Pantoprazol

Pantoprazol (Pantozol®) ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der sogenannten Protonenpumpeninhibitoren. Daneben gehören auch Medikamente wie Omeprazol (Antra®), Esomeprazol (Nexium®), Lansoprazol (Agopton®) und Rabeprazol (Pariet®). Protonenpumpenhemmer sind die am stärksten wirksame Säuresekretionshemmer und hemmen somit die Ausschüttung von Magensäure.

Wirkung von Pantoprazol

Der zentrale Prozess der Sekretion von Magensäure besteht darin, dass eine energieabhängige, in der Membran der Magenzellen befindliche Protonenpumpe Protonen in den Magen transportiert. Daneben werden auch Chloridionen in den Magen transportiert. Es ensteht die aggressive Salzsäure, welche einen großen Anteil der Magensäure bildet. Weitere Anteile betreffen Wasser und Enzyme, die für die erste Verdauung im Magen erforderlich sind.

Pantoprazol hemmt als Protonpumpeninhibitor diesen Prozess, indem es verhindert, dass zu viele Protonen, die für das saure Milieu im Magen zuständig sind, transportiert werden. Der Magensaft wird dadurch weniger sauer und die Produktion der Magensäure wird verringert.

Anwendung

Pantoprazol wird bei den verschiedensten Magen-Darm-Problemen angewandt, dazu gehören unter anderem:

  • gastroösophageale Refluxkranheit, das heißt dem chronischen Aufstoßen von Magensäure
  • Sodbrennen
  • Zollinger-Ellison-Syndrom
  • Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni)
  • Ulcus ventriculi (Magengeschwür)
  • Dyspepsie (verschiedene Formen der Verdauungsstörungen)

Unter anderem können Schmerzen bei Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren, Schmerzen bei einer Speiseröhrenentzündung und säurebedingte Erkrankungen Sodbrennen durch die Einnahme von Pantoprazol gelindert und vorgebeugt werden.

Bekämpfung von Helicobacter pylori

Des Weiteren wird Pantoprazol ebenfalls zum Auskurieren einer Infektion mit dem Helicobacter pylori angewendet. Der Helicobacter pylori ist ein gramnegatives Bakterium, welches bei ca. 70 - 80 % aller Magengeschwüre beteiligt ist. Zudem ist der Erreger Ursache einer akuten Gastritis und kann in den schwersten Fällen ursächlich für ein Magenkarzinom sein.

Zur Bekämpfung eines Helicobacter pylori wird eine Tripeltherapie empfohlen. Diese besteht aus einem Protonenpumpeninhibitor sowie zwei Antibiotika, die 7 bis 14 Tage lang zusammen eingenommen werden.

Dosierung und Einnahme von Pantoprazol

Pantoprazol ist eine der wirksamsten Säuresekretionshemmer. Dabei darf das Medikament nicht in direktem Kontakt mit der aggressiven Magensäure gelangen, da es sonst nicht mehr in die Zellen eindringen kann und so ihre volle Wirkung nicht entfalten kann.

Daher wird Pantoprazol als magensaftresiste Formulierung in Form von magensaftresistenten Kapseln eingenommen. Die Freisetzung des inaktiven Pantoprazols kann so zu einem verzögerten Wirkungseintritt führen, die maximale Konzentration im Blut wird so erst nach etwa 2 bis 3 Stunden erreicht.

Bei einer einmaligen morgendlichen Einnahme kann kein vollständiger Schutz vor der Magensäure erwartet werden. Die Produktion der Salzsäure wird nur für 15 bis 18 Stunden gehemmt. Hinzu kommt noch das Problem eines vor allem in der Nacht auftretenden Wirkungsverlusts aufgrund vermehrter Produktion von Protonenpumpen in der Nacht.

Je nach Indikation wird Pantoprazol ein- oder zweimal täglich eingenommen, morgens und/oder abends, kurz- oder langfristig und in unterschiedlichen Mengen:

  • Dyspepsie: einfache Standarddosis, Einnahme morgens
  • Prophylaxe eines Geschwürs: einfache Standarddosis, Einnahme morgens
  • Geschwür (ohne Helicobacter pylori): einfache Standarddosis, Einnahme morgens und eventuell abends
  • Refluxkrankheit: einfache Standarddosis, Einnahme abends und eventuell zusätzlich morgens
  • Innere Magen-Darm-Blutungen: kontinuierliche intravenöse Gabe, hochdosiert
  • Therapie gegen Helicobacter pylori: doppelte Standarddosis, Einnahme morgens und abends

Die Therapie gegen einen Helicobacter pylori erfolgt 7 bis 14 Tage. Dabei werden zusätzlich zwei Antibiotika verschrieben.

