviren gehören zu den wichtigsten Erregern von Durchfallerkrankungen und stellen weltweit eine große Herausforderung dar. Nahezu jeder Mensch wird in seinem Leben mit dem Rotavirus konfrontiert. Zu über 90 Prozent erfolgt die Infektion jedoch bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter.

RotavirusRotavirus sind die häufigste Ursache für Magen- Darmerkrankungen (Durchfall) im Kindesalter. (Foto by: roobcio / Depositphotos)

Weltweit zählen Infektionen mit Rotaviren zu den häufigsten Durchfallerkrankungen. Hauptsächlich Kinder im Alter bis zu 5 Jahren sind von dieser Infektion betroffen. Laut WHO treten jährlich mehr als 100 Millionen Krankheitsfälle auf. Besonders in den Entwicklungsländern kommt es häufig zu Todesfällen. So registrierte die WHO im Jahre 2008 ca. 453.000 Infektionen mit tödlichem Ausgang.

In höheren Lebensaltern spielt diese Infektion durch die bereits erworbene Immunität keine große Rolle mehr. Spätere Infektionen rufen entweder nur schwache oder gar keine Symptome hervor. Lediglich bei immungeschwächten oder älteren Personen kann es hin und wieder zu schwereren Krankheitserscheinungen kommen. Die immense Bedeutung der Infektion im Säuglings- oder Kleinkindalter machen Maßnahmen erforderlich, die diese Erkrankung in ihrer Schwere und ihrem Verlauf begrenzen.

In der EU kommen aufgrund der guten Behandlungsmöglichkeiten und des Angebotes an Schluckimpfungen nur noch selten Todesfälle vor. Um schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden, hat Österreich als erstes EU-Land eine Empfehlung für die Impfung von Kleinkindern ausgesprochen. Seit Januar 2006 ist die Schluckimpfung fest im Gesamtimpfprogramm Österreichs integriert.

Ursachen für eine Rotavirus-Infektion

Der Virus ist hochinfektiös. Der Übertragungsweg erfolgt in der Regel fäkal-oral. Es wird häufig durch Schmierinfektion übertragen. Auch über die Luft ist eine Übertragung möglich, besonders durch Virenfreisetzung beim Erbrechen. Die Hauptquellen der Infektion sind jedoch kontaminierte Lebensmittel und Trinkwasser. Die Kontaminierung der Lebensmittel und des Wassers ist auch durch die intensivsten Hygienemaßnahmen nicht zu verhindern, da dazu bereits eine kleine Virus-Menge ausreicht. Außerdem sind die Viren extrem widerstandsfähig. Als Folge finden ständig Rotaviren-Infektionen statt, sodass die gesamte Bevölkerung bereits in der frühesten Kindheit mit diesem Virus konfrontiert wird.

Besonders hoch ist die Infektionsrate in den Wintermonaten, weil sich die Viren in der trockenen, warmen Luft der Wohnung leichter verbreiten können.

Symptome einer Rotavirus-Infektion

Nach einer Inkubationszeit von 1 bis 3 Tagen kommt es zunächst zu Fieber und Erbrechen. Es folgen schwere wässrige Durchfälle, die in besonders schweren Fällen 4-5 Tage andauern können. Dabei wurden auch schon bis zu 20 Brechdurchfälle am Tag beobachtet. Besonders für sehr kleine Kinder bis zu einem Alter von 6 Monaten ist die Erkrankung sehr gefährlich, weil es hier infolge dieser Brechdurchfälle zu einer starken Dehydrierung mit gleichzeitigem erheblichen Elektrolytverlust kommen kann.

Während des Verlaufs der Krankheit muss als lebenserhaltende Maßnahme für eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit und Elektrolyten gesorgt werden. Diesen besonders schweren Verlauf der Erkrankung beobachtet man bei ca. jedem 20. infizierten Kind. In der Regel klingen die Beschwerden nach ungefähr 4 Tagen spontan wieder ab, wobei die Ausscheidungen noch bis 8 Tage nach Ende der Durchfälle infektiös sind.

Nach Beendigung der Infektion entwickelt der Körper eine Immunität gegen Rotaviren, die auch kreuzaktiv gegen andere Serotypen reagiert. So ist das Kind nach dem Durchmachen einer Infektion zu 70 Prozent gegen eine weitere Infektion geschützt. Nach 2 Infektionen beträgt der Schutz 85 Prozent.

