Erste Hilfe bei Badeunfällen und Ertrinken

Jedes Jahr ertrinken in Österreich mindestens 30 Menschen, darunter auch Kleinkinder. Schuld ist oft die Unwissenheit Betroffener, Eltern und potentieller Ersthelfer.

Ertrinken BadeunfälleJedes Jahr ertrinken in Österreich zahlreiche Menschen, darunter auch Kinder. (Foto by: bankerwin / Depositphotos)

Ertrinken ist nicht gleich Ertrinken

Der Vorgang des Ertrinkens ist wissenschaftlich gesehen eine besondere Form der Asphyxie, vereinfacht ausgedrückt der Erstickung. Wird Flüssigkeit eingeatmet, verschließt sich der Kehldeckel am Kehlkopf sofort. Dazu versucht der Körper durch den Reflex des Abhustens die Flüssigkeit auszustoßen.

Man unterscheidet pathologisch zwischen dem Ertrinken in Süß- und Salzwasser, da hier unterschiedliche Körperreaktionen hervor gerufen werden.
 
Durch den hohen Salzgehalt von Salzwasser wird ein Lungenödem verursacht. Statistisch gesehen sind hier die Überlebenschancen größer als beim Ertrinken in Süßwasser.
 
Beim Ertrinken in Süßwasser dringt das Wasser in den Blutkreislauf ein, wodurch das Blut stark verdünnt wird. Zudem kommt es in der Regel zum Herzkammerflimmern.

Trockenes Ertrinken

Oben geschilderte Arten des Ertrinkens bezeichnet man im Allgemeinen als nasses Ertrinken. Davon unterschieden wird das trockene Ertrinken.
 
Dabei kommt Wasser in die Luftröhre - hier reichen schon kleinste Mengen aus - und die Kehlkopfmuskulatur reagiert mit einer Verkrampfung, um die Lungen vor dem Eintritt des Wassers zu schützen. Da so aber auch keine Luft mehr in die Lunge gelangen kann, erstickt man.

Sekundäres Ertrinken

Tatsächlich ist es auch möglich, Tage nach dem eigentlichen Wasserkontakt zu Tode zu kommen. Hier spricht man vom sekundären Ertrinken.
Dies kann passieren, wenn kleinere Mengen Wasser geschluckt werden und diese dann Entzündungen oder Ödeme in der Lunge auslösen. Dadurch kommt es zu einem Sauerstoffmangel. Für Kinder ist die Gefahr, an sekundärem Ertrinken zu sterben, besonders groß, da für ihre kleineren Lungen die Menge Wasser, die tödlich werden kann, geringer ist.

Typische Symptome für das sekundäre Ertrinken sind:

Der lautlose Tod

Der Tod durch Ertrinken tritt relativ schnell und lautlos ein. Dadurch bleibt nur sehr wenig Zeit, die drohende Gefahr zu erkennen und zu handeln.

Die meisten Unfälle passieren im privatem Umfeld. Hier sind vor allem kleine Kinder betroffen, die für einige Minuten unbeaufsichtigt waren. Oft verlassen sich Eltern auf Schwimmhilfen wie Schwimmflügel, die jedoch keinen ausreichenden Schutz bieten. Kleinkinder sind noch nicht in der Lage, ihren Kopf allein aus dem Wasser zu ziehen. Dadurch können sie innerhalb kürzester Zeit ertrinken, wenn sie mit dem Kopf unter Wasser geraten.

Bei Erwachsenen dauert der Vorgang des Ertrinkens meist nur etwa drei bis fünf Minuten, in dessen Verlauf die betroffene Person ohnmächtig wird.
 
Bei Eintauchen in das Wasser hält man in der Regel zunächst den Atem an, um kein Wasser zu schlucken. Dabei kommt es nach kurzer Zeit zu einem Abfall des Blutdrucks, das Herz wird langsamer. Manchmal wird hier schon kurzzeitig das Bewusstsein verloren. Kann der Betroffene den Atem nicht mehr anhalten, wird Wasser geschluckt. Der Ertrinkende wird reflexartig versuchen, dieses Wieder auszuhusten. Hierbei kommt es zu Krämpfen und zur Ohnmacht. In Folge dessen geht der Ertrinkende unter und stirbt schließlich.

Was tun bei einem Badeunfall?

Oft wird fälschlicherweise angenommen, Ertrinkende würden durch Winken oder lautem Schreien auf sich aufmerksam machen. In vielen Fällen haben die Betroffenen aber nicht einmal genug Luft zum Atem, dementsprechend können sie nicht um Hilfe rufen.

