Selbstverletzungen

Wenn Menschen sich selbst nicht-lebensgefährliche Verletzungen zufügen, spricht man von selbstverletzendem Verhalten oder kurz SVV. Zumeist verletzen sich die Betroffenen in jungen Jahren, in etwa ab Beginn der Pubertät. Mädchen sind wesentlich häufiger betroffen. Wie viele Menschen tatsächlich an SVV leiden, ist nicht hinreichend dokumentiert, es gibt keine zuverlässigen Statistiken.

SelbstverletzungenOft sind traumatische Erfahrungen der Grund für Selbstverletzungen. (Foto by: artem_furman / Depositphotos)

Was sind Selbstverletzungen?

Der Begriff selbstverletzendes Verhalten (SVV) oder autoaggressives Verhalten bezeichnet Verhaltensweisen von Menschen, die sich aufgrund innerpsychischer Störungen selbst nicht-lebensgefährlich verletzen.

Sie fügen sich beispielsweise mit Messern, Rasierklingen oder anderen scharfen Gegenständen Verletzungen an Körperstellen zu, die für andere nicht ersichtbar sind.

Genaue Zahlen zu Menschen die sich ritzen, scheuern oder kratzen bis das Blut fließt gibt es nicht. Die Betroffenen kommen aus allen sozialen Schichten. Sie beginnen durchschnittlich mit 16 Jahren mit den Selbstverletzungen, Frauen bzw. Mädchen sind in der Überzahl.

Die Ursachen für Selbstverletzungen

Die Ursachen für selbstverletzendes Verhalten sind nicht einfach einzugrenzen. Man geht davon aus, dass es in der Kindheit bzw. in der kindlichen Entwicklung des Betroffenen zu gravierenden Störungen gekommen sein muss.

So kann es sich um Vernachlässigung, sexuellen Missbrauch oder körperliche Misshandlungen handeln. Doch auch spätere traumatische Erfahrungen (wie eine Vergewaltigung) können zu Selbstverletzungen führen. Ebenso wie ein fötales Alkoholsyndrom (Alkoholkonsum der schwangeren Mutter). Auch kann es bei Menschen mit geistiger Behinderung zu psychotischen (schizophrenen) Schüben mit Selbstverletzungen kommen.

Die Symptome bei Selbstverletzungen

Medizinisch wird unterschieden zwischen heimlicher und offener Selbstverletzung sowie zwischen schwerer und leichter Selbstverletzung. Diese Begriffe sind jedoch relativ. Fakt ist, dass sich die Betroffenen leicht bis schwer selbst verletzen und dass die anfänglich leichten Verletzungen in der Regel immer schwerer werden und viele auch in einem bestimmten Maß suizidgefährdet sind. Außerdem wenden die Betroffenen oft mehrere Verletzungsarten an.

Die häufigsten Selbstverletzungsarten sind:

  • Schneiden, Kratzen, Ritzen der Haut, hauptsächlich an Armen und Beinen (weiters an Bauch, Brust, Genitalien, Gesicht), mit Gegenständen wie Messer oder Rasierklingen
  • Den Kopf gegen eine Wand schlagen oder mit den Händen oder Gegenständen an den Kopf schlagen
  • Haare ausreißen, auch Augenbrauen oder Wimpern
  • Den Körper mit Gegenständen schlagen oder quetschen, Abschnürungen von bestimmten Körperregionen (Durchblutungsstörungen)
  • Mit Nadeln stechen
  • Selbst beißen, Lippen oder Wangen zerkauen
  • Verbrennen oder verbrühen, beispielsweise mit Zigaretten die Haut verbrennen
  • Gifte zu sich nehmen, wie Reinigungsmittel
  • Den Körper verätzen (durch Chemikalien)
  • Extremes Wangenkauen, kauen der Fingernägel bis zum Ausreißen der Fingernägel

Selbstverletzungen sind ein Ventil, um die Gefühle wie Wut oder Selbsthass unter Kontrolle zu bekommen.

Selbstverletzungen MädchenMädchen sind wesentlich häufiger von Selbstverletzungen betroffen. (Foto by: nenetus / Depositphotos)

Die Behandlung von Menschen mit selbstverletzendem Verhalten

In erster Linie muss der Betroffene bereit sein sich helfen zu lassen, nur dann kann eine Therapie auch erfolgreich sein. Je früher die Behandlung begonnen wird, desto besser sind die Heilungsaussichten.

Zur Verfügung stehen verschiedene Therapiekonzepte in der Psychotherapie – diese können tiefenpsychologisch, verhaltenstherapeutisch oder psychoanalytisch sein sowie eine Kombination der verschiedenen Therapieformen.

Es ist wichtig, dass sich Betroffene an eine entsprechende Stelle (psychosoziale Beratungsstellen, Frauenzentren, Krankenhäuser, etc.) wenden und durch das individuelle Beratungsgespräch die geeignete Therapieform (wie Körpertherapie, Verhaltenstherapie, Familientherapie, Atemtherapie, Meditation, etc.) finden.

In manchen Fällen werden Medikamente angewendet wie Antidepressiva, Antidissoziativen oder Neuroeleptika, was sich in manchen Fällen auch als sinnvoll erweist. Allerdings muss eine Vergabe von Medikamenten sehr streng überwacht werden, um Selbstschädigungszwecke zu vermeiden.

Weitere Informationen zu Selbstverletzungen

Menschen die sich selbst verletzen verstecken dieses Verhalten vor anderen, so ist es oft schwer für Außenstehende zu helfen oder richtig damit umzugehen. Darum gibt es auch beispielsweise für die Familienangehörigen Beratungsstellen.

Eine erste Hilfestellung für Menschen mit selbstverletzendem Verhalten bietet das Internet: Anonym kann sich der Betroffene mit anderen Betroffenen in eigenen Chats oder Foren austauschen. Das ist ein guter Anfang. Da Selbstverletzungen ein sehr schwerwiegendes Symptom sind, gibt es Notruftelefone (zu finden unter anderen in den gelben Seiten oder in Tageszeitungen).

Die Betroffenen können sich vertrauensvoll an psychosoziale Beratungsstellen wenden, die wirklich gute, kompetente und vertrauliche Unterstützung anbieten. Hier kann der Grundstein für eine (notwendige) Therapie gelegt werden.


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