Zuckerkonsum: Warum unser Körper keinen Zucker mag

Jeder Österreicher konsumiert durchschnittlich 36 Kilogramm Zucker pro Jahr. Doch wie schädlich ist dieser wirklich? Macht er dick und krank?

ZuckerZucker kann schädlich auf unsere Gesundheit und unseren Körper wirken. (Foto by: bit245 / Depositphotos)

Zuckersüß rund um die Uhr

Lediglich 17 Prozent von den 36 Kilogramm konsumierten Zucker werden vom Verbraucher als Haushaltszucker gekauft. Der größte Anteil an Zucker wird durch Fertigprodukte, Brot, Säfte und Süßigkeiten frei Haus und ohne Bestellung geliefert – zur Überraschung manchen Verbrauchers. Zucker ist ein preisgünstiges Lebensmittel, es konserviert und wird industriell hergestellten Produkten zugesetzt, um den Geschmack zu verbessern.

Die süße Sucht

Die wenigsten Menschen halten sich für süchtig nach Zucker. Das mag daran liegen, dass kontinuierlich Zucker über Nahrung aufgenommen wird. Süchte hinterlassen erst bei Entwöhnung ihre Auswirkungen. Die Symptome der Zuckerentwöhnung sind:
  • Leistungsabfall
  • schlechte Laune
  • Hunger

Auch die Geschmacksnerven sind derart an zuckerhaltige Nahrung gewöhnt, dass natürliche Lebensmittel ohne Zusatz nicht mehr schmecken.

Zucker macht glücklich

Das Gefühl von Leichtigkeit und guter Laune nach Zuckergenuss, kennt fast jeder. Zucker fließt annähernd sofort nach dem Verzehr ins Blut. Insulin wird produziert, denn der Zucker darf nicht im Blut bleiben. Er wird zwecks Energiegewinnung in Körperzellen und Organen benötigt.
 
Je mehr Zucker konsumiert wird, desto mehr steigt der Insulinspiegel. Einerseits aktiviert Insulin die Herstellung von Serotonin, dem Glückshormon, im Gehirn. Und andererseits ist ein hoher Insulinspiel entzündungsfördernd und damit Grundlage vieler Erkrankungen. Nur ein kurzzeitiger Anstieg von Insulin macht demnach glücklich. Haushaltszucker hat allerdings die Eigenschaft, den Insulinspiegel in die Höhe zu schießen. Wird kein Zucker mehr nachgeliefert, fällt der Insulinspiegel drastisch ab. Müdigkeit stellt sich ein.

Die optimale Zuckerdosis wurde in Studien herausgefunden, diese liegt bei 2,5 Esslöffeln Zucker. Der Serotoninspiegel steigt und mit ihm das Glücksgefühl. Eine höhere Dosis verbessert das Ergebnis nicht mehr. 2,5 Esslöffel Zucker sind allerdings schnell erreicht, insbesondere dann, wenn industriell hergestellte Nahrungsmittel im Speiseplan enthalten sind. Und beim Haushaltszucker bleibt das generelle Problem bestehen.

Zucker und Zucker – es gibt Unterschiede

Zucker ist nichts anderes als Kohlenhydrate. Es gibt drei verschiedene Formen:

  1. Glukose
  2. Fructose
  3. die Galaktose, der Milchzucker

Wesentlich bei der Aufnahme von Zucker ist der Blutzuckerindex. Je schneller der Zucker in das Blut gelangt, desto höher ist die Insulinantwort. Glukose (und damit insbesondere Haushaltszucker) hat einen sehr hohen Blutzuckerindex. Insulin wird nach Aufnahme von Glukose in Mengen produziert. Die Insulinrezeptoren sind überlastet. Sie können keine Glukose mehr aufnehmen. Der Körper leidet an Energiemangel und daher wird weiterhin Insulin produziert, allerdings landet die Glukose jetzt in Fettzellen und die erste Folge ist  Übergewicht.

Im Gegensatz zu Früchten und Gemüse, die Fructose und ebenfalls Kohlenhydrate enthalten, hat industriell hergestellter Zucker wenig zu bieten. Der Körper enthält keine Ballaststoffe, Mineralstoffe und Vitamine. Er hungert aus – unabhängig von möglichem Übergewicht.

Der gesundheitliche Nutzen der Fructose hängt von der Art des gewählten Lebensmittel ab. Bio-Obst, das in Maßen gegessen wird, ist gesund. Problematischer wird es bei Obst, das auf einen hohen Zuckergehalt gezüchtet wurde und ebenfalls bei Fruchtsirup. Hier liegt ein hoher Fructoseanteil vor. Insulin ist zwar nicht erforderlich um Fructose zu verarbeiten, allerdings wird der Dünndarm bei einem hohen Anteil an Fructose überfordert. Es kommt zur Fructose-Malabsorption. Die Folgen sind Bauchschmerzen, Gasbildung und Durchfall.

