Meningokokken

Meningokokken sind weltweit eine der bedeutendsten Ursachen für eine bakterielle Meningitis und können eine extrem schnell verlaufende Sepsis verursachen. Frühestmögliche Diagnose und Behandlung mit Antibiotika sind daher besonders wichtig, denn es zählt jede Minute: Jede Stunde, die unbehandelt vergeht, erhöht die Sterblichkeit um 7 %.

MeningokokkenUntergruppen des Bakteriums Neisseria meningitidis sind der Auslöser für Meningokokkenmeningitis. (Foto by: iLexx / Depositphotos)

Meningokokkeninfektionen können sporadisch auftreten, in Ausbrüchen oder aber auch epidemieartig. Typisch für die Meningokokkenmeningitis ist der extrem schnelle Verlauf der Erkrankung, die selbst unter optimalen intensivmedizinischen Bedingungen zu einer Sterblichkeit von 5-10 % führt. Der dramatische Krankheitsverlauf erfordert eine frühestmögliche Diagnose und Therapie, um bleibende Hirnschäden zu verhindern. Säuglinge und Kleinkinder in den ersten vier Lebensjahren sowie Jugendliche haben das größte Risiko für eine Meningokokkeninfektion. Nicht selten betroffen sind auch Reisende in Endemiegebiete. Einem hohen Risiko sind Touristen ausgesetzt, die in Hochrisikogebiete reisen, wie den zentralafrikanischen Meningitisgürtel oder Pilger, die sich Menschenansammlungen anschließend wie zum Beispiel bei einer Pilgerfahrt nach Mekka.

Die Meningokokkenmeningitis ist eine Infektion der Gehirn- und Rückenmarkshaut durch krankheitsauslösende Untergruppen des Bakteriums Neisseria meningitidis. Mittlerweile konnten 13 Untergruppen des Bakteriums identifiziert werden, sechs von ihnen verursachen die Mehrzahl aller weltweiten Meningokokkeninfektionen.

Ursachen von Meningokokkenerkrankungen

Im Jahr 2010 erkrankten in Österreich 80 Menschen an einer Meningokokkenmeningitis, die in zehn Fällen tödlich verlief. Eine Meningokokkeninfektion entsteht durch die Besiedlung von Schleimhäuten des oberen Atmungs- oder Magen-Darm-Trakts mit Meningokokken. Die Erreger können in die Blutbahn eintreten und den gesamten Körper überschwemmen und schließlich das zentrale Nervensystem erreichen, indem sie sich im Liquorraum ausbreiten, der Gehirn und Rückenmark umgibt.

Durch die Freisetzung von Toxinen brechen die Schutzschranken des zentralen Nervensystems zusammen, worauf der Körper mit einer überschießenden Immunantwort reagiert, die dann zum Vollbild der Erkrankung führt. Durch die Auslösung dieses sogenannten Endotoxinschocks kommt es regelhaft zu einer drastischen Verschlechterung des Allgemeinzustandes.

Symptome einer Meningokokkenmeningitis

Die Symptome bei Früh- und Neugeborenen sind oft unspezifisch und selbst unter Intensivbeobachtung kann die Früherkennung der Erkrankung Probleme bereiten.

Die Kinder weisen meist Atemprobleme auf sowie eine blass-graue oder bläulich-violette Hautfarbe, es kann zu Krampfanfällen und Erbrechen kommen. Weitere Symptome sind Trinkschwäche bzw. Nahrungsverweigerung, schrilles Schreien oder Wimmern, ein aufgetriebener Bauch, Ikterus (Gelbverfärbung der Haut) und Untertemperatur. Fieber und eine gewisse Berührungsempfindlichkeit finden sich nur bei rund 20 % der Neugeborenen.

Bei Kindern jenseits des ersten Lebensjahrs entwickelt sich meist eine typische Symptomkombination bestehend aus

  • Kopfschmerzen
  • Fieber
  • Meningismus, einer reflektorischen, schmerzbedingten Verspannung der Nackenmuskulatur, die typisch für Reizungen oder Erkrankungen der Hirnhäute ist.

Ältere Kinder zeigen in der Regel eine ängstliche Erregung, Krampfanfälle und Lähmungen.

