Ischias (Ischiasschmerzen, Ischialgie, Ischiasnervreizung, Ischiassyndrom)

Im Volksmund werden mit dem Begriff Ischias unterschiedliche Beschwerden bezeichnet, die ihren Ursprung am Ischiasnerv haben. So leiden die Betroffenen unter Ischiasschmerzen, die bis ins Bein ausstrahlen können.

Anatomie Ischias Zusammengesetzt wird der Ischiasnerv aus verschiedenen Nervenwurzeln, die ineinander übergehen. (Foto by: Wavebreakmedia / Depositphotos)

Schnell-Übersicht

  • Was ist der Ischiasschmerz: Ist von Ischias die Rede, sind damit Ischiasschmerzen gemeint. Mediziner sprechen auch von einer Ischialgie. Sie entsteht durch Reizungen des Ischiasnervs, die wiederum Schmerzen hervorrufen.
  • Symptome: Eine Einklemmung des Ischiasnervs ist mit großen Schmerzen verbunden. Meist sind diese heftig reißend und ziehend. Weiteres können Bewegungseinschränkungen und leichte Lähmungen auftreten.
  • Ursache: Die Ursachen sind vielfältig. Häufig sind muskuläre Verspannungen, Vorwölbungen der Bandscheiben, ein Bandscheibenvorfall und eine Blockade der Wirbelkörper.
  • Behandlung: Ein wichtiger Bestandteil sind Schmerzmittel und Therapien zur Erleichterung der Schmerzen. Konservativ wird teilweise Bettruhe, gezielte Bewegung und verschiedene Wärmetherapien empfohlen. Bei manchen Fällen muss jedoch auch eine Operation zum Einsatz kommen.
  • Vorbeugung: Um den Ischias zu schonen wird vor allem empfohlen den Rücken so gut wie möglich zu schonen. Ein ergonomischer Arbeitsplatz und Vorsicht beim Sport sind wichtig.

Anatomie des Ischiasnervs

Der Nervus ischiadicus (Ischiasnerv) hat die Aufgabe, die Beinmuskeln zu versorgen, was er mit seinen motorischen Anteilen tut. Außerdem leitet er durch seine sensorischen Anteile Meldungen über Empfindungen an den unteren Gliedmaßen an das zentrale Nervensystem (ZNS) weiter.

Zusammengesetzt wird der Ischiasnerv aus verschiedenen Nervenwurzeln, die ineinander übergehen. Unter Nervenwurzeln werden Nervenfasern verstanden, die aus dem Rückenmark austreten. Der Verlauf der Nervenfasern führt durch Öffnungen innerhalb der Wirbelkörper. Zuerst wird von ihnen ein sogenannter Plexus gebildet, bei dem es sich um ein Geflecht handelt.

Der Ischiasnerv setzt sich aus der vierten sowie der fünften Nervenwurzel der Lendenwirbelsäule (LWS) zusammen. Weitere Bestandteile sind die ersten beiden Kreuzbeinnervenwurzeln. Der Ischias bildet den umfangreichsten Nerv des menschlichen Organismus und führt über die Oberschenkelrückseite. Auf Kniehöhe kommt es zur Verzweigung in die Unterschenkeläste. Dies sind der Nervus tibialis (Tibialisnerv) und der Nervus peronaeus (Peronäusnerv).

Ursachen für Ischiasschmerzen

Die Ursachen für eine schmerzhafte Ischialgie sind vielfältig. Zu den häufigsten Auslösern zählen:

  • muskuläre Verspannungen
  • eine Vorwölbung der Bandscheibe
  • ein "Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps)
  • eine Blockade der Wirbelkörper
  • eine Spondylarthrose
  • Wirbelgleiten (Spondylolisthese)
  • Verengungen
  • Tumore

In den meisten Fällen entstehen die typischen Ischiasschmerzen durch eine Einklemmung des Ischiasnervs oder seiner Nervenwurzeln. Die Beschwerden zeigen sich dann oft ganz plötzlich. Zu den häufigsten Ursachen werden degenerative Veränderungen an den unteren Lendenwirbelsäulenbandscheiben gezählt.

Eine Vorstufe des Bandscheibenprolapses stellt die Bandscheibenvorwölbung dar.

Als typisches Anzeichen für Ischiasschmerzen aufgrund eines Bandscheibenvorfalls gelten neben Rückenschmerzen auch Schmerzen im Bein.

Ein eher seltener Grund für Ischiasschmerzen sind Tumore. Diese können Verengungen im Wirbelbereich verursachen. Des Weiteren kommen Nervenentzündungen als Auslöser in Betracht. Diese werden mitunter durch eine Gürtelrose (Herpes Zoster) hervorgerufen.

