Norovirus

Humane Noroviren sind hochgradig ansteckende RNA-Viren, welche innerhalb kurzer Zeit eine heftige Gastroenteritis auslösen. Die zwei typischen Symptome einer Infektion sind Durchfall und Erbrechen. Die Behandlung erfolgt rein symptomatisch, da bisher keine ursächliche antivirale Therapie bekannt ist. Durch gezielte Hygienemaßnahmen lässt sich das Risiko zu erkranken jedoch stark reduzieren.

NorovirusSymptome bei Norovirus können Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Gliederschmerzen sein. (Foto by: piotr_marcinski / Depositphotos)

Bei Noroviren handelt es sich um RNA-Viren, welche der Familie der Caliciviridae zugeordnet werden. Können Noroviren in den menschlichen Körper eindringen, vermehren sie sich im Dünndarm und führen zu einer viralen Gastroenteritis, umgangssprachlich aus als Magen-Darm-Grippe bezeichnet.

Da Noroviren hochansteckend sind, kann bereits eine Anzahl von 10-100 Viren eine Erkrankung auslösen. Nach einer Infektion mit Noroviren kommt es zu einer kurzzeitigen Immunität. Nichtsdestotrotz kann es immer wieder zu einer durch Noroviren ausgelösten Erkrankung kommen, da es verschieden Stämme gibt, gegen die noch keine Immunität vorliegt.

Während der Herbst- und Wintermonate kommt es vermehrt zum Auftreten von Norovireninfektionen. Immer wieder kommt es zu lokalen Ausbrüchen der Erkrankung. Besonders davon betroffen sind Orte, wo Menschen in engem Kontakt miteinander stehen, also etwa Altersheime, Krankenhäuser, Schulen und auch Kreuzfahrtschiffe. In den vergangenen Jahren waren besonders geriatrische Abteilungen in Krankenhäusern sowie Alten- oder Pflegeheime von Ausbrüchen betroffen. Bei einer Infektion mit Noroviren zeigen sich meist nur für wenige Tage Symptome bis die Krankheit wieder abheilt.

Ursachen für eine Norovirus Infektion

Wie bei vielen anderen Viruserkrankungen erfolgt eine Ansteckung mit dem Norovirus durch eine Schmier- oder Kontaktinfektion.

Fäkal-Orale Übertragung

Vor allem das Erbrochene bzw. der Stuhl von Betroffenen sind hochinfektiös. Am häufigsten ist eine fäkal-orale Übertragung von Noroviren.

Dabei kommt es zur Aufnahme von infektiösen Partikeln im Stuhl durch den Mund. Dies geschieht im Rahmen einer Kontaktinfektion. Bei diesem Übertragungsweg verbleiben geringe Spuren von infiziertem Stuhl oder Erbrochenen an Gegenständen, wie etwa dem Toilettensitz oder Türklinken. Berührt der nächste Benutzer der Toilette diese Gegenstände, kommt er in Kontakt mit Noroviren.

Wird dann nach dem Toilettengang auf das Händewaschen vergessen, können die Viren, etwa über die Nahrungsaufnahme, in den Mund gelangen und von dort aus den Körper besiedeln. Noroviren können auf Gegenständen wie Türklinken, Wasserhähnen oder Getränkeflaschen bis zu 12 Tage lang überleben und selbst sehr kalte oder heiße Temperaturen aushalten.

Bei der selteneren oralen Übertragung ist die Ansteckung durch das Einatmen von kontaminierten Aerosolen in der Luft gegeben.

Symptome bei einer Norovirus Infektion

Typischerweise führt eine Infektion mit Noroviren nach einer kurzen Inkubationszeit von wenigen Stunden bis drei Tagen zu einer schweren Gastroenteritis. Zuallererst kommt es zu Appetitlosigkeit und Übelkeit. In weiterer Folge kommt es zu staken Durchfällen und Erbrechen. Nicht selten verlieren Betroffene innerhalb weniger Stunden große Mengen an Flüssigkeit und sind dadurch dehydriert.

Diese Symptomatik ergibt sich, weil der Körper versucht die Krankheitserreger möglichst schnell aus dem Körper zu schleusen. Seltener kommt es einer Fieberreaktion des Körpers, um die Viren abzutöten.

Betroffene können zusätzlich unter Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen leiden. Diese Symptome, vor allem die Dehydrierung, sind besonders für Kinder und alte Menschen potentiell lebensgefährlich.

Erwachsene leiden eher unter Durchfällen und Kinder bzw. Jugendliche eher unter Erbrechen. Verursachen die Noroviren eine schwere Gastroenteritis, kann Blut bzw. Darmschleimhaut im Stuhl der Betroffenen gefunden werden.

Als mögliche Komplikation kann es zu Kreislaufproblemen bis hin zum Kreislaufversagen, aufgrund des großen Flüssigkeitsverlustes, kommen.

Untersuchungen und Diagnose

Laboruntersuchungen

Die Symptome lassen in den meisten Fällen bereits eine Verdachtsdiagnose zu. Der Arzt wird zur endgültigen Diagnosestellung jedoch Laboruntersuchungen anordnen, denn es gibt neben dem Norovirus noch andere Erreger welche eine virale Gastroenteritis auslösen können. Zum exakten Nachweis von Noroviren wird die sogenannte RT-PCR Methode verwendet. Mithilfe der Reversen Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion können RNA-Viren nachgewiesen werden.

