Woran erkennt man Gewalt in einer Beziehung?

Auslöser für Gewalt gibt es viele. Meist liegt die Wurzel jedoch weitaus tiefer und nicht selten lässt man es an dem Partner/der Partnerin aus. Das zerstört jedoch nicht nur eine Beziehung, sondern auch die Menschen darin.

Gewalt in der Beziehung Gewalt in der Beziehung kann jedes Geschlecht und jedes Alter treffen. (Foto by: Wavebreakmedia / Depositphotos)

Gewalt in Beziehungen ist nicht immer sofort ersichtlich. Die Gewalt kann sich sowohl physischer, als auch in psychologischer Form bemerkbar machen. Die Langzeiteffekte solcher Beziehungen sind oft die Zerstörung des Selbstbewusstseins, Depressionen, Emotionale Instabilität und der Verlust an Lebensenergie bei den Opfern.

Opfer können sowohl Frauen, als auch natürlich Männer sein, reichen von jungen Teenagern, bis zu Leuten in der Pension. Oft entkommen Menschen einer solchen Beziehung, aber der Einfluss bleibt und sie sehen nicht, dass sie eigentlich Hilfe benötigen.

Beherrschung

Eines der ersten Warnsignale ist die Unfähigkeit zu Kompromissen. Eine Person in der Beziehung muss stets die Zügel in der Hand halten und die Richtung bestimmen, ganz gleich in welcher Situation. Es könnte sich dabei um etwas kleines wie einen Kinofilm handeln, oder die Pläne fürs Wochenende. Aber auch extreme Kontrolle in persönliche Bereiche wie der Freundeskreis, oder das eigene Aussehen. Manches mal werden dazu nicht einmal Erklärungen abgegeben, es soll schlichtweg nach dem Kopf der einen Person laufen und über Alternativen darf nicht gesprochen werden, sonst endet es im Streit.

Abkapselung

Wenn der/die Partner/in erst einmal in den eigenen Freundeskreis eingreift, kann es oft zu einer Isolation kommen. Es fällt die Beschwerde über zu wenig gemeinsame Zeit und ein Mangel an Aufmerksamkeit, selbst dann, wenn man sich bereits jeden Tag sieht. Es gibt immer irgendeine Ausrede die Familie und die Freunde nicht zu besuchen, weder die eigene, noch die des Partners. In so einem Fall wird man von dem eigenen sozialen Umfeld vollkommen abgekappsellt und unbewusst vereinnahmt. Es kann auch passieren, dass man überredet wird den eigenen Job aufzugeben und sich zuhause um den Partner, oder Kinder zu kümmern.

Stetige Kontrolle

Wehe man stellt auch nur für eine Stunde das Handy aus. Wieder an, erhält man mehrfach vermisste Anrufe und unzählige Textnachrichten, mit der Frage wo man denn gerade sei und was lost ist. Dabei war man nur in der Arbeit, oder der Akku war leer. Die Nachrichten werden zunehmend aggressiver und kommen in kürzeren Abständen. Hier geht es dann bereits mehr um Eifersucht und Kontrolle, als um Sorge.

Sofern es sich nicht um einen Notfall handelt, sollte ein solches Benehmen nicht als normal angesehen werden. Kritisch wird es vor allem dann, wenn von einer Seite verlangt wird permanent das GPS anzulassen, damit man stets sehen kann wo sich der andere befindet.

Eine gesunde Beziehung basiert viel auf Vertrauen und Respekt, welches in den oben genannten Situationen kaum bis gar nicht gegeben sein kann.

Manipulation in der Beziehung Oft glaubt ein Partner den anderen kontrollieren zu können und macht ihm Schuldgefühle (Foto by: vova130555 / Depositphotos)

Extremes Verhalten

Ein Streit bricht aus und der/die Partner/in beginnt sich aggressiv zu verhalten. Es muss sich dabei nicht immer um physische Gewalt handeln. Auch Worte und Taten gegen Gegenstände können die Aggressivität abbekommen. Doch im nächsten Moment kommt eine Reue und das Bedürfnis nach Zuneigung auf. Auch nach körperlicher Gewalt kann eine sofortige Reue auftreten.

