Alleinerziehende Mütter und die Pubertät

Alleinerziehende Mütter sehen sich im täglichen Leben mit ihren Kindern manchen Schwierigkeiten ausgesetzt. Besonders problematisch kann es werden, wenn der Nachwuchs in die Pubertät kommt. Die Vaterfigur fehlt und viele alleinerziehende Mütter scheuen die notwendige Disziplin.

Mutter mit Tochter in Pubertät Vor allem wenn Kinder in der Pubertät sind, ist viel Verständnis seitens der Eltern gefragt. (Foto by: Goodluz / Depositphotos)

Irgendwann kommt die Pubertät

Für jede Familie gilt: Die Pubertät wird kommen. Bei manchen Kindern sind schon vor dem zehnten Lebensjahr körperliche und seelische Veränderungen deutlich, die zeigen, dass die Pubertät naht. Andere zeigen sich, was pubertäre Verhaltensweisen angeht, eher als Spätzünder.

Irgendwann kommt die Pubertät als Zeit des Erwachsenwerdens und des Loslösens von den Eltern in allen Familien an. Nicht selten ist dies für Eltern und Kind gleichermaßen eine schwierige Zeit. Besonders schwer kann es für alleinerziehende Mütter sein. Um die Zeit der Pubertät als Kleinfamilie unbeschadet zu überstehen, ist es wichtig, sich vorab gut zu informieren.

Schwierigkeiten - Probleme - Missverständnisse

Die Pubertät ist, so anstrengend für Eltern diese Phase auch sein mag, notwendig. Aus Kindern werden nun Erwachsene, die ihre eigene Meinung haben und lernen müssen für diese einzutreten. Die Autonomiebestrebungen sind sinnvoll und müssen von Eltern ausgehalten werden, auch wenn die pubertäre Logik und die vertretenen Ansichten nicht immer nachvollziehbar erscheinen.

Gerade an den Ansichten der Eltern wird sich oft gerieben. Problematisch kann es hier werden, wenn den Pubertisten die Vaterfigur fehlt. Zum einen entlädt sich so die geballte Ladung an Reibung an der Mutter. Zum anderen fehlt die Vaterfigur, mit der man sich nicht nur identifizieren, sondern auch auseinandersetzen und streiten kann.

Oftmals haben Frauen als Mütter und Männer als Vater andere Umgehensweisen, was Konflikte mit ihren pubertären Kindern angeht. Fehlt der Vater, kann es deswegen sinnvoll sein, dem Nachwuchs in der Pubertät viel Kontakt zu männlichen, elterlichen Freunden zu ermöglichen.

Für eine alleinerziehende Mutter ist es manchmal schwierig, alle Probleme der Pubertät alleine aushalten zu müssen. Nicht selten kommt es deswegen vor, dass Mütter ihren Kindern dann zu wenig oder gar keine Grenzen setzen. Hier spielt auch oft herein, dass man ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Kind hat, weil es ohne Vater groß wird. Wer sich aber hier als Alleinerziehende zu nachgiebig und zu großzügig zeigt, muss mitunter erleben, dass die Zügel völlig aus der Hand gleiten.

So kann es funktionieren

Mutter führt Gespräch mit Sohn Für Eltern ist die Pubertät ihrer Kinder oft sehr belastend. (Foto by: Goodluz / Depositphotos)

Jede Mutter sollte sich klarmachen, dass die Zeit der Pubertät auch für das Kind eine sehr anstrengende Zeit ist. Nicht nur die körperlichen Veränderungen sind für den Nachwuchs teils aufregend, teils sorgenvoll, teils komplexbeladen. Auch die seelischen Veränderungen führen zu Traurigkeit, Wut und einem ganz neuen Verhältnis zwischen Eltern und Kind. Verständnis für die Lage der Jugendlichen hilft über so manchen pubertären Koller hinweg.

Eltern, die sich noch an die eigene Pubertät erinnern können, wissen noch, wie belastend diese Zeit sein kann und wie gut elterliches Verständnis tut. Wer auch einmal großzügig über eine missratene Schularbeit hinwegsehen kann und nicht jedes Wort, was im Streit vom Kind gesagt worden ist, auf die Goldwaage legen muss, erspart sich selbst Zeit und Nerven.

Verständnis darf natürlich nicht grenzenlos sein. Jugendliche brauchen sogar Grenzen, an denen sie sich austesten, aber auch gesellschaftskonformes Verhalten erlernen können. Dass hieraus Konflikte resultieren, ist normal. Diese auszuhalten, fällt gerade alleinerziehenden Müttern nicht immer leicht. Es ist aber dringend notwendig, um dem Nachwuchs Eigenständigkeit und Konfliktkompetenz zu ermöglichen.

Vielen Müttern, gerade alleinerziehenden, fällt es nicht leicht, ihre Kinder in der Pubertät loszulassen. Gerade wenn man alleine mit Kind ist, klammert man sich manchmal mehr an dieses Kind, als es für die Beziehung zu diesem gut ist. Loslassen ist dabei eines der zentralen Themen in der Pubertät. Kinder müssen lernen, ihren eigenen Weg zu gehen. Dass dabei auch Fehler gemacht werden und Niederlagen eingesteckt werden müssen, ist ebenso normal wie wichtig.

Gelingen kann dies nur, wenn alleinerziehende Mütter sich das bewusst machen und ihrem Nachwuchs auch selbst etwas zutrauen: Nach und nach können nun viele Dinge gut von Jugendlichen alleine bewältigt werden - wenn man sie nur lässt! Dass die mütterliche Liebe dabei immer ein wichtiger Anker und Rückzugsort bleiben darf und soll, gehört ebenso zum Loslassen.

Unser Fazit

Zusammenfassend sagen viele alleinerziehende Mütter im Rückblick über die Pubertät: Die Zeit war hart, aber sie hat uns auch enger zusammengeschweißt. Auch wenn es während der Pubertät schnell in Vergessenheit gerät, haben auch viele Jugendliche zu ihren alleinerziehenden Müttern eine besonders enge Verbindung.

Dieses enge Band muss in der Pubertät notwendigerweise unter starke Spannung gestellt werden. Wer hier als Mutter besonnen, mit Nachsicht, Verständnis und Bereitschaft zum Loslassen reagiert, ergreift auch eine besondere Chance. Nach der Pubertät kann das Verhältnis zum nun erwachsenen Kind noch enger und gereifter werden.

Kinder, die in der Pubertät ihre Mutter als Fels in der Brandung, als Anker in schwierigen Situationen und als humorvollen Mensch erlebt haben, können ein Leben lang von dieser wichtigen Erfahrung zehren.


Bewertung: Ø 4,0 (89 Stimmen)

Autor: Mag. Sandra Wegenhofer
Infos zum Autor: Fachjournalistin, Hebamme und Mutter von 5 Kinder
Erstellt am: 10.07.2013
Überarbeitet am: 27.12.2020

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