Die chemischen Verhütungsmittel: Wirkung, Anwendung, Arten, Sicherheit

Chemische Verhütungsmittel sind in verschiedenen Formen, wie zum Beispiel als Creme, Zäpfchen oder Tabletten erhältlich. Diese werden mindestens 10 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt und nach Möglichkeit direkt am Muttermund platziert, damit sie ihre verhütende Wirkung entfalten können.

Chemische VerhütungsmethodenSpermizide gibt es in verschiedenen Formen, alle werden vor dem Sex in die Scheide eingeführt. (Foto by: artem_furman / Depositphotos)

Wie wirken chemische Verhütungsmittel?

Grundsätzlich enthalten die chemischen Verhütungsmethoden Spermizide (samenabtötende Substanzen), wie Nonoxinol-9 oder Benzalkoniumchlorid.

Chemische Verhütungsmittel, wie Tabletten, Cremen oder Zäpfchen schmelzen durch die Körperwärme. Die dadurch entstehende, zähe Masse bildet eine Blockade für die Spermien und ein Eindringen der männlichen Samen wird verhindert. Manche Spermizide wirken zudem spermienabtötend bzw. verändern die Spermienbeweglichkeit.

Die Wirkung der chemischen Verhütungsmittel hält jedoch nur für einen Samenerguss an.

Pearl Index: Wie sicher sind chemische Verhütungsmittel?

Da die alleinige Verwendung der chemischen Verhütungsmittel als nicht besonders sicher eingestuft wird (Pearl Index liegt bei 8 bis 36), wird empfohlen, diese nur in Kombination mit anderen Verhütungsmitteln, wie zum Beispiel einem Diaphragma anzuwenden. Der Pearl Index liegt dann bei 2 bis 7.

Arten der chemischen Verhütungsmittel

Creme- und Gelpräparate

Hierbei werden Creme- oder Gele in Metalltuben abgefüllt und mittels Applikator in die Scheide eingebracht, diese sind dann sofort wirksamm.

Der Wirkstoff Nonoxynol-9 wirkt nicht nur spermienabtötend, auch andere Bakterien wie Gardnerella, Gonokokken oder Clamydien werden zerstört. Die antibakterielle Wirkung reicht aber nicht bis zu den HI-Viren oder Kolibakterien.

Zudem wird dem Präparat nachgesagt, dass es zu Hautreizungen kommen kann. Männer klagen über ein Brennen am Penis, Frauen verspüren ein Brennen oder Jucken in der Vagina und manchmal auch Schmerzen beim Sex.

Eine sanftere Methode stellen Creme- und Gelpräparate mit Wirkstoffen wie Zitronensäure oder Milchsäure dar. Dadurch werden die Spermien nicht abgetötet, sondern ein Eindringen der Spermien verhindert.

Chemische VerhütungsmittelChemische Verhütungsmittel sollten nur zusammen mit anderen Verhütungsmitteln angewendet werden. (Foto by: ginasanders / Depositphotos)

Scheiden-Tabletten und Scheidenzäpfchen (Ovula)

Hierbei ist der Trägerwirkstoff wiederum Nanoxynol-9. Rund 10 bis 15 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr sollten die Zäpfchen oder Tabletten (kurz in Wasser tauchen) in die Scheide eingeführt werden. Die Wirkungsdauer beträgt in etwa 2 Stunden, die Menge reicht für einen Samenerguss.

Spermizide Plättchen

Bei dieser Form der chemischen Verhütungsmittel handelt es sich um eine Art Gelatineplatte in der Größe einer Briefmarke, die wie die anderen Verhütungsmittel 10 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt wird.

Der Vorteil liegt an der einfachen Anwendung, der Wirkstoff ist ebenso Nanoxynol-9. Wie bei allen chemischen Verhütungsmitteln hält die Wirkung für rund zwei Stunden und für einen Samenerguss.

Verhütungsschwamm

Ein Verhütungsschwamm ist klein, rund, aus Polyurethan und mit Nanoxynol-9 präpariert. Die Anwendung ist einfach und der Schwamm ist leicht mit einer Schlaufe zu entfernen.

Der Schwamm wird angefeuchtet, tief in die Vagina eingeführt und ist sofort wirksam. Um sicher zu gehen, dass alle Spermien abgetötet werden, darf der Verhütungsschwamm nach dem Geschlechtsverkehr nicht sofort entfernt werden, er sollte für mindestens 6 Stunden in der Vagina verbleiben, jedoch nicht länger als 12 bis 30 Stunden. Der Schwamm hält mehreren Samenergüssen stand. Nachdem dieser aus der Vagina entfernt wurde, ist dieser nicht wiederverwendbar.

Während der Menstruation, nach einer Geburt oder Fehlgeburt sowie bei einer Scheideninfektion wird von der Anwendung abgeraten.

Chemische Verhütungsmittel: Zugänglichkeit und Kosten

Zu bekommen sind chemische Verhütungsmittel rezeptfrei in Drogeriemärkten, online und Apotheken. Abhängig von Art des Verhütungsmittels, der Packungsgröße und des Anwendungszeitraums liegen die Kosten im Durchschnitt zwischen 3 und 15 Euro.

Vorteile der chemischen Verhütungsmittel

Diese Verhütungsmittel sind einfach in der Anwendung und leicht erhältlich. Zudem werden diese nur bei Bedarf angewendet. Auch in der Stillzeit können diese verwendet werden.

Nachteile der chemischen Verhütungsmittel

Nach dem Einführen verspüren viele Frauen ein unangenehmes Brennen, Jucken oder ein Wärmegefühl, da die Schleimhaut gereizt werden kann - Scheideninfektionen und Entzündungen können die Folge sein. Zudem kann sich auch am Penis des Partners ein leichtes Brennen bemerkbar machen.

Chemische Verhütungsmittel sind eher unsicher und sollten daher nur in Kombination mit anderen Verhütungsmethoden angewendet werden.

Es ist davon abzuraten chemische Verhütungsmittel gemeinsam mit einem Kondom zu verwenden, manche Mittel können den Gummi schädigen.

Viele empfinden die Wartezeit von 10 Minuten als störend. Zudem kann es lästig sein, dass dieses Verhütungsmittel vor jedem Geschlechtsverkehr wieder neu in die Scheide eingebracht werden muss.


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