So lernen Kinder Ordnung zu halten und aufzuräumen

Wer kleinere Kinder beim Spielen beobachtet, könnte zu diesem Eindruck kommen. Was nach Freude an Chaos aussieht, ist aber nichts anderes als die kindlich angeborene Lust an Exploration. Da wird hier etwas zerlegt, dort etwas ertastet, ausprobiert, in den Mund genommen, durch die Luft geworfen, in die Ecke geschmissen. Kinder erforschen ihre Umwelt, stellen ihre eigenen Thesen auf und sind nichts anderes als kleine Wissenschaftler, die nach Antworten suchen.

Kinder Ordnung haltenMit ein paar Tricks ist es gar nicht so schwer Kindern Ordnung beizubringen. (Foto by: FamVeldman / Depositphotos)

Reizüberflutung – wenn Eltern es gut meinen

Neues Spielzeug zu kaufen ist nicht nur ein Hobby von Kindern. Auch Eltern sind nicht selten geneigt, dies und das für ein abwechslungsreiches Spielen anzubieten. Die Ritterburg aus Holz? Warum nicht. Natürliche Materialien fassen sich ganz anders an als Materialien aus Kunststoff. Und fehlen Tante, Onkel, Großeltern, Paten nicht noch Geschenke für den nächsten Geburtstag oder für Weihnachten? Die Playmobil-Sammlung könnte erweitert werden, die Puppenstube verlangt nach weiterer Einrichtung und Spielzeug zum Lernen ist jederzeit willkommen.

Schnell gleicht das Kinderzimmer der Lagerstätte einer Filiale für Spielzeug-Bedarf. Mit einem zu viel an Möglichkeiten, wird nicht nur die Basis für eine Reizüberflutung geschaffen. Ordnung einzuhalten ist so für ein Kind nicht mehr möglich.

Kategorienbildung – auch Denken verlangt nach Ordnung

Gut, böse, warm oder kalt, salzig oder sauer, Haustier oder Nutztier – bereits früh verlangt das kindliche Denken nach Einordnung. Dinge Kategorien zuzuordnen, schafft Sicherheit und Übersicht. Diese für ein Kind wichtige Grundlage, lässt sich sinnvoll nutzen, um auch im Kinderzimmer Ordnungssysteme zu schaffen.

Weniger ist mehr

Kinder, denen jeder Wunsch nach mehr Spielzeug erfüllt wird, können gar nicht anders als irgendwann mit dem reichhaltigen Angebot überfordert zu sein. Je mehr Spielzeug angeboten wird, desto weniger lange wird sich ein Kind mit den einzelnen Dingen auseinandersetzen. Die erwachsene Mentalität einer schnell einsetzenden Langeweile bei wenig Angebot, ist beim Kind nicht vorhanden.

Kinder setzen sich von Natur aus sehr gerne stundenlang mit Gegenständen auseinander, die aus erwachsener Sicht höchst fragwürdig erscheinen. Wer seinem Kind ein zu viel an Spielzeug zumutet, darf sich nicht wundern, wenn das Interesse an Einzelteilen verloren geht und Ordnungsprinzipien im kindlichen Kopf nicht entstehen.

Bauen Sie langsam auf und erweitern Sie die Freiheitsgrade

  • Bieten Sie Ihrem Kind, wenn es klein ist, eine geringe und übersichtliche Menge an Spielzeug an, mit dem es sich alleine oder mit Ihnen gemeinsam, intensiv beschäftigen kann.
  • Kaufen Sie nur nach und nach das ein oder andere Teil dazu, dem Alter und dem Bedürfnis des Kindes angemessen. Weder Langeweile noch Reizüberflutung sind hier die probaten Richtungen.
  • Unterstützen Sie das Denken in Kategorien. Zeigen Sie Ihrem Kind Ordnungssysteme. In diese Kiste kommen Autos, hier ist das Playmobil, die Puppen legen wir da hin.
  • Lassen Sie Ihr Kind seine eigene Ordnung finden, je älter es wird. Zwänge führen oft zu Widerstand. Ihr Ordnungssinn muss nicht zwangsläufig dem Ihres Kindes entsprechen.
  • Zeigen Sie, dass es einen Unterschied gibt, zwischen der Ordnung im Kinderzimmer und der Ordnung, die die ganze Familie betrifft. Verlangen Sie aber nichts Unmögliches. Ein Kind mit vier oder fünf Jahren, das in den Kindergarten geht, wird wissen, dass die Spielecke mal unordentlich sein darf, in der Küche die Teller trotzdem weggeräumt werden müssen. Erziehungsarbeit leisten nicht nur Sie alleine. Auch Erzieher, Großeltern und andere Betreuungspersonen tragen dazu bei.
  • Schaffen Sie die Basis für Akzeptanz. Ihr Kind wird, wenn es älter wird, Ihre Ordnung eher anerkennen, wenn Sie im Umkehrschluss seine akzeptieren. Eltern mögen sich fragen, wie es möglich ist, bei ständiger Hintergrundbeschallung durch Musik, Vokabeln und Formel zu lernen, Hausaufgaben zu machen und dabei nicht die Konzentration zu verlieren. So lange die Schulnoten im erträglichen Bereich bleiben, sollte Ihr Kind entscheiden dürfen, ob die Ordnung im Kopf ausreicht, um Leistung zu bringen.

ordentliches KinderzimmerZu viel an erzwungener Ordnung bremst kreative Prozesse. (Foto by: akaciya / Depositphotos)

Auch ein bisschen Chaos hat Vorteile

Zu viel an erzwungener Ordnung bremst kreative Prozesse. Je kleiner ein Kind ist, desto mehr Ordnung ist nötig. Mit zunehmendem Alter darf die Leine lockerer gehalten werden, um dem Kind eigene Entwicklungen zu ermöglichen.

Kreativität und extreme Ordnung stehen im Gegensatz zueinander. Aus starren Strukturen kann keine Schöpfungskraft entstehen. Aus einem Totalchaos wiederum entsteht keine Planbarkeit und Ziele können kaum noch verfolgt werden. Die Mischung ist entscheidend: Struktur und Freiheit.

Beobachten Sie die Entwicklungen...

...und geben Sie Hilfestellung, wenn sie erforderlich ist. Lassen Sie gleichzeitig Freiheitsgrade, wenn Ihr Kind seinen Weg alleine findet. Loslassen ist für viele Eltern die schwierigste Übung. Nach und nach alleine entscheiden zu dürfen, ist für ein Kind allerdings der beste Weg, seine eigene Orientierung zu finden.


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