Madentherapie

Unter Madentherapie versteht man das gezielte Einsetzen speziell gezüchteter, keimfreier Maden bei chronischen Wunden, wo sie nekrotisches (abgestorbenes) Gewebe und Bakterien fressen.

Arztgespräch über Madentherapie Bei einer Madentherapie fressen Maden abgestorbenes Gewebe und die Wundheilung wird gefördert. (Foto by: Wavebreakmedia / Depositphotos)

Schnell-Übersicht

  • Was ist eine Madentherapie?
    Bei der Madentherapie werden keimfrei gezüchtete Fliegenlarven auf (schlecht heilende) Wunden gesetzt, wo sie abgestorbenen Zellen abbauen und die Wundheilung beschleunigen.
  • Wie erfolgt die Madentherapie?
    Dabei werden je nach Größe der Wunde, die Maden in den Wundraum gebracht, wo sie infiziertes und abgestorbenes Material fressen. Die dabei abgegebenen Verdauungssekrete der Maden wirken antibakteriell und fördern die Wundheilung.
  • Warum ist die Madentherapie sinnvoll?
    Weil die Maden nur abgestorbenes und infektiöses Gewebe, sowie schädliche Bakterien fressen und kein gesundes Gewebe.
  • Wie lange dauert eine Madentherapie?
    Je nach Wunde verbleiben die Maden 3-5 Tage im Wundraum und werden danach von der Wundexpertin entfernt.
  • Ist die Madentherapie schmerzhaft?
    Nein in der Regel spürt der Patient die Maden nicht bzw. verursachen diese keine Schmerzen.
  • Wie oft wird eine Madentherapie durchgeführt?
    Die Madentherapie wird mehrmals durchgeführt, zurück bleibt eine von nekrotischem Gewebe befreite Wunde, die nun besser behandelt werden kann und eben auch besser heilt.
  • Welche Gefahren bestehen bei einer Madentherapie?
    Im Prinzip keine. Die Wundmaden können auch keine Eier in die Wunde legen und sie kann sich in dieser Zeit auch nicht in eine Fliege entwickeln.

Fazit: Ob nun eine Madentherapie besser ist als eine herkömmliche Behandlung konnte bisher noch nicht wissenschaftlich belegt werden.

Eine Madentherapie wird mit speziell gezüchteten Maden der Fliegenart Lucilia sericata durchgeführt – entweder als Freiläufer oder mit dem sogenannten Biobag. Wobei die Biobag-Methode, dabei befinden sich die Maden in einem Beutel aus Gaze oder Polyvinylschaumstoff, von den Patienten und auch dem medizinischen Personal besser angenommen wird.

Chronische Wunden sind oft von einem Belag aus Wundsekret und abgestorbenen Zellen belegt, was eine optimale Wundheilung behindert. Diese Beläge sind überdies Nährboden gefährlicher Bakterien die eine Gewebenekrose hervorrufen können.

Die Maden der Goldfliege ernähren sich hautsächlich von nekrotischem Gewebe, das gesunde Gewebe wird nicht angegriffen. Die Maden scheiden Verdauungssäfte aus - diese enthalten bestimmte Enzyme - die das nekrotische Gewebe verflüssigen, welches dann aufgesaugt wird.

Die Maden haben einen guten Appetit und vergrößern sich nach ein paar Tagen um das Hundertfache (Potenzierung). Sind sie satt gegessen, müssen sie durch neue Maden ersetzt werden. Wundbeläge und Bakterien werden also von den Maden entfernt, weiters sorgt der Speichel der Tiere für eine optimale Wundheilung und das Nachwachsen von frischen, gesundem Gewebe.

Geschichtliches

Schon im 16. Jahrhundert wurde die Madenbehandlung vom Chirurgen Ambroise Par beschrieben. Napoleons Militärärzte arbeiteten mit den Fliegenmaden im Krieg in den Feldlazaretten und schon im Jahr 1930 wurden die Netz-Käfig-Verbände für die Maden entwickelt. Doch erst in den 80er Jahren begann man in den USA erneut intensiv mit der Madenforschung. Therapiemaden zählen heute zu den keimfreien Medizinprodukten. Aktuelle Studien belegen zwar eine raschere Wundheilung als bei konventionellen Methoden, allerdings dauert die Abheilung nach der Madentherapie etwas länger als beispielsweise mit der Anwendung spezieller Hydrogele.

Anwendungsgebiete

Die Madentherapie wird unter anderem eingesetzt bei:

  • Der Knochenmarksentzündung (Osteomyelitis)
  • Einer diabetischen Gangrän (Gewebs-Nekrose), wenn Gewebe abstirbt
  • Bei Unterschenkelgeschwüren (Ulcus cruris), Offenes Bein
  • Bei entzündlichen Druckstellen (Dekubitus, Wundliegegeschwür, Druckgeschwür)
  • Das kombinierte Gewebe-Stretching, bei schlecht heilenden Wunden nach einer Kniegelenks-OP

Handelt es sich um eine Knochenmarksentzündung, ist es wichtig, die Biobags direkt in den Knochen einzubringen. Dafür wird dieser vorher im Rahmen einer OP gereinigt, dann kommen die Maden nach dem Absetzen der Blutung (Maden vertragen kein Blut) zum Einsatz, die die letzten Bakterien aus den Knochen fressen.

Madentherapie Vor allem bei chronischen Wunden kann eine Madentherapie hilfreich sein. (Foto by: Syda_Productions / Depositphotos)

Nebenwirkungen

Bei manchen Patienten treten als Nebenwirkung Schmerzen auf, hier werden Analgetika eingesetzt. In den meisten Fällen ist die Madentherapie jedoch nebenwirkungsfrei, die Patienten verspüren lediglich ein leichtes Kribbeln an der behandelten Stelle. Die Kosten für die Madentherapie werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen.

Fazit

Wenn konventionelle Mittel bei chronischen Wunden versagen, kann eine Madentherapie erfolgreich sein. Maden haben sich schon oft in der Wundheilung bewährt, sie sind effektive therapeutische Helfer.

Verwendet werden in der Regel die Maden der Goldfliegenart Lucilia sericata, denn sie ernähren sich ausschließlich von nekrotischem Gewebe und greifen gesundes Gewebe nicht an. Die Maden können entweder als Freiläufer oder im sogenannten Biobag in die Wunde eingebracht werden.

Madentherapien werden von sogenannten Biochirurgen in Zusammenarbeit mit dem Arzt durchgeführt. Natürlich werden Madentherapien auch in Krankenhäusern vorgenommen.


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Autor: FitundGesund Redaktion
Infos zum Autor: Medizinredakteure und Journalisten
Erstellt am: 03.08.2010
Überarbeitet am: 14.01.2020

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