Risikofaktoren

Einige Risikofaktoren können das Entstehen einer Ischialgie begünstigen. Dazu gehören vor allem:

Ischiasbeschwerden in der Schwangerschaft

Ischiasschmerzen treten häufig in der Schwangerschaft auf. Besonders in der letzten Phase drückt das werdende Kind oftmals gegen den Ischiasnerv, was wiederum Schmerzen für die Mutter zur Folge hat.

Mitunter werden die Beschwerden auch von muskulären Verspannungen ausgelöst. Von einer echten Ischialgie sind allerdings nur etwa ein Prozent aller Schwangeren betroffen. Dabei können schwerwiegende Probleme wie ein Bandscheibenvorfall der Grund für die Ischiasbeschwerden sein. Wichtig ist, die Ursachen durch den Arzt feststellen zu lassen.

Da Schmerzmittel während der Schwangerschaft wegen ihrer Nebenwirkungen oft nur beschränkt geeignet sind, empfehlen sich alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur oder eine Phytotherapie.

Nach der Geburt

Unmittelbar nach der Geburt des Kindes kommt es bei den meisten Frauen zu einer deutlichen Besserung ihrer Ischiasbeschwerden. Einige verspüren sogar überhaupt keine Rückenschmerzen mehr.

Unterschied zwischen Ischias und Hexenschuss

Nicht selten treten Ischiasschmerzen gemeinsam mit einem Hexenschuss (Lumbago) auf. In der Medizin ist dann von einer Lumbagoischialgie die Rede. Die Beschwerden ähneln sich, weisen jedoch einen deutlichen Unterschied auf: So sind die Schmerzen bei einem reinen Hexenschuss stets auf den Rücken beschränkt, während sie bei einer Ischialgie bis ins Bein ausstrahlen.

Symptome der Ischialgie

Ischiasschmerzen Als typisches Symptom der Ischialgie gelten Rückenschmerzen. (Foto by: Wavebreakmedia / Depositphotos)

Als typisches Symptom der Ischialgie gelten Rückenschmerzen. Sie zeigen sich im unteren Rücken und gehen über das Gesäß sowie die Oberschenkelrückseite bis zur Kniekehle über. Mitunter strahlen sie sogar bis in den Fuß aus.

Durch Pressen, Husten oder Niesen werden die Beschwerden oft verstärkt.

Ist der Ischiasnerv durch einen Bandscheibenvorfall eingeklemmt, verspürt der Betroffene heftige reißende oder ziehende Schmerzen.

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Muskelverspannungen
  • Beweglichkeitseinschränkungen
  • Sensibilitätsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle
  • Lähmungen

In schweren Fällen drohen Störungen von Darm oder Blase wie eine Inkontinenz.

Bei einem Ischias kann es außerdem zu Schwierigkeiten beim Hacken- oder Zehenstand sowie zu einer Schwächung des Achillessehnenreflexes kommen.

Bei einer Entzündung verstärken sich die Beschwerden in den Nachtstunden noch.

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Rückenschmerzen sind nicht weiter ungewöhnlich. Halten sie jedoch längere Zeit an und bessern sich nicht, sollte der Rat eines Arztes eingeholt werden. Als beste Anlaufstelle gilt der Orthopäde, der auf Rückenleiden spezialisiert ist. Die Untersuchung kann aber auch zunächst durch den Hausarzt erfolgen.

Diagnose

Aufgrund der typischen Ischiasbeschwerden fällt dem Arzt die Diagnose in der Regel nicht schwer.

Anamnese

Zunächst befasst er sich mit der Krankengeschichte des Patienten. Dabei erkundigt er sich danach, seit wann die Schmerzen auftreten, bei welchen Gelegenheiten sie sich zeigen und welcher Art die Schmerzen sind.

Wichtig ist zudem, ob und wohin die Schmerzen ausstrahlen, durch welche Faktoren sie sich lindern lassen und welchen Beruf der Patient ausübt.

Körperliche Untersuchung

Nächster Schritt der Diagnostik ist die körperliche Untersuchung.

Dabei überprüft der Mediziner eventuelle Fehlstellungen oder Hautauffälligkeiten und kontrolliert die Gelenkbeweglichkeit sowie die Muskelkraft. Von Interesse ist ferner die Berührungsempfindlichkeit der Beine.

Lasegue-Test

Mithilfe des Lasegue-Tests lassen sich Reizungen der Nervenwurzeln des unteren Rückenmarks feststellen. Bei dieser Methode platziert sich der Patient auf dem Rücken und hebt sein gestrecktes Bein an. Liegt eine Einklemmung des Ischiasnervs vor, schießen bereits auf halber Höhe Schmerzen in das Bein ein.

