Kinderbetreuung durch die Großeltern: Vorteile, Nachteile und Tipps, wie es funktioniert

In Österreich kümmern sich in etwa der Hälfte aller Familien Oma und Opa um die Enkelkinder, während Mama und Papa arbeiten. Damit die Betreuung von Kindern durch ihre Großeltern funktioniert, gilt es einige Punkte zu beachten.

Kinderbetreuung durch GroßelternDie Kinderbetreuung durch die Großeltern bringt sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich. (Foto by: Wavebreakmedia / Depositphotos)

Die Frage nach der Kinderbetreuung stellt viele Familien vor eine schwierige Aufgabe. Gerade für die ganz Kleinen sind nicht allerorts ausreichend Betreuungsangebote vorhanden. Finanzielle oder persönliche Belange machen jedoch oftmals eine Berufstätigkeit beider Eltern notwendig.

Dabei sind sich Eltern oftmals unsicher, ob sie ihre Kinder schon von Personen außerhalb des Familienkreises betreuen lassen sollen. Kinderbetreuung durch die Großeltern kann eine Option sein. Hierbei ist zu erwähnen, dass viele Großeltern gerne in die Betreuung eingebunden werden möchten.

Vorteile der Kinderbetreuung durch die Großeltern

Ein Gewinn für alle

Wünschen sowohl Eltern als auch die Großeltern eine Betreuung durch Oma und Opa, so entsteht in den meisten Fällen eine klassische Win-Win-Situation: Beide Parteien profitieren von dieser Lösung.

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Kinder sehr vom Umgang mit ihren Großeltern profitieren. So geben viele Jugendliche an, dass die Großeltern zu den Menschen gehören, von denen sie maßgeblich und im positiven Sinne beeinflusst worden sind, denn Großeltern können ihren Enkeln viel Zeit, Geduld, Großzügigkeit sowie eine liebevolle Zuwendung bieten. Zudem gehen Großeltern auf die Enkelkinder ein und die Familienstruktur kann gestärkt werden.

Ersparnis

Da im Regelfall die Großeltern nicht für ihre Betreuungsdienste entlohnt werden möchten, ergibt sich auch ein finanzieller Vorteil für die Familie.

Nachteile der Kinderbetreuung durch die Großeltern

Konflikte

Bei der Betreuung durch die Großeltern können, ungeachtet der vielen Vorteile, auch schnell problematische Situationen entstehen.

Probleme, Ängste und Missverständnisse zwischen Eltern und Großeltern oder auch zwischen Großeltern und Enkeln sind dabei meist das Resultat unklarer Kommunikation und mangelnder Absprachen und Grenzen.

Unterschiedliche Vorstellungen

Eltern, die ihre Kinder von den Großeltern betreuen lassen möchten, müssen sich darüber im Klaren sein, dass Erziehungsmethoden immer dem Wandel der Zeit unterliegen.

Insofern ist davon auszugehen, dass die Erziehungsmethoden der Großeltern womöglich nicht den Idealvorstellungen der Eltern entsprechen.

Reagieren die Großeltern dann im Konfliktfall so, wie sie selbst es für richtig halten und verletzen dabei jedoch die Wünsche der Eltern, kann es zu Konflikten kommen.

Deshalb ist es wichtig, dass Großeltern ihre Hilfe zwar anbieten, aber Grenzen und Haltungen der Eltern akzeptieren und respektieren.

Berufstätigkeit der Großeltern

In der heutigen Gesellschaft sind noch viele Großeltern erwerbstätig. Um ihre Enkel zu betreuen, müssten die Großeltern in vielen Fällen ihre berufliche Stellung aufgeben. Dies kann sich sehr negativ auf die spätere Pension auswirken.

Keine Pädagogen

Großeltern sind meist keine Profis in Sachen Kinderbetreuung. Eine pädagogische Ausbildung fehlt, gleichzeitig sind die Großeltern schon in vorgerücktem Alter und nicht mehr unendlich belastbar.

Überforderung

Durch schwierige Situationen mit den Enkeln können oftmals Gefühle von Überforderung entstehen.

Nachteile fürs Kind

Möglicherweise werden durch eine Betreuung durch die Großeltern auch Chancen einer frühkindlichen Förderung, die nur eine professionelle Kindertageseinrichtung bieten kann, verschenkt.

