Darmverschluss bei Kleinkindern

Unter Bauchschmerzen leiden Babys und Kleinkinder häufig, doch in der Regel ist die Ursache harmlos. Kommen aber heftige Symptome wie Darmkoliken hinzu, kann das auf einen Darmverschluss hinweisen. Dieser zählt zu den gefährlichsten Erkrankungen im Bauchraum.

Darmverschluss BabyBei einem Darmverschluss kann Stuhl nicht mehr abgesetzt werden, was lebensbedrohlich ist. (Foto by: kalinovsky / Depositphotos)

In der Fachsprache wird ein Darmverschluss als Ileus bezeichnet. Ihm voraus geht bei Kleinkindern in der Regel zunächst immer eine Einstülpung eines Darmabschnittes (Invagination). Infolge dessen kann der Darminhalt nicht mehr wie gewohnt passieren und wird aufgehalten - es kommt zum Darmverschluss.

Am häufigsten betroffen sind Kleinkinder unter drei Jahren, wobei 90 Prozent der Fälle typischerweise nach dem ersten Trimenon bis Ende des zweiten Lebensjahres auftreten.

Die Inzidenz (Häufigkeit) ist mit 1:1000 Kindern hoch. Der Auslöser der Invagination ist im Gegensatz zum Ileus bei älteren Patienten in erster Linie viral. Bei den Viren handelt es sich meistens um Rota- oder Adenoviren (letztere lösen beispielsweise auch Bindehautentzündungen aus). Weiterhin gelten als Auslöser einer Invagination Polypen, Tumore und Stuhlsteine.

Ursachen für Darmverschluss bei Kleinkindern

Die Ursache kann nicht immer eindeutig geklärt werden. Allerdings ist der Darmverschluss immer die Folge einer Behinderung des Transportes des Darminhaltes. Bei einem gesunden Darm werden die verdauten Nahrungsmittel mittels wellenförmiger Bewegungen bis zum Enddarm befördert. Diese Darmbewegungen werden in der Fachsprache als Peristaltik bezeichnet.

Ausgelöst werden kann eine Stauung durch verschluckte Fremdkörper, Gallensteine, Tumore, verwickelte Darmschlingen nach einem operativen Eingriff oder angeborene Anomalien. In seltenen Fällen sind auch angeborene Fehlentwicklungen schuld. Bei Kleinkindern ist die Ursache aber vorrangig die Einstülpung am Dünndarm, sodass der Blinddarm oder der aufsteigende Dickdarm durch die andauernden Darmbewegungen betroffen sind.

Mechanischer oder funktioneller Darmverschluss

Bei einem mechanischen Ileus wird die passierbare Darmgröße durch Hindernisse wie Würmer, Fremdkörper, Neugeborenenstuhl (Mekonium) oder besonders große Gallensteine verkleinert. Der Darminnenraum kann weiterhin durch krankhaftes Wachstum der Schleimhaut zusammengedrückt werden. Ursachen hierfür sind Tumore oder entzündliche Darmerkrankungen wie zum Beispiel Morbus Chrohn.

Bei einem funktionellen Darmverschluss werden die Darmbewegungen unterbrochen. Ist das der Fall, kommt es infolge zu Verkrampfungen der Darmmuskulatur, akuten Abdomen und im späteren Verlauf zu einer lebensgefährlichen Bauchhöhlenentzündung. Allerdings sind die Ursachen hierfür bei Kleinkindern eher selten zu finden. Nur selten lösen Lungenentzündungen, stumpfe Bauchverletzungen oder ein Wurmbefall die Beschwerden aus.

Symptome für Darmverschluss bei Kleinkindern

Die Einstülpung des Darms tritt in der Regel plötzlich auf, und so kommt es auch ohne Vorankündigung zu heftigen Symptomen. Die Symptome im Anfangsstadium werden von Eltern häufig für einen Magen-Darm-Infekt gehalten.

Das Kind neigt zum Erbrechen (zunächst Mageninhalt und Gallenflüssigkeit, bei fortschreitender Erkrankung auch Stuhlgang) und bekommt Durchfall. Doch schon kurz darauf leidet der kleine Patient unter starken, in Wellen verlaufenden Bauchschmerzen (Darmkoliken).

Häufig krümmt er sich vor Schmerzen und zieht seine Beine an. Da sich das Kind in dem Alter nicht unbedingt mitteilen kann, wird es außerdem schnell weinerlich, schreit schrill, ist ängstlich und in der Folge zum Teil auch apathisch. Es ist aufgrund der heftigen Schmerzen nicht mehr möglich, das Kind zu beruhigen.

Die weiteren Symptome sind Blässe, kalter Schweiß auf der Haut, Verstopfung und bei fortschreitender Erkrankung Blut oder blutiger Schleim im Stuhlgang. Zudem ist der Bauch aufgetrieben. Im rechten Unterbauch hat das Kind einen Druckschmerz.

Zwischendurch kann es in kurzen Phasen allerdings auch völlig beschwerdefrei (symptomarme Intervalle) sein. Aufgrund der starken Schmerzen kann der kleine Patient in einen Schockzustand geraten.

