Die größten Erziehungsirrtümer

Obwohl es eigentlich die natürlichste Sache der Welt ist, Kinder zu haben und sie auf ihrem Weg ins Leben zu begleiten, sind heutzutage viele Eltern verunsichert. Denn wer sonst als ratlose Eltern sollte die Zielgruppe sein für die unübersehbare Menge an Erziehungsratgebern, die heute auf dem Markt sind? Leider ist man nach Konsultation dieser Ratgeber nicht unbedingt schlauer, denn nur allzu oft widersprechen sich die Tipps und am Ende steht man noch ratloser da als am Anfang. Um ein wenig Klarheit zu schaffen, räumen wir mit den häufigsten Erziehungsirrtümern auf.

ErziehungsirrtümerKindererziehung ist nicht einfach, zudem kursieren dazu viele Irrtümer. (Foto by: jannabantan / Depositphotos)

1. Eltern sind Vorbilder für ihre Kinder und sollten sich dementsprechend immer vorbildlich verhalten.

Es stimmt, Kinder übernehmen viele Verhaltensweisen der Erwachsenen, auch Einstellungen und Werte werden von den Eltern vermittelt. Allerdings weniger durch Worte und Erklärungen, als durch aktives Vorleben. Und hierbei kommt es auf Authentizität an. Kinder haben ein sehr feines Gespür dafür, ob die Eltern authentisch sind oder nur eine Rolle spielen.

Ein Rollenspiel, bei dem die Eltern etwas vorgeben, das sie in Wirklichkeit gar nicht sind, ist auf Dauer sehr verwirrend für das Kind und verunsichert es, viel mehr noch, als ein nicht ganz so vorbildliches Verhalten der Erwachsenen.

Wichtig ist jedoch, dass Eltern dazu stehen, wenn sie einen Fehler gemacht haben und sich auch nicht scheuen, dies zuzugeben und sich zu entschuldigen. Und in dieser Hinsicht haben die Eltern dann wirklich die Basis für vorbildliches Verhalten gelegt.

2. Man soll die Kinder so früh wie möglich durch spezielle Angebote fördern.

Eltern stehen heutzutage unter immensem Druck. Ihnen wird täglich suggeriert, dass sich nur durch ganz gezielte Frühförderung die Talente des Kindes entwickeln und dass es ohne diese Förderung den anderen Kindern gegenüber ins Hintertreffen geraten wird.

Bereits im Kindergartenalter haben manche Kinder einen vollgestopften Terminkalender:

Diese Dinge sind tatsächlich von Nutzen – in der Hauptsache für die Veranstalter.

Kinder im Baby- oder Kindergartenalter brauchen kein ausgearbeitetes Förderprogramm, das sie und auch die Eltern unter Druck setzt. Ein gesundes Lebensumfeld, in dem die Eltern viel mit den Kindern sprechen, spielen und unternehmen, in dem die Kinder authentische Erfahrungen in der freien Natur machen dürfen, ist der ideale Hintergrund für eine gesunde Entwicklung.

3. Eltern und Kinder sind Partner.

Eltern und Kinder werden nie Partner sein, denn Partnerschaft ist nur möglich zwischen gleichgestellten Personen. Kinder brauchen starke Eltern, die sie beschützen, die ihnen den Weg ins Leben zeigen, die ihnen die Welt und ihre Regeln erklären, und keine Partner, denn das hieße ja, dass sie auf einer Stufe mit den Kindern stehen.

Dass manche Eltern heutzutage diese Rolle nicht mehr ausfüllen können und wollen, liegt an der immer stärker um sich greifenden Verunsicherung. Wer sich als Partner des Kindes betrachtet, hat keinen Mut, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen, aber gerade das ist es, was Kinder von uns erwarten und einfordern.

Wer seine Kinder als Partner, manchmal gar als Partnerersatz, betrachtet, irritiert sie und zwängt sie in eine Rolle, der sie nicht gerecht werden können.

4. Lob motiviert die Kinder.

Mutter mit KindWenn Eltern ihr Kind loben, sollte das Lob ehrlich und aufrichtig gemeint sein. (Foto by: alenkasm / Depositphotos)

Beim Lob kommt es sehr darauf an, wie, wofür und in welcher Situation es ausgesprochen wird. Eine typische Situation: Das Kind hat etwas gemalt und zeigt es der Mutter, die die Kritzelei reflexartig mit: „Super! Du wirst bestimmt mal ein großer Maler“ kommentiert. In dieser Situation spürt das Kind die Unaufrichtigkeit und ist zu Recht enttäuscht.

Hier kommen zwei Faktoren zusammen, die kennzeichnend sind für schädliches Lob: Es ist allgemein und übertrieben. Je häufiger man auf diese allgemeine, desinteressierte Art lobt, desto wertloser wird das Lob für das Kind. Besser wäre in so einer Situation, sich das Bild genau anzuschauen und zu erkennen zu geben, dass man sich dafür interessiert, etwa in der Art: „Ich sehe hier etwas Rotes. Sind das Blumen?“

5. Man soll nie vor den Kindern streiten.

Im Gegenteil. Das Erlernen einer zivilisierten Streitkultur ist sehr wichtig für die Kinder. Dabei kommt es aber sehr auf das „Wie“ des Streitens an.

Absolut tabu sind Beleidigungen, Beschimpfungen oder gar körperliche Gewalt. Wenn die Eltern auch im Streit respektvoll und wertschätzend miteinander umgehen und sich auch wieder versöhnen, lernt das Kind, wie man konstruktiv und zielführend mit Konflikten umgeht.


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