Schmerzfrei ohne Medikamente: Interview mit Meditationsmentorin Katrin Jonas

Internationale Körper-Mind-Therapeutin und Meditationsmentorin, BodyWareness-Trainerin und Autorin Frau Katrin Jonas erzählt in den Interview über Achtsamkeit, Schmerzbehandlung und -prävention sowie über ihr neues Buch.

Autorin Katrin JonasFrau Jonas stellt in ihrem Buch ein 30tägiges Schritt-für-Schritt-Programm zur Schmerzlösung vor. (Foto by: Vanity Studios London)

FitundGesund.at: Frau Jonas, in Ihrem neuen Buch „Schmerzfrei ohne Medikamente“ stellen Sie Ihr dreißigtägiges Programm zur Schmerzlösung vor, das auf dem Gebiet der Schmerztherapie bisher einzigartig ist. Aus welchen Bereichen und Themen setzt sich diese Schmerztherapie zusammen?

Frau Katrin Jonas: Das gesamte Programm beruht auf Achtsamkeits- und Meditationstools, die sich in der Arbeit mit schmerzerfahrenen Klienten in fast 20 Jahren bewährt haben.

Die Leser erhalten über einen Monat lang an jedem Tag einen kurz und prägnant gehaltenen Theorieteil, eine Tagesbeobachtung, die sich harmonisch in den individuellen Alltag einfügen lässt, und eine Tagesaufgabe, die eine Extrazeit von ca. 20-30 Minuten umspannt. Darüber hinaus gebe ich an jedem Tag einen so genannten „Insider-Tipp“ heraus. Da ich selbst seit über 20 Jahren meditiere, weiß ich, dass oftmals die kleinen, fast unscheinbaren Tipps und Tricks ausschlaggebend dafür sind, ob Meditationspraxis gelingt.

FitundGesund.at: Für wen ist dieses Praxisbuch geeignet? Müssen Schmerzpatienten Vorkenntnisse mitbringen? Bei welchen Arten von Schmerz kann dieses Programm angewendet werden?

Frau Katrin Jonas: Dieses Buch ist für alle Menschen geeignet, die Schmerzen haben, einschließlich derjenigen, die seit Längerem an ihren Beschwerden leiden.

Wenn Schmerzen allerdings akut sind und ein Schmerzschub so richtig tobt, sollte eine Akutversorgung im Vordergrund stehen und das Programm erst später begonnen werden, wenn sich die turbulenten Stürme gelegt haben.

Aber auch Menschen, die hin und wieder einmal Schmerzen spüren und präventiv etwas für sich tun möchten, können das Programm benutzen. Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich, aber der Wille und eine gewisse Determiniertheit dranzubleiben, schon.

Was die Arten von Schmerzen anbelangt, möchte ich gar nicht differenzieren. Meditative Schmerzintervention hat andere Prämissen, als es in der symptomfokussierten Therapie üblich ist. Viele Menschen glauben beispielsweise, dass die Schmerzen, die seit Längerem bestehen, die auf nichts angesprochen haben oder die einen eindrucksvollen Namen tragen wie neuropathische Schmerzen, chronische Polyarthritis oder Fibromyalgie (Faser-Muskel-Schmerz), eine geringere Chance auf Hilfe haben. Das kann sein. Ja. Aber es muss nicht so sein. Ich arbeite seit zwei Jahrzehnten auf dem Gebiet der Körper-Mind-Integration und Meditation und weiß, dass es immer Überraschungen gibt.

KörperbewusstseinDie Übungen in dem neuen Buch sollen dabei helfen, ein großes Maß an Körperbewusstsein zu entwickeln (Foto by: www.pixabay.com)

Zurück zur Frage: Theoretisch kann jeder von Schmerz betroffene Mensch das Programm anwenden, vorausgesetzt natürlich, dass es ihn anspricht.

