Meditation heilt. Schmerzfrei in ein neues Leben: Interview mit Meditationsmentorin Katrin Jonas

Internationale Körper-Mind-Therapeutin, Meditationsmentorin und Autorin Katrin Jonas erzählt in dem Interview über ihr neues Buch "Meditation heilt - schmerzfrei in ein neues Leben" und gibt wertvolle Tipps, wie Meditation bei Schmerzen helfen kann.

Katrin JonasFrau Katrin Jonas ist internationale Körper-Mind-Therapeutin, Meditationsmentorin und Autorin. (Foto by: Katrin Jonas)

FitundGesund.at: Frau Jonas, vor kurzem ist Ihr neues Buch „Meditation heilt. Schmerzfrei in ein neues Leben.“ erschienen. Der Titel ist schon sehr aussagekräftig, aber können Sie uns noch etwas detaillierter erzählen, worum es genau geht?

Frau Katrin Jonas: Ich zeige Menschen mit langwierigen Schmerzen, dass es durchaus andere Alternativen der Schmerzintervention gibt als Medikamente, klassische Therapieformen oder Operationen.

Im Schmerzfall zu meditieren ist aus meiner Erfahrung heraus tatsächlich eines der wirkungsvollsten und effektivsten Tools. Während die aktuelle Hirnforschung inzwischen die positive Wirkung von Meditation auf das individuelle Schmerzempfinden belegt, entspricht dies auch meinen Beobachtungen in der Praxis.

Was das konkrete Vorgehen anbelangt, sollten Betroffene zunächst verstehen, worauf es in der Meditationspraxis vor dem Hintergrund von Schmerz ankommt. Darauf gehe im Buch detailliert ein. Es funktioniert nicht, ein Schmerzmittel beispielsweise eins zu eins durch Meditationspraxis zu ersetzen. Der positive Effekt von Meditation entsteht, indem Betroffene eine Distanz zu den so genannten „Mindprozessen“ einzunehmen lernen und aus den „inneren Turbulenzen“, zu denen auch Schmerz zählt, „aussteigen“. Im Buch zeige ich anhand von über dreißig praktischen Übungen, wie das konkret funktioniert.

FitundGesund.at: In Ihrem Buch schreiben Sie über aktives und passives Meditieren bei Schmerz? Was darf man darunter verstehen?

Frau Katrin Jonas: Wenn Menschen im Allgemeinen an Meditation denken, haben sie zumeist den still sitzenden Buddha als Vorbild vor ihrem geistigen Auge. Aber Meditieren heißt nicht notwendigerweise zu sitzen.

Es gibt zahlreiche an Bewegung, Atmung oder an die Sinne gebundene Meditationstechniken, die insbesondere für Schmerzerfahrene oftmals die besseren Alternativen sind. Niemand muss sich auf dem Meditationskissen herumquälen und sich zur Ruhe zwingen. Sobald ich das meinen Klienten sage, horchen sie zumeist erleichtert auf.

Meditation heilt.Im April erschien das Buch "Meditation heilt. Schmerzfrei in ein neues Leben." von Frau Jonas. (Foto by: Katrin Jonas)

FitundGesund.at: Warum ist es wichtig zu meditieren? Welche Vorteile bringt Meditation mit sich? Was passiert dabei im Körper?

Frau Katrin Jonas: Wir Menschen sind heutzutage zu sehr auf unsere Gedankenwelt fixiert. Es nicht verkehrt zu denken, aber Denkvorgänge haben ihr Limit. Sie sind dann notwendig, wenn eine Angelegenheit auf der kognitiven Ebene gelöst werden muss.

Also: Wenn Sie einen Kreditvertrag unterschreiben, ein Haus kaufen, Wissenschaftler sind oder studieren, ist es gut, wenn Sie den Intellekt bedienen und Ihre Gedanken beisammen haben.

Doch im Zuge des Fühlens, Empfindens, Bewegens oder Glücklichseins steht das Denken im Weg. Dann ist der „Mind“ das falsche Instrument.

Genau deshalb, eben weil sich der innere Fokus bei sehr vielen Menschen massivst auf das Nachdenken verlagert hat, befinden sie sich in einer chronischen inneren Dysbalance, die zu Symptomen wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Tinnitus, Kieferproblemen, Nackenschmerzen oder Rückenschmerzen führen kann.

Meditation hat die Kraft, diese Dysbalance auszgleichen. Durch das bewusste Aussteigen aus den Mindprozessen erholt sich das Nervensystem von Grund auf und das unterscheidet die Meditation von anderen Ansätzen.

