Arzneimittelallergie

Reagiert der Körper auf bestimmte Inhaltsstoffe von Medikamenten mit einem Arzneimittelexanthem (Hautausschlag), spricht man von einer Arzneimittelallergie. Dabei ist die Dosis des jeweiligen Medikamentes unwichtig. In der Regel ist die allergische Reaktion auf die Haut beschränkt, doch auch andere Organe können davon betroffen sein.

ArzneimittelallergieBei einer Arzneimittelallergie werden verschiedene Inhaltsstoffe in Medikamenten nicht vertragen. (Foto by: alexraths / Depositphotos)

Was ist eine Arzneimittelallergie?

Bei einer Arzneimittelallergie reagiert der menschliche Körper auf bestimmte Inhaltsstoffe in Medikamenten allergisch, meist mit einem Exanthem (Hautausschlag). Arzneimittel bestehen neben den Wirkstoffen auch aus Hilfsstoffen (Geschmacksstoffe, Füllmittel, Stabilisatoren, etc.). So kann es sein, dass ein Betroffener auf einen anderen Bestandteil des Medikamentes reagiert als den eigentlichen Wirkstoff.

Der Ausschlag geht vom Bindegewebe der Gefäße aus und bildet sich in der Regel selbständig wieder zurück. Ein Exanthem kann nur an bestimmten Körperstellen auftreten oder aber auch am ganzen Körper gleichmäßig verteilt sein. Bei rund 10% der Allergiker auf eine Arzneimittelallergie entwickelt sich die allergische Reaktion auf Penicillin. Es gibt aber auch Medikamente, die ebenso häufig eingesetzt werden, wie das Digoxin (herzstärkend), doch es kommt dabei sehr selten zu allergischen Reaktionen.

Die Ursache für eine Arzneimittelallergie

Eine Arzneimittelallergie entsteht, wenn es zu einer übersteigerten Reaktion des Immunsystems auf verschiedene, bestimmte in Arzneimitteln enthaltene Substanzen (Inhaltsstoffe) kommt. Besonders bei lokal angewendeten Arzneimitteln, die direkt auf die Haut aufgetragen werden, entsteht häufig ein Arzneimittelexanthem.

Die Wirkstoffe, die innerlich angewendet werden und zu einer allergischen Reaktion führen, können unter anderem sein:

  • Barbiturate (Schlafmittel)
  • trizyklische Antidepressiva oder Neuroleptika (Psychopharmaka)
  • Phenytoin (Antiepileptika)
  • Oxicame, Pyrazolone, Goldpräparate, D-Penicillamin (Schmerz- und Rheumamittel)
  • Penicilline, Chloramphenicol, Cephalosporine, Sulfonamide, Nitrofurantoin (Chemotherapeutika und Antibiotika)
  • Suxamethonium (Muskelrelaxanzien)
  • Isoniazid (Tuberkulosemittel)
  • Chinin (Malariamittel)
  • Jod, Perchlorat (Schilddrüsenmedikamente)
  • Insulin (Hormone)
  • Hydrazalin, Procainamid (Herz-Kreislauf Arzneimittel)
  • Gelatine, Dextran (Blutersatzmittel)

Lokal angewendete Wirkstoffe, die zu einer allergischen Reaktion führen können, sind unter anderem:

  • Procain und Lidocain (lokale Betäubungsmittel)
  • Antihistaminika (H1-Rezaptorantagonisten)
  • Imidazole, Penicillin, Sulfonamide (Chemotherapeutika und Antibiotika)

Weiters können allergische Reaktionen aufgrund von Konservierungsstoffen in Medikamenten ausgelöst werden. Das können beispielsweise Substanzen wie ein Parabene-Mix, Thiomersal oder Benzalkoniumchlorid sein.

Die Symptome einer Arzneimittelallergie

Bei 80% der Allergiker kommt es bei einer Arzneimittelallergie zu einem Hautausschlag (Exanthem). Die allergischen Symptome der Haut äußern sich durch folgende Merkmale:

  • Rötungen
  • Ödeme
  • Schwellungen
  • wässrigen Quaddeln
  • großflächigen, entzündlichen Hautausschlägen (Exanthemen).

