Windpocken (Feuchtblattern, Varizellen)

Windpocken oder auch Feuchtblattern: Eine hoch ansteckende Viruserkrankung, die von Mensch zu Mensch übertragen wird. Überwiegend erkranken Kinder an Windpocken/Feuchtblattern und sind nach der Ersterkrankung gegen das Virus immun - daher spricht man im Allgemeinen auch von einer Kinderkrankheit.

WindpockenDie meisten Windpocken-Erkrankungen finden im Alter zwischen dem 3. und dem 10. Lebensjahr statt. (Foto by: Photozirka / Depositphotos)

Windpocken oder Feuchtblattern werden beispielsweise auch als Varizellen, Schafblattern, Wasserpocken oder Wilde Blattern bezeichnet.

Bei Windpocken handelt es sich dabei um eine Viruserkrankung, die durch das sogenannte Varizella-Zoster-Virus (aus der Familie der Herpesviren) verursacht wird. Bei Erstinfektion mit dem Virus treten Windpocken auf und bei Reaktivierung des Virus die Gürtelrose.

Die Bezeichnung Windpocken verdankt die Erkrankung unter anderem der Tatsache, dass sie über mehrere Meter durch die Luft, "mit dem Wind" übertragen werden kann. Vor allem im Winter und Frühjahr tritt die Krankheit vermehrt auf.

Überwiegend sind von den Feuchtblattern Kinder betroffen - aber die Krankheit kann auch bei Erwachsenen auftreten. Die durchschnittliche Dauer der Krankheit dauert ca. 14 Tage. Im Kindesalter verläuft die Krankheit meistens gutartig. Je jünger das Kind ist, desto harmloser verläuft die Krankheit.

Sind Erwachsene, Schwangere, Neugeborene oder Personen mit einem schwachen Immunsystem von Windpocken betroffen, können schwere Komplikationen auftreten.

Ursachen von Windpocken/Feuchtblattern

Windpocken resultieren aus einer Infektion mit dem hoch ansteckenden Varizella-Zoster-Virus (VZV). Bezeichnet wird das Virus auch als Humanes Herpesvirus 3 (HHV-3). Eine Übertragung des Virus findet von Mensch zu Mensch statt: Dies kann geschehen durch direkten Kontakt mit den Hautbläschen eines Infizierten, aber auch in Form der sogenannten Tröpfchenübertragung - also durch das Aufnehmen ausgeatmeter Viren (durch Sprechen, Niesen oder Husten).

Eine solche Tröpfchenübertragung ist ca. ein bis zwei Tage vor Entwicklung des charakteristischen Hautausschlages eines an Windpocken Erkrankten möglich. Aufgrund des hohen Ansteckungspotentials des Humanen Herpesvirus 3 kann es zu einer Ansteckung auch ohne direkten menschlichen Kontakt kommen: Die Viren in der Ausatmungsluft können in der Luft einige Meter getragen werden.

Nicht immune Personen gegen Windpocken können sich weiterhin durch direkten Kontakt mit Hautausschlag, der im Zuge einer Gürtelrose entsteht, an Windpocken erkranken - denn die Gürtelrose resultiert aus Varizella-Zoster-Viren, die nach einer ausgeheilten Windpockenerkrankung im Nervensystem beim Betroffenen hinterbleiben. Bei Stress oder geschwächtem Immunsystem kann es zum Ausbruch einer solchen Gürtelrose kommen.

Symptome von Windpocken/Feuchtblattern und Verlauf der Krankheit

Nach einer ungefähren Inkubationszeit von 10 bis 21 Tagen nach Infizierung mit dem Varizella-Zoster-Virus können sich Windpocken zunächst durch kurzzeitiges Fieber mit Kopfschmerzen- und Gliederschmerzen äußern.

Nach wenigen Tagen kommt es dann in der Regel zu einem typischen, oft juckenden Ausschlag der Haut: Dieser äußert sich meist zunächst in geröteten Flecken - in weiteren Verlauf der Windpocken-Krankheit entwickeln sich die Flecken zu Knötchen mit zentralen wässrigen Bläschen. Charakteristisch für Windpocken/Feuchtblattern zeigt sich der Hautausschlag zunächst vor allem im Gesicht und auf dem Körperrumpf - auch behaarte Körperstellen sind häufig von Bläschenbildung betroffen.

Erst im weiteren Verlauf der Windpocken-Erkrankung können sich auch vereinzelte Bläschen an den Gliedmaßen zeigen. Eher selten sind auch Schleimhäute (beispielsweise die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen) vom Ausschlag betroffen. In ihrem Verlauf öffnen sich die Bläschen im Endstadium schließlich und bilden eine trockene Kruste, die später abfällt. Im Schnitt hält der Hautausschlag für drei bis fünf Tage an. Ein starkes Kratzen während des akuten Ausschlages kann zu Narbengewebe an betroffenen Stellen führen.

Untersuchungen & Diagnose von Windpocken

Hat sich der für Windpocken typische Hautausschlag bereits eingestellt, so bietet die Beurteilung dieses Ausschlags durch den behandelnden Arzt bereits eine gute Grundlage für eine Diagnose: Ist der Hautausschlag durch Windpocken bedingt, so zeigt er eine typische Verteilung am Körper (v.a. sind Kopf und Rumpf davon betroffen). Im Gegensatz hierzu zeigt sich bei Pocken beispielsweise ein Ausschlag, der sich vermehrt an den Extremitäten findet.

