Waldbaden: Eintauchen in die Natur als Wohltat für Körper und Seele

Ein Trend aus Japan hat den Wellness-Markt erobert: Shinrin Yoku oder auch Waldbaden genannt. Die Praxis des Waldbadens soll erstaunlich positive Effekte auf Körper, Geist und Seele haben und erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Doch was ist Waldbaden eigentlich? Wie wird es praktiziert? Und wie wirkt es?

Beim Waldbaden steht das bewusste Genießen und Wahrnehmen im Vordergrund.Beim Waldbaden steht das bewusste Genießen und Wahrnehmen im Vordergrund. (Foto by: AntonioGuillemF / Depositphotos)

Definition Waldbaden: Der Wald als Wellness-Oase

Wer zum ersten Mal den Begriff 'Waldbaden' hört, wird möglicherweise erst einmal irritiert sein und an ein tatsächliches Bad in einem Waldsee denken. Das ist hier aber nicht gemeint, denn 'Waldbaden' ist in diesem Fall noch wörtlicher zu verstehen. Es bezeichnet ein bewusstes Eintauchen in den Lebensraum Wald mit allen Sinnen.

Die Praxis kommt, wie gesagt, aus Japan. Hier entwickelte sich schon in den 80er Jahren der Gedanke, dass der Aufenthalt im Wald Körper und Psyche positiv beeinflussen könnte. Mittlerweile hat sich Shinrin Yoku in Japan als therapeutische Methode zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden etabliert und wird sogar von den Gesundheitsbehörden unterstützt.

Waldbaden ist mehr als ein Spaziergang oder ein einfacher Ausflug in den Wald. Die Umgebung Wald soll intensiv und bewusst mit allen Sinnen wahrgenommen und erlebt werden.

In den letzten Jahren erfreut sich das Waldbaden auch bei uns steigernder Beliebtheit. Etliche Anbieter veranstalten Seminare oder Kurse zum Waldbaden. Wer das Waldbaden ausprobieren möchte, braucht dazu aber nicht unbedingt professionelle Anleitung, sondern kann diese besondere Methode auch auf eigene Faust für sich entdecken.

Wie wirkt Waldbaden und wie gesund ist diese Methode?

Waldbaden wirkt. Das sagen nicht nur seine begeisterten Anhänger, sondern mittlerweile auch wissenschaftliche Studien. Die Wirkung von Shinrin Yoku kann dabei vielfältig sein: entspannend und ausgleichend, aber auch inspirierend und kraftspendend.

Es gilt als wohltuend bei psychischen Problemen und wirkt sich auch auf unseren Körper positiv aus. Das liegt zum Teil an der ruhigen und - im Vergleich zu unseren Städten - reizarmen Umgebung.

Für eine Weile können wir Hektik und Trubel hinter uns lassen und unserer Wahrnehmung Raum geben. Die Nähe zur Natur tut uns gut. Die angenehmen Sinneseindrücke stimulieren das Gehirn, Stresshormone werden reduziert, der Blutdruck sinkt, Erholung und Regeneration setzten ein und wir können Kraft tanken.

Doch es steckt noch mehr dahinter. Die Waldluft wirkt wie eine Aromatherapie auf unseren Körper. Sie enthält deutlich weniger Staubpartikel, dafür aber reichlich Sauerstoff und sogenannte Terpene. Stoffe, die von Pflanzen an die Luft abgegeben werden und unser Immunsystem positiv beeinflussen. Waldluft kann also helfen den Körper zu stärken und gesund zu bleiben.

Der Wald wirkt positiv auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit.Der Wald wirkt positiv auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. (Foto by: Pakhnyushchyy / Depositphotos)

Tipps und Anleitungen: Wie praktiziert man Waldbaden?

Da es beim Waldbaden um ein intuitives Erleben geht, gibt es eigentlich keine festen Regeln für das Vorgehen. Der Wald und seine Wirkung auf das eigene Befinden soll der eigenen Intuition folgend erforscht werden.

