Schweißdrüsenabsaugung (Aspirationshydrektomie): Anwendungsgebiete, Methoden, Ablauf, Risiken

Jeder Mensch schwitzt zur Steuerung des Wärmehaushaltes des Körpers, dazu besitzt ein Körper rund 2 Millionen Schweißdrüsen. Übermäßiges Schwitzen (Hyperhidrose) tritt am häufigsten in der Achselhöhle, den Fußsohlen oder den Handflächen auf. Die effizienteste Art den Betroffenen zu helfen ist die sogenannte Saugkürettage.

SchweißEine Schweißdrüsenabsaugung kann bei übermäßigem Schwitzen Abhilfe schaffen. (Foto by: Dandaman / Depositphotos)

Was ist eine Schweißdrüsenabsaugung?

Unter der Bezeichnung Schweißdrüsenabsaugung werden mehrere operative Verfahren zusammengefasst, die zur Behandlung von übermäßiger Schweißbildung dienen.
 
In der Medizin ist die Methode auch als Schweißdrüsenkürettage oder Schweißdrüsen-Saugkürettage bekannt. Gemeint sind damit operative Techniken, die bei einer intensiven Schweißproduktion unter den Achseln zur Anwendung kommen.
 
Bevor eine Schweißdrüsenabsaugung stattfindet, muss der Arzt jedoch erst sicher feststellen, dass auch wirklich überaktive Schweißdrüsen für das Problem verantwortlich sind. So kann in manchen Fällen auch eine Schilddrüsenerkrankung für die starke Schweißbildung infrage kommen, sodass dieses Leiden entsprechend behandelt werden muss, um das starke Schwitzen zu stoppen.

Anwendungsgebiete

Obwohl übermäßige Schweißbildung auch an anderen Körperstellen wie Händen oder Füßen auftreten kann, dient die Schweißdrüsenabsaugung nur zur Behandlung von übermäßiger Schweißbildung der Achselhöhlen. Sie ist also ausschließlich für die Therapie der Hautstellen unter den Achseln geeignet.
 
Hauptanwendungsgebiet der Schweißdrüsenkürettage ist die axilläre Hyperhidrose oder Hyperhydrosis. Diese Erkrankung lässt sich durch einen Hautarzt rasch feststellen und macht sich durch umfangreiche Schweißflecken im Achselbereich bemerkbar.
 
Aus diesem Grund sind die betroffenen Personen gezwungen, mehrere Male am Tag ihre Oberbekleidung zu wechseln.
 
Leiden die Patienten zudem unter unangenehmen Schweißgeruch, ist von einer Bromhidrose die Rede. Mithilfe einer Schweißdrüsenabsaugung besteht jedoch die Option, eine Bromhidrose sowie eine axilläre Hyperhidrose erfolgreich und nachhaltig zu behandeln.

Welche Methoden zur Schweißdrüsenabsaugung stehen zur Verfügung?

Es gibt verschiedene Methoden, die bei einer Schweißdrüsenabsaugung zur Anwendung gelangen können. Dabei gilt es zwischen Verfahren zu unterscheiden, in deren Rahmen die betroffenen Hautareale entweder partiell oder komplett entfernt werden.
 
Ebenso sind minimal-invasive Verfahren durchführbar, bei denen die Haut nicht abgetragen werden muss. Sämtliche Methoden haben miteinander gemeinsam, dass sie sich ambulant vornehmen lassen. Außerdem erhält der Patient eine lokale Betäubung. Auf eine Vollnarkose kann hingegen verzichtet werden.
 
Bei dem Entfernen von kompletten Hautarealen handelt es sich eher um radikale operative Eingriffe. Ihnen werden allerdings die größten Erfolgsaussichten zugeschrieben, wenn es um eine langfristige Verminderung der Schweißproduktion geht.
 
