Suchtprävention und Suchtbekämpfung

22.11.2013 von | 0 Kommentare

Mit dem Begriff der Sucht lassen sich viele verschiedene Bereiche verbinden. Vor allem aber asso-ziiert werden Alkohol- und Nikotinabhängigkeit damit.

Suchtbekämpfung Alkohol- und Nikotinabhängigkeit sind weit verbreitet. (Foto by: Knut Wiadra / Fotolia)

Sie gehören zu den häufigsten Suchterkran-kungen. Die Deutschen Suchthilfestatistik (DSHS) identifiziert in ihrem Jahresbericht 2011 die Alko-holsucht als häufigste behandelte Abhängigkeit im Nachbarland. 54,1 % aller ambulanten und sogar 72,3 % aller stationären Sucht-Diagnosen waren dem Alkohol zuzuordnen. Verwunderlich ist dies jedoch nicht, denn pro Kopf werden in Deutschland jährlich circa 137,2 Liter alkoholische Getränke konsumiert. Die Folge sind 26,7 Millionen Euro Krankheitskosten im Jahr, 47.165 Gewalttaten unter Alkoholeinfluss und 74.000 Todesfälle, die im mittelbaren oder unmittelbaren Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum stehen.

Hierzulande ist die Situation ähnlich schlimm; 1,2 Millionen Österreicher sind alkoholgefährdet und circa 8.000 Todesopfer fordert der Konsum jährlich ein. Angesichts dieser Daten und Fakten steht die Prävention beziehungsweise Bekämpfung der Alkoholsucht im Zentrum dieses Berichts. Ähnlichkeiten anderer Suchterkrankungen jedoch machen ihn auch in Bezug auf diese interessant.

Die gesellschaftliche Toleranz Alkohol gegenüber ist trotz dieser erschreckenden Zahlen relativ groß; wer am Wochenende oder unter der Woche im großen Umfang alkoholische Getränke zu sich nimmt, muss in den seltensten Fällen mit Rückfragen rechnen. Auch unter Strafe steht ein solches Verhalten nicht, sofern kein Kraftfahrzeug oder Ähnliches geführt wird oder andere Menschen seelischen oder körperlichen Schaden davontragen.

Die meisten Folgen hat der oder die Be-troffene selbst zu erleiden. Darüber hinaus wird bei den Suchtproblematiken auch der Geldbeutel des Süchtigen stark beansprucht; Verschuldung und das Leben am Existenzminimum sind nicht selten die Folge. Familie und Freunden versuchen zwar oftmals, zu helfen, können jedoch die Auswirkungen der Sucht nicht in ihrem vollen Ausmaß auffangen. Häufig zerreißen familiäre und freundschaftliche Bande, was im Zusammenhang mit der Sucht- und Armutssituation zu Frustration führt. Diese wiederrum lässt sich durch den andauernden Konsum lindern und für den Süchtigen entsteht ein Teufelskreis.

Damit es gar nicht erst soweit kommt: Prävention

Durch Aufklärung und Prävention kann verhindert werden, dass es überhaupt zu so einer Situation kommt. In erster Linie sollte beides über die Eltern erfolgen. Sie nehmen so positiv Einfluss auf ihre Kinder. Das jedoch ist nicht alles: Auch Ehepartner, Geschwister, Freunde und Arbeitskollegen sollten ein wachsames Auge auf ihre Mitmenschen haben. Wenn der Betroffene trotz deutlicher Signale das Vorhandensein der Sucht

  • leugnet
  • bagatellisiert oder
  • verharmlost

hat sich die Problematik nicht nur körperlich sondern auch psychisch ausgeweitet. Ist eine Sucht existent, wird sie vermutet oder aber ist ihre Entstehung als wahrscheinlich einzustufen, sind präventive und abwehrende Schritte einzuleiten.

I.    Informationen einholen
Sowohl der Betroffene, als auch diejenigen, die ihm helfen wollen, sind auf Informationen angewiesen. Mit ihnen lassen sich die Faktoren, die eine Sucht auslösen (zum Beispiel Stress, depressive Verstimmungen), erkennen. Der richtige Umgang mit ihnen fällt somit deutlich leichter; sie sollten problemlos ausgeschaltet oder zumindest in ihrer Drastik gesenkt werden können. Ausgiebiges Recherchieren ist deshalb hilfreich.

II.    Folgen aufzeigen
Im Angesicht der körperlichen und seelischen Folgen einer Alkoholerkrankung sind viele poten-tielle Abhängige erschrocken. Sie lassen deshalb nicht selten aus Angst vor den Früh- und Spät-folgen die Finger von dem Suchtmittel. Auf diese Weise funktionieren zum Beispiel die Warnhinweise auf Zigarettenschachteln. Sie setzen darauf, dem Betrachter Furcht einzuflößen und wollen so abschreckende Wirkung entfalten.

