ADHS-Syndrom (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom)

Viele leiden an ihm, ohne es zu wissen: ADHS. Das Problem mit der Konzentrationsschwäche ist zwar nicht heilbar, dennoch gibt es Möglichkeiten, mit ihr besser zu leben. Eltern können sogar bewusst einer Entwicklung von ADHS entgegenwirken.

ADHSMeist sind mehr Buben von ADHS betroffen als Mädchen. (Foto by: vschlichting / Depositphotos)

Das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom oder auch Hyperaktivitätssyndrom, kurz ADHS genannt, ist keine (psychische) Krankheit im engeren Sinne. Vielmehr ist es ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die in ihrer Gesamtheit den Betroffenen in seiner Fähigkeit sich auf etwas zu Konzentration einschränken.

Aufgrund des fehlenden uniformen Krankheitsbildes werden je nach individueller Ausgestaltung bzw. Ausprägung der einzelnen Symptome grob skizziert drei unterschiedliche Typen von ADHS differenziert:

  1. der hyperaktiv-impulsive Typ
  2. der unaufmerksame Typ
  3. eine kombinierte Form aus den beiden vorgenannten Typen

Erstmals beschrieben wurde das ADHS von dem deutschen Arzt Heinrich Hoffmann. Dieser verarbeitete seine Erkenntnisse allerdings nicht in einer fachgerechten Publikation, wie sie schon damals üblich war. Gerade weil er bei seinen Beobachtungen offenbar von keiner Krankheit ausging, verarbeitete er seine Analysen literarisch 1845 in dem Bilderbuch "Der Struwwelpeter".

Erst über 100 Jahre später, genauer genommen im Jahre 1987, wurden Hoffmanns Beobachtungen, die mittlerweile als psychische Störung gemeinhin anerkannt ist, in die heutige Bezeichnung des Aufmerksamkeitsdefizit-Syndroms formuliert. Zwar wird sie in vielen Publikationen als Kinderkrankheit bezeichnet, doch dies stimmt in vielerlei Hinsicht nicht.

Einerseits lässt die Erkenntnis, dass ADHS nicht heilbar ist, den Schluss nicht zu, dass nur Kinder an ADHS leiden können. Wegen der Unheilbarkeit wirkt ADHS in vielen Fällen auch im hohen Erwachsenenalter fort mit der Folge, dass auch Erwachsene ADHS haben können. Ferner sprechen Statistiken gegen die Bezeichnung "Kinderkrankheit". Namentlich sollen fünf Prozent aller Kinder an ADHS leiden; unter den Erwachsenen sind es immer noch drei Prozent.

Bei der Hälfte der von ADHS betroffenen Erwachsenen handelt es sich um jene, die schon in ihrer Kindheit betroffen waren; bei der anderen Hälfte stellt sich ADHS erst im Erwachsenenalter ein.

Pauschalisieren lässt sich ADHS anhand eines anderen Kriteriums: nämlich am Geschlecht. Bewiesen ist, dass Jungen und Männer deutlich häufiger betroffen sind als Mädchen und Frauen. Zwischen doppelt bis vier Mal so oft kommt ADHS bei Jungen und Männern vor. Woran das liegt, konnte bis heute nicht näher geklärt werden.

Ursachen von ADHS

Was die Ursache von ADHS ist, konnte nach derzeitigem Stand der Medizin nicht abschließend geklärt werden. Derzeit werden unterschiedliche Ansätze in der Medizin diskutiert, aber nur drei denkbare Faktoren werden von der Mehrheit der Forscher als naheliegend anerkannt.

Diese sind namentlich genetische Veranlagungen, erst während der Lebzeit erworbene Aspekte sowie psychologische Gründe.

Genetische Veranlagung

Hinsichtlich der genetischen Veranlagung wird davon ausgegangen, dass dies Grund für eine gestörte Signalverarbeitung in den Nerven ist. Der Signalstoff Dopamin kommt, so die Beobachtungen der Mediziner, bei ADHS-Betroffenen deutlich seltener im Gehirn vor als bei gesunden Menschen.

Es wird darauf geschlossen, dass die Übertragung zwischen den einzelnen Nerven somit gestört ist mit der Folge, dass Reize nicht ordnungsgemäß verarbeitet werden können, was die besagte Konzentrationsschwäche hervorruft.

Erworbene Aspekte

Unter den erworbenen Faktoren fallen insbesondere solche in der Schwangerschaft. Kinder von Müttern, die während ihrer Schwangerschaft (übermäßig) Alkohol trinken und rauchen, entwickeln häufiger ADHS.

Ebenso begünstigend wirken traumatische Erlebnisse von Kindern.

Zu beachten ist, dass sich die letzten beiden Faktoren nur begünstigend auf eine Entwicklung von ADHS auswirken können. Sie können mithin nur in Kombination mit einer entsprechenden genetischen Veranlagung des Kindes an Bedeutung gewinnen; als alleinige Auslöser scheiden sie somit aus.

Bewiesen ist dagegen, dass Nahrungsmittelallergien keine Auswirkung auf eine Entwicklung von ADHS haben können; diesbezügliche Ansichten konnten in Rahmen diverser Studien widerlegt werden.