Das vollständige Entfernen der Hautstellen birgt jedoch Risiken wie größere Wundstellen sowie das Entstehen von Narben in sich. Aus diesem Grund werden mittlerweile die minimal-invasiven Verfahren bevorzugt. In ihrem Rahmen erfolgt das Lösen der Schweißdrüsen von der Haut. Ebenso lassen sie sich absaugen, abtragen oder mit einem Laser zerstören.

Schweißdrüsenkürettage und Lasertherapie

Zu den am häufigsten verwendeten Methoden der Schweißdrüsenabsaugung zählen die Schweißdrüsenkürettage sowie die Lasertherapie.
 
Bei beiden Methoden spritzt der Arzt zunächst eine Lösung in die Achselhöhlen, um Schweißdrüsen und Gewebe aufzuweichen.
 
Anschließend nimmt er einen Schnitt im Achselbereich vor, um sich Zugang für die Saugkürettage oder den Laser zu verschaffen. Das Instrument wird eingeführt und entfernt die Schweißdrüsen.
 
Während im Rahmen der Saugkürettage die Schweißdrüsen von der Haut abgeschabt und abgesaugt werden, zerstört der Laser die Drüsen durch Einwirkung von Hitze.

Alternativen zur Operation

Eine operative Schweißdrüsenabsaugung sollte erst dann stattfinden, wenn alle anderen Methoden nicht von Erfolg gekrönt sind.

Medikamente

So lässt sich übermäßige Schweißbildung unter den Achseln ebenso wie an den Händen und Füßen durch die Gabe von Medikamenten wie Anticholinergika behandeln.
 
Weitere konservative Verfahren sind die lokale Anwendung von Aluminiumchlorid oder eine Jontophorese.

Botox-Therapie

In letzter Zeit greifen die Ärzte auch immer häufiger auf die Botox-Therapie zurück. Bei diesem Verfahren wird das Botulinumtoxin A, das auch als Botox bekannt ist, in das betroffene Hautareal eingespritzt.
 
Schon nach einigen Tagen kommt es durch das Botulinumtoxin zu einer Blockade der Nervenimpulse in Richtung kleine Muskeln, die für das Entleeren der Schweißdrüsen zuständig sind.
 
Auf diese Weise wird das übermäßige Schwitzen für einen Zeitraum von sechs Monaten vollständig unterbunden, was vor allem während der warmen Sommermonate sinnvoll ist. Allerdings muss die Botox-Behandlung regelmäßig wiederholt werden.

Was geschieht vor der Schweißdrüsenabsaugung?

Im Vorfeld der Schweißdrüsenabsaugung wird der Patient ausführlich vom Arzt über den Ablauf sowie mögliche Risiken und Nebenwirkungen informiert.
 
Besteht eine generalisierte Hyperhidrose, ist eine internistische Untersuchung erforderlich, um einer möglichen Grunderkrankung auf die Spur zu kommen.
 
Außerdem finden vor der Operation eine Ganzkörperuntersuchung, ein EKG sowie eine Blutuntersuchung statt.
 
Des Weiteren werden individuelle Fragestellungen besprochen. Am Ende trifft der Arzt die Entscheidung, ob der operative Eingriff sinnvoll ist oder nicht.

Vorbereitung auf die Operation

Es empfiehlt sich, ca. zwei Wochen vor Operationsbeginn nicht mehr zu rauchen und keinen Alkohol zu sich zu nehmen, wodurch sich möglichen Wundheilungsstörungen vorbeugen lässt.
 
Ferner ist es ratsam, auf Arzneimittel mit blutverdünnender Wirkung wie Aspirin, Plavix oder Marcumar zu verzichten, um Blutergüssen entgegenzuwirken.

Ablauf des Eingriffs

SchweißdrüsenabsaugungAls richtige Anlaufstelle für eine Schweißdrüsenabsaugung gelten Ärzte der plastischen Chirurgie oder Dermatologen (Hautärzte), die operativ tätig sind. (Foto by: Wavebreakmedia / Depositphotos)

Die Dauer einer Schweißdrüsenabsaugung liegt zwischen 45 und 90 Minuten.
 
