Erste Hilfe bei Stromunfall und Stromschlag

Durch elektrischen Strom kommt es immer wieder zu gefährlichen Unfällen, die sogar lebensbedrohliche Ausmaße annehmen können. Besonders betroffen sind berufstätige Erwachsene sowie Kinder. Die Schwere einer Stromverletzung hängt von vielen Faktoren wie der Stromspannung, der Stromstärke, der Dauer des Stromflusses aber auch vom Alter des Betroffenen sowie dem Gesundheitszustand ab.

bewusstloser Mann nach StromschlagBevor nach einem Stromunfall Erste Hilfe geleistet werden kann, muss die Stromquelle ausgeschaltet werden. (Foto by: photographee.eu / Depositphotos)

Wie kommt es zu Stromunfällen?

Von einem Stromunfall ist die Rede, wenn eine Person in Kontakt mit Elektrizität gerät. Berührt der Betroffene einen Gegenstand, der Strom führt, sowie die Erde, kommt er in Kontakt mit einem Stromkreis, sodass ein elektrischer Schlag erfolgt.

Der Organismus der betroffenen Person wird vom Strom durchflossen. Die Schäden, die dabei entstehen, können im Extremfall sogar den Tod zur Folge haben.

In den meisten Fällen treten Stromunfälle im Haushalt auf. Ebenso sind Unfälle durch Blitzeinwirkung bei einem Gewitter möglich.

Ausmaß der Schädigungen durch einen Stromunfall

Bei dem Ausmaß der Schädigungen, die bei einem Stromunfall auftreten können, spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle.

Dazu gehören:

  • die Art des Stroms, wie Wechselstrom oder Gleichstrom
  • die Frequenz
  • wie lange der Stromfluss andauert
  • welchen Weg er durch den Körper nimmt
  • der Körperwiderstand
  • wie groß die Kontaktfläche ausfällt

Als besonders kritisch für den menschlichen Körper gilt Wechselstrom, da er gefährliche Herzrhythmusstörungen und Kammerflimmern hervorrufen kann.

Durch Gleichstrom kommt es bei Berührung zu kurzen Muskelzuckungen, die mitunter in eine Muskelverkrampfung übergehen. Von Stromintensität und Durchströmungsdauer hängt bei Gleichstrom das Risiko ab, dass auch bei ihm durch einen Stromschlag Herzrhythmusstörungen oder Kammerflimmern einsetzen.

Niederspannungs- und Hochspannungsbereiche

Es gilt zwischen Niederspannungsbereichen und Hochspannungsbereichen zu unterscheiden. Die Niederspannungsbereiche betragen bis zu 1000 Volt, während die Hochspannungsbereiche ab mehr als 1000 Volt einsetzen.

Stromunfälle im Niederspannungsbereich

Bei Stromunfällen im Niederspannungsbereich sind oftmals kurze Kontakte zur Spannungsquelle vorhanden. Die Durchströmungszeiten halten nur kurz an. Sie werden auch als „Wischer“ bezeichnet.

Weil der Betroffene dabei meist Abwehrreaktionen zeigt, sind außerdem zusätzliche Verletzungen wie ein Leitersturz möglich.

Wenn der Strom die Hand durchfließt, ist es denkbar, dass sich die Muskeln mechanisch zusammenziehen und sich die Kontaktzeit verlängert. Zu den möglichen Folgeerscheinungen zählen Rupturen von Muskeln oder Sehnen sowie Zerrungen.

Erfolgt ein kurzer Stromweg durch den Brust-Rücken-Raum, besteht die Gefahr von Atemstörungen. Im schlimmsten Fall drohen lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen, Kammerflimmern sowie ein tödlicher Herzstillstand.

Entscheidend sind dabei die Intensität des Stroms und wie lange der Organismus vom Strom durchflossen wird.

