"Geborgte" Großeltern

Großeltern, die ab und zu die Kinderbetreuung übernehmen können, sind nicht für jede Familie eine Selbstverständlichkeit. Weite Entfernungen, eine angeschlagene Gesundheit, zu wenig Zeit oder schlicht kein Interesse von Oma oder Opa machen es manchmal erforderlich, nach Alternativen suchen zu müssen."Geborgte" Großeltern können hier die passende Lösung sein.

Geborgte GroßelternEs gibt heute viele ältere Menschen, die ihre freie Zeit gerne einem "geborgten" Enkelkind widmen. (Foto by: monkeybusiness / Depositphotos)

Wenn die eigenen Großeltern - aus welchen Gründen auch immer - nicht als Babysitter einspringen können, gibt es die Möglichkeit nach einer sogenannten Leihoma oder einem Leihopa Ausschau zu halten. Diese übernehmen die Kinderbetreuung und sind doch viel mehr als ein normaler Babysitter - nämlich ein dazu gewonnenes Familienmitglied, zu dem viel Vertrauen und Sympathie besteht.

Es gibt heute viele ältere Menschen, die ihre freie Zeit gerne einem "geborgten" Enkelkind widmen möchten. Denn immer mehr Senioren leben alleine, haben entweder keine Enkelkinder oder diese leben weit entfernt. Die Vitalität und Bereitschaft zur Weitergabe ihrer Lebenserfahrung, die diese Senioren ausmacht, erlaubt es ihnen sich auf fremde Kinder einzustellen und eine Beziehung aufzubauen.

Aber so schön diese Idee auch klingt, so muss bei diesem Thema in der Praxis einiges bedacht werden, damit die positiven Erlebnisse auf Dauer überwiegen. Dazu kommt, dass es nicht immer schnell geht, (passende) Leihgroßeltern zu finden. Denn Familien, die eine Leihoma oder einen Leihopa suchen, sind in der Mehrzahl. Insbesondere in Großstädten, wo es viele Alleinerziehende gibt, ist der Andrang groß.

Vorteile und Nachteile

Die Vorteile dieser Alternative der Kinderbetreuung liegen auf der Hand. Jede Person kann von der anderen profitieren. Das Kind baut im besten Falle ein inniges Verhältnis zu den Leihgroßeltern auf. So gibt es eine Vertrauensperson neben den Eltern, mit der nicht nur persönliche Probleme besprochen werden können. Es ergeben sich auch viele neue Perspektiven in der Freizeitgestaltung. Für die Eltern kommt es durch die "geborgten" Großeltern nicht nur zu einer Entlastung im Alltag. Sie freuen sich oft auch über das neu gewonnene "Familienmitglied", das mit seinem Erfahrungsschatz eine Bereicherung darstellt und auch den Eltern mit Rat und Tat zur Seite stehen kann.

Selbstverständlich müssen die gegenseitigen Erwartungen überein stimmen und ausreichend Vertrauen zueinander da sein. Niemand wird einem fremden Menschen - egal welchen Alters - bedenkenlos sein Kind übergeben wollen. Daher muss Schritt für Schritt Vertrauen gefasst werden, natürlich auch vom Kind, das möglicherweise erst einmal zurückhaltend ist. Sind diese Voraussetzungen einmal erfüllt, kann jedoch nicht mehr viel schief gehen.

Probleme, Ängste, Missverständnisse

Probleme kann es immer dann geben, wenn die individuellen Erwartungen und Vorstellungen nicht erfüllt werden. Daher ist bereits beim ersten Kennenlernen ein offenes Wort sehr wichtig. Die Eltern sollten klarstellen, was ihnen wichtig und weniger wichtig ist - das Gleiche gilt natürlich für die Leihoma oder den Leihopa.

Es kann zum Beispiel vorkommen, dass sich Leihgroßeltern nach einiger Zeit lediglich wie ein schlecht behandelter, kostenloser Babysitter fühlen, obwohl sie sich doch eigentlich eine liebevolle Aufnahme in die Familie vorgestellt hatten. Um dies zu vermeiden, sollte vorher genau über die Betreuungszeiten und die Gestaltung des Miteinanders gesprochen werden.

Auch sollten die eigenen Grenzen angesprochen werden, die sicher von Person zu Person variieren und auch vom jeweiligen Kind abhängen. Fragen der Sicherheit während der Betreuungszeiten sollten außerdem klar abgesprochen (möglichst sogar schriftlich notiert) und entsprechend ernst genommen werden.

So funktionierts

Das Allerwichtigste ist, dass die Chemie zwischen allen Beteiligten stimmt. Nur wer sich auf Anhieb sympathisch ist, kann diese besondere "Leih-Beziehung" eingehen. Unterschiede in den Ansichten (insbesondere in Erziehungsfragen) sind bei verschiedenen Generationen ziemlich normal und sollten nicht zum Streitpunkt werden.

Mädchen mit geborgter OmaLeihgroßeltern können eine Alternative in der Kinderbetreuung sein. (Foto by: CandyBoxImages / Depositphotos)

So sollte sicherheitshalber z. B. vorher abgesprochen werden, wie viele Süßigkeiten erlaubt sind, etc. Denn viele Großeltern (egal ob leiblich ober geliehen) verwöhnen "ihre" Kinder nun einmal gerne. Ob die Regeln bei den Großeltern die gleichen sind wie zu Hause oder ob diese einen Sonderstatus erhalten, müssen immer die Eltern entscheiden. Hier bedarf es sicher etwas Toleranz auf allen Seiten. Wichtig ist, dass die Betreuung nicht als Selbstverständlichkeit aufgefasst wird. Leihgroßeltern bieten ihre Dienste schließlich aus freien Stücken an, was entsprechend geschätzt werden sollte.

Fazit

Leihgroßeltern zu suchen kann immer dann ein Thema sein, wenn sich Eltern eine vertrauensvolle Kinderbetreuung wünschen. Ältere Menschen verfügen über viel Lebenserfahrung und wünschen sich mangels eigenen Enkelkindern häufig kleine Wesen, mit denen sie ihre Freizeit verbringen können. Für die Eltern ist diese Beziehung von großer Bedeutung, denn sie wissen ihre Kinder gehegt und gepflegt - und das Vertrauen ist im besten Falle größer als zu einem "normalen" Babysitter, der die Betreuung aus reinen Geldgründen anbietet.

So können, wenn alle Ratschläge beachtet werden, alle Beteiligten von dieser Verbindung profitieren. Denn ein "Familienmitglied" mehr bedeutet auf jeden Fall eine große Bereicherung für das ganze Leben. Toleranz und Verständnis für den anderen sind hierbei besonders wichtig, ebenso wie Ehrlichkeit und offene Aussprachen. Dann steht dem generationsübergreifenden Projekt der Kinderbetreuung nichts mehr im Weg.


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