Die Stimmungen gehen so schnell wie sie gekommen sind und die Entschuldigung und ein trauriger Blick sollen alles wieder gut machen. Man hat es ja nicht so gemeint, das sollte der/die andere doch wissen. Eine Entschuldigung ist dabei das Heilmittel für alles was davor geschehen ist und es wird verlangt, dass man die andere Person so akzeptiert. Auch die Ausrede des Alkoholeinflusses braucht nicht auf Verständnis zu stoßen.

Selbst nachdem man sich ausspricht, passiert dieses Szenario mehrmals, es wird jedes mal geschworen, dass es nicht wieder vorkommt. In der Statistik liegt die Wahrscheinlichkeit jedoch hoch, dass es sehrwohl weitere Male vorkommen wird.

Emotionale Gewalt

Konstante Beleidigungen, herabwürdigende Bezeichnungen, oder ständiges Runtermachen der Wünsche und Bedürfnisse. All das kann das psychologische Wohlbefinden des Opfers zerstören. Das Selbstvertrauen wird durch die Herabwürdigung zerstört und das Gefühl eingepflanzt, dass man es verdient hätte. Einmal passiert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich wiederholt. Oft hat man Glück und es fällt Freunden oder der Familie auf und man kommt mit Hilfe aus dieser Beziehung wieder heraus. Viele bleiben aber bleiben in diesen Szenarien gefangen und ihre Situation verschlimmert sich.

Emotionale Gewalt kann sein:

  • absichtlich Angst einflößen
  • einschüchtern
  • entwerten, verspotten
  • Mangel an Respekt
  • unter Druck setzen
  • emotional Erpressen
  • ständige Kontrolle
  • Verbote

körperliche Gewalt

Es gibt nichts, was physische Gewalt in einer Beziehung rechtfertigt. Meist beginnt diese noch viel früher, als es das Umfeld mitbekommt. Dabei muss es nicht immer zu sichtbaren Verletzungen kommen. Oft passiert es, dass es aus einem Streit heraus eskaliert. Die Begründung liegt dann in der Hitze des Gefechts, doch darauf sollte man sich nicht einlassen. Physische Gewalt ist strafbar und hat in einer Beziehung nichts zu suchen.

Zur physischen Gewalt zählen:

  • wegstoßen
  • gegen den Willen festhalten
  • an den Haaren reißen
  • Ohrfeigen
  • schlagen, treten
  • würgen
  • Zufügung von sichtlichen Wunden

Mann sucht sich Hilfe Es ist keine Schande sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht. Es kann auch Männer treffen. (Foto by: fizkes / Depositphotos)

Niemand ist völlig alleine

Gerade in Gewaltsituationen ist es wichtig sich daran zu erinnern, dass es Leute gibt, die einem helfen wollen. Doch der erste Schritt muss immer von der betroffenen Person selbst ausgehen, das können außenstehende nicht für einen übernehmen. Gewalttätige Partner können nicht „gerettet“ oder „mit Liebe umerzogen“ werden. Es ist auch nicht die Aufgabe der anderen Seite dies zu bewältigen!

Daher ist es wichtig sich Hilfe zu suchen. Das kann in Form einer Beratung, einer Therapie, oder auch im Freundes- und Familienkreis passieren. Je länger man der Gewalt ausgesetzt war, desto dringender wird professionelle Hilfe benötigt.

Ein erster Schritt wäre das Gespräch mit einer Seelsorge. In Österreich unter anderem unter folgenden Nummern erreichbar:

  • 142 – Telefonseelsorge
  • 147 – Telefonseelsorge für Jugendliche
  • 01 71719  - 24 Stunden Frauennotruf der Stadt Wien
  • 01 6032828  - Männerberatung Wien

Bewertung: Ø 4,4 (5 Stimmen)

Autor: Lisa Maria Pichler
Infos zum Autor: Redakteurin bei fitundgesund.at
Erstellt am: 07.11.2019
Überarbeitet am: 24.11.2020

Quellen:

Informationsseite https://www.rataufdraht.at/themenubersicht/gewalt/gewalt-in-beziehungen (Aufruf 6.11.2019)

Lifestylemagazin https://www.bebeautiful.in/lifestyle/work-and-life/red-flags-you-re-dealing-with-an-abusive-partner (Aufruf 6.11.2019)

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