Interview mit Frau Jonas: Der Weg des Wassers. Frauen meditieren anders

Autorin und Meditationsmentorin Katrin Jonas erklärt in dem Interview, wie die Meditation speziell auf die Bedürfnisse der Frau abgestimmt werden kann.

Frau Jonas ist Autorin, Internationale Körper-Mind-Trainerin und Meditationsmentorin.Frau Jonas ist Autorin, Internationale Körper-Mind-Trainerin und Meditationsmentorin. (Foto by: Vanity-Studios London (vanitystudios.co.uk))

FitundGesund.at: Frau Jonas, im September erschien Ihr neues Buch „Der Weg des Wassers. Frauen meditieren anders“ Wie kann man den Titel Ihres neuen Buches interpretieren? Wie kann das Wasser mit der Meditation verglichen werden? Welche Parallelen ergeben sich?

Frau Katrin Jonas: Zunächst sehe ich einen Zusammenhang zum Frausein und zum weiblichen Körper, denn eine Frau fühlt sich am wohlsten, wenn sie sowohl mit ihrem Körper als auch mit ihrem Leben in Harmonie ist, mit ihm sozusagen fließt.

Da sehr viele Frauen gegen ihren Körper und folglich gegen ihr Leben kämpfen als mit ihm zu fließen, braucht es Mittel und Wege, um an diesen ureigenen Fluss wieder anzuknüpfen.

Meditation ist eines davon und aus meiner Sicht das wirksamste und femininste. Nur gibt es hier einen Haken: Weil die Meditationswelt seit Jahrtausenden maskulinisiert ist, stelle ich Frauen in meinem Buch „Der Weg des Wassers“ einen femininen Weg des Meditierens vor.

FitundGesund.at: Frau Jonas, Sie behaupten, dass die gegenwärtige Meditationswelt eine maskulin geprägte ist und deshalb viele Frauen an ihren femininen Bedürfnissen vorbeimeditieren. Auf welche Gründe und Ursachen lässt sich dies zurückführen? Worin unterscheidet sich die maskuline Meditation von der femininen Form?

Frau Katrin Jonas: Die Methoden, die auf dem Meditationsmarkt am populärsten sind, stammen zumeist aus längst vergangenen Epochen. Buddha beispielsweise, auf den die Atembeobachtung im klassischen meditativen Sitzen zurückgeht, hat vor 2500 Jahren gelebt. Seine Techniken entsprechen den Erfordernissen der damaligen Zeit. Klar ist, dass er damals nicht ahnen konnte, was eine Frau im 21. Jahrhundert bewegt, welchen Herausforderungen sie gegenübersteht und wie sie am einfachsten ihre Innenwelt erobert. Ich kann nicht sehen, dass sich die Mehrheit der Frauen in solchen Meditationen wirklich wiederfinden. Das ist das eine.

Zum anderen entstand durch die Betonung maskuliner Meditationstechniken die Idee, dass Anstrengung, Mühe, Konzentration und Selbstüberwindung beim Meditieren nötig sind. Dadurch kommt die Zielorientierung ins Spiel, die in den Meditierenden oftmals eine subtile Körperspannung aufbaut und den Verstand bestärkt, anstatt sich in der Tiefe zu entspannen und den Blick in die Innenwelt zu genießen. Darin sehe ich einen Hauptunterschied zum femininen Weg der Meditation. Dieser ist ein kreativer wie intuitiver. Ein körperaffiner und ja, ein flüssiger.

FitundGesund.at: Wie kann Frauenmeditation aussehen? Und wie gelingt es Meditation „zu leben“?

Frau Katrin Jonas: Ich sehe den femininen Weg der Meditation als einen körperorientierten Weg. Frauen sind körperbezogener als Männer, auch wenn die Grenzen schwimmend sind. Für den Fall, dass eine Frau sich mit der Innenwelt Ihres Organismus befassen möchte, liegt es nahe, dass sie ihren Körper dabei berücksichtigt und beim Meditieren keinesfalls gegen ihn vorgeht.

Und das transferiert sich auch ins Leben. Unter einem meditativen Leben verstehe ich, dass es nicht gegen sich selbst oder gegen den Körper gerichtet ist, sondern aus der aktuellen, taufrischen Wahrnehmung des Moments heraus entsteht und mit diesem fließt. Das heißt auch, das Leben nicht permanent vorauszudenken und luftdicht abzusichern, sondern es offen zu halten und aus den aktuellen Erfordernissen darauf zu antworten. Mit diesem simpel und fast belanglos klingenden Vorgehen ließen sich viele körperliche und seelische Probleme vermeiden oder kurieren, denn unser Körper lebt weder in den Fehlern von Gestern noch in den Annahmen und Befürchtungen von morgen. Der Körper lebt im Hier und Jetzt.

Frau Katrin Jonas stellt in ihrem neuen Buch einen femininen Weg des Meditierens vor.Frau Katrin Jonas stellt in ihrem neuen Buch einen femininen Weg des Meditierens vor. (Foto by: Katrin Jonas)

FitundGesund.at: Welche Vorteile ergeben sich für Frauen, die den femininen Weg der Meditation einschlagen?

Frau Katrin Jonas: Frauen erhalten damit eine Chance, dass sie mit sich selbst ins Reine kommen, mit sich eins sind und darüber hinaus ihre Gesundheit stärken.

In meiner Arbeit als Körper-Mind-Trainerin und Meditationsmentorin komme ich täglich damit in Berührung, wie sehr sich Frauen verfälschen, ihr Licht unter den Scheffel stellen oder im Gegenteil, sich maskulinisieren und sich zum Manne machen. Doch in diesem Zuge der Selbstverfälschung vergessen sie ihre Femininität!

