Weihnachten - Zeit der offenen Herzen: Der buddhistische Meister Tulku Lobsang über Mitgefühl

Tagtäglich berichten Medien über Kriege, Naturkatastrophen, Armut und das Leid so vieler Menschen. Gerade in der Weihnachtszeit, in der die Sehnsucht nach Frieden, Glück und Besinnlichkeit sehr stark ist, machen solche Nachrichten besonders betroffen. Der Wunsch zu helfen ist groß. Doch die Probleme scheinen oft so unüberwindbar und das Leid so überwältigend, dass man sich leicht hilflos und frustriert fühlt. Der buddhistische Meister Tulku Lobsang Rinpoche gibt Tipps, wie man vermeiden kann, dass Mitgefühl mit anderen zu eigenem Leid führt, und erklärt die Bedeutung des Mitgefühls im Buddhismus.

Tulku LobsangTulku Lobsang Rinpoche ist buddhistischer Meister und Gelehrter der Tibetischen Konstitutionslehre. (Foto by: NangtenMenlangInternational)

Güte und Mitgefühlt: Die Grundlagen des Buddhismus

Eine der wichtigsten Grundlagen des Buddhismus ist die tiefe Überzeugung, dass liebende Güte und Mitgefühl unsere wahre und tiefste Natur sind.

„Wenn wir in unserem natürlichsten Zustand sind – das heißt ohne äußere Einflüsse, aber auch ohne innerlich durch Emotionen aufgewühlt zu sein – wenn wir also einen ruhigen und klaren Geist haben, dann wollen wir niemandem schaden, sondern anderen helfen. Und zwar auf ganz natürlich Weise. In diesem Moment sind wir auch auf ganz natürliche Weise glücklich“, so Tulku Lobsang Rinpoche, hoher buddhistischer Meister und tibetischer Gelehrter.

„Der Zweck der buddhistischen Praxis ist es, diese unsere wahre Natur zu entdecken. Und dafür brauchen wir eine Methode, eine Praxis, die dieser Natur ähnlich ist. Aus diesem Grund praktizieren wir liebende Güte und Mitgefühl, das heißt wir praktizieren im täglichen Leben, dass wir niemandem schaden, sondern anderen helfen“, so Tulku Lobsang weiter.

Kann Mitgefühl schaden?

Wenn einem jemand leid tut und dieses Mitleid entweder mit einem Gefühl von Überlegenheit verbunden ist oder aber dazu führt, dass man sich selbst schlecht oder gar wütend fühlt, dann wird Mitgefühl falsch praktiziert.

Die Folge ist mehr Leid anstatt weniger. „Dies kann vermieden werden, indem man Mitgefühl immer gemeinsam mit liebender Güte praktiziert - diese beiden sind wie zwei Seiten einer Münze.

Einfach ausgedrückt kann man sagen: Mitgefühl bedeutet, dass man den anderen das nicht wünscht, was man auch selbst nicht möchte, und zwar zu leiden. Liebende Güte bedeutet, dass man anderen das wünscht, was man sich auch selbst wünscht, und zwar glücklich zu sein“, erklärt Tulku Lobsang.

Nur wer sich selbst gegenüber liebende Güte und Mitgefühl hat, kann diese auch für andere entwickeln

Den Menschen im Westen fällt es normalerweise nicht schwer, jemandem, der in Not ist, helfen zu wollen. Bei sich selbst sieht es da oft ganz anders aus. Sie sind zu hart zu sich selbst. „Es ist wichtig, als erstes liebende Güte für sich selbst zu entwickeln“, sagt Tulku Lobsang. Dabei muss man lernen, sich selbst gegenüber dankbar zu sein - für die eigenen guten Seiten und positiven Handlungen sowie für den Versuch, ein guter Mensch zu sein und das Richtige zu tun. „Es ist wichtig, diese Dankbarkeit sich selbst gegenüber nicht nur kognitiv zu verstehen, sondern wirklich zu fühlen“, rät Tulku Lobsang.

„Auch das Mitgefühl für sich selbst ist wichtig. Es geht darum zu lernen, sich selbst anzunehmen; Akzeptanz dafür zu entwickeln, dass man – auch wenn man sein Allerbestes gibt – nicht immer alles so gut schafft, wie man es gerne möchte.

Viele Menschen haben die Tendenz, die eigenen guten Seiten nicht zu erkennen und gleichzeitig die eigenen schlechten Seiten komplett abzulehnen. Dies führt dazu, dass sie sich selbst ‚bestrafen’. Sie entwickeln mehr und mehr emotionale Blockaden und sind immer weniger glücklich. Doch nur, wer sich selbst gegenüber liebende Güte und Mitgefühl hat, kann wahre Güte und Mitgefühl für andere entwickeln“, führt Tulku Lobsang fort.

MitgefühlMitgefühl hat im Buddhismus eine wichtige Bedeutung. (Foto by: NangtenMenlangInternational)

Trotz Furcht sein eigenes Herz öffnen

Für Tulku Lobsang ist es verständlich, dass für viele Menschen das Leid in der Welt so überwältigend und beängstigend ist, dass sie Angst davor haben, ihr Herz wirklich ganz zu öffnen. Die Gefahr, von Traurigkeit, Hilflosigkeit oder Wut überwältigt zu werden, scheint zu groß.

„Doch in unserem tiefsten Inneren sehnen wir uns danach, unser Herz zu öffnen. Dies liegt in unserer Natur“, verrät der buddhistische Meister. Die Praxis von liebender Güte und Mitgefühl gehört zu den allerwichtigsten Belehrungen im Buddhismus. Tulku Lobsang fährt fort: „Ohne ein offenes Herz hat unser Leben keinen Sinn. Dies ist der Grund, warum ich mich sehr darauf freue, im März in Baden bei Wien ein Wochenendretreat zu genau diesem Thema ‚Grenzenlose Liebe – Wie man Mitgefühl für sich selbst und andere entwickelt’ zu geben.“

Über Tulku Lobsang

Tulku Lobsang Rinpoche, ein hoher buddhistischer Meister und Gelehrter der Tibetischen Konstitutionslehre, hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die uralte Weisheit Tibets und die buddhistischen Lehren an Menschen im Westen weiterzugeben, um so zu mehr Gesundheit und Glück auf der Welt beizutragen.

Er unterrichtet verschiedene Methoden und Praktiken, die alle zum Ziel haben, das Leiden in der Welt zu verringern. Die Basis seiner Lehren ist das uralte Wissen des Tantrayana, welches den Grundstein des Tibetischen Buddhismus und der Tibetischen Konstitutionslehre bildet. Für seine Lehren erhielt Tulku Lobsang 2015 den „14th Dalai Lama Award of Excellence in Health and Spirituality“. Tulku Lobsang ist Schirmherr und Hauptlehrer von Nangten Menlang International, einem gemeinnützigen Verein zur Förderung der Tibetischen Konstitutionslehre und buddhistischer Philosophie mit Hauptsitz in Wien.


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