Stromunfälle im Hochspannungsbereich

Etwa 10 Prozent der Stromunfälle werden durch Hochspannung verursacht.Etwa 10 Prozent der Stromunfälle werden durch Hochspannung verursacht. (Foto by: oknebulog / Depositphotos)

Bei Hochspannungsunfällen drohen weitere Schädigungen des Körpers wie Muskelbeeinträchtigungen, Verbrennungen und Knochenfrakturen, wenn der Betroffene weggeschleudert wird oder stürzt.

Außerdem sind Läsionen des Nervensystems wie Lähmungserscheinungen im Bereich des Möglichen.

Was sind die häufigsten Ursachen von Stromunfällen?

Vor allem im Haushalt, in dem Niedrigspannung von normalerweise 230 Volt und Stromstärken von 50 bis 100 Milliampere herrschen, treten immer wieder Stromunfälle auf. Nicht selten sind defekte Elektrogeräte aufgrund von beschädigten Kabeln der Auslöser. Oft machen sich die betroffenen Personen auch selbst an Elektroleitungen zu schaffen, obwohl sie dafür gar nicht qualifiziert sind.

Häufig werden kleine Kinder Opfer von elektrischen Schlägen, weil sie unbeaufsichtigt an den Steckdosen herumspielen.

Jugendliche erleiden mitunter Stromunfälle, weil sie an Überlandstromleitungen herumklettern oder sich beim Drachensteigen der Drache in einer Stromleitung verfängt.

Stromunfälle geschehen aber auch in der freien Natur bei Gewittern. Dabei besteht das Risiko, vom Blitz getroffen zu werden.

Welche Symptome treten bei einem Stromunfall auf?

Die Anzeichen eines Stromunfalls richten sich nach der Stromspannung, ihrer Dauer sowie dem Stromfluss. Außerdem spielt die körperliche Konstitution der betroffenen Person eine bedeutende Rolle.

Bei niedriger Stromspannung treten zumeist leichte Verbrennungen oder Krämpfe an den Muskeln auf. Hält die Stromspannung längere Zeit an, drohen starke Verbrennungen und Herzrhythmusstörungen. Im schlimmsten Fall stirbt der Betroffene durch einen Herzstillstand. Vor allem bei Hochspannung nimmt der Stromunfall beinahe immer einen tödlichen Verlauf.

Wie ein Mensch auf einen elektrischen Schlag reagiert, hängt mitunter auch von seiner Bekleidung ab. So wird der Stromwiderstand durch das Tragen von Schuhen, die mit einer Gummisohle ausgestattet sind, verstärkt.

Spätfolgen eines Stromunfalls

Manchmal zeigen sich die Folgen eines Stromunfalls auch erst später. Schwere Verbrennungen können beispielsweise Auswirkungen wie Infektionen oder die Schädigung von Organen hervorrufen.

Wann zum Arzt oder ins Krankenhaus?

Nach einem Stromschlag sollte prinzipiell der Gang zum Arzt oder in ein Krankenhaus erfolgen. Das gilt auch dann, wenn der Betroffene nicht über Beschwerden klagt. So besteht das Risiko, dass sich später Herzrhythmusstörungen zeigen.

Leidet die betroffene Person unmittelbar nach dem elektrischen Schlag unter Beschwerden wie Atemnot, Herzrasen oder Krämpfen, ist sofort ein Notarzt zu verständigen.

Notarzt-StromunfallBei einem Stromunfall, egal in welchem Ausmaß, ist immer der Notarzt zu alarmieren. (Foto by: logoboom / Depositphotos)

Erste Hilfe nach einem Stromunfall

Stromunfall mit Niederspannung

Kommt es zu einem Stromunfall mit Niederspannung, sind vor der Ersten Hilfe einige Sicherheitsvorkehrungen zu beachten, um weitere Unfälle zu vermeiden:

  • So muss der Strom abgeschalten werden (FI-Schalter) und das verursachende Gerät vom Strom getrennt werden.
  • Außerdem sind der Netzstecker zu ziehen und der Betroffene an einem sicheren isolierten Standort zu platzieren.
  • Ist ein Kabel, das noch Strom führt, in der Nähe vorhanden, kann dieses mit einem nicht leitenden Gegenstand wie einem Holzbesen entfernt werden.

