Genitaler Herpes

Jucken, Brennen, Hautbläschen – unangenehme Folgen eines Herpes genitales. Die Virusinfektion gehört zu den verbreitetsten Geschlechtskrankheiten weltweit. Doch viele Menschen tragen den Virus in sich, ohne es zu ahnen. Denn nicht selten verlaufen Infektionen auch symptomlos.

Genitaler HerpesSymptome bei Genitalherpes sind schmerzende, kleine und juckende Bläschen an den Genitalien. (Foto by: gwolters / Depositphotos)

Der Herpes genitales gehört zur Familie der Herpesviren. Während der Herpes simplex Virus Typ 1 in der Regel zu einem Herpes labialis, also einem Lippenherpes, führt, lösen Herpesviren des Typ 2 vor allem Beschwerden im Genitalbereich aus. Bei bis zu zwei Dritteln der Erkrankten wird ein Herpes genitales durch diesen Virus-Typ hervorgerufen.

Herpesviren setzen sich in bestimmten Zellen des Nervensystems fest und sind daher nicht gänzlich zu vernichten. Menschen, die sich einmal angesteckt und eine solche Virus-Infektion durchlaufen haben, tragen den Virus lebenslang in sich. Die DNA des Virus setzt sich im Neuronzellkern fest, produziert aber zunächst keine weiteren Viren. Die Patienten sind beschwerdefrei. Es kann jedoch im weiteren Verlauf immer wieder zu weiteren Krankheitsschüben kommen. Manchmal auch erst nach Jahren.

Ursachen von genitalem Herpes

Herpes genitales-Viren werden fast ausschließlich über infizierte Körperflüssigkeiten, also ungeschützten Geschlechts- oder auch Oral-Genitalen-Verkehr übertragen. In seltenen Fällen kann auch ein Herpes vom Typ 1 zu einem Herpes genitales führen. Dabei infizieren sich Frauen im Durchschnitt etwas häufiger als Männer. Und auch mit dem Alter nimmt die Prävalenz deutlich zu.

Ein erhöhtes Risiko, an einem Herpes genitales zu erkranken, haben sexuell aktive Menschen mit häufig wechselndem Partner, etwa Prostituierte oder auch Homosexuelle. Insbesondere dann, wenn sie kein Kondom benutzen. Da viele latent Infizierte nicht wissen, dass sie den Virus in sich tragen, ist die Gefahr der weiteren Ansteckung und Verbreitung des Virus sehr hoch.

Verschiedene Faktoren können dazu führen, dass die Erkrankung erneut ausbricht. Auslöser eines so genannten Rezidivs können beispielsweise sein:

  • physischer oder emotionaler Stress
  • eine ungesunde Lebensweise
  • eine Erkältung
  • ein insgesamt geschwächtes Immunsystem

Symptome von genitalem Herpes

Die ersten typischen Symptome treten innerhalb von drei bis sieben Tagen auf, in seltenen Fällen können auch zwei bis drei Wochen vergehen. Zunächst äußert sich der Herpes genitales durch Beschwerden im Bereich der Genitalien. Neben Penis, Scheide und Schamlippen können diese auch im Analbereich, der Hodenregion, dem Gesäß oder auch den Oberschenkeln auftreten.

Oftmals sind die betroffenen Stellen gerötet und schwellen an. Im weiteren Verlauf bilden sich Bläschen, die zu einem Kribbeln, Juckreiz oder Brennen führen. Auch ein vermehrter Ausfluss (Fluor vaginalis) ist möglich. Später trübt sich die Flüssigkeit im Innern der Bläschen. Nach weiteren ein bis zwei Tagen platzen die Bläschen auf, trocknen aus und verkrusten.

Mitunter können

  • Kopf- und Glieder- wie Muskelschmerzen
  • geschwollene Lymphknoten (hier vor allem in der Leistengegend) 
  • Wasseransammlungen im Gewebe
  • Fieber

die Symptome begleiten.

Die Beschwerden klingen zumeist innerhalb mehrerer Tage wieder ab und auch die durch die Bläschen verursachten Verkrustungen heilen aus und verschwinden nach zwei bis drei Wochen.

Kommt es zu einem Rückfall, so verläuft dieser zumeist milder als die Erstinfektion. Die Beschwerden treten nicht mehr so akut auf. Oftmals verläuft ein solcher Krankheitsschub aber auch gänzlich ohne Symptome.

Untersuchungen und Diagnose

Da der Herpes genitales ähnliche Symptome aufweist wie beispielsweise ein Pilzbefall oder eine bakterielle Scheideninfektion ist in jedem Fall ein Facharzt zu Rate zu ziehen, der die Ursache der Beschwerden genauer abklärt. Von einer Selbstbehandlung ist unbedingt abzuraten.

