Bulimie

Bulimie ist eine schwerwiegende Essstörung, die zum ungesunden Gewichtsverlust, körperlichen Gebrechen (Haut-, Magen-, Herzprobleme) und in schlimmen Fällen zum Tod führen kann. Es sind deutlich mehr Frauen als Männer betroffen. Die Therapie besteht meist aus Psychotherapie, Medikation und Ernährungsberatung.

BulimieTypisch für eine Bulimie sind Essanfälle mit anschließendem, selbst ausgelöstem Erbrechen. (Foto by: vadimphoto1@gmail.com / Depositphotos)

Bulimie ist eine schwerwiegende, potenziell lebensbedrohliche Essstörung. Menschen, die an Bulimie leiden, führen in vielen Fällen das sogenannte Binge-Eating aus (schnelles Aufnehmen großer Mengen von Nahrung in kurzer Zeit), um sich anschließend zu übergeben und die aufgenommenen Kalorien wieder loswerden wollen. Doch auch das Übergeben nach nur kleinen Mahlzeiten ist üblich bei Bulimie, sowie das exzessive Trainieren, um Gewicht zu verlieren.

So kann Bulimie grundlegend in die Form inklusive und jene exklusive Erbrechen aufgeteilt werden. Beide Formen oder auch Übergänge und Kombinationen können ebenso schwerwiegend sein. Menschen mit Bulimie sind in ständiger Sorge um ihr Gewicht und ihr Körperbild, sie nehmen sich sehr streng wahr und haben ein verzerrtes Selbstbild.

Da Bulimie also viel mit Selbstwahrnehmung und weniger nur mit Ernährung zu tun hat, ist es schwer die Krankheit zu überwinden. Jedoch existieren eine Reihe von Behandlungen, die dabei helfen können dem Teufelskreis aus Mangelernährung und falscher Selbstwahrnehmung zu entfliehen und eine gesunde Ernährung zu etablieren.

Ursachen von Bulimie

Die genaue Ursache von Bulimie ist unbekannt. Es gibt zahlreiche mögliche Faktoren, die bei der Ausbildung einer Essstörung eine Rolle spielen können. Doch die genetische Prädisposition, emotionale Stabilität, soziale Erwartungen und andere Faktoren erhöhen das Risiko einer Erkrankung.

So besitzen Frauen und Mädchen statistisch ein höheres Risiko an Bulimie zu erkranken als Männer und Jungs. Auch das Alter ist ein Faktor. Die meisten Bulimien setzen im Teenager-Alter oder im jungen Erwachsenenalter ein.

Der genetische Aspekt spielt in dem Rahmen eine Rolle, da Menschen mit direkten Blutsverwandten, die auch an einer Essstörung litten oder leiden, ebenfalls ein erhöhtes Risiko besitzen, an einer Essstörung zu erkranken. Es wird vermutet, dass dies mit chemischen Prozessen im Gehirn zusammenhängt (bspw. mit dem Serotoninspiegel).

An Bulimie leidende Menschen haben häufig psychologische oder emotionale Probleme, die einen Ausbruch der Krankheit unterstützt haben. Beispiele hierfür sind:

  • geringes Selbstbewusstsein
  • Perfektionismus
  • impulsives Verhalten
  • Wutausbrüche
  • Depression
  • Angststörung

Auch traumatische Erlebnisse können ein Auslöser sein. Ungesunde Gruppendynamiken und Rollenvorbilder, die durch die Medien verbreitet werden, erhöhen den Druck dünn zu sein, vor allem unter jungen Frauen. Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, Schauspieler, Tänzer, Models, besitzen folglich ein höheres Risiko an Bulimie zu erkranken.

Essstörung sind auch sehr verbreitet unter Athleten bestimmter Sportarten. Dazu zählen Turner, Läufer und Ringer. Trainer oder Eltern unterstützen evtl. unwillentlich die Ausbildung einer Essstörung, da sie eine bessere Performance einfordern, die nicht selten mit dem Erreichen eines bestimmten Gewichts zusammenhängt.

Symptome von Bulimie

Symptome von Bulimie beinhalten meist die übersteigende Beschäftigung mit dem eigenen Körper und dem Gewicht, beziehungsweise der ständigen Angst davor Gewicht zuzulegen. Betroffene empfinden, dass sie ihr Essverhalten kaum unter Kontrolle haben.

Binge-Eating-Phasen

Häufiges Symptom sind die sogenannten Binge-Eating-Phasen, in denen unter Schmerzen ungewöhnlich große Mengen gegessen werden, die anschließend häufig wieder erbrochen werden.

Erbrechen nach den Mahlzeiten

Ess-Brech-SuchtMenschen mit Bulimie sind in ständiger Sorge um ihr Gewicht und ihr Körperbild. (Foto by: evgenyataman / Depositphotos)

Doch auch das Erbrechen bei normalen oder sehr kleinen Mahlzeiten kommt ebenso oft vor, sowie das exzessive Training zur Gewichtsregulierung.

Falls irgendeines dieser Symptome bestehen sollte, sollte umgehend medizinische Hilfe aufgesucht werden, da sich die Krankheit drastisch verschlimmern kann und außer Kontrolle gerät. Erste Anlaufpunkt kann der Hausarzt sein, der den Betroffenen bei Bedarf weiterleitet. Falls dieser Schritt zu viel Überwindung erfordert, können Vertraute, Familienmitglieder, Freunde, Lehrer nach Hilfe gefragt werden.

