Fit und Gesund - Logo
  • Gelesen: 1.777
  • Artikel speichern
  • Artikel ausdrucken

Infantile Zerebralparese ICP

Bei der Infantilen Zerebralparese, kurz ICP, handelt es sich um eine bei Kindern auftretende, meist spastische, Störung des Nerven- und Muskelsystems, die sich im Bereich von Tonus (Spannungszustand der Muskulatur), der Stärke und Koordination sowie den Bewegungsabläufen zeigen. In den meisten Fällen ist die Infantile Zerebralparese eine Mehrfachbehinderung.


Infantile Zerebralparese

Bei der Infantilen Zerebralparese, kurz ICP, handelt es sich um eine bei Kindern auftretende, meist spastische, Störung des Nerven- und Muskelsystems, die sich im Bereich von Tonus (Spannungszustand der Muskulatur), der Stärke und Koordination sowie den Bewegungsabläufen zeigen. In den meisten Fällen ist die Infantile Zerebralparese eine Mehrfachbehinderung.


Was ist die Infantile Zerebralparese (ICP)?

Unter Infantiler Zerebralparese (ICP) versteht man eine bei Kindern vorkommende zumeist spastische Störung des Nerven- und Muskelsystems. Die ICP ist ein nicht fortschreitender Endzustand einer funktionellen Hirnschädigung im frühen Kindesalter.

Die kindliche Hirnentwicklungsstörung hat unterschiedliche Ursachen. So können pränatale (vor der Geburt) Ursachen wie ein Sauerstoffmangel, Infektionen, Hirnblutungen, Komplikationen mit der Nabelschnur oder auch Unfälle, oder auch perinatale (während der Geburt) Ursachen und ebenso postnatale (nach der Geburt) Ursachen zu einer Infantilen Zerebralparese führen.

Charakteristisch für die ICP sind unterschiedlichste, sehr komplexe Bewegungsstörungen in den Bereichen Tonus (Spannungszustand der Muskulatur), Koordination, Stärke und Bewegungsabläufe der gesamten Muskulatur. Zumeist handelt es sich bei einer ICP um eine Mehrfachbehinderung des betroffenen Kindes. Rund drei von 1000 lebendgeborenen Kindern erkranken daran. Am ehesten betroffen sind Frühchen.


Die Ursache der Infantilen Zerebralparese

Die Ursachen für eine Infantile Zerebralparese lassen sich nur bei etwa der Hälfte der betroffenen Kindern mit Sicherheit finden. Der Zeitraum der Hirnschädigung kann in der Regel zwischen den Schwangerschaftsbeginn und das Ende der Markreifung im vierten Lebensjahr des Kindes festgelegt werden.

Die Zeitpunkte können sein:
  • vor der Geburt (pränatal), rund 20 % aller Fälle: eine Sauerstoffunterversorgung, eine Vergiftung durch Medikamente, Kohlenmonoxid oder Alkohol, Stoffwechselstörungen, bestimmte Infektionskrankheiten der Mutter wie Röteln oder eine Toxoplasmose (durch Katzenkot übertragene Infektion), eine verminderte Leistung des Mutterkuchens (eine Plazentainsuffizienz) und auch genetische Störungen.

  • während der Geburt (perinatal), rund 60 % aller Fälle: Frühgeburt mit Sauerstoffmangel des Frühchens, mögliche geburtstraumatische Schäden (Hirnblutungen), eine Nabelschnurverlegung oder die Ablösung des Mutterkuchens.

  • nach der Geburt (postnatal), rund 20 % aller Fälle: als Folge von Infektionen Hirngefäßverschlüsse (Embolie, Thrombose), eine Blutgruppenunverträglichkeit, Infektionskrankheiten wie eine Hirnhautentzündung oder ein Schädel-Hirntrauma


Die Schädigung verhindert eine normale Entwicklung und Ausprägung des zentralen Nervensystems. Die Entwicklung der sogenannten Willkürmotorik wird stark eingeschränkt, dadurch kommt es zum bestehen bleiben der ersten, relativ primitiven Reflexe und zu zusätzlichen krankhaften (pathologischen) Reflexen. Insgesamt ist die motorische Entwicklung gestört, sie verlangsamt sich und ist gehemmt.


Die Symptome der ICP und der Verlauf der Krankheit

Die Symptome einer Infantilen Zerebralparese sind vielfältig und lassen sich auch schwer in eine Kategorie einordnen. Meist vermischen sich die Symptome bei den einzelnen Fällen.

Unterteilt wird in:

Die spastischen Syndrome (75 % aller Fälle)
Die meisten aller erkrankten Kinder weisen diese Symptome auf. Eine Muskeltonuserhöhung ist charakteristisch. Dabei sind verschiedenen Gliedmaßen unterschiedlich betroffen. Manchmal ist nur eine Extremität (Arm oder Bein) betroffen, die sogenannte Monoplegie, dann können es alle vier Extremitäten sein (Tetraplegie), ebenso kann die Extremitäten einer Körperhälfte betreffen (Hemiplegie) oder nur die Beine (Diplegie) und noch mehr. Die Form der Diplegie ist die häufigste, das Kind entwickelt sich hier intellektuell völlig normal. Allen Formen gleich ist eine Versteifung der Gelenke, was zu den typischen Bildern der ICP führt.

