Kinderlähmung

Kinderlähmung (Poliomyelitis) ist eine extrem ansteckende Infektionskrankheit. Doch wegen der Impfung in der Gesellschaft selten geworden. Der Erreger, der die fieberhafte Erkrankung Kinderlähmung auslöst, befällt vor allem die Vorderhörner des Rückenmarks. Dort werden die Bewegungen des Menschen kontrolliert. Es kommt zu Lähmungserscheinungen bis hin zum Tod.

KinderlähmungKinderlähmung (Poliomyelitis) ist eine extrem ansteckende Infektionskrankheit. (Foto by: zurijeta / Depositphotos)

Der Erreger, der die fieberhafte Erkrankung Kinderlähmung auslöst, befällt vor allem die Vorderhörner des Rückenmarks. Dort werden die Bewegungen des Menschen kontrolliert.

Verläuft die Krankheit paralytisch, kann das im schlimmsten Fall zu Lähmungen oder gar dem Tod führen. Daher ist und war die Krankheit immer besonders gefürchtet. Bevor in den 1960er Jahren die Schluckimpfung eingeführt wurde, gab es immer wieder schlimme Polio-Epidemien. In manchen Entwicklungsländern ist die Kinderlähmung nach wie vor verbreitet, die USA und Westeuropa aber haben die Krankheit zu fast 100 % eingedämmt.

Ursachen der Kinderlähmung

Verursacher der Kinderlähmung (Poliomyelitis) ist die Infektion mit RNA-Viren der als Picornaviren benannten Gruppe. Die RNA-Viren werden auch Polioviren genannt und sind extrem ansteckend. Die Übertragung erfolgt in der Hauptsache fäkal-oral, also durch das Aufnehmen kontaminierter Nahrungsmittel oder Getränke. Die Übertragung des Erregers ist vergleichbar mit der Infektion mit Hepatitis A. Sehr selten ist eine Infektion mit Polio-Viren durch Küssen, Husten oder Niesen.

Die Inkubationszeit beträgt 3 – 35 Tage.

Hat die Infektion stattgefunden, breiten sich die Viren im Körper aus und die erste Krankheitsphase mit unspezifischen Krankheitssymptomen tritt auf. Danach folgt ein Intervall, wo es keine Symptome gibt, doch nach diesem tritt der Erreger ins zentrale Nervensystem ein, die zweite Krankheitsphase, mit den typischen schweren Symptomen beginnt.

Symptome und Verlauf

Poliomyelitis wird in drei unterschiedlich schwere Krankheitsverläufe unterteilt:

  • der subklinische Verlauf – die gemilderte Kinderlähmung, Inkubationszeit: 6 – 9 Tage, die Symptome sind Fieber, Halsschmerzen, Kopfschmerzen und Übelkeit, das zentrale Nervensystem ist nicht infiziert
  • der nicht-paralytische Verlauf – drei bis sieben Tage nach der gemilderten Poliomyelitis tritt die sogenannte aseptische Meningitis auf, die Symptome sind Fieber, Nackensteifheit, Muskel- und Rückenschmerzen, das zentrale Nervensystem ist infiziert, betroffen ist von diesem Verlauf etwa 1 % der Polio-Infizierten
  • der paralytische Verlauf – tritt ein bis zwei Tage nach der nicht-paralytischen Poliomyelitis auf, die Symptome sind asymmetrische Lähmungen vor allem der Beine, bleibende Körperdefekte, etwa 0,1 % der Polio-Infizierten sind betroffen

Zusätzlich wird die Kinderlähmung in zwei Krankheitsphasen unterteilt:

  • In der ersten Phase sind die Beschwerden unspezifisch und reichen von Kopfschmerzen und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, über Fieber, Durchfall und Schluckbeschwerden.
  • Die zweite Krankheitsphase macht sich durch die typischen Symptome wie der Hirnhautentzündung (Meningitis), durch Lähmungen (auch Atemlähmungen, die bis zum Tod führen können), Muskel- und Rückenschmerzen und eine erhöhte Sensibilisierung auf äußere Reize bemerkbar. Weiters können bakterielle Infektionen der Atemwege zu Atemlähmungen führen oder es kann eine Herzmuskelentzündung auftreten, die nach der Rekonvaleszenz zu einer Herzschwäche führen kann. Diagnostiziert wird eine Kinderlähmung relativ einfach aufgrund der Lähmungserscheinungen. Doch kommen diese Lähmungen auch bei anderen Krankheiten wie FSME oder Diphtherie vor, darum wird eine Stuhluntersuchung, Untersuchung des Rachensekrets oder der Gehirnflüssigkeit angeordnet, um andere Erkrankungen definitiv ausschließen zu können.

Treten Lähmungen während der Kinderlähmungs-Erkrankung auf, liegt die Todesrate dieser Fälle bei zwei bis zwanzig Prozent. Bei 50 % der erst vollständig Gelähmten bleiben verschieden schwere Restlähmungen zurück. Viele Erkrankte leiden nach überstandener Krankheit an dem sogenannten Post-Polio-Syndrom. Auftretende Schwäche bis zu völligen Erschöpfungszuständen und oft auch Schmerzen treten manchmal erst Jahre nach überstandener Krankheit und unabhängig von der Schwere des Verlaufs auf. Besonders bei Kleinkindern und Säuglingen konnten sehr schwere Verläufe beobachtet werden.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Die beste Behandlung ist eine Schutzimpfung, die die Beschwerden lindern. Eine kausale Behandlung der Erkrankung mit Medikamenten ist nicht möglich, darum werden in erster Linie die Beschwerden gemildert. Die Therapiemaßnahmen sind:

  • unbedingte Bettruhe, selbst wenn es sich erst nur um einen Verdacht auf eine Polioinfektion handelt
  • fiebersenkende Mittel
  • eine wechselnde Lagerung des Patienten bei Lähmungen
  • Gymnastik mit dem Erkrankten
  • wenn erforderlich intensiv medizinische Betreuung, künstliche Beatmung

Der Patient sollte sofort bei Auftreten der ersten Lähmungserscheinungen in ein Krankenhaus, damit im Notfall eine künstliche Beatmung eingesetzt werden kann. Nach überstandener Erkrankung muss mit einer Physiotherapie begonnen werden.

Prävention und was ich selbst tun kann

Schutzimpfung KinderlähmungEs wird eine Schutzimpfung gegen Kinderlähmung empfohlen! (Foto by: evgenyataman / Depositphotos)

Zwar sind Menschen, die eine Kinderlähmung-Erkrankung hinter sich haben, gegen den einen Virus, der sie verursacht hat, ein Leben lang immun, nicht aber gegen die anderen Polio-Viren der Untergruppe. Die Kinderlähmung ist eine außerordentlich gefährliche Erkrankung und speziell für kleine Kinder lebensbedrohend. Darum sollte eine Impfung nicht zur Diskussion stehen. Nur durch die Schutzimpfung sind alle Personengruppen, insbesondere die Kinder, immun gegen die aggressiven Polio-Viren. Durch eine konsequente Impfstrategie in den westlichen Ländern und den USA, konnte die Erkrankung nahezu ausgerottet werden. Doch immer wieder kommt es vor, dass ein Virus eingeschleppt wird. Neu ist ein Impfstoff, der injiziert werden kann und die Schluckimpfung ablöst. Auch Menschen mit einer Immunschwäche, wie an AIDS erkrankte Personen, können sich ohne Risiko mit diesem Impfstoff gegen eine mögliche Kinderlähmungserkrankung absichern.


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