Gerstenkorn (Hordeolum)

Rund jeder Dritte leidet mindestens einmal in seinem Leben unter einem Gerstenkorn. Dabei mag die pickelartige Entzündung am Auge zwar nicht wirklich schädlich sein – allerdings ist sie schmerzhaft und unangenehm. Aber wie geht man bei der Diagnose Gerstenkorn am besten vor?

GerstenkornEin Gerstenkorn ist schmerzhaft und unangenehm. (Foto by: Gromovataya / Depositphotos)

Bei einem Gerstenkorn, fachsprachlich Hordeolum genannt, handelt es sich grundlegend um nichts anderes als um einen „Pickel“. Trotzdem darf man diesen auf keinen Fall wie einen solchen behandeln. Nicht nur der sehr drastischeren Ursachen wegen. Auch, weil sich ein Gerstenkorn meistens sehr nahe am Auge befindet. In den „schlimmsten“ Fällen sogar auf oder unter den Augenlidern. Pressen und Drücken könnte die Entzündung also verschlimmern oder gar das Auge verletzen. Aber was passiert bei einem Gerstenkorn? Ganz einfach: Bei einem Gerstenkorn entzündet sich eine der Talgdrüsen in der näheren Augengegend.

Je nach Schwere der Entzündung kann es sich dabei um kleinere oder schwerere Entzündungen handeln – manche sind so schwach, dass wir sie zum Beispiel gar nicht wirklich als solche wahrnehmen. Das Gerstenkorn heilt also ab, bevor es wirklich zu Schwellungen und sichtbaren Eiterbildungen kommt. Anders sieht es aus, wenn sich das Gerstenkorn weiterentwickelt. Ist die Entzündung zu stark, kann der Körper diese nämlich nicht mehr schnell genug beseitigen. Das umliegende Gewebe der betroffenen Talgdrüse schwillt an und es bildet sich eine eitrige Entzündung.

Ursachen eines Gerstenkorns

Die häufigsten Ursachen eines Gerstenkorns sind eine Infektion der Augenliddrüsen. Diese wiederum werden meistens durch Bakterien ausgelöst – sehr häufig durch Staphylokokken und seltener durch A-Streptokokken. Außerdem wurden Gerstenkörner zum Teil auch gehäuft bei Menschen mit starken Akne-Beschwerden, mit der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder mit einem geschwächten Immunsystem verzeichnet. So können Gerstenkörner durch längere Erkrankungen und manchmal auch durch die Einnahme verschiedener Arzneimittel begünstigt werden. Jedoch werden Gerstenkörner keinesfalls ausschließlich durch gesundheitliche Gründe verursacht. Auch die richtige Hygiene spielt bei der Prävention von Gerstenkörnern eine große Rolle.

So sollte die Haut um die Augen stets gründlich von Schmutz, Make-up und auch Schweiß und Körperfett befreit werden. Ansonsten könnten die Drüsen ebenfalls verstopfen und sich, wie auch ein Mitesser, entzünden. Und: Die Hände sollten regelmäßig gewaschen werden, bevor man sich an oder in die Augen fasst. Denn auf diesem Wege können ebenfalls schädliche Keime an und in die Drüsen gelangen.

Symptome eines Gerstenkorns

Die typischsten Symptome eines Gerstenkornes sind eine meistens stark geschwollene, schmerzhafte, gerötete und auch eitrige Entzündung in unmittelbarer Augennähe. Zudem ist die betroffene Stelle sehr druckempfindlich und fühlt sich stark gespannt an. Sehr selten tritt ein Gerstenkorn mit Fieber und Unwohlsein auf. Ein Gerstenkorn kann sich am, im, auf und um das Auge herum auf den Lidern bilden. Beim Gerstenkorn wird aber immer zwischen einem Gerstenkorn im Auge (Hordeolum Internum) und einem äußeren Gerstenkorn (Hordeolum Externum) unterschieden.

Die Eiteransammlung macht sich meistens als gelbe und punktartige Sammlung bemerkbar, die früher oder später aufplatzt und abfließt. Manchmal heilt das Gerstenkorn allerdings auch ab, ohne dass sich die Entzündung öffnet. Meistens spüren die Betroffenen den ersten Druckschmerz und die ersten Spannungsgefühle bereits, bevor die Schwellung und auch die Entzündung wirklich sichtbar werden. Zudem kann gesagt werden, dass der Krankheitsverlauf sich meistens bereits im Endstadium befindet, wenn das Gerstenkorn als solches sichtbar wird.