Zusätzliche Untersuchungsmethoden

Zu den Diagnostikverfahren zählen außerdem eine Computertomographie (CT) sowie eine Magnetresonanztomografie - MRT:

  • Im Rahmen der CT sind die Knochen gut sichtbar .
  • Bei der Magnetresonanztomographie lassen sich Nerven und Bandscheiben gut darstellen.

Die bildgebenden Verfahren kommen besonders im Falle von Missempfindungen oder Lähmungen zum Einsatz.

Ebenfalls ein bewährtes Untersuchungsverfahren stellt die Elektromyographie (EMG) dar. Mithilfe von Elektroden misst der Arzt die Aktivität der Muskeln. Die Elektroneurographie (ENG) dient wiederum zum Messen der Nervenleitgeschwindigkeit. Auf diese Weise lassen sich Ausmaß und Position der Nervenschäden bestimmen.

Liegt Verdacht auf eine Ischiasnerventzündung vor, führt der Arzt eine Blutuntersuchung durch. Dadurch lassen sich denkbare Krankheitserreger, zu den u. a. Borrelien zählen, identifizieren.

In manchen Fällen kann außerdem eine Entnahme von Liquor (Hirnwasser) erforderlich sein. Zu diesem Zweck findet das Einstechen einer Nadel durch die untere Rückenhaut statt. Anschließend wird sie bis zum Wirbelkanal vorgeschoben.

Therapie

Für die Behandlung der Ischiasschmerzen stehen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Sie reichen je nach Ursache von der Gabe von Medikamenten über Physiotherapie bis hin zu chirurgischen Eingriffen.

Schmerzmittel

Im Mittelpunkt der Therapie stehen das Beseitigen der Schmerzen sowie das Bekämpfen ihrer Ursache. Im Falle von akuten Ischiasbeschwerden werden in der Regel nicht-opiode Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol verabreicht. Deren Einnahme darf aber nur über einen kurzen Zeitraum erfolgen.

Der Arzt hat zudem die Option, schmerzstillende Präparate direkt in den Rücken zu injizieren.

Im Falle einer starken akuten Ischialgie können zudem kurzzeitig Kortikosteroidspritzen gegeben werden. Für diese aufwendige Methode ist jedoch ein bildgebendes Verfahren wie eine Computertomographie zur Positionskontrolle der Nadel erforderlich. Aus diesem Grund werden normalerweise Tabletten eingenommen. Ein Nachteil sind allerdings die ausgeprägten Nebenwirkungen.

Weitere konservative Verfahren

Zusätzlich zu den schmerzlindernden Mitteln können auch zeitweilige Bettruhe, Wärmeanwendungen mit Rotlicht, Moor oder Fango und Schonung erfolgen.

Auf längere Sicht ist es jedoch wichtig, dass sich der Patient trotz seiner Schmerzen regelmäßig bewegt. Außerdem gilt es, die Rückenmuskeln zu stärken.

Im Falle von Bewegungseinschränkungen gelten krankengymnastische Übungen als sinnvoll.

Treten die Ischiasbeschwerden wiederholt auf, wird das Besuchen einer sogenannten Rückenschule empfohlen. Dort lernt der Patient, wie er präventiv seine Rückenmuskeln trainiert und wie er sich im Alltagleben rückenschonend bewegt.

Hier finden Sie eine Anleitung für wirkungsvolle Übungen bei Ischiasschmerzen:

Spezifische Ischialgie-Behandlung

Ist eine Infektion für die Ischiasschmerzen verantwortlich, erfolgt eine spezielle Therapie. Liegt eine Borreliose vor, bekommt der Patient drei Wochen lang durch eine intravenöse Zufuhr antibiotische Arzneimittel wie Penicillin, Doxycyclin oder Cephalosporin, um die verantwortlichen Bakterien abzutöten.

Im Falle einer Gürtelrose werden dagegen Virostatika wie Aciclovir verabreicht. Sie haben die Eigenschaft, die Herpes-Viren daran zu hindern, sich zu vermehren.

Operation

Zu den häufigsten Ursachen der Ischialgie zählt der Bandscheibenvorfall. Ruft der Bandscheibenprolaps größere neurologische Ausfälle hervor oder drohen permanente Schädigungen der Nervenwurzel, muss zumeist eine chirurgische Entlastung durch einen operativen Eingriff stattfinden. Gleiches gilt, wenn die Ischiasschmerzen länger als sechs Wochen andauern.

