Trotzphase - Das sollten Sie als Eltern beachten

Erst kuscheln sie noch ganz lieb, dann schreien sie, schlagen sie und treten um sich: Kinder können oft ganz schön anstrengend sein. Auch wenn jedes Kind ab und zu schon einmal zornig ist, wird es üblicherweise in einem besonderen Lebensabschnitt "besonders schlimm": Die sogenannte Trotzphase beginnt meist etwa ab einem Alter von Zweieinhalb und macht Kindern wie Eltern häufig schwer zu schaffen.

wütendes MädchenDie Trotzphase beginnt bei Kindern meist etwa ab einem Alter von zweieinhalb Jahren. (Foto by: maximkabb / Depositphotos)

Hier können sich bereits kleinere Frustrationen des Kindes zu shakespearesken Tragödien ausweiten. Dazu reicht es unter Umständen z.B. schon, wenn unterwegs das Lieblingsgetränk ausgeht oder man in den sommerlichsten Temperaturen die Lieblingsmütze nicht aufsetzen darf.
 
Auch wenn manche Eltern sich verwundert fragen, wie sie ihr Kind trotz aller Mühe schon so verzogen haben: Die Trotzphase ist ganz normal und ein erster wichtiger Schritt zum Erwachsenwerden.
 
In dieser Phase lernt das Kind idealerweise, die eigenen Emotionen unter Kontrolle zu halten. Klar, dass dies anfangs nicht immer gelingt: Schließlich ist die Welt erst einmal ganz ganz schlecht, wenn sie sich nicht so dreht, wie das Kind es gerne hätte.
 
So muss sich jeder kleine Mensch erst einmal daran gewöhnen, dass das Leben nicht immer ein Wunschkonzert ist. Wichtig ist hierbei, diesen Zeitraum nicht als Kampf zwischen Eltern und Kindern zu sehen, sondern als ganz natürlichen Entwicklungsschritt. Der Trotz gilt nicht Mama und Papa, sondern ist eine Reaktion auf viele neue negative Eindrücke und Erfahrungen.

Eltern: Hart bleiben, aber auch fair

Auch wenn das Kind in der Trotzphase immer wieder über die Stränge schlagen wird, ist es für Eltern wichtig zu wissen, wie man sich in dieser Entwicklungsphase idealerweise verhält. Wichtig ist dabei, dass die ganz natürlichen Emotionen des Kindes nicht einfach unterdrückt werden. Das Kind soll also nicht nur lernen, dass man Mama und Papa nicht hauen darf, sondern sich in seiner Wut trotzdem ernstgenommen fühlen.
 
Bedenken sollte man auch, dass das Kind natürlicherweise noch nicht über die Lebenserfahrung eines Erwachsenen verfügt und somit noch nicht alle Regeln der Eltern nachvollziehen kann. Hier kann es in manchen Fällen hilfreich sein, lebensnah zu demonstrieren, was passiert, wenn man nicht glaubt, was die Eltern schon lange wissen und sagen. Ein Beispiel: Weigert sich das Kind etwa vehement, im Winter die passende Jacke anzuziehen, so kann man es gewähren lassen und die Jacke nur auf dem Arm mitnehmen - wohlweislich im Hinterkopf, dass dem Kind spätestens nach ein paar Metern so kalt werden wird, dass die einstmals so verpönte Jacke plötzlich dankbar angenommen wird. Hier gilt es natürlich, die für solche Lektionen geeigneten alltäglichen Situationen richtig zu identifizieren: Dass man am Abend im Bett nach dem Zähneputzen keine Schokolade essen sollte, das sollte das Kind natürlich nicht erst nach dem nachfolgenden Zahnarztbesuch verstehen. Aus solchen zeitlich weit auseinanderliegenden Ereignissen kann das Kind meist auch nicht gut lernen.

Gegenmaßnahmen gegen Schreie, Schläge und Tritte

Wenn das Kind die Eltern schlägt oder tritt, so sollte man deutlich machen, dass man die Wut zwar ernstnimmt, dieses Verhalten aber nicht zum Erfolg führt. Es sollten andere Wege gefunden werden, wie das Kind seinem Zorn Ausdruck verleihen kann - etwa durch Schlagen eines bereitgestellten "Sandsacks"  oder Kissen.
 
Dem Zorn sollte aber nicht nachgegeben werden, wenn die Eltern einmal eine Entscheidung getroffen haben und keine "Lebenslektion" (wie etwa bei dem obigen Beispiel mit der Jacke) zu erwarten ist.
 
Wenn der Wutanfall dann erfolgreich überstanden ist, kann anschließend in einem normalen Gespräch erklärt werden, warum das Kind nicht darf, was es will. Hier steckt ja im Normalfall kein böser Wille der Eltern dahinter, sondern ein ganz vernünftiger Grund. Die Eltern sollten - je nach Fortschritt der Sprachentwicklung - versuchen, ruhig und kindgerecht zu erläutern, warum etwas nicht erlaubt wurde. Verzichtet werden sollte im Idealfall auch auf die alte Floskel "Weil ich es sage!". Dies wird beim Kind den Eindruck von reiner elterlicher Willkür wecken.
 
Denn vergessen darf man dabei nicht: Auch der kleinen Drama-Queen oder dem kleinen Rumpelstilzchen macht das Schauspiel keinen Spaß. Hier sollen negative Emotionen, mit denen noch nicht "erwachsen" umgegangen werden kann, kompensiert werden. Die Eltern sollten sich in dieser schwierigen Phase immer vor Augen fühlen, dass diese Phase in der kindlichen Entwicklung ganz normal ist. Wichtig ist es deshalb, zu zeigen, dass man das Kind auch mit seinen negativen Emotionen liebt und respektiert. Deutlich machen sollten die Eltern wie bereits betont aber auch, dass Wut und Aggression nicht zum Erfolg führen.
 
Vater mit SohnEltern sollten die Trotzphase als Chance sehen, dem Kind beiseite zu stehen. (Foto by: Goodluz / Depositphotos)

Tipps für Eltern: Unnötige Anfälle vermeiden

  • Die Eltern selbst können sich in vielen Fällen die Trotzphase so angenehm wie möglich gestalten, indem sie versuchen, unnötige Frustrationen zu verhindern. So muss es zum Beispiel nicht sein, dass der Spaziergang ohne das Lieblingskuscheltier gestartet wird oder der noch nicht völlig abgewöhnte Schnuller zuhause gelassen wird.
  • Ansonsten hilft oftmals nur, sich vor Augen zu halten, dass bei der Erziehung normalerweise nichts falsch gemacht wurde.
  • Vielmehr sollten die Eltern die Trotzphase als Chance begreifen, dem Kind bei einem sehr wichtigen Teil seiner emotionalen Entwicklung beiseite zu stehen.

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