Schwangerschaftsmythen: Wahr oder falsch?

Sei es als werdende Eltern, sei es als Angehöriger derer Verwandten- oder Freundeskreise: Schwangerschaft ist für die Beteiligten wohl immer eine aufregende Zeit voller Hürden und Aufregung. Leider auch voller Halb- und Unwahrheiten.

Mythen rund um die Schwangerschaft Eine Schwangerschaft ist eine Zeit voller Erlebnisse und Veränderungen. (Foto by: Meggan / Depositphotos)

Manche Mythen halten sich sehr hartnäckig, andere verfliegen oftmals genauso schnell, wie sie aufgekommen sind. Viele davon verbreiten sich aus Spaß und mit der Mentalität "schaden kann es ja nicht!"

Nicht immer haben diese Schwangerschaftsmythen beruhigende Wirkung. Insbesondere Ersteltern begeben sich auf ihnen unbekanntes Terrain und sind oft schnell durch Halbwahrheiten und Ammenmärchen zu verunsichern.

1. Müsli sorgt für männlichen Nachwuchs

Nicht nur in der Schweiz wird Stein und Bein geschworen, dass Frauen, die sich zum Zeitpunkt der Befruchtung in einer Phase intensiven Müsli-Genusses befinden, zumeist Buben auf die Welt bringen. Nun ist es so, dass die Wahrscheinlichkeit, in Mitteleuropa einen Jungen zu bekommen, im Verhältnis zu Mädchen bei etwa 1,2 zu 1,0 liegt.

Die Männlichkeit verursachenden Y-Spermien sind leichter und damit eben flotter am Ziel. Allerdings – so eine nicht unumstrittene Studie der Uni Exeter – soll kalorienreiches Essen, insbesondere Müsli, diese Quote zusätzlich leicht erhöhen.

2. Schwangere sollen doppelt soviel essen wie sonst

Lieber nicht. Es ist allerdings immerhin richtig, dass sich der Kalorienbedarf einer Schwangeren vergrößert. Allerdings nicht um 100 %, sondern lediglich nur um etwa 10 bis 15 %. Wesentlich wichtiger als die bloße Quantität der Kalorienzufuhr ist die Qualität des Essens. Für das Ungeborene ist grundsätzlich unter anderem vitamin- und kalziumreiche Mischkost der Mutter wichtig.

3. Mit Baby im Bauch nie in die Luft

Nach Meinung vieler übervorsichtiger Argwöhner sind ungeborene Babys absolut bodenständig. Beim Abheben in einem Flugzeug wirken, so die Argwöhner, Kräfte auf das Ungeborene, die gesundheitliche Risken darstellen. Langzeitstudien der Züricher Universität seit den 1970er Jahren haben allerdings keinerlei Ursachenzusammenhang für „Über-den-Wolken“ und Fehlgeburten oder pränatale Schädigungen feststellen können.

4. Jungen verursachen bei der Schwangerschaft weniger Übelkeit als Mädchen

Tatsächlich gibt es Untersuchungen, so von Universitäten in Stockholm und Baltimore, die darauf hinweisen, dass Schwangere mit ausgeprägter Morgenübelkeit häufiger Mädchen als Jungen gebären können.

Aber so richtig abgeklärt ist das Problem nicht. Auch der Volksmund ist flächendeckend bei dieser Frage nicht einig. So gibt es Regionen, in denen davon ausgegangen wird, dass Übelkeit ein Hinweis auf die bevorstehende Ankunft eines Jungen sei. Untrüglich.

5. Heißbaden verursacht Fehlgeburten

So ganz unbegründet ist diese Warnung nicht. Allerdings lediglich in der Variante „Zu heiß kann zu Fehlgeburten führen“. Normales Warmbaden bis zu einer Wassertemperatur von 37 Grad stellt normalerweise bis kurz vor dem Geburtstermin kein Risiko dar. Auf anregende Badezusätze sollte dabei aber verzichtet werden.