Untersuchungen und Diagnose

Krankes MädchenTypische Symptome bei einer Infektion mit dem Rotavirus sind Fieber, Erbrechen und Durchfall. (Foto by: svetamart / Depositphotos)

Der Nachweis des Virus in der Stuhlprobe ist mittlerweile sehr einfach über die Elektronenmikroskopie möglich, denn Rotaviren haben eine typische Morphologie. Diese Untersuchung dient auch zur Unterscheidung zwischen den Rotaviren und anderen Durchfall erzeugenden Viren, wie z. B. den Noroviren.

In der aktiven Krankheitsphase kann das Antigen (Kapsaidprotein) über eine Stuhlprobe mittels eines Immunassays identifiziert werden. Das ist möglich, weil in dieser Phase eine hohe Konzentration dieses Protein vorliegt. Allerdings können Fälle einer langfristigen Ausscheidung des Rotavirus nicht erfasst werden, weil dieser Test zu unspezifisch ist. Die Konzentration des Antigens reicht dafür nicht aus.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Eine spezielle Behandlungsmethode bei der aktiven Rotaviren-Infektion gibt es nicht. In schweren Fällen ist eine stationäre Behandlung unbedingt erforderlich. Dort muss dafür gesorgt werden, dass dem Körper genügend Flüssigkeit und Elektrolyte zugeführt werden, um eine Austrocknung und einen Elektrolytverlust zu vermeiden. Früher kam es aufgrund der Dehydratation des Körpers besonders unter den jüngsten Kindern häufig zu Todesfällen. Aufgrund der heute durchgeführten notmedizinischen Maßnahmen ist ein tödlicher Ausgang nur noch selten zu beobachten.

Parallel zu diesen Maßnahmen ist der Organismus meist in der Lage unter Aktivierung der Selbstheilungskräfte die Erkrankung spontan zu beenden. Grundsätzlich sollte das Kind auch bei einer leichteren Form der Erkrankung unter ärztlicher Aufsicht stehen, wobei ein stationärer Aufenthalt nicht unbedingt notwendig ist. Aber auch hier ist zu beachten, dass das Kind sehr viel trinken soll, um einer Austrocknung entgegenzuwirken. Um den Elektrolytverlust auszugleichen, sollten dem Kind mit der Flüssigkeitsaufnahme gleichzeitig auch Mineralsalze zugeführt werden. Zur Beruhigung der Darmschleimhaut sind als Flüssigkeit besonders Tees, wie Kamille-, Pfefferminz- oder Fencheltee geeignet. Aber auch verdünnter schwarzer Tee kann verwendet werden. Der Tee sollte jedoch mit einen Esslöffel Traubenzucker und etwas Salz zum Elektrolytausgleich versetzt werden.

Prävention und was ich selbst tun kann

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme zur Verhinderung einer Rotaviren-Infektion ist die Impfung, da das hochinfektiöse Virus auch bei gründlichsten Hygienemaßnahmen nur schwer eingedämmt werden kann. Seit Januar 2006 hat Österreich eine Impfempfehlung ausgesprochen. Seitdem ist die Impfung gegen Rotaviren im Impfprogramm Österreichs verankert. Es stehen heute zwei Impfstoffe zur Schluckimpfung zur Verfügung.  Es sind sogenannte Lebendimpfstoffe. Sie enthalten beide abgeschwächte lebende Erreger. Die verwendeten Erreger haben keine krankmachende Wirkung mehr, können den Organismus jedoch gegen künftige Rotaviren-Infektionen immunisieren. Der Impfschutz hält in der Regel bis 2 Jahre.

Da aber Kreuzimmunisierungen gegen ähnliche Erreger auftreten, werden eventuell künftige Rotaviren-Infektionen milder verlaufen. Jede weitere Infektion erhöht allgemein den immunologischen Schutz gegen alle Rotaviren-Arten. Die Impfung sollte ab der 6. Lebenswoche bis spätestens zum 6. Lebensmonat eines Kindes erfolgen. Dabei wird die Schluckimpfung 2-3 Mal im Abstand von jeweils 3-4 Wochen wiederholt.

Während einer aktiven Infektion sollte natürlich auch durch eine sorgfältige Hygiene die Weiterverbreitung der Erkrankung erschwert werden.


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