Intuitiv Essen: Abnehmen und wohlfühlen

Seit einiger Zeit wird ein neuer Ansatz propagiert, der das Abnehmen ganz ohne Diät oder magische Pülverchen verspricht. Er nennt sich Intuitives Essen oder Intuitive Eating, wie man in der englischsprachigen Welt sagt. Dabei geht es nicht darum, seine Ernährung Regeln von außen zu unterwerfen, sondern ganz seinem Körper zu vertrauen. Auf den ersten Blick mag es widersprüchlich erscheinen: Essen, was man möchte und dabei abnehmen. Doch Intuitives Essen setzt auf die angeborene Fähigkeit, zu erkennen, wann man satt ist und dem Körper genau die Nahrung zu geben, die er braucht.

Intuitiv Essen und wohlfühlenBeim intuitiven Essen ist Qualität statt Quantität wichtig. (Foto by: puhhha / Depositphotos)

Das Thema mit dem Abnehmen

Abnehmen - die Zeitschriften sind voll von diesem Thema, vor allem um die Weihnachtszeit. Unendlich viele verschiedene Diäten gibt es, ob Low Carb, Zucker- und Fettreduzierung oder diverse Pulver und Getränke zum Abnehmen.
 
90% aller Diäten scheitern und der Jojo-Effekt lässt oft nicht lange auf sich warten. Dennoch boomen Diäten, denn sie versprechen beeindruckende Ergebnisse in kürzester Zeit und mit geringstem Aufwand. Die Betroffenen müssen weder ihre Ernährung dauerhaft umstellen noch mehr Sport machen. Sie müssen einzig und allein den Anweisungen der Diät folgen oder die angepriesenen Produkte kaufen: Keine Schokolade, keine Kohlenhydrate nach 18 Uhr, ein Getränk mit Pulver statt eines Mittagessens. Oft sind Heißhunger und Fressattacken die Folge und nach der Diät holt sich der Körper all das, was man ihm vorenthalten hat. Oft nimmt man alle abgenommenen Kilos wieder zu, oder sogar noch mehr. Frust ist dabei garantiert.

Intuitives Essen - Das Gegenteil einer Diät

Viele Menschen haben sich abgewöhnt, auf ihren Körper zu hören. Meistens essen wir unter Hektik und haben keine Zeit mehr zu kochen oder uns wirklich Gedanken darüber zu machen, was wir essen möchten oder was uns gut tun würde. Schnell muss es gehen und gut schmecken.
 
Neben Bequemlichkeit spielen auch gewisse Glaubenssätze eine Rolle, wenn es um unser Essverhalten geht. Sätze wie ,,In Afrika verhungern Kinder - iss deinen Teller leer'' oder die Angewohnheit, zu bestimmten Zeiten zu essen, sorgen dafür, dass wir nicht mehr auf unser Hunger- und Sättigungsgefühl hören.
 
Außerdem haben wir uns im Laufe der Zeit eine Liste von guten und schlechten Nahrungsmitteln gemacht: Schokolade und Pommes Frites sind böse, Obst ist gesund. Wenn wir viel Süßes oder ein fettiges Gericht zu uns nehmen, fühlen wir uns danach schlecht und schuldig. Jeden Tag schauen wir in den Spiegel und ärgern uns über überflüssige Kilos. Und je mehr wir uns quälen, sie loszuwerden, desto hartnäckiger halten sie sich.

Dem Körper vertrauen

Beim Intuitiven Essen geht es darum, diese Glaubenssätze loszuwerden und schlechte Essgewohnheiten hinter uns zu lassen. Die Faustregel lautet: Iss, wann und worauf du Lust hast bis du satt bist. Dieser Ansatz darf natürlich nicht mit sinnlosem ,,In-sich-hinein-Schaufeln'' verwechselt werden.
 
Wer intuitiv isst, lernt wieder darauf zu achten, wann der Körper Hunger hat und was er braucht. Die Mahlzeit wird langsam und bewusst zu sich genommen und jeder Bissen wird genossen. Qualität statt Quantität lautet das Motto. Wichtig ist dabei, genau dann aufzuhören, wenn ein angenehmes Sättigungsgefühl einsetzt, egal, ob auf dem Teller noch etwas übrig ist.
 
Unser Sättigungsgefühl setzt erst ca. 20 Minuten nach der Nahrungsaufnahme ein. Aus diesem Grund ist es wichtig, langsam zu essen, Pausen zu machen und immer wieder in sich hinein zu spüren, ob der Körper wirklich noch Nahrung braucht. Es gibt keine verbotenen Lebensmittel und keine Schuldgefühle.