Falls Familienmitglieder oder Freunde befürchten eine Person leidet Bulimie, sollte ein ernsthaftes Gespräch über die Sorgen geführt werden. Niemand kann gezwungen werden, eine Behandlung aufzusuchen, doch es kann Hilfe und Unterstützung angeboten werden. Zum Beispiel bei der Suche eines Arztes, Spezialisten, bei der Terminabsprache und Begleitung zum Termin.

Alarmsignale

Da Betroffene oft normalgewichtig sind oder sogar leicht übergewichtig, ist eine Erkrankung oft nur schwer zu erkennen. Alarmsignale für Freunde und Familie sind:

  • Konstante Beschwerde darüber zu fett zu sein
  • ein auffällig negatives Bild vom eigenen Körper
  • auffällige Essattacken
  • Probleme in der Öffentlichkeit oder vor anderen zu essen
  • die Aufsuche des Badezimmers direkt nach dem Essen
  • Hautprobleme
  • beschädigte Zähne und Zahnfleisch

Untersuchungen und Diagnose

Wenn Ärzte die Befürchtung haben ein Patient leidet an Bulimie, wird in der Regel eine körperliche Untersuchung, Bluttest, Urintest und eine Befragung zu Essgewohnheiten ausgeführt.

Auch Röntgenaufnahmen oder Elektrokardiogramme können empfohlen werden, um schwerwiegende körperliche Folgen der Erkrankungen festzustellen.

Um mit Bulimie diagnostiziert zu werden, müssen eine Reihe von Faktoren erfüllt werden.

Dazu gehören:

  1. Wiederholtes Binge-Eating und das Gefühl, das eigene Essverhalten nicht kontrollieren zu können.
  2. Das Verlieren eingenommener Kalorien durch Erbrechen, Training, Fasten oder durch Hilfe von Medikamenten.
  3. Binge-Eating und Erbrechen ereignen sich mindestens zwei Mal pro Woche über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten.
  4. Körperform und Gewicht beeinflusst das eigene Empfinden außergewöhnlich stark.
  5. Es herrscht keine Magersucht (Anorexie nervosa) vor, eine Essstörung mit eigenen sehr strikten Regeln das eigene Essverhalten betreffend.

Auch wenn diese Symptome nicht alle zutreffend sind, kann dennoch eine Essstörung bestehen. Es sollte keine Selbstdiagnose ausgeführt werden, sondern professionelle Hilfe aufgesucht werden, wenn ein Zweifel besteht.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Behandlung BulimieEine Psychotherapie versucht den Ursachen für die Bulimie auf den Grund zu gehen. (Foto by: belchonock / Depositphotos)

Die Behandlung bei Bulimie beinhaltet häufig eine Kombination aus Therapien, die eine psychologische Betreuung, Medikation und Ernährungsberatung mit einschließt.

Psychotherapie

Eine Psychotherapie versucht den Ursachen für die Bulimie auf den Grund zu gehen, die Ängste und Sorgen in den Griff zu bekommen. So werden negative Emotionen und Verhaltensweisen isoliert und versucht sie mit positiven und gesunden zu ersetzen. In einigen Fällen liegen die Probleme womöglich in engen persönlichen Beziehungen, sodass eine gemeinsame Therapie mit diesen Personen ausgeführt wird.

Besonders bei Jugendlichen ist es wichtig, die ganze Familie in die Therapie mit einzugliedern, sodass ein Gewahrsein für die Krankheit besteht und Unterstützung folgen kann.

Gesundes Körpergewicht erreichen

Falls die Bulimie bereits zu einem Untergewicht geführt hat, ist der erste Schritt, schnell auf ein gesundes Körpergewicht zu kommen. Dies geschieht durch einen Diätplan und der Unterstützung gesundes Essverhalten zu entwickeln. Die meisten Fälle können außerhalb des Krankenhauses behandelt werden. Doch wenn die Krankheit bereits weit vorangeschritten ist, kann eine zeitweise Einweisung erfolgen.

Antidepressiva

Die häufigste Medikation, die bei Bulimie zum Einsatz kommt, sind Antidepressiva, um bei der Behandlung einen stabilen Gemütszustand zu gewährleisten.

Die meisten Menschen mit Bulimie können die Krankheit überwinden und ein normales Leben führen. Doch die Gefahr für Rückfälle ist groß, besonders in Zeiten großen emotionalen Stresses.

Prävention und was ich selbst tun kann

Auch wenn keine gesicherten Strategien bestehen, um Bulimie vorzubeugen, können bestimmte Verhaltensregeln eingehalten werden, um die Gefahr einer Erkrankung zu reduzieren, beziehungsweise die Gefahren zu erkennen und früh Hilfe aufzusuchen:

  • Besonders Eltern sollten zu jeder Zeit ein gesundes Selbstbild des Körpers bei den Kindern etablieren und prägen, ganz gleichgültig welches Gewicht und Körperform sie haben.
  • Auch ein frühes Gespräch mit dem Kinderarzt kann zur Prävention beitragen. Dieser erkennt womöglich schon früher Anzeichen im Verhalten eines Kindes und es kann effektiv dagegen gearbeitet werden, eine Bulimie auszubilden.
  • Jede Person, die genannte Warnfaktoren oder Symptome einer Bulimie bei Freunden oder Bekannten erkennt, sollte diese vorsichtig in einem Gespräch aufkommen lassen und der jeweiligen Person Hilfe anbieten, um das mögliche Problem in den Griff zu bekommen.


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