III.    Inanspruchnahme einer Beratung
Für eine Suchtberatung ist das tatsächliche Vorhandensein einer Sucht nicht zwingend erforderlich. Sie steht auch Menschen offen, die sich selbst als gefährdet betrachten. Zudem können Familienangehörige und Freunde von Süchtigen ebenfalls Termine wahrnehmen. Das kann und wird ihnen im richtigen Umgang mit dem Erkrankten helfen. Gut beraten können sie ihn optimal unterstützen.

Wenn die Sucht da ist: Bekämpfung

Um eine bestehende Sucht, egal ob sie sich auf Alkohol oder andere berauschende Stoffe bezieht, bekämpfen zu können, muss der Betroffene es selber wollen. Gegen den Willen des Süchtigen kann zwar viel versucht werden, jedoch ist die Rückfallquote denkbar hoch. Deshalb muss das Aufhören mit dem Konsum aus Überzeugung passieren. Diese Überzeugung darf zwar wanken – denn Beratungsstellen und/oder anderweitige Hilfestellungen zum Beispiel aus dem Familienkreis sind da– muss aber existent sein. Das Ziel ist es, der Abhängigkeit zu entkommen, um in Zukunft ein uneingeschränktes Leben führen zu können. Damit das gelingen kann, müssen sowohl der Körper als auch der Kopf entwöhnt werden. Ein sogenannter kalter Entzug, also das Aufhören von einem auf den anderen Tag ohne Ersatzstoffe, ist zwar effektiv, jedoch nicht für jeden geeignet.

Der Körper reagiert hierbei stark auf den Entzug; Schweißausbrüche und Schmerzen sind neben weiteren Erscheinungen die Folge davon. Sinnvoller ist es da, mithilfe einer professionellen Beratung und Betreuung einen Plan zum Ausstieg auszuarbeiten. Ist die Sucht besonders schlimm und sieht der Betroffene sich nicht in der Lage, von ihr zu lassen, sollte eine stationäre Behandlung in einer Suchteinrichtung in Betracht gezogen werden. Ärzte und Therapeuten helfen, einen strukturierten Tagesablauf und ein Leben ohne Alkohol oder andere Substanzen zu ermöglichen. Der Austausch mit Menschen, die die gleichen oder ähnliche Erfahrungen gesammelt haben, hilft ergänzend dazu weiter. Beide Seiten profitieren von Gesprächsrunden und Selbsthilfegruppen dieser Art.

Nach der Behandlung beziehungsweise der Therapie ist der ehemalige Süchtige noch immer auf Hilfe angewiesen. Er muss den Weg zurück in ein geordnetes Leben finden. Außerdem muss er sich sowohl von alten Gewohnheiten als auch von schlechten Einflüssen zurückziehen. Das kann bedeuten, Menschen, die in enger Verbindung zu der Suchtvergangenheit stehen, aus dem Leben zu verbannen. Erst, wenn alle Risikofaktoren beseitigt sind, kann nach und nach ein neuer Lebensabschnitt beginnen.

Warum Vorsorge besser ist als Nachsorge

Eine Sucht zeichnet denjenigen, der mit ihr zu kämpfen hat. Trotz eines erfolgreichen Entzugs bleiben oftmals körperliche und seelische Schäden zurück. Eine vollständige Wiederherstellung der Gesundheit ist nur in seltenen Fällen möglich. Deshalb ist Aufklärung und Vorsorge wichtig. Insbesondere Eltern stehen in der Pflicht, mit ihren Kindern über die Auswirkungen von häufigem und starkem Alkoholkonsum zu sprechen. Andere mögliche Abhängigkeiten wie Nikotinsucht, regelmäßiger Cannabiskonsum aber auch Spiel- oder Internetsucht sind hierbei nicht auszuschließen; eine intensive thematische Auseinandersetzung mit ihnen ist unerlässlich. Weiterhin ist es auch Aufgabe des Staats, dafür Sorge zu tragen, dass die Bürger einerseits aufgeklärt sind und sich andererseits gegen Suchterkrankungen schützen können. Informationsveranstaltungen und strenge gesetzliche Reglungen zum Verkauf und Konsum potentieller Suchtmittel tragen dazu bei.

Abhängigkeiten und Suchterkrankungen beeinträchtigen nicht nur das Leben des Betroffenen, sondern auch sein unmittelbares Umfeld. Mit der nötigen Aufklärung und vielen helfenden Händen im Notfall kann die Sucht entweder im Vorweg ausgeräumt, oder aber erfolgreich bekämpft werden.


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Autor: FitundGesund Redaktion
Infos zum Autor: Medizinredakteure und Journalisten
Erstellt am: 22.11.2013
Überarbeitet am: 25.04.2019

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