Das Buch kann außerdem eine große Hilfe für alle sein, die mit schmerzerfahrenen Menschen arbeiten, also Therapeuten, Ärzte, Heiler, Massagetherapeuten, Yogalehrer, Meditationsleiter oder Coaches. Sie können ein Gefühl dafür bekommen, worum es in der achtsamkeitsbasierenden Schmerzintervention primär geht und die Praxisvorschläge in ihre Arbeit integrieren.

FitundGesund.at: Welche Vorteile ergeben sich durch die Ausführung der Übungen?

Frau Katrin Jonas: Der größte Vorteil besteht aus meiner Sicht darin, dass die Betroffenen ein großes Maß an Körperbewusstsein entwickeln, welches ihnen nicht nur im Umgang mit Schmerz, sondern auf allen Gebieten ihres Lebens zugute kommt.

Darüber hinaus sammeln sie wertvolle Erfahrungen mit Achtsamkeits- und Meditationstechniken und können herausfinden, welche zu ihrem Körper und ihrer individuellen Schmerzsituation am besten passen. Das halte ich für besonders wichtig, denn weder in der Schmerzintervention noch in der Meditation sollte es eine Gleichmacherei geben.

Ein wichtiger Vorteil kann außerdem darin bestehen, dass die Reduktion von Schmerzmitteln denkbar wird. Wenn die Nebenwirkungen von Schmerzmitteln wegfallen, kann allein dieser Faktor eine enorme Anhebung der Lebensqualität bedeuten.

Zur Lösung von den Schmerzmedikamenten gebe ich im Buch konkrete Hinweise. Ich habe mich dabei mit einem Arzt und Schmerztherapeuten, der selbst meditiert, abgestimmt, um dem Leser hier ein fundiertes Wissen zu vermitteln.

Buchcover"Schmerzfrei ohne Medikamente" ist das Praxisbuch zu "Meditation heilt". (Foto by: Katrin Jonas)

FitundGesund.at: Dürfen Medikamente abgesetzt werden? Wenn ja, wann?

Frau Katrin Jonas: Das Absetzen der Medikamente ist eine komplexe Angelegenheit. Generell empfehle ich, das Zurückfahren mit einem Mediziner des Vertrauens durchzuführen, am besten mit jemanden, der offen für dieses Thema ist.

Ein Herumspielen mit Medikamenten empfehle ich nicht, besonders dann nicht, wenn zusätzlich andere Medikamente eingenommen werden, Psychopharmaka im Spiel sind oder Akutzustände bestehen.

Wer sich allerdings selbst verarztet und sich Schmerzmittel in der Apotheke kauft, kann das Absetzen schrittweise allein versuchen. Dazu gebe ich im Buch konkrete Anhaltspunkte. Generell kann das Absetzen, falls gewollt und abgeklärt, frühestens nach der zweiten Programmwoche beginnen, im Idealfall dann, wenn die Meditations- und Achtsamkeitsübungen bereits gut greifen und der Betroffene sich mit diesen sicher fühlt. Noch einmal: Ich empfehle hier, auf Nummer sicher zu gehen und einen Arzt zu involvieren.

FitundGesund.at: Gibt es Möglichkeiten Schmerzen vorzubeugen? Wie können Menschen lernen richtig mit dem Schmerz umzugehen?

StressUnter anderem kann Dauerstress als Ursache für Schmerzen genannt werden. (Foto by: www.stocksnap.io)

Frau Katrin Jonas: Da sind zwei große Themen. Zunächst etwas zum Vorbeugen.

Schmerzen haben freilich unterschiedlichste Ursachen. Das heißt, dass man nicht allen Schmerzzuständen vorbeugen kann, weil manche durch Unfälle, Verletzungen, Operationen, Chemotherapie usw. entstehen. Bei den anderen Schmerzen, die mehr oder weniger „aus dem Blauen“ heraus oder nach und nach entstehen, gibt es wiederum einiges, was man an Vorkehrungen treffen kann.

