Hypochondrie

Wer bei den geringsten Beschwerden vielleicht direkt an Krebs denkt oder ohne, dass es dafür medizinische Gründe gibt, ständig Schmerzen verspürt, könnte unter Hypochondrie leiden. Nachfolgend wird erläutert, woher die ständige Angst vor Krankheiten kommt, was die Ursachen, Symptome, Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten sind und was jeder selber tun kann, um Hypochondrie vorzubeugen.

HypochondrieHypochondrie: Die Angst, krank zu sein. (Foto by: Slphotography / Depositphotos)

Bei der Hypochondrie, die eine somatoforme Störung ist, sorgen sich die Betroffenen ständig um die eigene Gesundheit. Sie befürchten permanent, dass sich eine Erkrankung entwickeln und ausbreiten könnte. Sie verspüren körperliche Symptome, obwohl laut medizinischer Untersuchungen keine Krankheit vorliegt.

Wenn diese Angst erst einmal geschürt ist, beäugt der Betroffene von Hypochondrie seinen Körper stets kritisch. Hypochonder gehen dabei immer vom Schlimmsten aus. Umgangssprachlich wird daher auch von einer Einbildung der Krankheiten gesprochen.

Die körperlichen Beschwerden treten wiederholt auf oder sie halten auch an, sind jedoch in keiner Krankheit begründet. Typisch für die Hypochondrie ist auch, dass sich der Betroffene weigert, zu erkennen, dass es sich um eine psychische Störung handelt. Bei der somatoformen Störung ist ein Zusammenhang von Körper und Seele gegeben, da sich psychische Probleme auch in körperlichen Symptomen äußern können.

Ursachen von Hypochondrie

Eine Hypochondrie kann sehr unterschiedliche Ursachen haben, wobei sich meist mehrere Faktoren gegenseitig beeinflussen.

  • Menschen, die unter einer Hypochondrie leiden, sind generell von ängstlicher Natur. Sie besitzen häufig wenig Selbstvertrauen.
  • Noch unklar ist, ob die Sorge vor Erkrankungen genetisch bedingt ist. Es konnte beobachtet werden, dass ängstliche Eltern die Angst oftmals auf ihre Kinder übertragen, sodass der Weg zur Störung geebnet ist.
  • Auch ärztliche Fehldiagnosen können eine Hypochondrie begünstigen.
  • Das Gleiche gilt für Todesfälle in der Familie, eine erhöhte Belastung oder einschneidende Veränderungen und Ereignisse.
  • Bei Hypochondrie tritt im Allgemeinen ein gestörtes körperliches Wahrnehmungsempfinden auf. Hypochonder neigen dazu, Ereignisse sehr negativ zu bewerten.
  • Sie gelangen, bevor sich die Symptome entwickeln, meistens durch Berichterstattungen, zum Beispiel im TV oder durch Erkrankte im Umfeld, an Informationen zu den verschiedenen Krankheiten. Die Wahrnehmung der körperlichen Erscheinungen führt zur Annahme, dass sie in einer schweren Erkrankung begründet sind, die häufig der vermuteten Krankheit entspricht oder ähnelt, von der sie gehört haben.

Symptome von Hypochondrie

Typisch für Hypochonder ist ein gesteigertes Erregungsniveau. Dies bedeutet beispielsweise, dass sie auf die verschiedensten Reize sehr schnell mit einem erhöhten Herzschlag reagieren. Unter diesen Umständen fangen sie an, körperliche Reaktionen, für die keine Krankheit als Ursache infrage kommt, falsch zu deuten.

Dazu gehören zum Beispiel:

Diese Gefühle möchten die Betroffenen möglichst rasch beseitigen, denn die Angst ist sehr unangenehm.

Treten Beschwerden auf, schonen sich Hypochonder. Sie wenden Hausmittel an und suchen, wenn sich die Symptome nicht bessern, einen Arzt auf. Wenn die Symptome nicht verschwinden, bleiben die Ängste und das Krankheitsverhalten bestehen. Dies führt zu einer weiteren Schonung, vermehrten Arztbesuchen und einer Wiederholung der Untersuchungen.

Das Problem an der Hypochondrie ist, dass die Betroffenen oftmals in einen Teufelskreis geraten. Die Gewissheit, dass sie krank sind, erhöht den Stress und steigert natürlich die Aufmerksamkeit für die Beschwerden. Von Hypochondrie Betroffene versuchen meist, im Internet oder in Fachliteratur mehr Informationen über das Leiden zu finden. Dies wiederum führt dazu, dass weiterhin Symptome wahrgenommen werden und sie umso mehr glauben, unter einer bestimmten Erkrankung zu leiden.

Da sie sich aus Sorge um die Gesundheit schonen, wird die körperliche Belastbarkeit verringert. Dadurch kann es passieren, dass bereits kleinere Anforderungen zu einer Atemnot, einem Herzstolpern oder sonstigen körperlichen Beschwerden führen.

Die Angst um die Gesundheit bestimmt das Leben der Betroffenen von Hypochondrie, wodurch die Lebensqualität oftmals beeinträchtigt wird. Gesundheitsängste treten häufig auch gemeinsam mit einer Panikstörung oder Depression auf.

