Zwillinge und Mehrlinge

Als Mehrlingsschwangerschaft bezeichnet man eine Schwangerschaft mit mehr als einem Kind. Diese können verschieden- oder gleichgeschlechtlich sein.

ZwillingeDie Wahrscheinlichkeit für eine Zwillings- bzw. Mehrlingsgeburt steigt durch das Alter der Mutter. (Foto by: Klanneke / Depositphotos)

Zwillings- oder Mehrlingsschwangerschaften kommen nicht so häufig vor wie Einlinge. Die Häufigkeit von natürlichen Mehrlingsgeburten kann mit Hilfe der so genannten "Hellinschen Regel" berechnet werden, wonach die Wahrscheinlichkeit für eine Zwillingsschwangerschaft bei 1,8 Prozent, für eine Drillingsgeburt bei 0,014 Prozent sowie für Vierlinge bei 0,0001 Prozent liegt. Dabei steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Zwillings- bzw. Mehrlingsgeburt durch das Alter der Mutter, das Vorkommen innerhalb der Familie sowie die Zahl der vergangenen Schwangerschaften.

Außerdem hatte in den letzten Jahren auch die Zahl der Fruchtbarkeitsbehandlungen Einfluss auf Zwillings- oder Mehrlingsschwangerschaften. In ungefähr 80 Prozent der Fälle entstehen höhergradige Mehrlinge durch eine assistierte Reproduktion, da hier mehrere Eizellen eingesetzt werden und daher auch mehr Feten heranwachsen können.

Wie entsteht eine Zwillings- oder Mehrlingsschwangerschaft?

Mehrlingsschwangerschaften entstehen einerseits, wenn mehrere Eizellen durch unterschiedliche Spermien befruchtet werden oder wenn sich einzelne befruchtete Oozyten teilen. Im Rahmen einer Mehrlingsschwangerschaft können folgende Formen unterschieden werden:

  • monochorial-diamniote Mehrlingsschwangerschaft: Die Mehrlinge teilen sich die Plazenta, verfügen aber über eine eigene Fruchthöhle, die aus zwei Eihäuten besteht.
  • dichorial-diamniote Mehrlingsschwangerschaft: Jeder Fetus verfügt über eine eigene Plazenta sowie eine eigene Fruchthöhle und ist vom Amnion (innerste Eihaut) bzw. Chorion (Zottenhaut) umhüllt.
  • monochorial-monoamniote Mehrlingsschwangerschaft: Die Mehrlinge teilen sich die Plazenta und die Fruchthöhle.
  • monochorial-monoamniote siamesische Mehrlingsschwangerschaft: Da die Teilungsphase unvollständig verläuft, sind die Mehrlinge zusammengewachsen und teilen sich Fruchthöhle und Plazenta.

Dichoriale Zwillinge sind sehr häufig zweieiig, wohingegen monochoriale Zwillinge immer eineiig sind. Vor der 14. Schwangerschaftswoche kann mit Hilfe eines Ultraschalls unterschieden werden, ob eine dichoriale oder eine monochoriale Schwangerschaft vorliegt. Später wird die Unterscheidung schwieriger oder ist gar nicht mehr möglich.

Anzeichen für eine Mehrlingsschwangerschaft

Die Zeichen für eine Mehrlingsschwangerschaft können in sichere bzw. unsichere Hinweise unterteilt werden:

Sichere Hinweise:

  • In der fetalen Echokardiografie werden mindestens zwei Herztöne von unterschiedlicher Frequenz aufgezeichnet.
  • In der Sonografie können mindestens zwei Feten nachgewiesen werden.

Unsichere Hinweise:

  • übergroßer Bauchumfang
  • sehr hohe HCG-Konzentration
  • der obere Rand der Gebärmutter ist ausgeprägt erhöht
  • auffallend häufige Kindsbewegungen

Möglichkeiten bei Zwillings- bzw. Mehrlingsschwangerschaften

Schwangerschaft mit ZwillingenMehrlingsschwangere leiden sehr häufig unter stärkeren Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit. (Foto by: halfpoint / Depositphotos)

Als Mehrlinge bezeichnet man eine Schwangerschaft von zwei oder mehr Babys, wobei folgende Möglichkeiten auftreten können:

Eineiige Zwillinge

Zum Entstehen von eineiigen Zwillingen kommt es, wenn sich eine einzelne befruchtete Eizelle schon sehr früh teilt, sodass sich zwei Zellkerne, die über identisches Erbmaterial verfügen, bilden. Die Embryonen wandern getrennt zur Gebärmutter, wo sie sich mit jeweils eigener Plazenta und eigener Fruchthöhle einnisten. Eineiige Zwillinge sind immer gleichgeschlechtlich und besitzen völlig identische Erbanlagen. Aus diesem Grund stimmen sie charakterlich und körperlich weitgehend überein.

Zweieiige Zwilling

Werden zwei Eizellen aus einem oder beiden Eierstöcken befruchtet, so entstehen zweieiige Zwillinge, die gleichgeschlechtlich oder auch unterschiedlichen Geschlechts sein können. Außerdem unterscheiden sich ihre Erbanlagen und sie verhalten sich geistig und körperlich wie normale Geschwister.