Die ataktischen Syndrome (15 % aller Fälle)
Bei den ataktischen Syndromen ist hauptsächlich das Kleinhirn betroffen, darum kommt es bei den erkrankten Kindern zu Gleichgewichts-, Koordinations- und Sprachstörungen, zu einem Schütteln (Tremor), zu einer Störung der feineren Muskelbewegungen und schwachen Muskelspannungen.

Die dyskinetischen Syndrome (10 % aller Fälle)
Die Bewegungsstörungen sind in der Regel beidseitig und treten in unkontrollierten und unwillkürlichen Bewegungsabläufen sowie einer mangelnden Mimikkontrolle und einer Überdehnung der Gelenkkapseln auf.

Weitere Symptome sind:
  • Krampfanfälle (Epilepsie), sehr häufig bei postnataler ICP

  • Verhaltensstörungen, psychische Störungen, Intelligenzdefekte (nur 50% aller betroffenen Kinder)

  • Schielen, schlechtes Hören, Sprachstörungen

  • Muskelschwund und Minderwuchs der betroffenen Extremitäten

Der Verlauf der Erkrankung hängt vom Zeitpunkt der Schädigung ab. Findet die Hirnschädigung sehr früh in der Schwangerschaft statt, sind die Symptome umso schwerwiegender.
Eine Heilung ist in den meisten Fällen nicht möglich, doch durch gute Therapiemaßnahmen kann die Erkrankung abgeschwächt werden.


Die Therapie

Behandlung: multidisziplinäre Therapie
Die Behandlung einer Infantilen Zerebralparese setzt sich aus einer multidisziplinären Therapie zusammen, das bedeutet, unterschiedlichste therapeutische und medizinische Bereiche vermischen sich und werden gemeinsam eingesetzt.

Eine kausale, heilende Therapie ist nur in ganz seltenen Fällen möglich. So kommen vor allem unterstützende Therapiemöglichkeiten zum Einsatz. Das sind konservative Therapiemaßnahmen wie eine Physiotherapie, Logopädie oder Ergotherapie. Auch medikamentöse Behandlungen unterstützen die Therapien, ebenso wie konservative Orthopädietechniken.

Es ist wichtig, einen genauen Rehabilitationsplan aufzustellen und im Team – Eltern, Therapeuten, Ärzte – die Therapieziele festzulegen. Besonders wichtig ist es auch, schon sehr schnell nach gestellter Diagnose mit der Therapie zu beginnen.

Wenn alle konservativen Behandlungsmethoden nicht helfen, steht eine operative Therapie zur Verfügung. Operative Techniken von einer Sehnenverlängerung bis zu Knochenumstellungen sind möglich, um das Leben des Patienten so gut wie möglich zu erleichtern.

Da eine Infantile Zerebralparese so unterschiedlich ist, sie kann von einer leichten Ungeschicklichkeit bis zu schwersten körperlichen Einschränkungen reichen, ist auch die Therapie sehr individuell.


Kann man einer Infantilen Zerebralparese vorbeugen?

Es gibt keinerlei Vorbeugungsmaßnahmen, außer während der Schwangerschaft auf Genussmittel zu verzichten. Doch das ist noch kein Garant, weil man nur bei etwa 50 Prozent der betroffenen Kinder eine tatsächliche Ursache für die Erkrankung festlegen kann.


Weitere Informationen

Es gibt viele Selbsthilfegruppierungen und beratende Stellen, wo sich betroffene Eltern Informationen und Hilfestellungen geben lassen können. Auch neue Behandlungsmethoden werden, beispielsweise im Internet, ständig vorgestellt.

Eine alternative physiotherapeutische Methode ist z.B. die Hippotherapie, das therapeutische Reiten. Das betroffene Kind reitet unter Aufsicht eines Therapeuten auf dem Rücken eines gehenden Pferdes. Das macht dem Kind nicht nur Spaß, die dreidimensionalen Schwingungen des Pferdes übertragen sich positiv auf das Kind. Durch diese Maßnahme kann beispielsweise die Gleichgewichtsreaktion und die Muskeltonusregulierung unterstützt werden.


» zurück zu Kinderkrankheiten an den Artikel-Anfang Artikel ausdrucken

ARTIKEL BEWERTEN:

Bewertung: Ø 2.0 / (5 Stimmen)

TEILEN & BOOKMARKS SETZEN

KOMMENTARE

noch kein Kommentar abgegeben.

KOMMENTAR SCHREIBEN

Schreiben Sie ein Kommentar als FitUndGesund User!
  Name
  Email-Adresse (*wird nicht veröffentlicht)
  Spam-Schutz (Summe von 8 + 3 eingeben)
LOGIN
  • zur Facharzt-Suche
  • zur Apotheken-Suche
  • Frühling und Pollenallergie
  • die 10 häufigsten Krankheiten
  • Halsschmerzen

aktuelle News
FitUndGesund - Newsletter


ähnliche Themen