Rheumatoide Arthritis

"Rheuma" ist ein Schlagwort, das gern fehlinterpretiert wird. Zwischen der Bedeutung des Wortes im Volksmund und der medizinischen Terminologie liegen Welten: Während für manch einen jede Art von Rückenschmerz schon "Rheuma" ist, ist die "Rheumatoide Arthritis" ganz anders definiert...

Rheumatoide ArthritisRheumatoide Arthritis ist eine Entzündung mit Hauptmanifestation an Hand- und Fingergelenken. (Foto by: Hriana / Depositphotos)

Die rheumatoide Arthritis, auch chronische Polyarthritis genannt, ist eine oft schubweise verlaufende systemische Entzündung mit Hauptmanifestation an Hand- und Fingergelenken, Morgensteifigkeit und fortschreitender, schmerzhafter Zerstörung der Gelenkflächen. Auch andere Weichteile und Organe können betroffen sein.

Die Krankheit trifft statistisch häufiger Frauen als Männer, der Erkrankungsgipfel liegt um das 40. Lebensjahr herum. Die rheumatoide Arthritis gehört medizinisch eingeordnet zu den entzündlichen Gelenkerkrankungen, zum sogenannten "rheumatischen Formenkreis" (zu dem freilich noch weitere, ganz andere Krankheiten gehören - Rheuma ist nicht gleich Rheuma), und damit im weitesten Sinne zu den Autoimmunerkrankungen.

Ursachen von rheumatoider Arthritis

Die Ursachen von rheumatoider Arthritis sind weitestgehend unbekannt, wie dies bei den meisten Autoimmunphänomenen der Fall ist. Eine Überaktivität von Bestandteilen des körpereigenen Abwehrsystems scheint irgendwie dazu zu führen, dass das Immunsystem sich gegen Gewebe des eigenen Körpers richtet - im Falle der rheumatoiden Arthritis ist dabei vor allem das Knorpelgewebe in kleinen Gelenken "der Leidtragende".

Beobachtet wird in vielen Fällen eine genetische Disposition: Bis zu 80 Prozent der Patienten mit rheumatoider Arthritis sind HLA-DR4-positiv - das bedeutet, dass sie eine bestimmte Ausprägung eines bestimmten Gens des Immunsystems (HLA-DR4) haben, welches als Grundlage für die spätere Auslösung der chronischen Entzündung eine Rolle zu spielen scheint. Dies alles ist zwar sehr vage, bedeutet aber, dass es oft eine familiäre Häufung von Krankheitsfällen gibt. In der "gesunden Allgemeinbevölkerung" trägt jedoch auch jeder Vierte das HLA-DR4-Gen, ohne jemals rheumakrank zu werden - eine klare Ursachen-Wirkungs-Beziehung liegt also nicht vor.

Auslöser der Erkrankung (auf der genetischen Veranlagung) sind möglicherweise virale Infekte: zum Beispiel werden Epstein-Barr-Viren verdächtigt, welche medizinisch bekannt sind als Verursacher des Pfeiffer'schen Drüsenfiebers. Diese oder andere Viren scheinen dass Immunsystem mit seiner autoimmunen Veranlagung derart zu stimulieren, dass es am Ende zu einem Angriff auf körpereigenes Gewebe kommt. Der entzündliche Prozess beginnt in der Gelenkkapsel mit einer Gewebsvermehrung der Gelenkinnenhaut, welche sich dann auf Dauer in Knorpel und Knochen "hineinfrisst" und diesen zerstört.

Symptome bei rheumatoider Arthritis

Die Symptome einer rheumatoiden Arthritis sind sehr vielfältig - es gibt jedoch einige "klassische" Beschwerdebilder, welche den Verdacht eines Arztes schnell auf die Krankheit lenken würden.

Neben unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Abgeschlagenheit und gelegentlich erhöhten Temperaturen sind die typischen Symptome:

  • Morgensteifigkeit der Gelenke (welche sich im Laufe des Tagen lösen)
  • symmetrische Schwellung von Hand-, Fingergrund- und -mittelgelenken, Schmerzen in Ruhe, bei Druck sowie unter Belastung
  • Funktionseinschränkungen durch die Schmerzen und die Schwellung

Auch der schubweise Verlauf ist ein typischer Bestandteil der Erkrankung.

Auf der Haut von chronisch betroffenen Patienten finden sich in 20 Prozent der Fälle verschiebliche, weiche Rheumaknötchen, welche meist an den Streckseiten überhalb von Gelenken sitzen und ebenfalls Ausdruck einer Entzündungsreaktion sind.

Im Spätstadium wird die Fingermuskulatur schwächer (Atrophie), die Finger deformieren sich zunehmend und weisen dabei vor allem zur Kleinfingerseite hin (Ulnardeviation) und die Gelenke werden zerstört und verknöchern.

Darüber hinaus sind Beteiligungen von anderen Weichteilen oder auch inneren Organen möglich (Auge, Lunge, Milz, ...), die Grenzen zu anderen rheumatischen Krankheitsbildern sind dann jedoch manchmal fließend. Der oben beschriebene Verlauf entspricht jedoch der mit Abstand häufigsten Ausprägung einer rheumatoiden Arthritis.