Das wiederum ist bei weitem keine bloße Privat- oder Geschmackssache. Da die Femininität der Frau an den weiblichen Körper gebunden ist, entstehen aus deren Vernachlässigung physische und emotionale Symptome und Stresssituationen, die nicht selten in ernsthaften gesundheitlichen Krisen münden. Ein femininer Weg der Meditation könnte hier bewirken, dass Frauen in solche Zustände erst gar nicht hineinrasseln, weil sie wach und bewusst genug sind, um entsprechende Anzeichen bereits in ihren Anfängen zu reflektieren. Sie erkennen, wann ein Kurswechsel angesagt ist und was der Organismus wirklich braucht. Und schließlich folgen sie diesen Impulsen.

FitundGesund.at: In Ihrem Buch widmen Sie einen Bereich dem „Meditieren mit Free-Style-Techniken“. Was kann darunter verstanden werden?

Frau Katrin Jonas: In über 20 Jahren Berufserfahrung habe ich beobachtet, dass Frauen wesentlich besser auf Meditationsmethoden reagieren, die im Gegensatz zu selbstdisziplinierenden Methoden einen kreativen Ausdruck erlauben und dadurch den Weg in die innere Stille erleichtern.

Meditationsmethoden, die ich „Free-Style-Techniken“ nenne, benutzen Bewegung, Tanz, Atmung oder ganz normale Alltagsaktivitäten, um den Organismus auf die Innenschau einzustimmen. Die Frau kann diese an ihre persönliche körperliche Konstellation, an ihr Zeitbudget, ihre beruflichen oder örtlichen Gegebenheiten anpassen.

Dabei spielt auch eine Rolle, dass eine Frau innerhalb des Menstruations-Zyklus, während der Wechseljahre oder in der Schwangerschaft unterschiedliche meditative Bedürfnisse hat. Wie die Frau sich diese erfüllt, liegt in ihren Händen.

FitundGesund.at: Um den Lesern einen kleinen Vorgeschmack auf Ihr neues Buch zu geben: Können Sie uns ein Beispiel für eine praktische Übung nennen?

Frau Katrin Jonas: Es fiel mir nicht leicht, eine Auswahl zu treffen, da das Buch Dutzende von Übungsanleitungen enthält, die sich die Leserin an der so genannten „Rezepte-Bar“ abholen und in der „Me-Time-Lounge“ schriftlich reflektieren kann. Die Me-Time-Lounge besteht aus zahlreichen leeren Buchseiten, wo die Leserin sofort ihre Notizen aufschreibt.

Jetzt zur Übung: Mit der praktischen Sequenz „Die Spur der sanften Stille“ habe ich mich für eine kurze Free-Style-Technik entschieden, weil diese in allen denkbaren Situationen anwendbar oder als Zwischendrin-Tool praktizierbar ist. Sie wäre sogar während eines kurzen Toilettengangs praktizierbar, bevor man wieder an den Schreibtisch zurückkehrt.

Der feminine Weg der Meditation soll Frauen helfen, mit sich selbst ins Reine zu kommen.Der feminine Weg der Meditation soll Frauen helfen, mit sich selbst ins Reine zu kommen. (Foto by: Stocksnap)

Die Spur der sanften Stille

 1. Schritt: 7 bewusste Atemzüge

Schließen Sie die Augen, wann immer es Ihnen für ein paar Momente möglich ist und legen Sie beide Hände sanft auf Ihr Brustbein. Nehmen Sie sieben bewusstere Atemzüge und entspannen Sie sich mit jeder Ausatmung etwas mehr.

2. Schritt: Sanfte Spurensuche

Jetzt richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihr Körperinneres. Erspüren Sie, ob Sie dem Empfinden von Sanftheit und Stille - oder sanfter Stille - in Ihrem Inneren auf die Spur kommen können. Folgen Sie dieser und verweilen Sie mit ihr so lange, wie es Ihnen gefällt.

FitundGesund.at: Und zum Schluss: Was möchten Sie den Frauen auf dieser Welt mitgeben?

Frau Katrin Jonas: Es ist längst an der Zeit, dass eine Frau für Ihr Eigenempfinden, für Ihre wahren physischen und seelischen Bedürfnisse eintritt. Für den Fall nämlich, dass sie sich mit einem extrem maskulinen Vorgehen in einer Welt der Gewalt, des Wettkampfes, des Narzissmus, der Leistungsobsession und der kalkulativen Maßgaben identifiziert, macht sie das krank. Es führt sie in eine dauerhafte Dysbalance, unter der die balancebedürftige Frau leidet. Auffällig ist, dass sich viele Frauen an dieses Ungleichgewicht und den damit verbunbenen Energieverlust gewöhnen, sodass sie diesen kaum ernsthaft hinterfragen.

Wenn es etwas gibt, das ich der Frau von Heute mitgeben möchte, dann dass sie auf ihren Körper, ihr Herz und ihre innere Stimme hört und sich nicht von äußeren Maßgaben manipulieren und von ihrem Eigenempfinden abkoppeln lässt.

Doch eines ist mir in diesem Zusammenhang wichtig: Es geht nicht darum, den Mann als solchen zu bekämpfen, wie es die Frauenbewegung in den achtziger Jahren gemacht hat. Der Mann leidet ja ebenso an einem antiquierten Rollenmodell wie die Frau. Viel mehr geht es für die Frau darum, sich abseits des Kampfes aus diesem zu lösen, ihrem Eigenempfinden zu vertrauen und ihrer Femininität eine Stimme zu geben. Angesichts der Lage in der Welt ist das jetzt einfach dran!
   
Vielen Dank für das Gespräch!!


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