Der Begriff Harninkontinenz bedeutet einen nicht willentlich kontrollierten Urinabgang aus der Blase. Früh erlerntes, kontrolliertes Harnlassen ist unweigerlich mit sozialer Fähigkeit einer Person verbunden. Darum leiden unter Harninkontinenz betroffene Personen besonders unter Ausgrenzung und eingeschränkter Lebensqualität.
Was ist Harninkontinenz?
Die Harninkontinenz wird in vier Arten unterteilt:
- Die Dranginkontinenz: Überaktive Blase, ein starker Harndrang begleitet den Harnverlust
- Die Stressinkontinenz: Harninkontinenz aufgrund von Belastung wie Heben, Niesen oder Tragen, ohne vorherigen Harndrang, auf
- Die Reflexinkontinenz: Unwillkürliche Kontraktionen der Muskulatur der Blasenwand führen zu Harnverlust, ohne vorherigen Harndrang
- Die Überlaufinkontinenz: Das willkürliche Entleeren der Harnblase ist schwierig, ein Rest Harn verbleibt in der Blase, der dann unwillkürlich abgeht
- Die extraurethrale Harninkontinenz (seltene Form, meist angeboren): Der Harn geht über sogenannte Fisteln ab, die sich im Inneren des Körpers bilden.
Wie viele Menschen von einer Harninkontinenz betroffen sind, lässt sich schwer beziffern, da es sich um ein Tabuthema handelt.
Die Ursachen für eine Harninkontinenz
Eine Harninkontinenz ist Zeichen einer funktionellen oder anatomischen Störung.
Gründe für den unwillkürlichen Harnverlust können sein:
- Bei einem instabilen Blasenmuskel, sog. Detrusor
- Bei Infektionen in den Harnwegen wie eine Blasenentzündung
- Bei Tumoren in den ableitenden Harnwegen oder der Blase
- Bei Multipler Sklerose
- Bei Demenzerkrankungen (wie Alzheimer)
- Bei Tumoren im Gehirn
- Nach einem Schlaganfall
- Bei Harnwegssteinen oder Blasensteinen
- Bei Parkinson-Erkrankungen
- Bei einer gutartigen Prostatavergrößerung
- Bei Schädigungen der Nerven wie einer autonomen Neuropathie aufgrund von Diabetes mellitus
- Weiters können Medikamente (Antidepressiva, Neuroeleptika, etc.) oder Alkoholkonsum Harninkontinenz verstärken
Die Behandlung einer Harninkontinenz
Behandlung: Beckenbodengymnastik, Toilettentraining, Medikamente, Operation
Eine Stressinkontinenz wird häufig durch gezielte Beckenbodengymnastik behandelt.
Der Beckenboden wird gestärkt, die Schließfunktion der Blase wieder hergestellt. Manchmal werden Medikamente eingesetzt, ein gezieltes Toilettentraining ist oft hilfreich und in seltenen Fällen muss operiert werden.
Die Dranginkontinenz wird zumeist medikamentös (Tolterodin, Oxybtynin, etc.) behandelt. Eine extraurethrale Inkontinenz muss meist operiert werden, da sie von Geburt an besteht.
Wenn sich eine Harninkontinenz aufgrund anderer Grunderkrankungen einstellt, erfolgt die gezielte Behandlung der ursächlichen Erkrankung.
Weitere Informationen zu Harninkontinenz
Über Harninkontinenz wird im Allgemeinen nicht gesprochen, darum bieten Selbsthilfegruppen und natürlich Allgemeinmediziner oder Urologen fachliche Hilfestellungen oder im Falle der Ärzte, Therapien an.
Spezielle Foren im Internet helfen mit Adressenmaterial beispielsweise für die Ansprechpartner zur Beckenbodengymnastik. Auch wenn es ein Tabuthema ist, bei Harninkontinenz sollte der Arzt des Vertrauens zurate gezogen werden.