Auch die Galaktose, der Milchzucker, wird insulinunabhängig verstoffwechselt. Durch die Aufnahme von Milchprodukten wird Laktose im Dünndarm zu Galaktose und Glukose aufgespalten. Galaktose ist wesentlich für die Erhaltung der Zellen. Eine vorliegende Laktoseintoleranz führt zum Verzicht auf Milchprodukte. Galaktose soll allerdings laut neurologischen Studien eine positive Wirkung auf die Gedächtnisleistung haben und sogar bei demenzkranken Menschen zu einer Verbesserung der Gedächtnisleistung führen. Die Galaktose wird in medizinischen Fällen als spezielles Glukosepulver eingenommen. Über den Gesundheitseffekt von Milchprodukten und ebenfalls zur Galaktose gibt es sehr unterschiedliche Aussagen, die nicht deckungsgleich sind. Grünes Gemüse und Nüsse wären eine Alternative, um den Kalziumbedarf zu decken.

Mineralstoffmangel und seine Folgen

Ein Mangel an Nährstoffen hat Auswirkungen auf das Immunsystem. Alterungsprozesse werden beschleunigt. Osteoporose, Diabetes, Gelenkentzündung (Arthritis), Asthma sind nur einige der Erkrankungen, die mit hohem Zuckerkonsum in Verbindung stehen. Entscheidend dafür könnte die Beeinträchtigung der Darmflora sein, die einen Großteil des Immunsystems steuert.

Die Folgen des Zuckerkonsums

Die Folgen sind erheblich, weil Zucker an vielen Stellen des Körpers sein zerstörerisches Werk betreibt. Der hohe Insulinspiegel hat u.a. Einfluss auf Blutgefäße und die Bauchspeicheldrüse. Zucker schädigt das Gehirn und er zerstört ebenfalls das Darmmilieu. Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, neurodegenerative Erkrankungen. Die Liste an Erkrankungen, die durch einen erhöhten Zuckerkonsum entstehen, ist lang.

Nie mehr Zucker?

Fruchtzucker ist das geringere Übel, da Fruchtzucker den Insulinspiegel nur langsam ansteigen lässt. Süße Früchte sind aber ebenfalls nicht das Mittel der Wahl, wenn sie in großen Mengen verzehrt werden, da die Fruchtsäure wiederum negative Auswirkungen auf den Körper hat (Karies).
 
Früchte liefern im Gegensatz zu Haushaltszucker aber immerhin Vitamine und Mineralstoffe und sind für den normalen Verzehr geeignet. Gemüse und Salate schmecken zwar allgemein nicht unbedingt nach Zucker, enthalten aber die vom Körper benötigten Kohlenhydrate und sie decken den Bedarf an Nährstoffen auf gesunde Weise.

Gesündere Alternativen

Alternativen zu HaushaltszuckerEs gibt einige gesündere Alternativen zu herkömmlichen Haushaltszucker. (Foto by: egal / Depositphotos)

Gesunder Zucker ist natürlicher Zucker. Kokosblütenzucker, Ahornsirup, Honig und Stevia gehören dazu. Auch Datteln eignen sich hervorragend, um Speisen zu versüßen. Honig hat zwar einen sehr hohen glykämischen Index und lässt den Blutzuckerspiegel rapide ansteigen. Studien belegen aber einen gesundheitlichen Nutzen. Auch alle anderen Ersatzzucker schneiden im Vergleich zum Haushaltszucker deutlich besser ab, da Vitamine und Mineralstoffe weiterhin enthalten sind.

Zuckerentwöhnung macht Sinn

Wer nach Wochen eines zuckerfreien Lebens feststellt, dass natürliche Speisen durchaus einen Geschmack besitzen, wird Haushaltszucker bei erneutem Versuch nur noch als unangenehm süß empfinden.
 
Kohlenhydrate werden vom Körper generell benötigt. Es kommt allerdings auf die Menge an. Industriell hergestellte Lebensmittel weitgehend zu vermeiden, ist vermutlich kein Fehler, da nicht nur Zucker zugesetzt wird, sondern ebenso Konservierungsstoffe, Emulgatoren und Bestandteile, die eher an Substanzen aus einem chemischen Labor erinnern.
 
Gesundheit basiert auf einem gesunden Lebensstil. Die Ernährung ist dabei ein wesentlicher Faktor.

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