Für wen ist intuitives Essen geeignet und was muss man beachten?

Jeder von uns kennt wahrscheinlich Menschen, die genau das essen, worauf sie Lust haben und ohne Diät oder übermäßig viel Sport schlank bleiben. Die gute Nachricht ist: Genau das kann jeder wieder lernen, auch nach jahrelangem falschem Essverhalten. Der eine oder andere wird vielleicht skeptisch sein und sich fragen: Was, wenn ich sinnlos Essen in mich hinein stopfe, weil es keine Verbote mehr gibt und ich dadurch zunehme? Wer das Konzept Intuitives Essen richtig angeht, für den besteht dieses Risiko nicht.
 
Nach jahrelangem falschen Essverhalten kann es sein, dass die Lust auf Schokolade oder andere ,,verbotene'' Lebensmittel zunächst einmal sehr groß ist. Doch dieser Heißhunger entsteht gerade durch unseren zwanghaften Umgang mit der Nahrung und hört auf, wenn man wieder bewusst auf seinen Körper hört. Wir wissen heute, dass unser Unterbewusstsein einen großen Einfluss auf unser tägliches Verhalten hat. Dort gilt es anzusetzen: Die antrainierten Muster und Kategorien in unseren Köpfen werden verschwinden, wenn wir uns wieder unserem Körper zuwenden und aktiv zuhören.
 
Wer es mit dem Intuitiven Essen versuchen will, muss keine Angst haben, zuzunehmen, wenn er einige Grundsätze beachtet:
 
Intuitiv Essen und wohlfühlenBei intuitiven Essen gibt es keine Verbote. (Foto by: Knut_Wiarda / Depositphotos)

1. Hunger- und Sättigungsgefühl

  • Erst wenn unser Körper uns das Signal sendet, dass er Nahrung braucht, wird gegessen, nicht, weil es Zeit zum Frühstücken ist oder man noch nicht zu Abend gegessen hat.
  • Genauso wichtig ist es, aufzuhören, wenn man ein angenehmes Sättigungsgefühl verspürt und lieber eine Pause zu machen, wenn man unsicher ist. Mit der Zeit wird es immer leichter, die Signale des Körpers wieder zu deuten.

2. Bewusst essen und genießen

Wichtig ist auch, sich Zeit zum Essen zu nehmen. Viele Menschen schauen beim Essen fern oder telefonieren. Dadurch merken sie nicht, wann sie satt sind und essen oft viel zu viel. Beim Intuitiven Essen wird das Essen bewusst mit allen Sinnen wahrgenommen und genossen. Essen ist eine Aktivität für sich, für die man im Alltag Zeit einplanen muss.

3. Verbote und Diätmentalität

Von unbewussten Denkmustern, die uns bestimmte Lebensmittel verbieten, müssen wir uns befreien. Der Körper entscheidet allein, was er braucht. Dann sind Heißhungerattacken Geschichte!

4. Essen als Kompensation und zum Lösen von Problemen

Viele Menschen essen nicht, weil sie Hunger haben, sondern um eine innere Leere zu füllen. Das kann der Fall sein bei Langeweile, Trauer, Wut oder Müdigkeit. Solche Verhaltensweisen gilt es zu erkennen und zu ändern.
 
Wer merkt, dass er aufgrund eines bestimmten Gefühls essen möchte, kann sich stattdessen etwas Gutes tun, indem er zum Beispiel einen Spaziergang macht, schläft oder sich ein heißes Bad einlässt.

Fazit: Ein neuer Umgang mit der Nahrung

Intuitives Essen ist weder eine Diät noch eine Ernährungsumstellung. Es geht darum, unseren Umgang mit dem Essen, den wir oft von klein auf gelernt haben, zu verändern. Wer genug von erfolgversprechenden Diäten hat und ohne Hungern überflüssige Kilos langfristig loswerden will, der kann sich auf das Intuitive Essen einlassen. Es erfordert etwas Übung und Eigeninitiative und Versprechen wie ,,5 Kilo in einer Woche abnehmen‘‘ gibt es nicht. Dafür gibt es aber auch keinen Jojo-Effekt und keine Schuldgefühle mehr. Der Körper wird einem das Vertrauen danken!

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User Kommentare

Sunny1703
Sunny1703

Leider haben viele von uns verlernt auf den Körper zu hören...

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