Aggressionen und Wut bei Kindern

Wenn ein Kind wütend ist, ist es seinen Gefühlen oft hilflos ausgeliefert - das gilt umso mehr, je kleiner das Kind ist. Die Eltern und andere erziehende Personen können dabei helfen, dass das Kind mit seinen Gefühlen besser umgehen und diese ohne Gewalt zum Ausdruck bringen kann.

Wütendes KindWenn ein Kind wütend ist, ist es seinen Gefühlen oft hilflos ausgeliefert. (Foto by: Cherry-Merry / Depositphotos)

Wut gehört ebenso zu den menschlichen Gefühlen, wie Angst, Trauer, aber auch Freude.

Erwachsene haben gelernt, mit ihrer Wut umzugehen und diese in die richtigen Bahnen zu lenken. Erwachsene können ihrer Wut Ausdruck verleihen, indem sie diese in Worte fassen und zum Beispiel laut schimpfen oder mit anderen darüber reden.

Kindern ist das in der Form noch nicht möglich. Wenn sie Wut verspüren, äußert sich das auf verschiedenartige Weise, abhängig vom Alter:

  • auf den Boden werfen
  • mit dem Kopf gegen die Wand schlagen
  • laut schreien
  • andere treten, beißen oder schlagen
  • Gegenstände mutwillig zerstören
  • Türen knallen

Wie reagiert man darauf?

Ganz falsch von Erwachsenen wäre es, in einem solchen Fall ebenfalls wütend und möglicherweise mit Gewalt zu reagieren.

Kinder brauchen ein Ventil, um ihre Wut loszuwerden. Mutter oder Vater können ihnen dabei helfen, indem sie zum Beispiel bei kleineren Kindern deren Wut in Worte fassen, wenn diese es noch nicht selbst können. Das kann durch Fragen geschehen „Bist du jetzt wütend, weil wir kein Erdbeerjoghurt mehr haben?“ oder durch Feststellungen „Du bist wütend, weil wir noch so weit bis nach Hause laufen müssen. Das verstehe ich. Leider kann ich das aber jetzt nicht ändern.“

Auf diese Art lernen Kinder mit der Zeit, selbst Worte dafür zu finden, wo sie der Schuh drückt. Dann müssen keine Schreiattacken und zerstörerische Handlungen mehr folgen, wenn das Kind wütend ist, sondern die Wut wurde in die richtigen Bahnen geleitet.

Die Wut unterbinden

Aggressionen abbauenSportliche Betätigung hilft, Wut und schlechte Gefühle abzubauen. (Foto by: wernerimages / Depositphotos)

Versäumen die Eltern das richtige Lenken der Wut, lernen die Kinder nicht, mit ihrer Wut richtig umzugehen. Die Wut schlägt in Aggressionen und in Gewalt um. Dabei ist es unerheblich, ob das Kind die Aggressionen gegen sich selbst anwendet und zum Beispiel immer wieder mit dem Kopf gegen die Wand rennt oder ob es dem kleinen Bruder die Schaufel auf den Kopf haut.

Kinder sollten lernen, dass Gewalt und Aggressionen die Wut nicht schmälern, sondern nur dazu führen, dass sie sich bei anderen unbeliebt machen. Wie in vielen alltäglichen Situationen können die Eltern sich auch hier die Vorbildfunktion zu Nutze machen. Eltern dürfen auch einmal wütend sein, wenn etwas nicht so klappt, wie sie sich das wünschen oder wenn das Kind mutwillig etwas kaputt gemacht hat. Die Reaktion könnte dann wie folgt aussehen: „Ich bin wütend, weil du meine Lieblingsvase kaputt gemacht hast. Lass mich bitte in Ruhe.“

Wenn die Eltern ihre Wut durch Worte ausdrücken, versuchen die Kinder, dies ebenso zu tun. Darüber hinaus lernen Kinder auch, dass auch Eltern nicht perfekt und immer freundlich sind, sondern durchaus auch andere Gefühle haben können. Das macht die Eltern authentischer. Eltern können dem Kind auch zeigen, wie es Druck abbauen kann, ohne sich selbst oder jemand anderem weh zu tun. Das kann die Anschaffung eines Boxsacks sein, das schlagen auf ein Kissen tut es aber auch. Auch sportliche Betätigung hilft, Wut und schlechte Gefühle abzubauen.

Grund für Aggressionen

Wenn Kinder zu Aggressionen neigen, ob nun gegenüber sich selbst oder gegen andere, steckt normalerweise ein guter Grund dahinter:

  • Familiäre Konflikte können beispielsweise ein Auslöser dafür sein
  • Mobbing in Schule und Kindergarten
  • Auch Krankheiten wie ADHS oder Autoimmunerkrankungen.

Sollte ein Kind fortwährend aggressiv sein und weder durch Vorleben noch durch Reden zu einer Änderung des Verhaltens fähig sein, sollten Eltern sich nicht scheuen, professionelle Hilfe zu suchen. Dabei sollten zunächst einmal körperliche Ursachen ausgeschlossen werden.


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