Blutige Stühle treten in 15 bis 20 Prozent der Fälle auf und sind ein Zeichen dafür, dass die Darmwand bereits deutlich in Mitleidenschaft gezogen worden ist.

Untersuchungen und Diagnose

Untersuchung DarmverschlussBei einem Verdacht auf einen Darmverschluss sollte sofort ein Kinderkrankenhaus aufgesucht werden. (Foto by: VadimPP / Depositphotos)

Wird der Verdauungsbrei im Darm gestaut und kann nicht mehr ungehindert passieren, wird die Darmwand geschädigt. Gelangen dabei Bakterien aus dem Darm in den Bauchraum, kann es zu einer lebensgefährlichen Bauchfellentzündung (Peritonitis) kommen. Bleibt der Darmverschluss unbehandelt, endet er in der Regel tödlich.

Bei einem begründeten Verdacht auf einen Darmverschluss sollte sofort ein Kinderkrankenhaus aufgesucht werden. Der Arzt wird zunächst den Bauch abtasten und per Ultraschall untersuchen. Ein wasserlösliches Kontrastmittel ist ebenfalls hilfreich.

Zur Sicherung der Diagnose wird eventuell noch ein Röntgenbild erstellt. Auf einem solchen ist eine Invagination deutlich zu erkennen.

Die Häufigkeit eines Darmverschlusses infolge einer Invagination ist glücklicherweise eher gering. Am häufigsten sind Kinder im zweiten Lebenshalbjahr betroffen. Säuglinge vor dem vierten Lebensmonat sowie Kinder ab drei Jahren erkranken nur äußerst selten daran.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Bei einem drohenden Darmverschluss zählt tatsächlich jede Minute. Im Frühstadium kann die Einstülpung eines Darmverschlusses durch einen Einlauf mit Kochsalzlösung bzw. den Kontrasteinlauf gelöst werden. Durch den Druck der Flüssigkeit soll der eingestülpte Darm in seine Ausgangsposition zurückbefördert werden. In seltenen Fällen genügt bereits eine Bauchmassage. Bei diesen äußeren Anwendungen kontrolliert der Arzt jedoch stets den Zustand des Darms mit dem Ultraschallgerät.

Häufig ist allerdings ein operativer Eingriff nötig, bei welchem der Chirurg den eingestülpten Darmabschnitt wieder in seine eigentliche Position zurückführt. Bei einer solchen Operation wird zunächst die Bauchdecke mit einem Schnitt geöffnet. Nun kann das betroffene Darmstück behandelt und der Schaden begutachtet werden. Meistens hat der kleine Patient Glück und der Darm bleibt komplett erhalten. Wurde die Erkrankung zu spät entdeckt und eine geeignete Therapie nicht rechtzeitig eingeleitet, kann das betroffene Darmstückchen unter Umständen so stark geschädigt sein, dass eine operative Entfernung nötig ist.

Nach der Operation wird das Kind vorerst auf der Intensivstation bleiben und dort überwacht werden. Die Nahrungsaufnahme erfolgt zunächst über einen Tropf. Sobald sich die Darmbewegungen bei dem kleinen Patienten wieder normalisiert haben und keine weiteren Komplikationen aufgetreten sind, wird wieder mit der normalen Nahrungsaufnahme begonnen.

Tatsächlich ist bei einem Darmverschluss ein schnelles Beginnen der Therapie notwendig. In der Regel bleibt jedoch der Darm bei einer Operation vollständig erhalten. Nur selten ist ein Teil des Darms so geschädigt, dass eine Darmresektion (Entfernung des eingestülpten Darmstücks) erfolgen muss. Ideal ist es allerdings, wenn die Operation binnen 48 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome stattfindet.

Prävention und was ich selbst tun kann

Eine Vorbeugung bei Babys und Kleinkindern ist nicht möglich. Zwar kann darauf geachtet werden, dass die hygienischen Verhältnisse stimmen, keine kleinen Gegenstände verschluckt werden können und sich das Kind ausreichend bewegt, aber die Erkrankung betrifft häufig bis dahin völlig gesunde Kinder. Allerdings gibt es auch Risikofaktoren wie eine ballaststoffreiche Ernährung, unzureichende Flüssigkeitsaufnahme, Voroperationen und chronische Darmerkrankungen.

Nicht jede Kinderklinik traut sich die operativen Eingriffe bei Kleinkindern zu, sodass in manchen Fällen eine Verlegung in eine geeignetere Klinik erfolgt. Das liegt vor allem daran, dass manche Kliniken über keine ausreichende Kinderchirurgie mit entsprechendem Fachpersonal verfügen und keine eigene Kinderintensivstation haben.

Da die Betroffenen zwischendurch beschwerdefrei sein können, ist ein Darmverschluss nicht immer leicht zu erkennen.

Dennoch sollte bei einem begründeten Verdacht unverzüglich eine Kinderklinik aufgesucht werden, da es sich tatsächlich um einen lebensbedrohlichen Krankheitsverlauf handeln kann.


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