Ein Arzt muss nicht unbedingt aufgesucht werden, da die meisten Gerstenkörner entweder abheilen, ohne sich zu öffnen – oder sich früher oder später von selbst öffnen und anschließend abheilen. Allerdings sollte man bei Unklarheiten oder starken Schmerzen und Problemen unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Untersuchungen & Diagnose

Die Diagnose Gerstenkorn ist meistens eine sehr schnelle. Denn: In den häufigsten Fällen muss der behandelnde Arzt das betroffene Auge nur kurz betrachten. Ein Gerstenkorn ist recht schnell zu erkennen. Vor allem dann, wenn es bereits stark entzündet und eitrig ist. Dennoch müssen andere Krankheiten ausgeschlossen werden – wie eine chronische Entzündung oder ein Hagelkorn. Solange das Gerstenkorn recht gut sichtbar ist, ist die Untersuchung eines solchen aber meistens ebenso schnell abgeschlossen, wie sie gänzlich schmerzlos ist. Nur die wenigsten Ärzte betasten es, da sie sich dem Schmerz des Patienten bewusst sind.

Ebenso wenig wird das Gerstenkorn sofort geöffnet, wenn es nicht notwendig ist. Etwas komplizierter könnte es werden, wenn sich das Gerstenkorn an einer schwer sichtbaren Stelle gebildet hat – beispielsweise unter dem oberen Augenlid. Hier muss allerdings auch entschieden werden, ob es – je nach Schwere und Schmerzhaftigkeit des Gerstenkorns – nicht doch empfehlenswert ist die Entzündung direkt zu öffnen. Das ist oft wenig schmerzhaft und bringt dem Patienten sofortige Erleichterung.

Behandlung, Therapie & Komplikationen

Behandlung GerstenkornSalben, Tinkturen und Augentropfen aus der Apotheke können bei einem Gerstenkorn angewendet werden. (Foto by: AndreyPopov / Depositphotos)

Die Behandlung eines Gerstenkorns verlangt keine umständlichen und auch langen Vorgehensweisen. Wie bereits erwähnt, öffnet sich die Entzündung meistens von selbst. Im Anschluss heilt das Gerstenkorn recht schnell wieder ab. Man kann die Therapie allerdings beschleunigen und unterstützen. Beispielsweise mit verschiedenen Salben, Tinkturen und auch Augentropfen, die in der Apotheke erhältlich sind. Antibiotika hingegen kommen sehr selten zum Einsatz – und wenn dann auch nur auf Anraten des behandelnden Arztes.

Für die meisten üblichen Mittel wird hingegen kein Rezept vom Arzt benötigt. Deshalb lohnt es sich immer, mit einem Gerstenkorn in der Apotheke vorbei zu schauen. Um das Aufplatzen der Entzündung zu beschleunigen, hilft übrigens Wärme. Diese kann dem Auge mit Rotlicht zugeführt werden, aber auch mit lauwarmen Umschlägen. Dadurch wird der Eiter flüssiger und die Haut entspannt sich. Hilft auch das nicht und die Entzündung geht auch nach längerem Abwarten nicht zurück, sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen. In seltenen Fällen wird der Arzt die Entzündung öffnen.

Wichtig ist aber, dass man dies unter keinen Umständen selbst tut. Das Gewebe der Lider ist enorm empfindlich. Deshalb sollte das Gerstenkorn auch nicht wie ein Pickel ausgedrückt werden – ganz egal ob es sich geöffnet hat oder nicht. Die Folge könnte nämlich eine schwerwiegende Entzündung sein, die sogar das Auge angreift.

Prävention & was kann ich selbst tun

Die beste Prävention gegen ein Gerstenkorn ist eine gute Hygiene, der auch um die Augen herum nachgegangen wird. Denn Gerstenkörner werden häufiger durch eine mangelnde Pflege der Haut ausgelöst als so mancher Betroffener denken mag. Vor allem Frauen sollten zudem darauf achten, dass sie Make-up stets gründlich entfernen und der Haut regelmäßige Ruhephasen gönnen. Gleiches gilt für die Hände, wenn mit diesen an die Augen gefasst wird. Denn so gelangen Bakterien und Keime in diese, die ein Gerstenkorn auslösen könnten.

Und: Ist ein Auge betroffen, sollte man aus Gründen der Vorsicht niemals mit derselben Hand oder mit demselben Handtuch das andere Auge berühren. Da Gerstenkörner aber ebenfalls häufig durch ein schwaches Immunsystem ausgelöst werden, helfen auch verschiedene Maßnahmen, die dieses gezielt Stärken. Sport, eine gesunde Ernährung und auch die geregelte Zufuhr aller notwendigen Vitamine und Mineralien, sind also ebenfalls sehr hilfreich. Ist man aus gesundheitstechnischen Gründen eingeschränkt oder gehört gar zu den Gerstenkorn-Risikogruppen, sollte man allerdings mit seinem Arzt sprechen.


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