Dabei wird zur entnommenen Probe des Patienten das Enzym Reverse Transkriptase hinzugefügt. Dieses Enzym hat die Fähigkeit RNA in DNA umzuschreiben. Danach wird die virale DNA durch die PCR so stark vermehrt, dass sie letztlich labortechnisch nachgewiesen werden kann. Die sehr teure RT-PCR Methode verfügt über eine hohe Spezifität, das bedeutet, dass das gesuchte Virus mit hoher Wahrscheinlichkeit richtig identifiziert werden kann.

Der Erregernachweis ist auch durch den sogenannten ELISA Test möglich, damit kann virale RNA mithilfe von Antikörpern, allerdings mit geringer Spezifität, nachgewiesen werden. Selten kommt es zur aufwändigen Diagnosestellung durch Stuhluntersuchungen. Die Identifizierung des Krankheitserregers ist besonders bei Norovirenausbrüchen in öffentlichen Einrichtungen, wie Krankenhäusern, von größter Bedeutung. Eine Norovireninfektion ist meldepflichtig.

Augrund der hohen Infektiosität der Viren, kann auf eine Erregerbestimmung verzichtet werden, wenn diese bei erkrankten Personen im Umfeld bereits geschehen ist und eine typische Symptomatik vorliegt.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Die Behandlung einer Infektion mit Noroviren erfolgt rein symptomatisch, da es bis jetzt keine ursächliche medikamentöse Therapie gibt. Bei ansonsten gesunden Erwachsenen ist meist keine weitere Behandlung notwendig.

Flüssigkeits- und Elektrolytverlust ausgleichen

Behandlung NorovirusBei einer Norovirus-Erkrankung ist es extrem wichtig, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. (Foto by: Olyina / Depositphotos)

Es reicht den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust auszugleichen. Es ist extrem wichtig ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Wasser eignet sich dazu natürlich am besten, es kann jedoch auch Kamillentee oder Schwarztee getrunken werden. Da der Körper bei einer Gastroenteritis jedoch nicht nur viel Wasser, sondern auch Elektrolyte verliert, sollten auch diese dem Körper wieder zugeführt werden. Sehr gut dazu geeignet ist zum Beispiel eine Trinkbrühe.

Es gibt auch Elektrolytgetränke, die bei einer Magen-Darm-Grippe getrunken werden können. Auf Cola sollte verzichtet werden, da die Kohlensäure und die Inhaltsstoffe den Magen-Darm-Trakt zusätzlich reizen. Besonders bei Kindern, älteren Menschen sowie gesundheitlich beeinträchtigen Menschen, kann der Wasserverlust bis zur völligen Dehydrierung und zum Tod führen. In diesen Fällen ist eine Einweisung ins Krankenhaus sinnvoll. Dort müssen die Ärzte und das behandelnde Pflegepersonal besonders auf die Hygiene achten um eine Verbreitung der Erkrankung zu verhindern. Bereits geringe Belastungen mit Noroviren können die Infektion auslösen.

Die Sterblichkeitsrate bei einer Norovireninfektion ist sehr niedrig; in den meisten Fällen sind ältere Menschen betroffen und dies auch nur, wenn eine Behandlung ausbleibt. Es gibt zurzeit keine antivirale Therapie und auch keine Impfung. Das Wichtigste ist der Ausgleich des oft enormen Flüssigkeitsverlustes. Ins Krankenhaus eingelieferte Patienten erhalten eine Infusion mit einer Elektrolytlösung. Kommt es zu starkem Erbrechen, können Antiemetika gegeben werden.

Medikamente und Hausmittel

Bei starkem Durchfall können ebenso Medikamente eingesetzt werden. Auch Hausmittel wie Schwarztee können helfen. Leiden Patienten unter Bauchkrämpfen können zusätzlich krampflösende Mittel verabreicht werden. In diesem Fall kann das Trinken von Kamillentee Abhilfe verschaffen. Bekannte Schmerzmittel wie Ibuprofen werden bei Fieber und Schmerzen eingesetzt. Allerdings sollten Schmerzmittel nur in Notfällen gegeben werden, da sie die Magenschleimhaut zusätzlich reizen können.

Prävention und was ich selbst tun kann

  • Die wichtigste Maßnahme zur Prävention einer Infektion mit Noroviren ist die Einhaltung allgemeiner Hygienemaßnahmen. Dazu gehören hygienische Maßnahmen wie das Händewaschen. Dies ist besonders nach jedem Toilettengang und vor dem Essen wichtig. Auch sollte man die ungewaschenen Finger nicht in den Mund nehmen. Die Hände sollten vor jedem Kontakt mit dem Mund gründlich gereinigt, wenn möglich auch desinfiziert, werden. Darüber hinaus sollten Wäsche und Geschirr regelmäßig abgekocht werden.
  • Bei Fällen von Gastroenteritis in der Umgebung sollte vermehr darauf geachtet werden, die Seife bzw. Handtücher nicht mit anderen Personen zu teilen. Sind bereits Familienmitglieder erkrankt, ist es wichtig den Kontakt so weit wie möglich einzuschränken. So sollte zum Beispiel darauf verzichtet werden aus demselben Glas zu trinken.
  • Auch Höflichkeitsgesten wie Händeschütteln sind nicht zu empfehlen; auf diesem Weg kann es leicht zu einer Übertragung des Virus kommen. Darüber hinaus sollte beachtet werden, dass der Norovirus auch durch Aerosole in der Luft übertragen werden kann. Daher sollte ein Sicherheitsabstand eingehalten werden, wenn sich jemand übergibt. Erkrankt ein Familienmitglied am Norovirus sollten alle benutzten Gegenstände mit geeigneten Mitteln desinfiziert werden.


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