Drillinge oder Mehrlinge

Drillinge oder weitere Mehrlinge entstehen aus der Kombination von eineiigen und zweieiigen Embryonen. So besteht die Möglichkeit der Befruchtung von zwei Eizellen, worauf sich eine davon weiter teilt. Darüber hinaus ist es möglich, dass drei oder mehrere Eizellen befruchtet werden.

Siamesische Zwillinge

Als siamesische Zwillinge bezeichnet man eine Fehlentwicklung oder Doppelfehlbildung, bei der eineiige Zwillinge körperlich miteinander verbunden werden. Dabei kann die Verbindung sowohl äußeres Gewebe als auch innere Organe betreffen. Diese Verwachsungen treten an unterschiedlichen Körperbereichen auf:

  • Hüftbereich
  • Brustbereich
  • Bauchbereich
  • Kopf
  • Steißbereich

Mögliche Komplikationen

Vor allem monochoriale Schwangerschaften haben ein relativ hohes Risiko für Komplikationen, da die Plazenta häufig nicht gleichmäßig aufgeteilt ist. Folgende Risiken können bei Zwillings- oder Mehrlingsschwangerschaften bestehen:

Während der Schwangerschaft

Wachstumsrückstände während der Schwangerschaft

Bei einer Zwillings- oder Mehrlingsschwangerschaft ist das Risiko für einen Wachstumsrückstand relativ hoch. Oftmals ist ein Kind auch kleiner als das andere.

Harnstau oder Darmprobleme

Auf Grund der großen Gebärmutter werden die mütterlichen Bauchorgane beeinträchtigt, was zu Darmproblemen bzw. Harnstau führen kann.

Verkürzter Gebärmutterhals

Auf Grund eines verkürzten Gebärmutterhalses wird der Muttermund vorzeitig geöffnet. (Zervix-Insuffizienz)

Das Zwillingstransfusionssyndrom (FFTS)

Das so genannte Zwillingstransfusionssyndrom ist eine Komplikation, die nur bei monochorialen Zwillingen auftritt. In diesem Fall ist der Blutfluss zwischen den Kindern nicht ausgeglichen und ein Kind wird dadurch zum "Spender", das andere zum "Empfänger". Der "Spender" leidet aus diesem Grund unter Blutarmut und Flüssigkeitsmangel und ist häufig auch kleiner als der "Empfänger". Durch diesen Mangel kann der "Spender" nicht genügend Urin produzieren. Urin ist jedoch der Hauptbestandteil des Fruchtwassers und so nimmt dieses rund um den "Spender" ab, bis überhaupt kein Fruchtwasser mehr nachweisbar ist. Der "Empfänger" hingegen erhält zu viel Blut und muss seine Urinproduktion steigern, wodurch es zu einem sehr raschen Wachstum der Gebärmutter kommt, was oft eine Frühgeburt auslöst.

Luftnot und Atembeschwerden

Mehrlingsschwangere leiden oft bereits in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft an Luftnot oder Atembeschwerden. Die große Gebärmutter führt zu einem Zwerchfellhochstand, das Atemminutenvolumen wird gesteigert und der Sauerstoffverbrauch steigt an.

Stärkere Schwangerschaftsbeschwerden

Mehrlingsschwangere leiden sehr häufig unter stärkeren Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit, Bluthochdruck, Ödemen, Gestosen oder Blutungen.

Bei der Geburt

Geburtskomplikationen

Grundsätzlich stellt jede Mehrlingsgeburt eine Risikogeburt dar. So ist beispielsweise das Risiko für eine vorzeitige Plazentalösung, einen Nabelschnurvorfall oder eine Lageanomalie erhöht.

Kaiserschnitt

Ob die Möglichkeit für eine vaginale Geburt besteht oder ob die Schwangere einen Kaiserschnitt benötigt, ist von der individuellen Situation abhängig. Viele Geburtshelfer raten auch, die Schwangerschaft etwa in der 38. Schwangerschaftswoche einzuleiten. Es gibt unterschiedliche Gründe, sich bei einer Mehrlingsschwangerschaft für einen Kaiserschnitt zu entscheiden:

  • Wenn ein Kind mehr als 500 Gramm wiegt als das andere.
  • Wenn im Zuge einer vaginalen Entbindung die Herztöne abfallen.
  • Wenn ein Kind weniger als 2 Kilogramm wiegt.
  • Wenn das erste Kind in Quer- oder Beckenlage liegt.

Frühgeburt

Die häufigste Komplikation bei einer Mehrlingsschwangerschaft ist eine Frühgeburt. Etwa die Hälfte aller Zwillinge kommt vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Kritisch ist vor allem der Zeitraum zwischen der 24. und 32. Schwangerschaftswoche, danach kann es zwar noch zu Problemen mit der Ernährung oder der Atmung kommen, die Überlebenschancen sind aber sehr gut.


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