Traditionelle Europäische Medizin (TEM): Interview über Geschichte, Anwendung, Vor- und Nachteile

PD Dr. habil. Karl-Heinz Steinmetz ist Leiter des Instituts für Traditionelle Europäische Medizin in Wien und beantwortet in dem Interview Fragen über das Thema Traditionelle Europäische Medizin.

Traditionelle Europäische MedizinDie Traditionelle Europäische Medizin umfasst eine ganze Palette von verschiedenen Verfahren. (Foto by: alexraths / Depositphotos)

FitundGesund.at: Was ist die Traditionelle Europäische Medizin (TEM)? Welche Säulen bzw. Grundlagen sind dabei besonders wichtig?

PD Dr. habil. Karl-Heinz Steinmetz: Die TEM umfasst zahlreiche traditionelle Heilverfahren aus Europa, die zur Vorbeugung und Heilung von Krankheiten dienen. Unter anderem können Dysbalancen im Körper ausgeglichen und die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden.

Die Klostermedizin ist eine wichtige Station und Säule in der Entwicklung der TEM, aus der heute noch viele Anregungen stammen – etwa in der Anwendung von Kräutern oder Fragen der gesunden Ernährung.

Weitere Bereiche sind die Kneipp-Medizin, die Naturheilkunde, die Homöopathie sowie die anthroposophische Medizin.

FitundGesund.at: Können Sie uns kurz etwas über die Geschichte der Traditionellen Europäischen Medizin erzählen?

PD Dr. habil. Karl-Heinz Steinmetz: Zur TEM gehören eine große Palette von Methoden: Anamnese, Diagnose und Therapie, die in einem Zeitraum von etwa 500 v. Chr. bis zum Anbruch der Moderne im 19. Jahrhundert breite Anwendung fanden.

Der Traditionsbogen spannt sich von ersten Beschreibungen traditioneller europäischer Heilverfahren seit Hippokrates von Kos aus der Zeit um 500 v. Chr. bis zu jenen des Berliner Arztes Hufeland um etwa 1820 n. Chr.

Das im Jahr 2015 gegründete Institut für Europäische Medizin in Wien verfolgt das Ziel, alte Traditionen zu heben und soweit möglich und sinnvoll neu zu interpretieren.

Des Weiteren gibt es in Österreich inzwischen erste Ärzte, Kurhäuser, Vereinigungen und eine TEM-Akademie, die sich des Themas annehmen sowie den TEM-Kongress vom 13. bis 14 Oktober am FH Campus Wien mit spannenden interdisziplinären Diskussionen zur Förderung der TEM in Österreich und auf internationaler Ebene. (www.tem-kongress.com).

FitundGesund.at: Welche Behandlungsmethoden gibt es bzw. wann können diese angewendet werden?

PD Dr. habil. Karl-Heinz Steinmetz: Die TEM deckt die ganze Palette von Verfahren ab:

Viele TEM-Methoden sind ja auch heute noch bekannt, wurden jedoch vielfach von modernen Verfahren oder der TCM verdrängt.

Die Entscheidung, wann TEM-Therapien passend und angesagt sind, obliegt zunächst dem kompetenten Arzt, dem/der Ernährungsberatung etc.

SchröpftherapieAuch die Schröpftherapie zählt zur TEM. (Foto by: AndreyPopov / Depositphotos)

Darüber hinaus kennt die TEM aber ein Gesundheitswissen, das jeder und jede selbst zur Gesunderhaltung anwenden darf: TEM-Gesundheitsküche nach den vier Elementen, TEM-Sauna, Heilkräuter bei Befindlichkeitsstörungen, und vieles mehr.

FitundGesund.at: Was sind Archetypen? Wie und warum wird dieser bestimmt? Welche Typen gibt es?

PD Dr. habil. Karl-Heinz Steinmetz: Gemäß der 4-Temperamente-Lehre gibt es vier Grundtypen:

  • Sanguiniker
  • Choleriker
  • Melancholiker
  • Phlegmatiker

Eine gute Medizin ist ja keine Einheitsmedizin für einen Einheitspatienten, sondern sie schaut sich den konkreten Menschen an, damit die Behandlungen abgestimmt werden können.

Und um eine gewisse Vielfalt der Patienten geht es bei den Temperamenten: der eine ist ein warm-feuchter Sanguiniker, der anderer ein warm-trockener Choleriker, kalt-trockener Melancholiker oder kalt-feuchter Phlegmatiker.

Genauere Infos und Einblicke in die TEM bietet mein Ratgeber „Medizin der 4 Temperamente“, erschienen im GU-Verlag.

FitundGesund.at: Gibt es Gemeinsamkeiten mit der Traditionellen Chinesischen Medizin?

PD Dr. habil. Karl-Heinz Steinmetz: Wie die TCM oder die indische Heilmethode Ayurveda ist die TEM ein seriöses Heilverfahren mit ganzheitlichem Blickwinkel, bei der eine Krankheit oder ein Symptom nicht isoliert, sondern der Mensch in Zusammenhang mit seinem Umfeld betrachtet und entsprechend seiner Bedürfnisse behandelt wird.

Gerade zwischen Indien, Tibet, Persien und Europa gab es im Mittelalter einen großen interkulturellen Austausch.

FitundGesund.at: Welche Vorteile bringt die Traditionelle Europäische Medizin mit sich?

PD Dr. habil. Karl-Heinz Steinmetz: Eine große Stärke der TEM liegt etwa in psychosomatischen Verfahren, speziell wenn es um den Komplex Lebenssinn, Psyche, Spiritualität sowie um konkrete Somatisierungsformen geht.

In der TEM steht das, was in der modernen Schulmedizin als Kassenleistung aufgrund der Zeitnot zumeist fehlt, im Mittelpunkt: Aufmerksamkeit und Zuwendung. Viele Patienten fühlen sich im aktuellen Gesundheitsbetrieb oft nicht ernst genommen. Und dann kennt die TEM einfach spannende Therapie, die leider in Vergessenheit geraten sind und wieder neu erforscht werden sollten.

FitundGesund.at: Gibt es auch Nachteile?

PD Dr. habil. Karl-Heinz Steinmetz: Die moderne Medizin bietet gerade bei akuten Problemen viele Möglichkeiten, die ganzheitliche Methoden nicht leisten können – etwa in der Notfallmedizin oder bei Infektionskrankheiten.

Wenn es allerdings um komplexe, den gesamten Lebensstil betreffende Themen geht, bietet die TEM wertvolle Anregungen.

Vielen Dank für das Gespräch!


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