Gesundheitsausgaben der Österreicher

Die Gesundheit ist das wertvollste Gut. Häufig zitiert und solange irrelevant, bis sie beeinträchtigt ist. Da stellt sich unweigerlich die Frage, was die Österreicher und Österreicherinnen sich ihre Gesundheit kosten lassen.

Gesamtkosten und was sie uns sagen

Die durchschnittlichen Ausgaben für die Gesundheit liegen bei 3150 Euro pro Kopf. Die durchschnittlichen Ausgaben für die Gesundheit liegen bei 3150 Euro pro Kopf. (Foto by: Apotheke Sterzing)

Die Gesamtkosten für das Gesundheitswesen betrugen im Jahr 2016 laut SHA ca. 37 Mrd. Euro, im Jahr 2017 stiegen sie leicht an auf 38,11 Mrd. Euro. Das ist schon ein beachtlicher Wert. Gerade im 10-Jahresvergleich wird deutlich, dass die die Gesundheitsausgaben jedes Jahr ansteigen. Damit belegt Österreich im EU-weiten Ranking Platz 5 gemeinsam mit Belgien und Dänemark.

Durchschnittlich liegen die Kosten jährlich für Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte, Arzneimittel und Co. bei 3150 Euro pro Kopf. Natürlich wird diese Belastung nicht alleine aus der eigenen Tasche bezahlt. Von den Gesamtkosten trägt die Republik Österreich ca. 28 Mrd. Euro.

Und so setzen sich die Kosten in etwa zusammen:

  • 38,4 % und damit den Hauptanteil entfallen auf den stationären Betrieb
  • 25,5 % werden für den ambulanten Betrieb ausgegeben
  • 12,4 % fließen in die Arzneimittelversorgung
  • sonstige Ausgaben stellen die restlichen Kosten dar

Die Bundesländer im Vergleich

Ein detaillierter Vergleich der Kosten einzelner österreichischer Bundesländer ist nicht verfügbar. Betrachtet man allerdings die einzelnen Quellen ergeben sich daraus Unterschiede unter anderem aufgrund der unterschiedlichen Einwohnerzahl und Bevölkerungsdichte.

So werden die höchsten Ausgaben für die Gesundheit in Wien getätigt. Dort waren es 2016 ca. 3 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Im Burgenland wurden nur 244 Mio. Euro für die Gesundheit der Bevölkerung investiert. Betrachtet man hingegen die Unterschiede auf Grundlage der Wirtschaftskraft auf regionaler Ebene, gibt das Burgenland prozentual am meisten aus (12,7 %), in Tirol und Wien (9,2 %) ist der Anteil gemessen am Bruttoregionalprodukt deutlich geringer.

Auch die Pro-Kopf-Ausgaben lagen in der Hauptstadt der Republik am höchsten. 4295 Euro fielen durchschnittlich pro gemeldetem Bewohner an, im Oberösterreich waren es knapp 600 Euro weniger. Die öffentlichen Ausgaben sind Statistiken zufolge in Wien und Vorarlberg besonders hoch.

Das kostet die Gesundheit Österreichs den Staat

Nicht nur dem Österreicher an sich ist seine Gesundheit lieb und teuer, auch den Staat kostet die Gesundheitsversorgung einiges. Tatsächlich decken Bund, Land und Gemeinden gemeinsam mit den Sozialversicherungsträgern ca. 74 % aller laufenden Gesundheitsausgaben. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass ca. ein Viertel aller Kosten privat getragen werden.

Insbesondere die hohen Spitalausgaben fallen hier ins Gewicht. Auch ca. 88 % aller rezeptpflichtigen Arzneimittel werden von den Krankenkassen übernommen, ein geringer Prozentsatz wird als Selbsterhalt vom Patienten getragen.

Die Gesundheitsausgaben steigen von Jahr zu Jahr. Die Gesundheitsausgaben steigen von Jahr zu Jahr. (Foto by: Apotheke Sterzing)

Welche Kosten die Österreicher selbst tragen

Einen Löwenanteil der laufenden Gesundheitskosten trägt also der Staat. Private Haushalte tragen einen Teil der Kosten im Rahmen sogenannter Out-of-pocket-Zahlungen selbst. Diese Kosten sind im Trend der vergangenen Jahre stetig, wenn auch marginal gestiegen.

Im europäischen Vergleich liegen die Kosten für die private Gesundheitsversorgung relativ hoch. Zum Vergleich: Während in Österreich vorläufigen Daten der OECD zufolge die Ausgaben pro Kopf bei 1115 Euro liegen, sind es in Deutschland gerade einmal knapp 670 Euro. Die Iren hingegen leisten höhere Out-of-pocket-Zahlungen (1205 Euro), in Luxemburg sind sie in etwa vergleichbar (1059 Euro im Schnitt).

Welche Kosten trägt der Österreicher bzw. die Frau Österreicherin also in der Regel selbst? Zum einen entscheiden sich gerade in Gegenden, in denen teils lange Zeit auf einen Termin gewartet werden muss, mehr und mehr Menschen dafür, einen Wahlarzt aufzusuchen.

In diesem Fall übernimmt die gesetzliche Krankenkasse in der Regel 80 % des Betrags, der bei einem Kassenarzt für die Behandlung angefallen wäre. Da der Wahlarzt sein Honorar selbstständig festlegt, kann der Selbstbehalt unterschiedlich hoch ausfallen.

Neben Selbstzahlungen sind auch Kostenbeteiligungen Teil dieser Rechnung.

Zudem geben Österreicherinnen und Österreicher viel Geld für rezeptfreie Arzneimittel aus. Rezeptpflichtige Medikamente müssen hingegen nur anteilsmäßig von den Patienten selbst bezahlt werden.

Die häusliche Langzeitpflege und Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge kosten Privathaushalte ebenfalls viel Geld. Neben der Pflichtversicherung besteht darüber hinaus die Möglichkeit, im Rahmen einer privaten Krankenversicherung zusätzliche Leistungen in Anspruch zu nehmen. In diesem Fall zahlen die Versicherten im Schnitt zwischen 150 – 300 Euro im Monat.

Prognose: So werden sich die Ausgaben entwickeln

Ältere Menschen benötigen mehr medizinische Betreuung. Ältere Menschen benötigen mehr medizinische Betreuung. (Foto by: Apotheke Sterzing)

Fakt ist, dass die Lebenserwartung seit 1955 deutlich gestiegen ist. Im Jahr 2015 waren 18 % der Bevölkerung über 65 Jahre alt. Und Tatsache ist auch, dass ältere Menschen mehr medizinische Betreuung benötigen. Mit einer verbesserten Gesundheitsversorgung gilt es als wahrscheinlich, dass die Gesundheitsausgaben stetig steigen werden.

Welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf die Out-of-pocket-Zahlungen der Österreicherinnen und Österreicher haben wird, bleibt allerdings abzuwarten.

Autoreninfo

Die Stadtapotheke in der südtiroler Gemeinde Sterzing wird seit 2003 sehr erfolgreich von Dr. Walter Mair betrieben. Ein äußerst kompetentes Team, bestmögliche Servicequalität und ein hochwertiges Sortiment an Produkten tragen einen wichtigen Beitrag zum Erfolg der Apotheke bei.


Bewertung: Ø 5,0 (4 Stimmen)

Autor: Dr. Walter Mair
Infos zum Autor: Apotheker
Erstellt am: 05.12.2018
Überarbeitet am: 08.01.2021

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