Lippen Kiefer Gaumenspalte

Bilden sich während der embryonalen Entwicklung des ungeborenen Kindes Teile des Gesichtes (Mundpartie) nicht voll aus, spricht man von einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (Cheilognathopalatoschisis). Eine Therapie für die betroffenen Kinder ist in den meisten Fällen erfolgreich, die ästhetischen und funktionellen Ergebnisse sind gut.

Lippen-Kiefer-GaumenspalteJungen sind von einer Lippen Kiefer Gaumenspalte häufiger betroffen als Mädchen. (Foto by: GekaSkr / Depositphotos)

Eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte kommt relativ häufig vor, immerhin eines von 600 Neugeborenen ist betroffen. Es handelt sich dabei um eine Fehlbildung der Mundpartie des Kindes, die sich während des embryonalen Wachstums im Mutterleib bilden kann. Genauer gesagt schließen sich bestimmte Gesichtsteile des Kindes nicht. Es entstehen sichtbare Spalten die entweder den gesamtem Kiefer (Lippen-Kiefer-Gaumenspalte), die Lippen (Lippenspalte) oder als Gaumenspalte (nur der weiche Gaumen) auftreten können.

In der Hauptsache tritt die Fehlbildung auf der linken Seite des Gesichtes auf, Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Ursprünglich nannte man die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte Hasenscharte oder Wolfsrachen. Diese diskriminierenden Bezeichnungen sollten nicht ausgesprochen werden, ein betroffenes Kind kann sehr darunter leiden.

Ursachen für eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte

Gegenwärtig sind die Ursachen für eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte noch nicht genügend geklärt. Eine genetische Ursache ist ein Grund für die Fehlbildung, denn bei rund 15 % aller Fälle treten die Fehlbildungen bei mehreren Familienmitgliedern auf. Weiters können Faktoren wie Rauchen, Alkohol, Sauerstoffmangel, Vitaminmangel oder eine Überdosierung der Vitamine E und A während der Schwangerschaft das Risiko für das Kind eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte zu bekommen drastisch erhöhen. Vor allem in den ersten Wochen der embryonalen Entwicklung ist die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Fehlbildung im Gesicht des Ungeborenen erhöht, denn in dieser Zeit entwickelt sich das Gesicht des Kindes. Wenn es in diesem Zeitraum zu Störungen kommt, kann sich das Gesicht nicht vollständig ausbilden.

  • Fünfte bis sechste Schwangerschaftswoche: Lippen- bzw. Kieferspalte, die Nasenwülste verwachsen nicht vollständig
  • Zehnte bis zwölfte Schwangerschaftswoche: Gaumenspalte, die Verwachsung der Gaumenfortsätze ist gestört

Symptome und Verlauf einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte

Die charakteristischen Symptome einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte sind an den Lippen, dem Oberkiefer und dem weichen Gaumen bemerkbar. Dabei können sich die Spaltenbildungen auch nur auf die Lippe (Lippenspalte) oder den weichen Gaumen (Gaumenspalte) konzentrieren. Ist die Ausprägung nur minimal, zeigt sich ein Spalt in der Lippenkerbe (ein sogenannter Hautdefekt an der Oberlippe) oder das Gaumenzäpfchen ist zweigeteilt. Oft treten begleitend auch andere Fehlbildungen in Kombination mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte auf, beispielsweise Missbildungen an einzelnen Organen.

Die Symptome der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte sind:

  • Mund und Nase sind deformiert
  • gestörtes Hörvermögen
  • Störungen in der Sprachentwicklung
  • der Betroffene näselt

Heute verfügt die Medizin über sehr gute Operationstechniken und Therapieverfahren um eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte gut behandeln zu können. Ästhetisch wie auch funktionell können bei mehr als 90% aller Fälle die Fehlbildungen korrigiert werden. Ist die Fehlbildung sehr ausgeprägt, wird eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte gegebenenfalls als Schwerbehinderung anerkannt und die Erwerbsfähigkeit dadurch entsprechend gemindert.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Behandlung Lippen Kiefer Gaumen SpalteAuch die Sprachtherapie spielt zur Behandlung einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte eine wichtige Rolle. (Foto by: Elnur_ / Depositphotos)

Zur Behandlung wird ein Therapieverfahren (Logopädie, Psychologie, etc.) eingeleitet und auch Operationen werden vorgenommen.

Im Vordergrund der Therapie steht eine ästhetische und funktionelle Korrektur der Fehlbildung. Dabei arbeiten mehrere verschiedenen Ärzte intensiv zusammen: Kinderarzt, Mund-Kiefer-Gesichtschirurg, Kieferorthopäde, Zahnarzt, HNO-Arzt, Logopäde (Sprachtherapeut) und bei Bedarf Psychologe und Psychotherapeut.

Eine Therapie erstreckt sich meist über Jahre bis zum Erwachsenenalter des Betroffenen. Zu Anfang, in den ersten Lebenstagen des Kindes, nehmen die Ärzte einen Abdruck des Kiefers. Eine individuelle Gaumenplatte zur Trennung von Atemweg und Mund verhilft dem Säugling zu weitestgehend normalem Trinken. Auch wird die Zungenlage und damit die richtige Zungenfunktion durch die Gaumenplatte gefördert. Ebenso wird das Kind auf andere mögliche Fehlbildungen wie Störungen der Nieren oder einen Herzfehler genauestens untersucht.

Wird das betroffene Kind älter, finden mehrere Operationen statt. Zu Beginn werden die Lippen, der weiche Gaumen und der Oberkiefer verschlossen. Das Kind ist bei diesen Operationen zwischen drei und sechs Monate alt. Ist das betroffene Kind zwischen einem Jahr und 18 Monaten alt, wird eine eventuelle Spalte im harten Gaumen operiert. Weitere Operationen können notwendig sein:

  • Operationen zur Korrektur der Lippen (Lippenverlängerung), Operationen am weichen Gaumen, damit das Sprechen oder beispielsweise das Essen erleichtert wird
  • Korrekturen an der Nase
  • die Zahnstellung wird bei Bedarf geändert

Es ist notwendig, ständig das Hörvermögen des Betroffenen zu kontrollieren. Meist ist eine logopädische Behandlung vonnöten. Damit die Zähne sich gut und gesund ausbilden, sind ständige zahnärztliche und kieferorthopädische Kontrollen notwendig. Manchmal ist es auch Teil der Therapie, dass sich die Eltern und das Kind einer psychologischen Therapie unterziehen. Die Belastungen einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte sind bei beiden enorm, dem betroffenen Kind aber auch den Eltern.

Prävention und was ich selbst tun kann

Prinzipiell ist es schwer, einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte vorzubeugen. Eine genetische Ursache kann nicht ausgeschlossen werden. Schwangere Frauen können aber mit einem verantwortungsvollen Verhalten zumindest die Risikofaktoren einschränken. Dazu zählen unter anderen:

  • ein Sauerstoffmangel
  • das Rauchen
  • trinken von Alkohol
  • ein Vitaminmangel
  • eine zu hohe Dosierung von Vitamin E und A
  • zu viel Stress
  • eine Mangelernährung

Die Einnahme von Folsäure während der Schwangerschaft (bei einer geplanten Schwangerschaft auch schon davor) vermindert das Risiko.


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