Vor dem Eingriff erhält der Patient eine lokale Betäubung oder wird in Dämmerschlaf versetzt. In der Regel wird die Operation ambulant durchgeführt.
 
Im Rahmen der Schweißdrüsenabsaugung verabreicht der Arzt dem Patienten in jede Achselhöhle 300 bis 500 Milliliter Tumeszenzlösung, die sich zum größten Teil aus Kochsalzlösung zusammensetzt. Durch die Gabe kann sich die Haut von dem darunter befindlichem Gewebe abheben. Außerdem lassen sich Nerven sowie Lymph- und Blutgefäße vor Beeinträchtigungen schützen.
 
Bis die Schweißdrüsen sich mit der Flüssigkeit gefüllt haben, dauert es etwa 30 bis 45 Minuten. Nun lassen sie sich auf schonende Weise mithilfe einer Spezialkanüle absaugen.
 
Die Hautschnitte, die für den Eingriff erforderlich sind, betragen lediglich einen Umfang von 3 bis 4 Millimetern und werden am Achselhöhlenrand vorgenommen. Später fallen sie kaum auf.
 
Zum Schluss werden die kleinen Wunden mit Klammerpflastern verschlossen. Für den weiteren Schutz sorgt ein Verband, den der Patient ungefähr eine Woche trägt.

Entfernen der Schweißdrüsen mit einem Laser

Alternativ zur klassischen Schweißdrüsenabsaugung kann auch eine Laserbehandlung erfolgen, die ebenfalls ambulant stattfindet.
 
Auch diese Variante gehört zu den minimal-invasiven Eingriffen.
 
Der Patient erhält zunächst eine lokale Betäubung. Danach führt der Chirurg kleine Hautschnitte von ca. 1,5 Millimetern Länge durch, um eine Laserfaser in die Hautregion unter den Achseln einführen zu können.
 
Im Anschluss aktiviert er den Laser, der sich erhitzt und die Schweißdrüsen sowie das angrenzende Gewebe zerstört. Die nicht mehr funktionstüchtigen Zellen werden vom Körper abtransportiert. Auch nach dem Eingriff sind noch einige Schweißdrüsen vorhanden.
 
Die Laserbehandlung gilt als schonender als das Abschaben der Schweißdrüsen per Saugkürettage. So fallen mögliche Risiken und Nebenwirkungen vergleichsweise geringer aus. Für andere Körperbereiche als die Achseln eignet sich die Therapie per Laser jedoch nicht.

Risiken und Nebenwirkungen

Eine Schweißdrüsenabsaugung findet nur knapp unterhalb der Hautoberfläche statt. Daher gelten die Risiken bei diesem Verfahren eher als gering.
 
In manchen Fällen können jedoch verschiedene Nebenwirkungen auftreten. Dabei handelt es sich zumeist um:
  • lokale Infektionen
  • Blutungen
  • Schwellungen
  • Wundheilungsstörungen
  • eine übermäßige Bildung von Narben
Diese Nebeneffekte lassen sich grundsätzlich gut behandeln. Als problematisch werden allerdings Verletzungen von Nerven oder Lymphgefäßen eingestuft. So drohen dadurch länger anhaltende Sensibilitätsstörungen wie Taubheitsgefühle. In seltenen Fällen kann nach etwa zwei Monaten eine weitere Operation notwendig sein.

Beim Einsatz eines Lasers sind Komplikationen wie Verbrennungen, Narbenbildung und Hautnekrosen möglich.

Nachsorge

In den ersten 24 Stunden nach der Schweißdrüsenabsaugung sondern die Wunden noch ein wenig Flüssigkeit ab. Dabei handelt es sich zumeist um die Überreste der injizierten Kochsalzlösung.
 
Beim Heben der Arme verspürt der Patient leichte Spannungsschmerzen, gegen die er jedoch ein Schmerzmittel einnehmen kann. Bereits nach zwei Tagen bessern sich die Beschwerden normalerweise deutlich.
 