Ein Herpes genitales lässt sich in der Regel gut identifizieren. Der Nachweis des entsprechenden Virus erfolgt anhand eines Labortests. Der behandelnde Gynäkologe wird dafür von der Bläschenflüssigkeit einen Abstrich vornehmen. Die mikroskopische Untersuchung im Labor gibt Aufschluss darüber, um welchen Typ des Herpes simplex Virus es sich handelt.

Durch einen weiteren Test, mit dem sich Antikörper im Blut nachweisen lassen, kann der Arzt die Diagnose sichern. Wie aktiv der Virus jeweils ist, lässt sich jedoch nicht bestimmen. Ist der Herpes genitales diagnostiziert, ist es erforderlich, dass sich auch die Sexualpartner des Erkrankten einer genauen Amnese und Untersuchung unterziehen.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Anders als bei einem Herpes simplex vom Typ 1 erfolgt die Behandlung eines Herpes genitales nicht vordergründig durch Cremes, sondern überwiegend medikamentös. Der Herpes genitales ist zwar nicht heilbar, jedoch tragen Wirkstoffe wie Aciclovir, Famiciclovir und Valaciclovir dazu bei, dass sich der Krankheitsverlauf abschwächt. Diese Medikamente, die zumeist in Tablettenform verabreicht werden, verhindern eine weitere Ausbreitung des Virus und mildern die Beschwerden.

Auch Rückfälle treten bei Behandlung mit diesen Wirkstoffen deutlich seltener auf. In der Regel muss der betroffene Patient die Medikamente über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen einnehmen. Auch eine Verabreichung in Salbenform ist möglich. Grundsätzlich richtet sich die Therapie aber nach der Schwere der Erkrankung und des Verlaufs. Ein leichter Genitalherpes kommt unter Umständen auch ohne medikamentöse Behandlung aus, während es in schweren Fällen nötig werden kann, eine Infusion zu setzen. Auch wenn häufiger Rezidive auftreten, ist eine längerfristige Medikamentengabe angezeigt. Grundsätzlich ist der Behandlungserfolg abhängig vom Zeitpunkt des Therapiebeginns. Je früher der Herpes erkannt und behandelt wird, desto besser lassen sich die Viren in Schach halten.

Schwangere und ihre ungeborenen Kinder

Genitaler Herpes in SchwangerschaftGenitaler Herpes birgt für Schwangere ernst zu nehmende Gefahren. (Foto by: mark@rocketclips.com / Depositphotos)

Ein Herpes genitales verläuft in der Regel harmlos. Für Schwangere und ihre ungeborenen Kinder birgt er jedoch ernst zu nehmende Gefahren. Bringt eine infizierte Mutter ihr Kind vaginal zur Welt, kann sich bei diesem ein Herpes neonatorum entwickeln und zu einer lokalen Infektion der Augen, der Mundhöhle oder auch der inneren Organe führen.

Auch bereits während der Schwangerschaft ist es möglich, dass sich der Herpesvirus über die Gebärmutter auf das ungeborene Kind überträgt. Ist eine Mutter infiziert, ist eine Entbindung per Kaiserschnitt zu empfehlen. Sie kann eine Infektion verhindern.

In einigen Fällen kann bei einer Erstinfektion auch eine milde Form der Meningitis auftreten. Seltener entwickeln Patienten eine autonome Dysfunktion der Blase. Auch Impotenz, Verstopfung oder Sensibilitätsstörungen können in Ausnahmefällen die Folge eines Herpes genitales sein.

Prävention und was ich selbst tun kann

Der beste Schutz vor einem Herpes genitales ist ein Kondom, da viele Menschen das Virus in sich tragen, ohne es zu wissen. Erst recht ist bei einer Infektion mit Beschwerden von ungeschütztem Geschlechtsverkehr abzuraten. Selbst noch Wochen nach Abklingen der Symptome besteht die Gefahr, das Virus auf den Partner zu übertragen.

Insbesondere, wenn die Bläschen sichtbar werden, ist die Ansteckungsgefahr besonders hoch. In dieser akuten Krankheitsphase sind sexuelle Kontakte besser ganz zu vermeiden. Auch eine entsprechende Körperhygiene ist wichtig. Ein Kontakt mit den Bläschen sollte der Erkrankte möglichst vermeiden, sich zumindest aber stets sorgfältig die Hände waschen.

Patienten mit mehreren Krankheitsschüben im Jahr sollten in Absprache mit dem Arzt, bei einem Rückfall die Therapie sofort und selbstständig beginnen. Hier empfiehlt sich, das Medikament bereits im Haus und somit im Bedarfsfall schnell zur Hand zu haben.


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