Gängige chirurgische Verfahren bilden die Laminektomie sowie die Nukleotomie. In der Regel finden diese OP-Verfahren minimal-invasiv statt, sodass nur kleine Hautschnitte vorgenommen werden:

  • Im Rahmen der Nukleotomie entfernt der Chirurg den gallertartigen Kern, der aus der Bandscheibe hervortritt.
  • Wird eine Laminektomie durchgeführt, operiert der Arzt außerdem einen Teil des Wirbelbogens heraus. In manchen Fällen kann sogar das Entfernen der Bandscheibe notwendig sein.

Durch die Operationsverfahren erhalten die Nervenwurzeln wieder mehr Platz, wodurch der Druck, der die Ischiasbeschwerden hervorgerufen hat, nachlässt.

Verhaltenstherapie

Moderne Ischias-Behandlungen setzen mittlerweile auf verhaltenstherapeutische Ansätze, um eine Besserung der Schmerzbewältigung zu erzielen. Dadurch lässt sich Ängsten vor Schmerzen entgegenwirken, die die Mobilität einschränken.

Homöopathische Mittel

Auch die Homöopathie verfügt über Mittel gegen Ischiasschmerzen. Dazu gehört in erster Linie Colocynthis (Koloquinte) in der Potenzierung D4 bis D6. Das Homöopathikum gilt als geeignet bei einschießenden Schmerzen sowie einer eingeschnürten Muskulatur.

Alternativmedizin

Zu den alternativen Behandlungsmethoden zählen außerdem die Osteopathie sowie die Akupunktur. Allerdings liegen keine wissenschaftlichen Belege für die Wirkung der alternativen Heilverfahren vor.

Hausmittel

Gegen Ischiasbeschwerden werden auch verschiedene Hausmittel angepriesen, deren Wirkung jedoch individuell unterschiedlich ausfällt.

Als bewährte Mittel gelten:

  • ein Umschlag aus Meerrettich und Sauerkraut
  • das regelmäßige Trinken von Sellerietee oder Holundertee
  • eine Trinkmischung aus 300 Millilitern Kartoffel- und Selleriesaft
  • das Einreiben der schmerzenden Stellen mit Pfefferminzöl oder Johanniskrautöl
  • die Zufuhr von Knoblauch
  • Teufelskralle
  • Umschläge aus Heilerde

Verlauf der Ischialgie

Bei einem günstigen Verlauf gehen die Ischiasschmerzen nach einigen Tagen, spätestens aber nach sechs Wochen, wieder zurück. Dies kann sogar bei einer Einklemmung durch einen Bandscheibenprolaps der Fall sein.

Als hilfreich für einen positiven Krankheitsverlauf gelten krankengymnastische Übungen oder schonender Sport wie Radfahren. Dabei sollte jedoch auf die Benutzung eines Rennrads verzichtet werden, weil dieses Rückenschmerzen fördert.

Letztlich richtet sich die Prognose nach dem Ausmaß der Ischialgie.

Prävention

Übung für den Rücken Spezielle Übungen für einen gesunden Rücken können dabei helfen Ischiasschmerzen vorzubeugen. (Foto by: gdolgikh / Depositphotos)

Damit es gar nicht erst zu Ischiasschmerzen kommt, wird eine rückenfreundliche Lebensweise empfohlen. So sollten zum Beispiel keine schweren Lasten aus dem Rücken heraus gehoben werden. Besser ist dagegen das Anheben aus den Knien. Ebenso gilt es, falsche Körperhaltungen zu vermeiden und regelmäßig Rückengymnastik zu betreiben.


Bewertung: Ø 4,3 (22 Stimmen)

ICD-10: M54.3 mehr Infos


Autor: FitundGesund Redaktion
Infos zum Autor: Medizinredakteure und Journalisten
Erstellt am: 20.07.2017
Überarbeitet am: 02.07.2020

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Läuferknie

Läuferknie

Der Name verrät es bereits: Das Läuferknie ist vor allem ein Problem, das durch das Laufen entsteht. Schmerzen im Knie können dann den Alltag stark belasten.

weiterlesen
Ganglion

Ganglion

Ganglien treten vor allem häufig an den Handgelenken auf. Dabei bildet sich ein schmerzhafter Knoten, der stark hervortritt und sich mit Flüssigkeit füllt

weiterlesen
Gonarthrose

Gonarthrose

Als Gonarthrose wird eine Arthrose im Knie bezeichnet. Es bestehen einige Möglichkeiten, den Gelenkverschleiß zu behandeln.

weiterlesen
Skoliose

Skoliose

Skoliose bezeichnet eine häufig vorkommende Deformation der Wirbelsäule, die man meist deutlich an einer Fehlhaltung erkennt.

weiterlesen

User Kommentare