Auftreten können die Symptome an den Schleimhäuten, der Haut, den Nägeln, den Haaren und den Talg- und Schweißdrüsen. Ein begleitendes Symptom ist oft starker Juckreiz.

Eine arzneimittelallergische Reaktion kann von einer photoallergischen Dermatitis bis zum Lyell-Syndrom (eine toxische, epidermale Nekrolyse) reichen.

Anfangs äußert sich eine Arzneimittelallergie eher schwach, kommt es zum wiederholten Kontakt mit dem Auslöser treten neben den Hautreaktionen auch Beschwerden wie Schwindel, Schweißausbruch, Übelkeit, Atemnot oder gar ein Kreislaufzusammenbruch auf.

Die Beschwerden sind sehr unterschiedlich und meist auch nicht schwerwiegend. Allerdings kann es bei Symptomen wie dem Lyell-Syndrom oder dem Stevens-Johnson-Syndrom zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen.

Symptombe ArzneimittelallergieBei 80% der Allergiker kommt es bei einer Arzneimittelallergie zu einem Hautausschlag (Foto by: grinvalds / Depositphotos)

Die Behandlung einer Arzneimittelallergie

In erster Linie ist es notwendig, dasjenige Medikament, dass Auslöser für die allergische Reaktion ist, abzusetzen. Nimmt ein Allergiker mehrere Medikamente gleichzeitig ein, kann das allerdings schwierig sein.

Der Betroffene erhält in der Regel bei einer allergischen Reaktion auf ein Medikament Glukokortikoid.

Besteht ein erhöhter Juckreiz, wird zudem ein Antihistaminikum verabreicht.

Bei gravierenden allergischen Reaktionen sind manchmal intensivmedizinische Maßnahmen erforderlich.

Der Verlauf der Arneimittelallergie und mögliche Komplikationen

Wird das Medikament, welches die allergische Reaktion auslöst, abgesetzt, ist die Prognose sehr gut, das Exanthem heilt je nach Stärke in ein paar Tagen bis zu sechs Wochen ab. Es kann aber zu schwerwiegenden Komplikationen kommen, wenn das Arzneimittelexanthem sehr stark ausgeprägt ist oder nicht nur die Haut, sondern auch andere Organe betroffen sind.

Schwere Schäden an der Haut richtet beispielsweise das Lyell-Syndrom an - die betroffenen Hautstellen sind einer Verbrennung sehr ähnlich. Außerdem kann es unter anderem bei diesem Syndrom zu Nierenversagen kommen. Meist sind für die beiden schweren Syndrome (Lyell und Stevens-Johnson-Syndrom) Antibiotika, Schmerzmittel wie Meloxicam, Chemotherapeutika oder das HIV-Mittel Nevirapin Auslöser.

Die schwerwiegendste Komplikation bei einer Arzneimittelallergie ist ein anaphylaktischer Schock, bei dem mehrere Organe betroffen sind und er mit dem Tod enden kann. Weiters kann es zu einem Arzneimittelfieber, der Serumkrankheit oder Lupus erythematodes aufgrund des Verlaufes einer Arzneimittelallergie kommen.

Kann man einer Arzneimittelallergie vorbeugen?

Prinzipiell ist eine Vorbeugung gegen eine Arzneimittelallergie nicht möglich, da der Körper auf so gut wie jede Substanz unerwartet allergisch reagieren kann. Es ist sinnvoll, bei bestehenden Arzneimittelallergien den Arzt vor Verabreichung einer neuen Medikation darüber genau zu informieren.

Tipp: Allergiker sollten immer den Allergiepass mit sich führen, damit in Situationen, wo sie nicht für sich sprechen können (Notfallsituation mit Einlieferung ins Krankenhaus), die Ärzte sofort informiert sind und entsprechend handeln können. Das kann lebensrettend sein.


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