Symptome bei ADHS

KonzentrationsschwächeBetroffene, die an ADHS leiden, haben mit einer Konzentrationsschwäche zu kämpfen. (Foto by: pressmaster / Depositphotos)

Hauptmerkmal des ADHS ist die bereits erwähnte Konzentrationsschwäche. Diese beschränkt sich aber mitnichten auf lernpsychologische Aspekte, wie zum Beispiel Schwierigkeiten beim Lesen von Sachbüchern über einen längeren Zeitraum. Vielmehr durchzieht es viele Lebenslagen der Betroffenen, die sich alterstypisch einteilen lassen. Weitere Symptome können auftreten:

  • oft unüberlegtes Handeln
  • großer Bewegungsdrang
  • körperliche Unruhe

Symptome bei Säuglingen

Bei Säuglingen tritt ADHS in Form von Schlafschwierigkeiten sowie Problemen bei der Feinmotorik in Erscheinung. Kleinkinder mit ADHS erlernen beispielsweise das selbstständige Essen mit Besteck erst später als ihre Altersgenossen.

Symptome bei Jugendlichen

Bei Jugendlichen sind neben der grundsätzlichen Ablenkbarkeit, Vergesslichkeit und Reaktionsträgheit als typische Symptome zu nennen. Nicht selten treten eine starke Impulsivität und eine erhöhte Risikobereitschaft hinzu.

Vorteilhafte Aspekte

Allerdings hat das ADHS auch seine vorteilhaften Aspekte. Beispielsweisen gelten ADHS-Betroffene als besonders kreativ, gerade weil sie sich nicht auf einen eng gesteckten Denkraum bewegen können, sondern versuchen, gedanklich naheliegende Punkte zu assoziieren. Ferner lassen sie sich Beobachtungen zufolge schneller für etwas begeistern und verfügen in der Regel über einen überdurchschnittlichen Gerechtigkeitssinn, wobei die Zusammenhänge, die hierzu führen, bisher unbekannt sind.

Untersuchungen und Diagnose

Wegen seiner Natur als psychische Störung gestaltet sich die Diagnose entsprechend schwierig.

Anknüpfungspunkt für das Vorliegen eines ADHS ist die Lebensgeschichte des Patienten. Soweit die Schilderungen den typischen Symptomen des ADHS entsprechen, sind weitere Untersuchungen vorzunehmen.

Entscheidend für den Arzt ist, dass die Symptome einerseits sehr stark ausgeprägt sind, das heißt, dass sich der Betroffene besonders leicht ablenken lässt, und andererseits die Dauerhaftigkeit.

Die Beschwerden müssen seit mindestens sechs Monaten bestehen. Erst dann werden weitere psychologischen Testverfahren angestrebt, wie beispielsweise das Lösen von IQ-Fragebögen unter einer bestimmten Zeitvorgabe. Dadurch sollen andere Krankheiten und psychologischen Störungen ausgeschlossen werden. Differenzialdiagnostisch nennenswert sind in diesem Zusammenhang die Lese-Schreib-Schwäche und die Epilepsie.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

ADHS BehandlungFür Eltern und Lehrer gilt es besonders Rücksicht auf Betroffene von ADHS zu nehmen. (Foto by: perig76 / Depositphotos)

ADHS ist nicht heilbar. Es existiert keine kausale Therapie, die die Ursache (Dopamin-Mangel und Störungen bei Signalaustausch zwischen den Nervenzellen) behandelt. Insoweit besteht als einzige Methode, die Symptome von ADHS abzumildern, was wiederum nicht pauschal, sondern an den individuellen Bedürfnissen des Betroffenen auszurichten ist.

  • An erster Stelle steht, gerade bei Kindern und Jugendlichen, das nahe Umfeld aufzuklären, insbesondere die Eltern und Lehrer, um besondere Rücksicht auf den Betroffenen nehmen zu können.
  • Darüber hinaus gibt es in medikamentöser Hinsicht Wirkstoffe wie DL-Amphetamine, die die Wirkung von Dopamin an den Nervenzellen erhöht. Die relativ gute Resonanz gibt dem Mittel recht: Bei über zwei Drittel der Anwender wirkt das Mittel. Allerdings gehen mit dem Mittel Nebenwirkungen wie Appetitverlust und Schlafstörungen einher. Ferner wirken die Mittel nicht dauerhaft, sondern - je nach konkreter Dosierung - zwischen vier bis 12 Stunden ab dem Zeitpunkt der Einnahme.

Prävention und was ich selbst tun kann

ADHS ist, wenn es erst einmal aufgetreten ist, nicht heilbar. Allerdings können gerade Mütter viel dagegen unternehmen, dass sich ADHS erst gar nicht entwickelt.

Zu den beiden Hauptauslösern, die bei Vorliegen entsprechender genetischer Veranlagung ein ADHS auslösen können, gehören das Trinken von Alkohol und das Rauchen durch die Mutter des Betroffenen während der Schwangerschaft. Dies gilt es, zu vermeiden.

Ferner sollten Eltern darauf achten, Streitigkeiten nicht vor Kindern auszutragen; traumatische Erlebnisse wie das heftige Streiten der eigenen Eltern kommen ebenso als Auslöser eines ADHS infrage.


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