Die 10 größten Verhütungsirrtümer

Anders als früher ist „Verhütung“ heute kein Tabu-Thema mehr. Die Wissensvermittlung durch Elternhaus, Schule und andere Institutionen scheint aber immer noch nicht auszureichen, um Verhütungsirrtümer, die im Ergebnis nicht selten zu ungewollten Schwangerschaften führen, auszuschließen.

VerhütungsirrtümerAuch heute noch sind einige Verhütungsirrtümer im Umlauf. (Foto by: petrograd99 / Depositphotos)

1. Während der Periode ist Verhüten überflüssig.

Die Grundannahme, dass während der Periode das unbefruchtete Ei abgestoßen wird und sich das neue Ei erst etwa zwei Wochen nach der Periode als empfängnisfähig ausgebildet hat („Eisprung“), ist richtig. Allerdings relativ häufig kommt es vor, dass der Eisprung wesentlich früher eintritt. Dann können befruchtungsfähige Spermien, die durch Geschlechtsverkehr während der Regel in Gebärmutter oder Eileiter gelangt sind und dort bis zu einer Woche lebensfähig sein können, das frühreife Ei befruchten.

2. Einmal kann die Pille vergessen werden.

Wer einmal die Einnahme der maximal großen, wenn auch nicht hundertprozentigen, Schutz durch Pille zur festgelegen Tageszeit vergisst, muss insbesondere in der ersten und dritten Woche des Einnahmezeitraums wegen erheblicher Beeinträchtigung des Verhütungsschutzes mit ungewollter Schwangerschaft rechnen. Das Versäumnis kann allerdings zumeist, aber nicht mit Sicherheit, durch nachträgliche Einnahme binnen einer 12-Stunden-Frist ausgeglichen werden.

3. Stillen schützt vor Schwangerschaft.

Beim Stillen wird Prolaktin freigesetzt. Dieses Hormon hemmt die Wirkung von Hormonen, die für die Eireifung verantwortlich sind. Allerdings stellt Prolaktin keine Garantie für eine Ausschließung der auch von zahlreichen anderen Faktoren abhängigen Befruchtungsfähigkeit dar. Insbesondere sind die Intensität des Stillens und die Häufigkeit der Stillzeiten unkalkulierbare Variablen für die Möglichkeit einer Befruchtung.

4. Tampons schützen vor Ansteckungen und Schwangerschaft.

Tampons und BindenEin Mythos besagt, dass Tampons gegen Krankheiten und einer Schwangerschaft schützen soll. (Foto by: matka_Wariatka / Depositphotos)

Wohl wegen der entfernten Nähe zu den mechanischen Verhütungsmitteln Kondom und Pessar ist die irrige Mär vom Tampon als zuverlässige Barriere gegen Spermien und Krankheitserregern entstanden. Tatsächlich gibt die Verwendung der vergleichsweise durchlässigen Tampons beim Geschlechtsverkehr keinerlei Verhütungsschutz, sondern birgt für beide Partner stattdessen die Möglichkeit erheblicher Verletzungsproblematiken und sonstiger Komplikationen.

5. Beim Coitus interruptus ist Schwangerschaft ausgeschlossen.

Die als „Coitus interruptus“ bekannte Methode, kurz vor dem Orgasmus das Eindringen der Samenflüssigkeit durch Herausziehen des erigierten Gliedes aus der Scheide zu verhindern, hat riskanten „Russisches Roulette“-Charakter: Der männliche Orgasmus kann früher als vorgesehen ausgelöst werden. Ferner kann es durch den vor dem eigentlichen Orgasmus eindringenden „Lusttropfen“ zur Befruchtung kommen.

6. Vor der ersten Regel kann frau nicht schwanger werden.

Der Beginn der Fruchtbarkeit einer Frau tritt nicht nach der ersten Regel auf, sondern beginnt bereits vorher mit dem ersten Eisprung. Diesem ersten Eisprung gehen bei den meisten Frauen keine besonderen körperlichen, leicht erkennbaren Signale voraus. Mädchen im entsprechenden Alter müssen daher bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr stets damit rechnen, ungewollt schwanger werden zu können.

7. Kondome schützen nicht nur vor Schwangerschaft, sondern garantiert auch vor Infektionen.

Fachgerecht verwendete Kondome gehören zu den sichersten Schwangerschafts-Verhütungsmitteln. Auch für die Prävention von Genital-Warzen oder von Gebärmutterhalskrebs beitragen.

8. Doppelt ist sicher.

Die gut gemeinte Vorsichtsmaßnahme, die Schutzwirkung eines Kondoms durch das (regelmäßig mühsame) Überziehen eines zweiten Präservativs zu optimieren, ist in der Praxis oft kontraproduktiv. Durch die beim Geschlechtsverkehr typischen Ruckbewegungen reiben die Schichten beider Kondome aneinander und es kann zu unerwünschten Rissen kommen, die den Spermien freie Bahn gewähren.

9. Sex in der Badewanne bleibt immer folgenlos

Die Vorstellung, dass eindringende Spermien beim Wannen-Geschlechtsverkehr durch das Badewasser daran gehindert werden, ihren Weg zum Ei zu finden, kann zu unerwünschten Überraschungen führen. Die menschlichen Spermien lassen sich nämlich vom eventuell beim Akt in die Vagina eindringenden Badewasser im Ergebnis kaum beeindrucken.

10. Cola tötet Spermien ab.

Cola-Getränken werden zahlreiche merkwürdige und unzutreffende Eigenschaften angedichtet. Zu den skurrilsten Cola-Legenden gehört seit den 1980er Jahren der sich hartnäckig haltende, ziemlich unappetitliche Tipp, nach dem Geschlechtsakt durch Spülen der Vagina mit brauner Brause Schwangerschaften verhindert. Mag sein, dass Nachzügler-Spermien im Cola-Bad absterben, aber bevor es zu einer Scheidenspülung kommen kann, sind die meisten der flinken Spermien bereits unerreichbar im Gebärmutterhals verschwunden.

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