Überschwemmen die Meningokokken den Körper und führen zu einer Sepsis, treten typische Hautblutungen auf, die punktförmig über den Körper verteilt und auf Gerinnungsstörungen zurückzuführen sind, die sich innerhalb kurzer Zeit entwickeln können. Sie sind ein Signal für akute Lebensgefahr, da sie medizinisch kaum beherrschbar sind.

Untersuchungen und Diagnose

Besteht der Verdacht auf eine Meningokokkenmeningitis, ist zur Diagnosestellung die Analyse des Liquors (Hirnwasser) die entscheidende Maßnahme. Der Liquor wird durch eine Lumbalpunktion gewonnen, die durch andere diagnostische Maßnahmen nicht verzögert werden darf.

Bei Verdacht auf eine Meningitis werden neben der optischen Begutachtung auch diverse Laboruntersuchungen vorgenommen.

Auch bei Früh- und Neugeborenen ist die Lumbalpunktion bereits bei dem geringsten Verdacht auf eine Meningitis angebracht und kann keinesfalls durch eine Computer- oder Kernspintomografie des Gehirns ersetzt werden. Im Krankheitsfall, wenn die Meningitis überstanden ist und nach Folgeschäden gefahndet werden muss wie zum Beispiel einem Hirninfarkt oder einer Venenthrombose in den Hirngefäßen, ist der Einsatz eines CT oder einer Kernspintomografie sinnvoll.

Hinweise auf eine bakterielle Infektion ergeben sich natürlich auch durch normale Blutuntersuchungen, in denen typischerweise Entzündungswerte stark erhöht sind.

Behandlung, Therapie und Komplikationen

Zu den wichtigsten therapeutischen Maßnahmen gehört neben der Stabilisierung von Vitalfunktionen durch eine gute intensivmedizinische Betreuung die sofortige Antibiotikatherapie.

Auch wenn viele Patienten durch eine rasch eingeleitete Antibiotikabehandlung gerettet werden, können dauerhafte neurologische Schäden verbleiben, was bei 30 % der betroffenen Kinder der Fall ist. Oft kommt es zur Ausbildung eines Hirnödems, das heißt einer unter Umständen ausgedehnten Flüssigkeitsansammlung im Hirngewebe. Da sich das Hirngewebe im knöchernen Schädel nicht beliebig ausdehnen kann, wird das Hirngewebe komprimiert und immer weniger durchblutet, was durch den Sauerstoffmangel zum Absterben von Gewebe führt. Zusätzlich wird dann eine abschwellend wirkende Behandlung mit Cortison erfolgen.

Zu den neurologischen Folgeschäden gehören

  • ein- oder beidseitige Hörschäden
  • Intelligenzminderung
  • Epilepsie, von denen Neugeborene häufiger betroffen sind als ältere Kinder.

Nach überlebter Meningitis sind entsprechende Untersuchungen erforderlich, damit Folgeschäden beizeiten erfasst und die betroffenen Kinder optimal betreut werden können. Auch wenn bei rechtzeitiger Diagnose und rascher Einleitung der Therapie eine Meningokokkenmeningitis unter optimalen Bedingungen gut beherrschbar ist, versterben zwischen 8-12 % der erkrankten Kinder an den Folgen des Infekts.

Prävention und was ich selbst tun kann

MeningokokkenimpfungEs besteht heutzutage die Möglichkeit einer Meningokokkenimpfung. (Foto by: stuchin / Depositphotos)

Es besteht heutzutage die Möglichkeit einer Meningokokkenimpfung gegen die Stämme, die für die meisten schweren Erkrankungen verantwortlich sind. Die Impfung sollte im 12. Lebensjahr erfolgen und ist insbesondere dann empfehlenswert, wenn ein Schüleraustausch oder die Unterbringung in einer Gemeinschaftseinrichtung wie zum Beispiel in einem Internat anstehen.

Zusätzlich wird die einmalige Impfung von Kleinkindern gegen Meningokokken C im 2. Lebensjahr empfohlen.

Auch für Erwachsene sind Impfungen gegen Meningokokken sinnvoll, nämlich dann, wenn sie beruflich oder privat in Gebiete mit einer hohen Infektionsgefahr reisen wie Zentralafrika, beruflich mit dem Kontakt von an Meningokokken erkrankten Personen rechnen müssen (Ärzte, Pflegepersonal, Labormitarbeiter) oder aus gesundheitlichen Gründen infektanfällig sind wie bei Immundefekten (Indikationsimpfung).


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