Tatsächlich kann man Ertrinkende eher an auffällig wenig Bewegung im Wasser erkennen. Oft haben Ertrinkende eine vertikale Körperhaltung, mit seitlich ausgestreckten Armen, und haben den Kopf im Nacken. Auf Zurufe reagieren sie nicht. Ertrinkende Kinder liegen oft vornüber im Wasser.
 
Erste Hilfe ErtrinkenErtrinkende erkennt man an auffällig wenig Bewegung im Wasser. (Foto by: microgen / Depositphotos)


Ersthelfer müssen unbedingt darauf achten, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. Der erste Instinkt ist, zu dem gefährdeten Menschen zu schwimmen und ihn aus dem Wasser zu ziehen.
 
Ist die Person aber in Panik, kann es passieren, dass sie die helfende Person versehentlich unter Wasser drückt. Deshalb ist es sicherer, dem Ertrinkenden wenn möglich aus einer stehenden Position heraus einen schwimmenden Gegenstand zu reichen. Begibt man sich doch ins Wasser, um die Person an Land zu ziehen, muss darauf geachtet werden, dass der Kopf über Wasser bleibt.

Wenn vor Ort, sollten auch professionelle Helfer, wie Bademeister oder die Wasserwacht, schnellstmöglich alarmiert werden. Zudem sollte in jedem Fall ein Notarzt gerufen werden.

Ist der Verunfallte schließlich an Land, sollte man bis zum Eintreffen des Arztes die Vitalfunktionen überprüfen und ihn nicht allein lassen. Unter Umständen ist er unterkühlt, hier sollte man dennoch direkte Sonne vermeiden, sondern die Person zudecken. Ist sie bewusstlos, muss man sie in die stabile Seitenlage bringen, atmet sie nicht mehr, sollte sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden.

Wichtig ist, keine Versuche zu unternehmen, um das Wasser aus dem Körper des Betroffenen zu entfernen. Dies wird nicht funktionieren, kann aber für Verletzungen sorgen.

Selbsthilfe - Bitte ruhig bleiben!

Wer selbst in eine Situation gerät, in der die Gefahr besteht, zu ertrinken, sollte Panik vermeiden. Wichtig ist, ruhig zu atmen, den Kopf über Wasser zu halten und sich umzusehen. Möglicherweise ist in Sichtweite Land, ein Boot oder ein schwimmender Gegenstand. Auch, wenn man nicht komplett aus dem Wasser herauskommt, ist die Chance zu überleben größer, wenn auch nur ein Teil des Körpers außerhalb des Wassers liegt. Im Idealfall rettet man sich so auf einen Gegenstand oder an Land, dass im Falle der Bewusstlosigkeit freie Atmung gewährleistet ist.

Der Versuch, größere Strecken zu schwimmen, sollte jedoch vermieden werden. Hierfür wird die Kraft nicht ausreichen.

Prävention ist der beste Schutz - Wie minimiert man das Ertrinkungsrisiko

Ertrinkungsrisiko reduzierenUm das Ertrinkungsrisiko zu reduzieren, sollten einige Punkte beachtet werden. (Foto by: tan4ikk / Depositphotos)

Kinder stets beaufsichtigen

Ertrinken gehört zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern unter drei Jahren. Deshalb sind besonders die Eltern gefragt. Wie schon erwähnt können insbesondere Kinder sehr schnell zum Opfer werden. Deshalb dürfen Kleinkinder niemals ohne ständige Beaufsichtigung im Wasser oder in Wassernähe sein.

Kälteschock vermeiden

Auch ein Kälteschock oder Unterkühlung kann zum Tod durch Ertrinken führen, da der Mensch bewusstlos wird, wenn die Körpertemperatur zu weit absinkt. Sollte man beim Schwimmen also anfangen zu frieren, ist es Zeit, das Wasser zu verlassen.

Gefahrenquellen ausschließen

Bevor man sich in Gewässer wagt, sollte man sicherstellen, dass keine Gefahr durch Schifffahrt, Schleusen oder ähnliches herrscht.

Vorsicht bei Unwissen

Des Weiteren sollte man niemals ins Wasser springen, wenn man nicht weiß, wie tief das Wasser ist oder ob dort Hindernisse wie Felsen sind, die zu Verletzungen führen können.

Nie ins Wasser bei Gewitter

Bei starkem Regen oder Gewitter sollte man Wasser meiden. Hier besteht die große Gefahr, von einem Blitz getroffen zu werden.

Persönliche Grenzen kennen

Entscheidend ist auch, die eigenen Grenzen zu kennen. Schwimmt man im offenen Gewässer, sollte man nie zu weit raus schwimmen, um sicherzugehen, dass auch der Rückweg bewältigt werden kann. Zudem sollte man nicht alkoholisiert baden gehen.

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