Typisch für einen Hautausschlag, der durch Windpocken bedingt ist, ist außerdem, dass die Hautbläschen verschiedene Entwicklungsstadien aufweisen: So können einige Bläschen bereits aufgeplatzt und von einer Kruste überzogen sein, während andere Bläschen noch akut sind. Im Gesamterscheinungsbild erinnern diese verschiedenartigen Entwicklungsstadien an die Vielfalt von Sternenkonstellationen; darum spricht man beim typischen Erscheinungsbild der Bläschen bei Windpocken auch vom 'Sternenhimmel'.

Soll eine Diagnose weiter untermauert werden, besteht die Möglichkeit, Viren in der Flüssigkeit nachzuweisen, mit denen die Bläschen des Hautausschlages gefüllt sind. Auch das Blutbild ermöglicht eine Bestätigung der Diagnose von Windpocken: Über das Blutbild kann bestimmt werden, ob der Körper bereits Antikörper gegen die Varizella-Zoster-Viren gebildet hat.

Behandlung und Therapie bei Windpocken

Behandlung WindpockenMeist werden bei Windpocken die Symptome behandelt. (Foto by: gunnar3000 / Depositphotos)

Viren sind medikamentös nur schwer zu behandeln, weshalb eine Therapie der Windpocken sich vor allem auf die Behandlung der Symptome bezieht, die mit den Windpocken einhergehen. Hierzu zählt beispielsweise:

  • Das Lindern des Juckreizes, der mit dem typischen Hautausschlag einhergehen kann: Erreicht werden kann dies unter anderem durch kühlende Kompressionen oder Salben; sogenannte adstringierende Salben beispielsweise wirken entzündungshemmend und fördern das Austrocknen der Hautbläschen. Auch juckreizstillende Tropfen können vom Arzt verordnet werden.
  • Fiebersenkende Medikamente können helfen, den Organismus zu entlasten.
  • Schweiß und Wärme fördern den Juckreiz, deshalb sollte luftige Kleidung aus Baumwolle getragen werden.
  • Sind Kinder von Windpocken betroffen, so kann es hilfreich sein, die Fingernägel der Kinder kurz zu halten: So kann einem zu starken Kratzen entgegen gewirkt werden.
  • In einigen Fällen besteht die Möglichkeit der Verabreichung sogenannter Virostatika: das sind Arzneimittel, die ein weiteres Vermehren von Viren stoppen soll. Virostatika können durch behandelnde Ärzte beispielsweise bei Patienten eingesetzt werden, deren Immunabwehr geschwächt ist oder die aus weiteren medizinischen Gründen bereits mit Immunsuppressiva (Arzneimittel zur Drosselung der körpereigenen Immunabwehr) behandelt werden müssen.

In der Regel folgt einer Erkrankung mit Windpocken eine lebenslange Immunität des Betroffenen. Allerdings sind in selteneren Fällen auch Mehrfacherkrankungen eines Betroffenen mit Windpocken möglich. Dies ist vor allem der Fall, wenn eine entsprechende Erstinfektion sehr schwach verlaufen ist oder sie in sehr früher Kindheit durchlebt wurde, so dass der Körper keine ausreichenden Antikörper bilden konnte.

Komplikationen

Vor allem bei Erwachsenen, schwangeren Frauen und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, die an Windpocken erkranken, können Komplikationen auftreten.

In seltenen Fällen können sich aus einer Erkrankung an Windpocken schwerere Komplikationen entwickeln, wie beispielsweise Entzündungen von Hirn oder Lunge. Nach einer ausgeheilten Infektion verbleiben weiterhin Viren in den Nervensträngen von Rückenmark und Gehirn und können im Laufe des Lebens reaktiviert werden. Häufig äußern sie sich dann beispielsweise in Erkrankungen wie der Gürtelrose.

Prävention & Was kann ich selbst tun

  • Näheren Kontakt mit wissentlich an Windpocken Erkrankten meiden, da Feuchtblattern über eine weitere Distanz über Tröpfcheninfektion übertragen werden können.
  • Medizinisch ist eine  präventive Impfung gegen einer Windpockenerkrankung möglich. Vorgesehen ist sie laut bereits bei Kindern.
  • Ist eine Ansteckung bereits erfolgt, ist beispielsweise eine sogenannte passive Impfung möglich, die in der Regel ein schnelleres Antworten des Immunsystem auf das Virus erlauben und so einen Ausbruch der Erkrankung verhindern können: Bei dieser Impfung werden dem Organismus nicht - wie bei vielen anderen Impfungen - abgestorbene Viren eines Erregers verabreicht, um den Körper zur Produktion von Antikörpern anzuregen, sondern ihm werden entsprechende Antikörper zugeführt. Um effektiv zu sein, muss eine solche passive Impfung allerdings innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens nach der Infizierung mit dem Windpocken-Virus erfolgen (ca. spätestens innerhalb von 96 Stunden). Beispielsweise kann sich eine solche Passivimpfung in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt bei noch nicht immunen abwehrgeschwächten Menschen oder bei Frauen, bei denen eine Schwangerschaft vorliegt, empfehlen.


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