Dennoch gibt es einige Tipps und Hinweise, die helfen können, den Waldbesuch bestmöglich zu gestalten und das Waldbad voll auszukosten.

1. Ein geeignetes Waldstück wählen

Beim Shinrin Yoku sollte man sich möglichst ablenkungsfrei auf die Umgebung und die eigene Wahrnehmung konzentrieren können.

Das Waldstück sollte also ruhig sein und man sollte sich dort wohlfühlen. Das Gelände sollte gut begehbar sein und Möglichkeiten zum Verweilen bieten.

Man muss nicht zwingend allein sein beim Waldbaden, sich zu zweit oder in der Gruppe jedoch auf ein schweigendes Nebeneinander verständigen, damit sich jeder auf das eigene Erleben konzentrieren kann. Hinterher ist ein Austausch über das Erlebte natürlich gut möglich.

2. Bewusst Verbindung zum Wald aufnehmen

Der Wald sollte ganz bewusst betreten und wieder verlassen werden, wie eine organische Einheit, in die man gewissermaßen Eintaucht. Die Verbindung mit der Natur des Waldes erfordert auch Respekt. Natur und Tiere sollten möglichst nicht gestört werden.

Eintauchen in die Umgebung Wald und den Alltag hinter sich lassen.Eintauchen in die Umgebung Wald und den Alltag hinter sich lassen. (Foto by: Pakhnyushchyy / Depositphotos)

3. Zeit nehmen für bewusstes Empfinden

Das Waldbad sollte ohne Hektik und Zeitdruck stattfinden. Es geht auch nicht um körperliche der gar sportliche Betätigung. Entschleunigung und bewusstes Wahrnehmen stehen im Vordergrund. Es darf also langsam geschlendert und immer wieder pausiert werden.

Während des Waldbadens wird zwischendurch innegehalten und die Aufmerksamkeit auf die verschiedenen Sinne gelenkt. Welche Geräusche sind zu hören? Wie nimmt man Farben, Licht und Schatten wahr? Wie fühlt sich sie Luft auf der Haut und beim Einatmen an? Was riecht man? Wie fühlen sich Baumrinde, Moos oder Blätter an, wenn man sie berührt. Wenn Boden und Temperatur es zulassen, darf auch gern ein Stück barfuß gegangen werden.

4. Achtsame Selbstwahrnehmung

Auch nach innen soll der Blick gerichtet werden. Welche Wirkung hat der Wald auf mich? Welche Empfindungen sind präsent? Das Bewusstsein sollte auf die Gegenwart gerichtet sein.

Wenn man merkt, dass die Gedanken abschweifen, wird die Aufmerksamkeit wieder auf den gegenwärtigen Moment gelenkt. Die eigene Wahrnehmung und die Umgebung sollen wahrgenommen werden ohne zu hinterfragen, zu analysieren oder zu bewerten.

5. Ziellosigkeit

Es geht nicht darum, etwas bestimmtes zu entdecken oder zu erreichen. In einer leistungs- und gewinnorientierten Welt ist das ziellose Tun oft der Schlüssel zum Entspannen und Loslassen.

6. Waldbaden Übungen

Ein Kann, aber kein Muss, sind zusätzliche Übungen, die in das Waldbad integriert werden können. Atemübungen können in der Waldluft besonders effektiv sein. Auch Meditation oder Körperübungen (z.B. aus dem Yoga) können im Wald eine besondere Wirkung entfalten. Hier kann man ganz den eigenen Vorlieben und Wünschen folgen.


Bewertung: Ø 3,8 (4 Stimmen)

Autor: Natalie Skroblies
Infos zum Autor: freie Fachjournalistin
Erstellt am: 25.04.2019
Überarbeitet am: 29.04.2019

Quellen:

Themenportal zum Thema Waldbaden: www.waldbaden.org (Abruf: 25.4.2019)

Wissensmagazin des Mitteldeutschen Rundfunks: www.mdr.de (Abruf: 25.4.2019)

Magazin zu den Themen Achtsamkeit, Wachstum und Entschleunigung: www.mindfulmind.ch (Abruf: 25.4.2019)

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