Untersuchungen und Diagnose

Behandlung Rheumatoide ArthritisBei fortgeschrittener Gelenkzerstörung kommt Chirurgie zum Einsatz. (Foto by: alexraths / Depositphotos)

Anamnese

Zur Diagnosestellung ist für den Arzt zunächst einmal die Anamnese sehr wichtig, also die Befragung hinsichtlich der Beschwerden, der medizinischen Vorgeschichte und auch des eventuellen Vorliegens rheumatischer Erkrankungen im Familienkreise.

Blutuntersuchung

Anhand einiger der oben genannten Symptome als Kriterien kann die Diagnose bereits gestellt werden, zudem kann das Vorliegen von Rheumafaktoren im Blut (einfache Blutentnahme) die Wahrscheinlichkeit der Diagnose weiter eingrenzen.

Bei den Rheumafaktoren handelt es sich um messbare Autoantikörper im Blut, die bei bis zu 80 Prozent der Patienten mit rheumatoider Arthritis zu finden sind, jedoch auch bei anderen rheumatischen Erkrankungen und auch in der "gesunden" Normalbevölkerung vorliegen können. Auch hier besteht also wieder keine klare Beziehung zwischen Messwert und Krankheit.

Dasselbe gilt für weitere Entzündungszeichen im Blut, die gemessen werden können und erst in der Zusammenschau mit dem typischen Beschwerdebild und anderen Parametern die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis wahrscheinlich machen.

Röntgenuntersuchung

Hilfreich für die Diagnoestellung ist weiterhin das Röntgenbild der betroffenen Gelenke, also meistens der Hand: Hier finden sich mit fortschreitender Erkrankung immer weitere typische Röntgenzeichen, die Ausdruck der Entzündung und Zerstörung der Gelenkflächen sind.

Gelenkpunktion

Ein geschwollenes Gelenk kann darüber hinaus auch punktiert werden: Im Erguss findet man dann unter dem Mikroskop spezielle Entzündungszellen, welche zu einer rheumatoiden Arthritis passen.

Es gibt eine Vielzahl anderer rheumatischer oder entzündlicher Gelenkerkrankungen, welche von der rheumatoiden Arthritis abgegrenzt werden können und müssen. Insbesondere die Infektion eines Gelenks (septische Arthritis), aber auch Gichtanfälle oder eine reaktive Arthritis nach Magen-Darm-Infekten werden ganz anders behandelt und müssen daher früh erkannt werden. Trotz sorgfältiger Anamnese, Untersuchung und der ergänzenden Labor- und bildgebenden Untersuchungen ist eine definitive Einordnung aber oftmals nicht sofort möglich.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Die Therapie der rheumatoiden Arthritis ist dadurch geprägt, dass eine kausale Behandlung auch mit moderner Medizin nicht möglich ist. Da die Ursache der Erkrankung im Dunkeln liegt (siehe oben), kann das Übel natürlich auch nicht an der Wurzel gepackt werden. Es bleiben somit nur symptomatische Maßnahmen, um die Beschwerden der Entzündung zu lindern und die Anzahl der Schübe zu verringern. Diese Maßnahmen sind jedoch teilweise sehr effektiv und hilfreich.

Zur Hemmung der Entzündung und Unterdrückung des Immunsystems können auch Glukokortikoide (Kortisonpräparate) wie Prednisolon eingesetzt werden. Diese werden oft dauerhaft eingenommen, haben jedoch bei zu hoher Dosierung Nebenwirkungen wie Osteoporose oder den Morbus Cushing.

Recht neu sind die sogenannten "Biologicals", künstlich hergestellte Antikörper gegen die Autoimmunfaktoren im Körper. Sie sind zur Zeit noch recht teuer (da aufwendig herzustellen), können aber in schwerwiegenden Fällen bereits zum Einsatz kommen und könnten die Zukunft der Rheuma-Therapie sein.

Sehr wichtig und effektiv ist neben der medikamentösen Therapie auch die Begleittherapie, vor allem die physikalische Therapie mit Kälteanwendungen, vorübergehender Ruhigstellung und vorsichtiger krankengymnastischer Mobilisation in der akuten Krankheitsphase.

Nach Abklingen des Schubes können dann Wärme, Bewegungsübungen, Ergotherapie und Rehabilitationsmaßnahmen zum Einsatz kommen, welche die Lebensqualität von Betroffenen oft enorm verbessern.

Bei fortgeschrittener Gelenkzerstörung kommt zudem Chirurgie zum Einsatz: Entfernung von entzündlicher Gelenkhaut, Korrekturoperationen, Gelenkversteifungen und Gelenkersatz sind invasive Möglichkeiten, welche aber natürlich eher den schweren Fällen vorbehalten sind und nicht wahllos oder dauerhaft wiederholt durchgeführt werden können.

Prävention und was ich selbst tun kann

Prävention rheumatoide ArthritisSchwimmen ist eine gelenkschonende Sportart. (Foto by: CroMary / Depositphotos)

Eine Prävention der rheumatoiden Arthritis ist nach heutigem Kenntnisstand nicht möglich. Da es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, an welcher kein Betroffener selber Schuld trägt, lassen sich hier auch keine sinnvollen Vorsorgeratschläge geben.

Doch ist regelmäßige, gelenkfreundliche Bewegung, beispielsweise Schwimmen oder Radfahren, sinnvoll.


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