Zunächst erst einmal empfehle ich allen Menschen, bei denen Schmerzen nur episodenhaft anklopfen und noch nicht manifest ist, alles zu tun, um das Ruder frühzeitig herumzudrehen. Viele Menschen unternehmen erst dann etwas, wenn Schmerzen sich verfestigt haben und Schmerzverarbeitungsvorgänge im Gehirn eingefahren sind. Die meisten Schmerzen haben meiner Beobachtung nach eine Vorlaufzeit von mindestens 6 Monaten und mitunter sogar von 2 bis 3 Jahren. In dieser Zeit hätte man mit einfachen Mitteln Abhilfe schaffen können.

Zum anderen möchte ich, was das Vorbeugen betrifft, drei große Stichworte nennen:

  1. Entspannung
  2. Stressfreiheit
  3. seelische Balance

Ein großer Teil von Schmerzen entsteht durch Dauerstress, tägliche Hektik, inneren Druck, überzogene Leistungsansprüche, familiären Kummer oder Überforderung. Diese Faktoren manifestieren sich über längere Zeiträume hinweg fast unbemerkt als Muskelspannung und Druck im Körper und können körperliche Strukturen wie beispielsweise Nerven, Sehnen, Organe oder die Bandscheiben in eine Engesituationen bringen.

Es ist ja nicht die Bandscheibe an sich oder der Ischiasnerv, was ursächlich zu Schmerzen führt, sondern die fehlende muskuläre Flexibilität, die durch bestimmte Einflüsse entstanden ist.

Wenn es also ums Vorbeugen geht, heißt es: Entspannen, für Balance im Leben sorgen, Prioritäten setzen und sich um seelische Gesundheit kümmern.

Letztere sollte man nicht unterschätzen. Viele Menschen akzeptieren Lebenssituationen, die ihnen schaden, die zu Daueranspannung, Unzufriedenheit und Sorgen führen. Diese Faktoren sind oftmals nicht nur für das Auslösen und Verstärken von Schmerzen verantwortlich, sondern verhindern auch, dass Therapieversuche greifen.

Und das schlägt die Brücke zum Umgang mit Schmerz. Die individuelle seelische und mentale Situation wirkt sich darauf aus, mit welcher Massivität Schmerzen wahrgenommen werden und wie wir sie bewerten und reflektieren. Dazu gibt es im Buch ebenso viel Wissenswertes, das unseren Blick auf Schmerzen durchaus verändern kann.

FitundGesund.at: Gibt es weitere Faktoren, die Betroffene im Alltag beachten sollten, um möglichst schmerzfrei zu sein?

Schmerzfrei"Ein zufriedener und erfüllter Mensch ist tatsächlich weniger anfällig für Schmerz.", so Jonas. (Foto by: racorn / Depositphotos)

Frau Katrin Jonas: Generell lege ich jedem Menschen nahe, ein großes Maß an Körperbewusstsein zu entwickeln, um so oft wie möglich wahrzunehmen, was für den eigenen Körper wichtig und richtig ist. Dies kann oftmals bereits der ausschlaggebende Punkt dafür sein, damit unnötige Spannung gar nicht erst im Körper Einzug hält.

Und ich plädiere für persönliche Zufriedenheit. Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was das mit Schmerzen zu tun hat. Lassen Sie es sich so sagen: Ein zufriedener und erfüllter Mensch ist tatsächlich weniger anfällig für Schmerz. Er hat nicht nur bessere Voraussetzungen dafür, dass sporadische Schmerzen sich nicht chronifizieren, sondern auch, dass Schmerz auch schneller vergeht. Innere Zufriedenheit sehe ich nicht nur als ein Sahnehäubchen aufs Leben, sondern als dessen Grundnahrung, die jeder Mensch wie die Luft zum Atmen braucht.

Mehr Informationen und Kontaktdaten von Frau Jonas finden Sie hier .

Vielen Dank für das Gespräch!!


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