Erste Hilfe nach einem Stromunfall im Hochspannungsbereich

Strom abschalten

Im Falle eines Hochspannungsunfalls ist der Strom durch eine Nachricht an das Elektrizitätswerk abzuschalten, da auch aus der Ferne das Risiko besteht, dass er die helfenden Personen gefährdet.

Sicherheitsabstand

Bis zum Abschalten des Stroms ist ein Sicherheitsabstand von rund 20 Metern einzuhalten. Erst wenn das Fachpersonal den Strom abgeschaltet hat, dürfen die Erste-Hilfe-Maßnahmen beginnen.

Allgemeine Erste Hilfe Maßnahmen

Notarzt verständigen

Wichtigste Erste-Hilfe-Maßnahme ist das Verständigen des Notarztes unter dem Notruf 144 in Österreich (Euro Notruf 112). Falls weitere Personen in der Nähe sind, können auch diese um Hilfe gebeten werden.

Ansprechbarkeit prüfen

Gelingt es, den Verletzten aus dem Gefahrenbereich zu bringen, wird zunächst überprüft, ob er bei Bewusstsein ist, dabei kann dieser angesprochen oder behutsam geschüttelt werden.

Atmung kontrollieren

Zur Kontrolle der Atmung wird der Kopf überstreckt.

Stabile Seitenlage bzw. Oberkörper erhöht lagern

Funktioniert das Atmen normal, kann die betroffene Person in eine stabile Seitenlage gebracht werden.

Ist der Betroffene bei Bewusstsein und eine Atmung erkennbar, sollte der Oberkörper erhöht gelagert werden.

Beruhigen und Kleidung

Bis zum Eintreffen des Notarztes sollte der Betroffene beruhigt werden. Beengende Kleidungsstücke sollten geöffnet werden.

Atmung kontrollieren

Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes ist die Atmung regelmäßig zu kontrollieren.

Unterkühlung vorbeugen

Um einer Unterkühlung des Betroffenen entgegenzuwirken, sollte er warm zugedeckt werden.

Wiederbelebungsmaßnahmen

Atmet der Betroffene nicht normal, sind Wiederbelebungsmaßnahmen notwendig. Zu diesem Zweck wird er zwei Mal beatmet und erhält bis zu 30 Mal eine Herzdruckmassage. Dies geschieht solange, bis der Betroffene ein Lebenszeichen von sich gibt oder der Rettungsdienst eintrifft.

Im Unterschied zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand gelten die Wiederbelebungsaussichten nach einem Stromunfall als aussichtsreicher. Wichtig ist jedoch, die Erste-Hilfe-Maßnahmen möglichst schnell durchzuführen.

Verletzungen versorgen

Liegen weitere Beeinträchtigungen der betroffenen Person vor, wie zum Beispiel Verbrennungen, müssen diese ebenfalls versorgt werden, wie durch eine sterile Behandlung. Das gilt auch für weitere eventuelle Verletzungen wie zum Beispiel Knochenbrüche.

Hier finden Sie einen Kurzfilm über Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Stromunfällen:

Erste-Hilfe-Maßnahmen im Überblick

  • Atmung, Puls und Bewusstsein des Betroffenen sind zu überprüfen
  • Sofort den Notarzt rufen (144, Euro-Notruf 112)
  • Wenn der Betroffene bewusstlos ist, ist er in eine stabile Seitenlage zu bringen.
  • Wenn Puls und Atmung aussetzen, mit den Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen.
  • Wenn es durch den Stromunfall zu Brandverletzungen gekommen ist, sollten die Wunden entsprechend, wenn möglich, keimfrei abgedeckt werden.
  • Auch wenn der Betroffene über keinerlei Beschwerden klagt, sollte der Ersthelfer auf eine ärztliche Untersuchung bestehen. Denn auch 24 bis 48 Stunden nach dem Unfall kann es zu unter Umständen lebensbedrohlichen Funktionsstörungen kommen.