FitundGesund.at: In Ihrem Buch geben Sie viele praxisbezogene Tipps und Anleitungen. Können diese auch bei chronischen Schmerzen angewendet werden?

Frau Katrin Jonas: Die Anleitungen sind speziell für Menschen mit chronischen Schmerzen aufbereitet. Ich habe bewusst meine therapeutischen Erfahrungen mit ungezählten Klienten eingebracht, weil ich mir dessen bewusst bin, dass es nach einer längeren Schmerzgeschichte nicht wie auf Knopfdruck gelingt, das Nervensystem ins Stillsein hineinzuführen.

Ich kann hier bereits etwas verraten: Im Herbst erscheint ein reiner Praxisband zum Buch. Dieser beinhaltet ein Programm, das besonders für Menschen mit chronischem Schmerz aufbereitet ist.

FitundGesund.at: Was hat es mit der Achtsamkeit auf sich?

Frau Katrin Jonas: Bleiben wir konkret beim Thema „Schmerz“. Wenn jemand langwierige Schmerzen hat und weder Medikamente noch andere therapeutische Maßnahmen gegriffen haben, macht es Sinn, einen Strategiewechsel vorzunehmen.

In meinem Verständnis heißt das, seinen Körper aufmerksam zu beobachten und seine wirklichen Bedürfnisse zu erkennen. Um diese herauszufiltern, braucht es eine gute Selbstbeoabachtungsgabe und Wachheit im Hier und Jetzt.

Doch es gibt auch noch eine globale, übergreifende Bewusstheit, die sich nicht auf solche inhaltlichen Erkenntnisse bezieht. Genau. Damit meine ich den Bereich der Meditation. Diese Art der globalen Achtsamkeit regt unsere Aufmerksamkeitsnetzwerke im Gehirn noch massiver zu einer „Neuverdrahtung“ an und führt auch zu einer übergreifenderen Regeneration.

FitundGesund.at: Gibt es noch weitere Faktoren, die für die erfolgreiche Schmerzverarbeitung relevant sind?

Meditation gegen SchmerzenFrau Jonas erklärt in dem Buch warum Meditation eine wirkungsvolle Methode gegen Schmerzen ist. (Foto by: Katrin Jonas)

Frau Katrin Jonas: Ja. Ich möchte mich auf drei essenzielle Punkte beschränken:

  1. Vermeiden Sie Stress als einen der Hauptursachen von Schmerz. Ich weiß, das sagt heutzutage jeder. Doch bedenken Sie eines: Wie die Experten der Körper-Mind-Medizin mahnen, verursacht Stress heutzutage über zwei Drittel der gesundheitlichen Beschwerden. Greifen Sie hier unbedingt ein!
  2. Sorgen Sie für einen entspannten Körper. Eine permanent erhöhte Muskelspannung führt häufig zu muskuloskelettalen Schmerzen, die unter den chronischen Beschwerden führend sind. Bleiben Sie entspannt, selbst wenn die Wellen einmal höher schlagen.
  3. Kümmern Sie sich um einen ausgeglichenen emotionalen Haushalt. Chronischer Schmerz wird, und das ist den meisten Betroffenen unbekannt, durch emotionale Probleme eins zu eins verstärkt. Wie Schmerzforscher belegen, kann man anhand der emotionalen Beteiligung am Schmerzgeschehen voraussagen, ob ein akuter Schmerz zur Chronifizierung neigt.

FitundGesund.at: Was raten Sie Betroffenen, damit der Alltag leichter fällt?

Frau Katrin Jonas: Auch hier greife ich drei Tipps heraus:

  1. Strukturieren Sie Ihren Alltag aus der Sicht Ihres Körpers. Werden Sie sich Ihrer Bedürfnisse bewusst und folgen Sie diesen. Viele meiner „Schmerzklienten“ sind damit oftmals sehr nachlässig. Sie sorgen sehr gern für andere, aber oftmals für sich selbst zuletzt.
  2. Nehmen Sie Ihren Fokus weg von dem, WAS Sie gegen den Schmerz machen könnten. Richten Sie ihn anstatt dessen auf WIE-Qualitäten, WIE Sie Ihren Alltag für sich und Ihren Körper leichter, anstrengungsloser, unbelasteter oder gelassener gestalten könnten.
  3. Schließlich komme ich zu der Grundbotschaft des Buches: Lernen Sie zu meditieren und zwar so, dass es mit Ihrem Körper harmoniert. Das kann mitunter Berge versetzen, selbst dann, wenn Schmerz schon seit Jahren besteht.

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