Nach dem Eingriff wird das Anlegen eines Kompressionsverbands in der Achselregion empfohlen, den der Patient rund drei Wochen trägt.
 
Hilfreich sind außerdem regelmäßige Gewebsmassagen. Dadurch lassen sich Hautverhärtungen bei der Wundheilung vermeiden. Sinnvoll kann auch die Gabe eines Antibiotikums sein, um Wundinfektionen entgegenzuwirken.
 
Sieben bis zehn Tage nach der Operation zieht der Arzt die Fäden.
 
In der Regel dürfen die Patienten schon nach ein bis zwei Tagen wieder ihre Arbeit aufnehmen. Am ersten Tag können sogar schon leichte Bürotätigkeiten ausgeführt werden.
 
Allerdings dürfen sich die Betroffenen ungefähr vier bis sechs Wochen nicht sportlich betätigen. Auch schwere körperliche Arbeit, Saunabesuche, Schwimmen oder intensive Sonnenbäder sind tabu.
 
Ferner wird für die Dauer des Heilungsprozesses der Verzicht auf Tabak und Alkohol empfohlen.

Erfolgsaussichten

Durch eine Schweißdrüsenabsaugung wird die Bildung von Schweiß nicht vollständig unterbunden, aber auf einen gesunden Wert zurückgefahren. Im Anschluss an den operativen Eingriff an der Achselhöhle entwickelt sich die Schweißbildung an dieser Stelle komplett zurück. Die Schweißdrüsen, die noch vorhanden sind, lassen nach einigen Monaten jedoch wieder neuen Schweiß entstehen. Dadurch kann es wiederum zu mehr oder weniger stark ausgeprägten Schweißausbrüchen kommen.
 
Eine abschließende Beurteilung über den Erfolg der Schweißdrüsenabsaugung ist nach etwa sechs Monaten möglich. Liegt dann kein zufriedenstellendes Resultat der Therapie vor, weil die restlichen Drüsen nach wie vor zu viel Schweiß absondern, lässt sich der Eingriff wiederholen. Normalerweise ist das Resultat der Schweißdrüsenabsaugung im Unterschied zur Botox-Therapie aber von Dauer.

Als richtige Anlaufstelle für eine Schweißdrüsenabsaugung gelten Ärzte der plastischen Chirurgie oder Dermatologen (Hautärzte), die operativ tätig sind. Dabei kann eine Beratung durch den Hausarzt erfolgen.

Nicht für jede Person ist eine Schweißdrüsenabsaugung sinnvoll

Durchgeführt werden darf eine Schweißdrüsenabsaugung erst ab einem Alter von 18 Jahren. Darüber hinaus kommt der operative Eingriff erst als letzte Option in Betracht, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten wie zum Beispiel eine Botox-Therapie versagt haben. So gilt die Schweißdrüsenabsaugung als letzte Behandlungsoption, worauf von einem seriösen Therapeuten auch geachtet wird.

Kosten für einen operativen Eingriff

Die Kosten für eine Schweißdrüsenabsaugung bewegen sich normalerweise zwischen 1500 und 2000 Euro. Diese müssen vom Patienten in der Regel selbst übernommen werden, weil die Operation von den Krankenkassen als kosmetischer Eingriff eingestuft wird.
 
Nur wenn der Leidensdruck derart groß ist, dass er die Gesundheit des Patienten beeinträchtigt, sind einige Kassen bereit, die Kosten teilweise zu erstatten.

Grundsätzlich ist bei verlockend preisgünstigen Angeboten Vorsicht angebracht, weil diese nicht selten auf Kosten der Qualität gehen. Da die Gesundheit jedoch das wichtigste Gut ist, das der Mensch besitzt, sollte er behutsam mit ihr umgehen und sich lieber einem erfahrenen Facharzt anvertrauen, der für gute Qualität steht.
 
Außerdem empfiehlt es sich, sorgfältig abzuwägen, ob tatsächlich nur eine Operation an den Schweißdrüsen Abhilfe schaffen kann.

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