Fit am Schreibtisch: Interview mit Toni Klein

Viele Jobs heutzutage verlangen, dass man für ein Minimum von 8 Stunden am Schreibtisch sitzt und am Computer arbeitet. Und sogleich sich viele den Gefahren für Rücken und Co. bewusst sind, ändern wir nichts daran. In diesem Interview gibt Fitnesscoach Toni Klein ein paar Tipps und Erklärungen, worauf man bei einem Schreibtischjob achten sollte.

"Sitzen ist das neue Leben", sagt Toni Klein und trifft damit unsere Gesellschaft genau. (Foto by: belchonock / Depositphotos)

FitundGesund.at: Viele Arbeitnehmer verbringen den Großteil ihrer Arbeitszeit sitzend, vor allem Büroarbeiter. Warum ist zu langes Sitzen so gefährlich und was können die Folgen eines Bewegungsmangels sein?

Toni Klein: Immer mehr Menschen haben heutzutage einen reinen Schreibtischjob. Und wenn Sie bedenken dass Menschen ungefähr 100.000 Stunden in ihrem Leben arbeiten, dann ist das eine erschreckende Zahl. Sitzen ist das neue Leben.

Das größte Problem am Sitzen ist die Haltung – mit dem Oberkörper vorgebeugt. Dadurch entsteht ein Rundrücken und die Organe im Bauchraum werden stundenlang zusammengedrückt. Der Mensch ist für diese Haltung ganz einfach nicht gebaut. Kein Wunder also, dass das lange Sitzen und der dadurch entstehende Bewegungsmangel zwangsläufig zu Krankheiten führen. Verspannungen, Kopfschmerzen, einseitige Belastung. Langfristig baut sich sogar die Muskulatur ab. Und wir sind auf dem besten Wege, uns zu Neandertalern zurückzuentwickeln.

FitundGesund.at: Mit welchen Übungen kann der Arbeitsalltag fitter gestaltet werden? Gibt es einfache Übungen für das Büro?

Toni Klein: Großes Vorbild sollte für uns die Tierwelt sein. Hunde und Katzen strecken sich mehrfach am Tag ganz genüsslich. Das empfehle ich auch allen Schreibtisch-Arbeitern. Mindestens morgens in der Früh und am Abend sich einfach mal in alle Richtungen strecken. Am besten machen Sie das auch auf der Arbeit in jeder Pause. So lösen Sie sich aus der klassischen Position und wirken der schlechten Haltung entgegen.

Nutzen Sie zusätzlich jede Chance zur Bewegung: Nehmen Sie die Treppe statt den Lift. Gehen Sie in der Mittagspause eine Runde um den Block oder halten Sie Meetings im Stehen ab.

FitundGesund.at: Wie sieht es mit dem Thema Ernährung aus? Kann mit der richtigen Ernährungsweise die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sowie das Wohlbefinden positiv beeinflusst werden? Was sollte dabei beachtet werden?

Toni Klein: Eine gute Frage. Denn in meinen Augen ist die Ernährung der Schlüssel für eine hohe Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit. Doch die meisten Menschen geben ihrem Körper nicht das Richtige und wundern sich dann, dass sie immer müde sind. Das Hirn besteht aus guten Fetten, isst man dann jedoch zu viel Zucker und schlechte Kohlenhydrate, dann kann es gar nicht richtig funktionieren.

Essen Sie lieber viel Obst, Gemüse und gutes Eiweß. Das macht einen riesengroßen Unterschied. Deshalb empfehle ich auch, sich essenstechnisch gut auf den Arbeitstag vorzubereiten. Essen Sie lieber morgens ein gesundes Frühstück daheim, bevor Sie sich beim Bäcker ein fettiges Weckerl holen. Oder nehmen Sie sich eine ausgewogene Mahlzeit mit, bevor Sie Pommes in der Kantine essen. Natürlich darf das auch mal sein, jedoch nicht täglich.

FitundGesund.at: Gibt es noch weitere Tipps für einen fitten Arbeitsalltag?

Toni Klein: Das A und O für eine gute Fitness ist viel Wasser zu trinken. Haben Sie also immer eine Flasche Wasser auf dem Schreibtisch stehen. Aufpeppen können Sie das Ganze dann noch mit Minze, Ingwer oder Zitrone. Das ist dann ein richtig erfrischender Cocktail.

österreichische Fitnesscoach Toni KleinDer österreichische Fitnesscoach bevorzugt selbst Abwechslung am Arbeitsplatz (Foto by: Toni Klein)

FitundGesund.at: Welche Vorteile bringen Maßnahmen für mehr Fitness am Arbeitsplatz?

Toni Klein: Es ist bewiesen, dass Firmen, die in betriebliche Gesundheitsmaßnahmen investieren, den Einsatz doppelt und dreifach zurückbekommen. Das ist sensationell. Deshalb macht ein betriebliches Gesundheitsmanagement in meinen Augen auch so viel Sinn. Jedoch nur wenn die Mitarbeiter das freiwillig machen. Zu einer wöchentlichen Yogarunde oder Jogging-Challenge zwingen, bringt nichts.

Stattdessen empfehle ich, die Menschen für ihre Gesundheit zu sensibilisieren und ihnen dann ein passendes Angebot anzubieten. Langfristig werden die Mitarbeiter dann nicht nur fitter und gesünder, sie sind auf Dauer auch bessere, energievollere und motiviertere Mitarbeiter. Genau das, was sich jedes Unternehmen ja eigentlich wünscht.

FitundGesund.at: Wie sieht es mit dem Thema Ergonomie aus? Worauf sollte man dabei achten?

Toni Klein: Zu lange in ein- und derselben Postion zu sitzen, ist schlecht. Gehen, sitzen, stehen – das alles macht Sinn. Deshalb sollten Sie am Tag Ihren Körper immer wieder in verschiedene Situationen bringen. Mal am Stehtisch arbeiten, mal ein Telefonat im Laufen abhalten.

Ich habe mir für eine bessere Ergonomie sogar extra eine Kombination aus Schreibtisch und Laufband angeschafft. So kann ich nicht nur effektiv arbeiten, ich tue auch etwas für meine Gesundheit. Mein Körper wird es mir spätestens im Alter danken. Und Ihrer auch, wenn Sie ein bisschen auf Ihre Gesundheit achten.

 


Bewertung: Ø 5,0 (3 Stimmen)

Autor: Toni Klein
Infos zum Autor: Fitnesscoach und Autor
Erstellt am: 06.11.2019
Überarbeitet am: 06.11.2019

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