Pantoprazol ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, darf aber nur maximal 14 Tage eingenommen werden. Die Standarddosis von Pantoprazol beträgt 40 mg und wird zur Therapie angewendet. Zur Vorbeugung wird Pantoprazol 20 mg empfohlen.

Die ideale Einnahme von Pantoprazol sieht eine nüchterne Aufnahme mit 200 ml Wasser (zur Stimulation der Öffnung des Magenpförtners), 30 bis 60 Minuten vor dem Essen. Das Essen steigert dabei die Aktivität der Protonenpumpe und erhöht somit die Wahrscheinlichkeit, dass Pantoprazol an diese Pumpe bindet und damit hemmt.

Bei starker essensunabhängiger Säureproduktion kann Pantoprazol zusätzlich mit einem H2-Blocker gekoppelt werden, welcher spät abends eingenommen werden sollte.

Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit

Aufgrund unzureichender Erfahrungen sollte Pantoprazol nur nach genauer Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt angewendet werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bei Kindern unter zwölf Jahren sollte Pantoprazol aufgrund fehlender Erfahrungen nicht angewendet werden.

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Ein langer Gebrauch von Pantoprazol macht sich vor allem dadurch bemerkbar, dass sich der pH-Wert des Magens dauerhaft erhöht.

Des Weiteren können einige Elektrolyte und Medikamente nicht mehr richtig aufgenommen werden.

Zusätzlich ändert sich durch die Reduktion der Magensäureproduktion die bakterielle Flora. Es vermehren sich mehr Bakterien, die normalerweise durch die Magensäure abgetötet werden. Dies kann insbesondere bei risikobehafteten Patienten (wie zum Beispiel immungeschwächten Patienten auf der Intensivstation) leichter zu Durchfall und Infektionen des Magen-Darm-Trakts führen.

Da die Zellen aufgrund der Hemmung reflektorisch vermehrt Protonenpumpen produzieren, um den Mangel an Magensäure auszugleichen, vergrößern sich diese Zellen.

Beim Absetzen von Pantoprazol wird so zu Beginn vermehrt Magensäure hergestellt, der Effekt ist genau das Gegenteil (sogenanntes Rebound-Phänomen).

Weitere Nebenwirkungen:

Die Veränderung des Magenmilieus kann zudem zur veränderten Aufnahme von Medikamenten führen. So werden zum Beispiel einige Arzneimittel gegen Pilzerkrankungen wie Itraconazol oder Ketoconazol vermindert resorbiert. Das Gleiche gilt auch für den bei AIDS eingesetzten Stoff Atazanavir.

Außerdem sollte der behandelnde Arzt bei gleichzeitiger Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten wie Phenprocoumon (Marcumar®) oder Warfarin regelmäßig den Gerinnungsstatus überprüfen, da der Abbau dieser vermindert wird. Die Aktivierung des Gerinnungshemmers Clopidogrel wird nebenbei verhindert (jedoch weniger von Pantoprazol im Gegensatz zu anderen Protonenpumpenhemmern).

Zusätzlich vermindert die langfristige Einnahme von Pantoprazol die Resorption von Kalzium, Magnesium und Vitamin B12, so dass mit entsprechenden Mangelerscheinungen gerechnet werden muss.

Pantoprazol hat jedoch im Vergleich zu anderen Protonenpumpeninhibitoren weniger Interaktionen mit Arzneimitteln und Wechselwirkungen.

Aufbewahrung

Nach Anbruch bzw. Zubereitung sollte es höchstens 100 Tage verwendet werden. Nach Anbruch bzw. Zubereitung sollte es bei Raumtemperatur und vor Feuchtigkeit geschützt, aufbewahrt werden.

Warnhinweise, wann darf Panteprazol nicht angewendet werden

Pantoprazol sollte nicht bei schweren Leberfunktionsstörungen verabreicht werden. Ebenso sind schwere Schädigungen der Niere kontraindiziert. Bei schweren Überempfindlichkeiten gegen die Inhaltsstoffe sollte das Medikament sofort wieder abgesetzt werden. Gegebenenfalls sollten bei starkem Vitamin B12-Mangel entsprechende Vitamine substituiert werden. Genauso verhält sich das mit Kalzium und Magnesium.

Weitere Informationen

  • Bei einigen Urin-Schnelltests kann Pantoprazol ein falsch positives Ergebnis bei THC anzeigen.
  • Eine maximale Hemmung der Magensäureproduktion ist jedoch nicht immer wünschenswert, deswegen sollte der pH-Wert der Magensäure regelmäßig auf den normalen pH-Wert von 1 bis 2 gesenkt werden. Dies ist vor allem bei Langzeiteinnahme von Pantoprazol sinnvoll.

Diese Informationen zum Medikament ersetzen weder ärztliche noch sonstige Fachberatung. Vor allem bei Nebenwirkungen oder für sonstige Informationen ist der behandelnde Arzt oder Apotheker beizuziehen.


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