Gerade bei sprachlichen Defiziten kann eine geschulte Förderung durch ausgebildete Erzieherinnen sehr wichtig sein. Eine solche Förderung kann im Regelfall nicht durch die Großeltern geleistet werden.

Falsche Erwartungen

Zudem kommt es nicht selten zu falschen Erwartungen von beiden Seiten.:

  • Eltern gehen häufig davon aus, dass Großeltern grundsätzlich ihre Enkel jederzeit gerne betreuen und immer zur Verfügung stehen. Sie vergessen dabei, dass auch die Großeltern oft noch berufstätig und entsprechend zeitlich eingespannt sind. Zudem haben auch Großeltern ein Recht auf ein Privatleben, was Hobbys und Reisen durchaus einschließt. Nicht immer kann man also davon ausgehen, dass die Großeltern zur Verfügung stehen, wenn ein Babysitter benötigt wird.
  • Eine falsche Erwartungshaltung kann aber auch von den Großeltern ausgehen. Sie erwarten möglicherweise ständige Dankbarkeit, weil sie die Enkel betreuen und sehen dies als Grundlage, die Eltern zu bevormunden oder ihre Sichtweise von Erziehung durchzusetzen, selbst wenn diese nicht mehr zeitgemäß ist.

So funktioniert die Kinderbetreuung durch die Großeltern

Oma mit ihrer Tochter und EnkerlBeidseitige Wertschätzung und Respekt sind für ein gutes Auskommen vieler Generationen wichtig. (Foto by: Wavebreakmedia / Depositphotos)

Damit die Kinderbetreuung durch die Großeltern gelingt und keine negativen Gefühle und Konflikte entstehen, bedarf es einer genauen Absprache, einer vorherigen Klärung der gegenseitigen Erwartungen sowie gegenseitigen Respekt und Wertschätzung.

1. Zeitraum festlegen und auf die Bedürfnisse der Großeltern Rücksicht nehmen

So sollten Eltern ihren Betreuungsbedarf, vor allem also den zeitlichen Umfang, klar darstellen und dabei den Großeltern auch die Möglichkeit einräumen, hier Nein zu sagen.

Nur eine Betreuung der Enkel, die wirklich gerne erbracht wird, kann gelingen.

Eine Betreuung allein auf der Basis von Pflicht- oder Schuldgefühlen kann nicht die Herzlichkeit aufkommen lassen, die im Umgang mit den Kindern wichtig ist.

2. Klare Aufgabenverteilung

Zudem muss es klare Absprachen geben, wer wofür bei der Erziehung der Kinder verantwortlich ist.

Zwar sollten Eltern bei jeder Fremdbetreuung ihrer Kinder auch den Betreuungspersonen einen gewissen Spielraum zugestehen. Die meisten Eltern haben aber auch Überzeugungen, beispielsweise in Sachen Ernährung oder beim Thema Schlaf, bei denen sie sich auf keine Diskussionen einlassen möchten.

Hier ist es an den Großeltern zu erkennen, dass sie die elterlichen Kompetenzen in diesen sensiblen Bereichen nicht infrage stellen dürfen und sich nach dem richten müssen, was man ihnen vorgibt.

3. Respekt und Wertschätzung

Auch Höflichkeit ist sehr wichtig, damit die Betreuung durch Großeltern gelingen kann. Respekt und Wertschätzung für das, was der andere leistet, sind die Grundpfleiler einer guten gegenseitigen Beziehung.

Fazit

In jedem Fall sind genaue Absprachen über Erziehungsstile und den Alltag mit den Kindern wichtigste Voraussetzung, damit die Betreuung gelingen kann. Eltern dürfen die Großeltern keinesfalls als billige Babysitter ansehen, die immer zur Verfügung stehen und sich nur nach den Wünschen anderer richten müssen.

Großeltern dagegen müssen auch tolerant sein und erkennen können, dass die heutigen Erziehungsstile womöglich andere sind. Diese gilt es zu akzeptieren, um gerade die Kinder nicht in schwere Konflikte zu bringen.

Können beide Seiten offen über diese Themen sprechen und hier gute Lösungen finden, kann die Kinderbetreuung durch die Großeltern eine sehr gute Alternative zu einer Kindertageseinrichtung sein.


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