6. Winter-Babys sind lebenslang kränklich

Wegen der jahreszeitbedingten Mangelversorgung an Vitamin D (unter anderem wichtig für Knochenaufbau) aufgrund schwächlicher Sonneneinstrahlung hatten in früheren Zeiten manche winterliche Neugeborene tatsächlich eine gewisse Dauer-Hypothek auf ihrem Gesundheitskonto.

Heutzutage wird dieses Manko durch gezielte Vitamin-D-Gaben problemlos ausgeglichen.

7. Stramme Kugel, strammes Mädel

Ein besonders apfelkugeliger Bauch ist, nicht, wie oft behauptet, ein untrügliches Zeichen für ein Mädchen als Inhalt. Die Form des Bauches ist von verschiedenen anderen Faktoren, die nicht mit dem Geschlecht des Embryos zu tun haben, abhängig.

Insbesondere die Festigkeit des Muskel- und Bindegewebes in diesem Bereich, die bei Erstgebärenden üblicherweise straffer ist, ist für Apfel- oder Spitzform des Bauches entscheidend.

Schwangerschaftsmythen Rund um das Thema Schwangerschaft kursieren zahlreiche Mythen. (Foto by: Subbotina / Depositphotos)

8. Nach einem Kaiserschnitt sind nur noch Kaiserschnitt-Geburten möglich

Diese in der Nachkriegszeit seriös geltende Regel ist mittlerweile dank des medizinischen Forschritts in den meisten Fällen überholt.

9. Jede Schwangerschaft kostet einen Zahn

Zahnverlust ist nicht zwingend. Aber vollkommen abwegig ist diese These auch nicht. Durch die hormonelle Umstellung des Körpers der Schwangeren werden Zahnfleisch, Zahnhalteapparat und Zahnschmelz insbesondere im ersten Drittel der Schwangerschaft anfälliger für Entzündungen.

Gezielte Mundhygiene, eine ausreichende Kalziumzufuhr und Rat vom Zahnarzt minimieren allerdings das Risiko, den angeblich unausweichlich zu opfernden „Baby-Zahn“ zu verlieren.

10. No Sports während der Schwangerschaft

Die weit verbreitete Ansicht, dass Sporttreiben dem Baby schaden oder sogar eine Fehlgeburt auslösen könnte, ist nicht wirklich haltbar. Sicher sollte die werdende Mutter darauf verzichten, Rekorde im Hochleistungsport aufstellen zu wollen oder ruppigen Vollkontakt beim Eishockey oder Fußball zu suchen, aber gemäßigte Sportaktivität wird bei normaler Schwangerschaft ausdrücklich empfohlen.

11. Omas Haarfarbe bestimmt das Geschlecht des Kindes

Zu den top-kuriosen Schwangerschaftsmythen gehört die ernsthaft tradierte Überzeugung, dass der Haarergrauungs-Status der Mutter der Schwangeren Aufschluss über das zu erwartende Geschlecht des Kindes gibt.

These: Ist Oma schon grau, wird es ein Junge, bei juvenilem Blond oder Braun wird es ein Mädel. Wunderschönes Ammenmärchen. Stimmt aber nicht einmal im (Haar-)Ansatz.

12. Außergewöhnliche Gelüste

Die Mythen rund um die Ernährung einer werdenden Mutter sind sehr breitgefächert, so werden ihnen gerne wilde Gelüste auf Süßes und Saures zugesagt. Ein altbekanntes Klischee ist, dass alle Schwangeren Heißhunger auf Essiggurken haben. Jedoch konnte das Gerücht noch nie nachgewiesen werden. Vielleicht ist dies darauf zurückzuführen, dass Schwangere eher Appetit auf Salziges und Herzhaftes haben.


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Autor: FitundGesund Redaktion
Infos zum Autor: Medizinredakteure und Journalisten
Erstellt am: 14.07.2015
Überarbeitet am: 23.09.2020

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