Untersuchungen & Diagnose von Hypochondrie

Diagnose HypochondrieViele Ärzte zögern Hypochondrie zu diagnostizieren, aus Sorge, eine andere Erkrankung zu übersehen. (Foto by: Syda_Productions / Depositphotos)

Die Hypochondrie ist sehr schwierig zu diagnostizieren. Bevor die psychische Störung erkannt wird, vergeht meist eine lange Zeit und in der Regel sind bereits viele Untersuchungen erfolgt.

Um die Diagnose eindeutig zu stellen, müssen die Symptome, die auf eine Hypochondrie hinweisen können, seit mindestens sechs Monaten bestehen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Betroffenen, die unter Hypochondrie leider, in der Regel häufig den Arzt wechseln, sobald er feststellt, dass die gefürchtete Krankheit nicht vorliegt. Hypochonder können meist nicht glauben, dass sie gesund sind. Zum Teil hoffen sie sogar, tatsächlich unter einer gefährlichen Krankheit zu leiden, damit der Mediziner ihre Vorstellungen bestätigt.

Zudem zögern viele Ärzte, die Hypochondrie zu diagnostizieren, aus Sorge, eine körperliche Erkrankung zu übersehen. Ein Facharzt für psychische Störungen wird nur selten aufgesucht, da Hypochonder fest davon überzeugt sind, körperlich erkrankt zu sein.

Zur sicheren Diagnose von Hypochondrie gehört eine ausführliche Befragung über die Beschwerden und zu den vorliegenden Ängsten. Untersuchungen hinsichtlich organischer Erkrankungen, die den Symptomen entsprechen, dienen dazu, sie auszuschließen und die Hypochondrie zu erkennen.

Behandlung, Therapie & Komplikationen von Hypochondrie

Behandlung HypochondrieMeist erfolgt bei einer Hypochondrie eine Psychotherapie. (Foto by: belchonok / Depositphotos)

Psychotherapie

Die ersten Wege eines Hypochonders führen aufgrund der großen Überzeugung, körperlich erkrankt zu sein, zum Hausarzt oder Internisten. Ist die Diagnose Hypochondrie gestellt, was sich oftmals als ein komplizierter Balanceakt erweist, erfolgt die Therapie einer Hypochondrie gewöhnlich durch eine psychotherapeutische Behandlung, in die sich die Betroffenen meist erst nach einem langen Krankheitsverlauf begeben.

Kognitive Verhaltenstherapie

Hilfreich gegen die Sorge vor Krankheiten ist zum Beispiel eine kognitive Verhaltenstherapie. Hier lernt der Betroffene, angebliche Krankheitssymptome realistisch einzuordnen. Während der Therapie prüfen der Therapeut und Betroffene auch, in welchen Momenten die Symptome auftreten, da es im sozialen Umfeld verschiedene Situationen geben kann, die mit der Erkrankung im Zusammenhang stehen.

Stress reduzieren

Der Betroffene soll durch die psychotherapeutische Therapie zudem lernen, dass auch Stress zu körperlichen Beschwerden führen kann. Die Selbstbeobachtung wird dadurch gesteigert.

Für Entspannungsphasen sorgen

Im weiteren Verlauf werden positive Denkmuster antrainiert und entwickelt. Entspannungsübungen wie Yoga oder autogenes Training sind eine zusätzliche Unterstützung, denn dadurch kann eine seelische und körperliche Anspannung verringert werden und somit Hypochondrie verhindert werden.

Prävention & was ich selbst tun kann, um eine Hypochondrie vorzubeugen

Maßnahmen, die der Vorbeugung einer Hypochondrie dienen, können nur diejenigen ergreifen, die befürchten, darunter zu leiden. Wer merkt, dass er eine große Angst vor schwerwiegenden Erkrankungen hat und sich selbst dabei ertappt, bei den kleinsten Beschwerden direkt das Schlimmste zu befürchten, ist gut damit beraten, zu seinem behandelnden Arzt ein gutes Vertrauensverhältnis aufzubauen.

Dadurch ist es möglich, dem Arzt bei einer negativen Diagnose zu glauben und somit die Angst zu beseitigen und einer Hypochondrie vorzubeugen. Zudem sollte jeder, der eine Hypochondrie in Erwägung zieht, für eine psychosomatische Behandlung offen sein, um die bestehende Störung möglichst schnell erfolgreich zu therapieren und auf diese Weise den Leidensweg zu verkürzen. Dies ist sehr wichtig, denn die Hypochondrie, also die ständige Angst, körperlich erkrankt zu sein, geht oftmals mit einem großen Stress einher. Das gilt nicht nur für die Betroffenen, sondern meist auch für die Angehörigen.

Im Allgemeinen ist eine stabile psychische Situation eine gute Voraussetzung, somatoformen Störungen und somit eine Hypochondrie vorzubeugen. Wer zu einem hypochondrischen Verhalten neigt, sollte sich möglichst wenig mit den verschiedensten Krankheiten beschäftigen.


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User Kommentare

Celiii
Celiii

Leider wird diese Erkrankung in unserer Gesellschaft nicht wirklich als ernstzunehmende Krankheit wahrgenommen. Betroffene haben es wirklich nicht leicht!

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