Geburt in Beckenendlage (Steißlage)

Die Schwangerschaft ist eine ganz besondere Zeit im Leben einer Frau. Sie bringt viel Vorfreude, aber auch Unsicherheit und manchmal Sorgen mit sich. Vor allem wenn kurz vor dem Geburtstermin Komplikationen wie die Beckenendlage auftauchen, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren, sich gut zu informieren und individuelle Entscheidungen für die anstehende Geburt zu treffen.

Geburt in BeckenendlageDie Steißlage kann Auswirkungen auf den Geburtsverlauf haben. (Foto by: pedro2009 / Depositphotos)

In der Regel werden 90% bis 95 % aller Kinder mit dem Kopf voran geboren – in der sogenannten Schädellage oder Hinterhauptslage. Wenn sich das Baby kurz vor dem Geburtstermin noch nicht in diese Position gedreht hat, spricht man von einer Steißlage. Diese Lage kann Auswirkungen auf den Geburtsverlauf haben, falls sich das Kind vorher nicht mehr dreht.

Bis zur 36. Woche haben sich die meisten Kinder in die Kopflage gedreht, aber auch danach müssen sich Schwangeren noch keine Sorgen machen, denn das Kind kann sich auch erst kurz vor der Geburt in die Schädellage drehen. Dies ist immer abhängig davon, wie viel Platz dem Baby in der Gebärmutter noch bleibt und wie aktiv es ist. Pauschale Aussagen sind in diesem Bereich also nicht möglich.

Ursachen für eine BEL (Steißlage)

Die günstigste Position für eine Geburt ist die Schädellage, bei der der Kopf nach unten weist. Bei dieser Lage wird der Geburtskanal durch den umfangreichsten Teil des Körpers, den Kopf geweitet, bevor dann der Körper geboren wird. Wenn die Natur diese Position vorgesehen hat, wieso liegen dann manchen Kinder auch zum Zeitpunkt der Geburt noch in der ungünstigeren Steißlage?

Oft haben die Kinder ganz einfach intuitiv das Richtige getan, wenn sie sich in dieser Lage halten. Etwa dann, wenn die Nabelschnur zu kurz oder schon so verwickelt ist, dass die Gefahr besteht, sie sich bei weiteren Drehungen um den Hals zu schnüren.

Manchmal wird das Kind durch unterschiedliche Gründe daran gehindert, die Schädellage einzunehmen - beispielsweise bei

  • Mehrlings-Schwangerschaften
  • zu viel oder zu wenig Fruchtwasser
  • besonderer Lage der Plazenta oder Missbildungen
  • Anomalien der Kopfform des Kindes oder am Becken der Mutter.

Bei Frühgeburten fehlte den Kindern einfach die Zeit zur Drehung, und letztlich gibt es bei der Steißlage auch eine genetische Komponente. Häufig kann die Frage nach der Ursache nicht geklärt werden, denn auch seelische Themen, die in der Beziehung der Mutter zum Kind oder zum Vater liegen, können ihren Anteil an der Steißlage haben.

Ablauf einer Geburt in BEL (Steißlage)

Liegt das Kind kurz vor dem Geburtstermin immer noch in der Beckenendlage, gibt es mehrere Möglichkeiten, damit umzugehen. Mit Hilfe verschiedener Techniken, die von Hebammen und Ärzten angewendet werden können, kann versucht werden, das Kind noch zu drehen. Dazu gehören

  • die sogenannte „indische Brücke“
  • die Moxabustion
  • die Drehung von außen

Alle Techniken sollten aber nur unter fachlicher Anleitung in entsprechend vorbereiteter Umgebung ausgeführt werden.

Keine dieser Techniken kann übrigens die gewünschte Drehung garantieren, so dass es immer gut ist, sich auf die Geburt in Steißlage vorzubereiten.

Bei der Geburt in der üblichen Schädellage geht der Kopf voran und weitet den Geburtskanal. Bei der Steißlage hingegen führen Beine oder Füße den Geburtsvorgang. Der Vierfüßlerstand ist eine optimale Geburtsposition für eine Steißlage. Wichtig für den Verlauf ist auch die genaue Lage, also ob der Steiß unten liegt oder die Beine. Eine einfache Steißlage ist für erfahrene Hebammen und Ärzte in der Regel kein Problem, sind allerdings die Beine nach unten gestreckt oder befinden sich überkreuzt im Schneidersitz wird es etwas komplizierter.

Im Einzelfall muss unter Berücksichtigung der Kindsposition und den Umständen (Alter der Mutter, Vorerkrankungen, geschätztes Geburtsgewicht etc.) eine individuelle Entscheidung von der Mutter getroffen werden.

Komplikationen & Risiken

Geburt in SchädellageIn der Regel werden 90% bis 95 % aller Kinder mit dem Kopf voran geboren. (Foto by: lucidwaters / Depositphotos)

Die Risiken einer Geburt in Steißlage hängen von den jeweiligen Umständen ab. Grundsätzlich ist es für das Kind etwas höher als für die Mutter. Denn durch die ungünstigere Lage besteht die Möglichkeit, dass Komplikationen während des Geburtsvorganges auftreten.

Der Kopf als umfangreichstes Körperteil übt einen starken Druck auf die Nabelschnur aus, seine Geburt dauert meistens am längsten. Bei einer Steißlage kommt dieser schwierigste Part der Geburt am Ende, dadurch kann es öfter zu Problemen in der Sauerstoffversorgung kommen.

Auch sind häufiger manuelle Eingriffe nötig, die die Lage des Kindes korrigieren. Kommt das Kind mit den Beinen zuerst auf die Welt, kann es während der Geburt auch noch die Position der Arme verändern. Dann muss eingegriffen werden, und jeder Eingriff in den natürlichen Geburtsablauf bedeutet ein Risiko und könnte bei aller Vorsicht für das Kind auch eine körperliche Verletzung mit sich bringen.

Fazit

So individuell wie Mutter und Kind sind, ist auch der Verlauf jeder Geburt. Angehende Mütter sind gut beraten, sich ausführlich zu informieren und vor allem ihrer Intuition zu vertrauen.

Wichtig ist im Falle einer Steißlage, sich einer erfahrene Hebamme und einem Krankenhaus anzuvertrauen, das Erfahrung mit Steißlagen in allen Positionen hat und diese auch vaginal entbindet. Denn mit der richtigen Vorbereitung und Erfahrung von Hebamme und Ärzten ist auch die spontane Entbindung in Steißlage möglich.


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