Untersuchung im Krankenhaus

In der Klinik wird zunächst ein EKG vorgenommen, um nach eventuellen Herzrhythmusstörungen zu suchen.

Ob eine stationäre Behandlung im Krankenhaus stattfinden muss, richtet sich danach, ob das EKG Auffälligkeiten ergibt oder weitere Verletzungen bestehen.

Zu beachten sind außerdem subjektive Symptome wie Herzschmerzen, Atemnot oder Benommenheit, Verletzungen durch sekundäre Unfälle, eine Schwangerschaft, starke Verbrennungen sowie Vorerkrankungen des Herzens.

Behandlung nach einem Stromunfall

Vor allem nach einem Hochspannungsunfall muss umgehend eine stationäre Behandlung in einem Krankenhaus erfolgen, da mit thermischen Auswirkungen zu rechnen ist.

Im Krankenhaus erfolgt auch die Versorgung von Verbrennungen und weiteren möglichen Verletzungen.

Gegen die Schmerzen erhält der Patient schmerzstillende Medikamente.

In schweren Fällen kann eine Polytraumabehandlung erforderlich sein.

Bei anhaltenden Herzproblemen erhält der Patient Antiarrhythmika oder Katecholamine bei einer Insuffizienz.

In manchen Fällen kann auch eine operative Behandlung nötig sein, um zum Beispiel Nerven freizulegen und Druckschäden entgegenzuwirken.

Prävention: Wie lässt sich einem Stromunfall vorbeugen?

Durch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen können Stromunfälle im Haushalt verhindert werden.Durch entsprechende Sicherheitsvorkehrungen können Stromunfälle im Haushalt verhindert werden. (Foto by: Aynur_sib / Depositphotos)

Am besten ist es, dass es gar nicht erst zu einem Stromunfall kommt.

Sicherheitsvorkehrungen im Haushalt

Im Haushalt können einige Sicherheitsvorkehrungen dabei helfen:

  • Ist zum Beispiel ein Elektrogerät beschädigt, darf es nicht mehr weiter verwendet werden.
  • Muss eine Reparatur an einer Elektroleitung vorgenommen werden, darf dies ausschließlich durch einen Fachmann erfolgen.
  • Auch defekte Kabel oder Stecker sollte ein Experte ersetzten. Vom Flicken mit einem Isolierband wird abgeraten.
  • Kommt es im Haushalt einmal zu einem Wasserrohrbruch, sind Wasser und Strom umgehend abzustellen, um einen Stromunfall zu verhindern. Auch elektrische Geräte müssen vorläufig außer Betrieb genommen werden.

Stromunfälle bei Kindern vermeiden

Kindern sollte deutlich erklärt werden, dass das Spielen an Steckdosen oder Stromleitungen gefährlich ist. Abhilfe können Steckdosen mit Kindersicherungen schaffen. Grundsätzlich dürfen kleine Kinder nicht an Elektrogeräte herankommen, die für sie gefährlich werden können, was besonders für das Badezimmer gilt.

Schutz vor Blitzeinschlägen

Im Freien sollte während eines Gewitters ein sicherer Schutz vor Blitzeinschlägen gesucht werden.


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Quellen:

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV): www.dguv.de (Abruf: 2.7.2019)

Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: www.gesundheit.gv.at (Abruf: 2.7.2019)

Österreichisches Rotes Kreuz: www.roteskreuz.at (Abruf 2.7.2019)

Vergleichsportal: www.verivox.de (Abruf 2.7.2019)

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