Kinderwunsch trotz Krebs?

Immer mehr Frauen erkranken an Krebs. Eine Krebstherapie kann die Fruchtbarkeit einer Frau stark einschränken. Doch der Kinderwunsch muss nach einer Diagnose nicht unerfüllt bleiben. Ein handeln vor der Therapie ist jedoch wichtig.

Kinderwunsch trotz Krebs? Nach einer Krebsdiagnose ist es wichtig ärztliche Beratung bei Kinderwunsch einzuholen. (Foto by: perig76 / Depositphotos)

Krebserkrankungen bei Frauen

Das durchschnittliche Alter für die erste Schwangerschaft und für das erste Kind verschiebt sich immer mehr nach hinten, dadurch steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Frauen von einer onkologischen Krankheit betroffen sind. 

In Österreich erkranken jährlich tausende Frauen im reproduktionsfähigen Alter an Krebs. Die Krebs-Therapie kann dazu führen, dass die betroffenen Frauen auf natürlichem Wege nicht mehr schwanger werden können.

Man kann heute durch bestimmte Maßnahmen die Fertilität erhalten. Diese medizinischen Techniken zur Erhaltung der Fruchtbarkeit müssen aber bereits vor der Krebsbehandlung durchgeführt werden.

Die meisten Krebserkrankungen bei Frauen im gebärfähigen Alter betreffen Brust, Schilddrüse, Haut und Gebärmutterhals.

Aggressive Behandlungsformen wie die Chemotherapie zerstören allerdings nicht nur Krebszellen, sondern auch Eizellen. Dies kann in weiterer Folge zu Unfruchtbarkeit führen. Je älter die betroffenen Frauen sind und je höher die Dosis der Chemotherapie, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit der Unfruchtbarkeit.

Fertilisierende Maßnahmen

Wie auch bei älteren Frauen, ist Brustkrebs bei Frauen im gebärfähigen Alter die häufigste Krebserkrankung. Da die Überlebensrate bei Brustkrebs im letzten Jahrzehnt signifikant gestiegen ist und viele junge Frauen nach der Krebstherapie Kinder bekommen möchten, sind fertilitätserhaltende Maßnahmen hier besonders wichtig.

Diese sind in  Österreich erlaubt, wenn eine Krankheit vorliegt, bei der es zu einer Einschränkung der Fertilität kommt, wie eben onkologische Erkrankungen und deren Therapie.

Auch wenn die Zeit drängt, ist es für Frauen mit noch nicht abgeschlossener Familienplanung wichtig, sich unmittelbar nach der Krebsdiagnose mit dem Thema Kinderwunsch auseinanderzusetzen, denn das Zeitfenster für Maßnahmen zur Fertilitätserhaltung ist eng.

Je nach Zeitfenster hat man vier Möglichkeiten, um die Fruchtbarkeit zu erhalten:

  • Einfrieren
    Ein Teil des Ovars wird operativ entfernt und eingefroren. Nach der Beendigung der Krebs-Therapie wird dieses Stück aufgetaut und wieder eingesetzt
  • Embryonen einfrieren
    Wenn vor der Chemo 2 – 3 Wochen Zeit ist, kann man unabhängig vom weiblichen Zyklus die Eierstöcke stimulieren und Eizellen gewinnen. Bei Frauen ohne Partner werden diese gleich eingefroren. Bei  Frauen, die sich in einer Beziehung befinden, werden sie mit dem Sperma des Mannes befruchtet und dann in Form von Embryonen eingefroren.
  • Aktivität der Eierstöcke herabsetzen
    Die Gabe von GNRH-Agonisten, das sind Medikamente, kann die Aktivität der Eierstöcke herabsetzen. Man geht davon aus, dass dadurch weniger Schaden durch die Chemotherapie entsteht. Diese Methode ist umstritten und darf nicht als die einzige Therapieoption angeboten werden, es sei dann alle andere Möglichkeiten können nicht zur Anwendung kommen.
  • Kombination von allen Methoden

Kryokonservierung

Entscheidet sich eine an Krebs erkrankte Frau für das Einfrieren von Eizellen, die sogenannte Kryokonservierung (Kryo = Eis), dann muss so schnell wie möglich, jedenfalls noch vor der Krebstherapie, mit der Behandlung begonnen werden.

Social Freezing, das vorsorgliche Einfrieren von unbefruchteten Eizellen ohne medizinischen Grund, ist in Österreich gesetzlich verboten. Nur bei medizinischer Indikation, und dazu gehören neben einer Krebstherapie auch eine frühzeitig erschöpfte Eizellreserve sowie schwere Formen der Endometriose, ist das Einfrieren von Eizellen möglich.

Autor des Gastbeitrags

Prof. Dr. Nouri ist Arzt an der Kinderwunschklininik VivaNeo in 1130 Wien. Weitere Standorte der Kinderwunschkliniken sind Wels und Klagenfurt.

"Hinsichtlich der Aufklärung kommt GynäkologInnen und OnkologInnen eine große Verantwortung zu, denn nach der meist niederschmetternden Diagnose Krebs denken die wenigsten Frauen an ihre spätere Fruchtbarkeit."

"Um onkologische PatientInnen in dieser schwierigen Phase besser zu unterstützen, starten wir an allen drei Standorten in Österreich mit Unterstützung durch Merck, , eine Initiative zur Fertilitätsprotektion. VivaNeo übernimmt 2/3 der Kosten für das Einfrieren von Eizellen von Krebs-PatientInnen."

Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten zu Dr. Nouri findet man HIER.
 

 


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Autor: Prof. Dr. Kazem Nouri
Infos zum Autor: Arzt an der Kinderwunschklininik VivaNeo
Erstellt am: 22.09.2020
Überarbeitet am: 23.09.2020

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