Bondage

Was für die einen ein absoluter Alptraum ist, ist für die anderen ein wunderschönes sexuelles Erlebnis. Der Begriff Bondage kommt aus dem Englischen und bezeichnet in der BDSM-Szene unterschiedliche Fesselungspraktiken, deren hauptsächliches Ziel die Steigerung des sexuellen Verlangens beider Partner ist. Allerdings können auch ästhetische Gründe im Vordergrund stehen.

BondageBondage sind Fesselungspraktiken in der BDSM-Szene. (Foto by: Maks08 / Depositphotos)

Gegenseitiges Einvernehmen der Partner

Wie beim BDSM üblich, wird beim Bondage die volle Gleichberechtigung der Beteiligten kurzzeitig aufgehoben. Der eine Partner gibt sich in die Obhut des anderen und lässt zu, dass dieser seine Freiheit einschränkt. Dafür ist ein enges Vertrauensverhältnis beider Partner unerlässlich.

In diesem Zeitabschnitt, der im Fachjargon als "Session" bezeichnet wird, hat der aktive Part die volle Verfügungsgewalt und Kontrolle über den passiven Part. Was sich im ersten Moment wie ein Horrorszenario anhört, geschieht mit Einwilligung und unter einvernehmlicher Absprache beider Beteiligter. Dadurch wird Bondage als erotische Praktik rechtlich von Freiheitsberaubung abgegrenzt.

Sicherheitsbewusst, mit gesundem Menschenverstand und einvernehmlich

Zudem hat sich der Leitsatz "Safe, Sane and Consensual" in der BDSM-Szene etabliert, um mögliche Verletzungsrisiken zu minimieren. Dazu gehört auch, im Voraus die persönlichen Grenzen zu besprechen und ein Codewort zu vereinbaren, bei dem das Spiel umgehend abgebrochen wird.

Materialien und Arten des Bondage

Üblicherweise werden beim Bondage Seile, die beispielsweise aus Baumwolle bestehen, verwendet. Aber auch Handschellen und Ketten aus Metall können zum Einsatz kommen. Allerdings werden beim Bondage in den meisten Fällen auch andere Hilfsmittel aus dem BDSM-Bereich hinzugezogen - die Übergänge sind hier fließend. Dazu zählen:

  • Ledergurten
  • Halsfesseln
  • unterschiedliche Mundknebel
  • Masken.

Beispielsweise werden neben den, im Handel erhältlichen Ball- und Ringknebeln auch Klebeband und unterschiedliche Tücher für diesen Zweck genutzt. Für die sogenannte Folienbondage kommt außerdem auch Frischhaltefolie zum Einsatz. Dem Einfallsreichtum der Partner sind hier kaum Grenzen gesetzt, solange die genutzten Materialien von allen Beteiligten akzeptiert und mit entsprechender Vorsicht eingesetzt werden.

Die genutzten Hilfsmittel und Materialien hängen dabei von Zweck und Motivation der Fesselung ab. So gibt es unterschiedliche Arten des Bondage, die von der reinen zweckmäßigen Fesselung über Zierbondage bis hin zur Folterbondage reichen. Letztere hat das Ziel, den submissiven, also passiven Part - der auch als "Bottom" bezeichnet wird - in eine unangenehme oder bedingt schmerzhafte Position zu bringen. In dem Fall fließt demnach auch der Sadomasochismus in das sexuelle Spiel mit ein.

Technik und Praktiken

Sexualpraktik BondageMit etwas Erfahrung wird der Sex durch Bondage zu einem abwechslungsreichen und spannenden Erlebnis. (Foto by: kopitin / Depositphotos)

Beim Bondage gibt es verschiedene Fesselungskategorien, die sich zum Teil wieder in Unterkategorien unterteilen lassen. Die üblichen Hauptkategorien sind:

  • Fesselung einzelner Körperteile und deren Zusammenbinden
  • Fesseln an Gegenstände (zum Beispiel Betten, Stühle oder Andreaskreuz)
  • Einwickeln des Körpers oder einzelner Körperteile in Frischhaltefolie, Tücher oder Bänder
  • Aufhängen des Körpers ("Hängebondage")
  • Spreizen von Körperteilen (zum Beispiel mit Spreizstangen)

Im entferntesten Sinne kann zudem die Bewegungseinschränkung durch Korsetts dazugezählt werden, welche aber häufig in Verbindung mit einer der anderen Kategorien angewandt wird. Bei den einzelnen Kategorien können unterschiedliche Hilfsmittel genutzt werden. In den meisten Fällen dienen Seile als hauptsächliches Fesselungsmaterial - sowohl für das Zusammenbinden einzelner Körperteile als auch für Hängebondage und das Fesseln an Gegenstände.

Auch beim Zierbondage, das eine rein ästhetische Wirkung erzielen soll, werden üblicherweise Seile genutzt. Dabei werden diese meist in kunstvollen Formen um den Körper geknotet. Dekorative Muster entstehen, wenn dabei die Seile doppelt gelegt werden.

Beim sogenannten "Weaving" werden die Seile am Körper quasi ineinander verwebt, um ähnliche Effekte zu erzielen.

Beim rein zweckmäßigen Bondage wird hingegen meistens nur ein Seil je Bindung genutzt.

Do's and Dont's

Insbesondere bei unerfahrenen Partnern ist es wichtig, langsam anzufangen und sich nach und nach zu steigern. Beim Bondage ist es ein Leichtes, das Vertrauen des Partners dauerhaft zu zerstören. Daher gilt grundsätzlich, dass die Beteiligten sich vorher immer absprechen sollten und jeder Zeit die Möglichkeit besteht, die Session abzubrechen.

Im Zweifelsfall ist es sinnvoll, eine Schere bereitliegen zu haben, um die Seile notfalls nicht noch aufknoten zu müssen. Gerade zu Beginn ist es wichtig, dass der passive Partner die Möglichkeit hat, sich selbst zu befreien.

Außerdem sollte der Gefesselte niemals alleine im Raum zurückgelassen werden. Vor allem dann nicht, wenn er beispielsweise die Augen verbunden hat und so völlig hilflos zurückbleibt.

Fazit

BDSM ist im Ganzen für viele Neuland. Somit ist auch Bondage nicht für jeden geeignet, da manche Menschen verständlicherweise durch die Freiheitsberaubung in Panik verfallen können. Man muss bereit sein, sich dem Partner für einen gewissen Zeitraum vollkommen zu unterwerfen, ohne dass das Selbstwertgefühl nachhaltig leidet. Dafür ist eine gesunde Vertrauensbasis genauso unerlässlich wie eingehende Gespräche. Nur, wer weiß, was dem Partner gefällt und was nicht, kann Bondage zu einem schönen Erlebnis werden lassen.

Gehen die Beteiligten allerdings gemeinsam an die Sache ran und arbeiten sich zusammen vor, kann durch Bondage die Beziehung intensiviert werden. Mit etwas Erfahrung wird der Sex durch Bondage zu einem abwechslungsreichen und spannenden Erlebnis.


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